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Archiv der Kategorie: Romano Grieshaber

Tabakkonsum, Lungenkrebs und Rauchergeschwätz

In meinem gestrigen Artikel habe ich gezeigt, welche statistisch fragwürdigen Klimmzüge ein Herr Romano Grieshaber machen muss, um „zu beweisen“, dass Rauchen und Lungenkrebs nichts oder zumindest nur wenig miteinander zu tun haben. Wenn man diesen Aufwand nicht treiben will sondern ganz einfach bei den Fakten bleiben möchte, tut man folgendes: Man stellt den Zigarettenkonsum (pro Kopf-Konsum) über mehrere Jahrzehnte der Anzahl der Lungenkrebsneuerkrankungen gegenüber:

Raucherquoten -> Lungenkrebserkrankungen

Tabakkonsum -> Lungenkrebserkrankungen (Quelle cancer.org)

Man erkennt sehr gut, wie die Lungenkrebsrate dem Zigarettenkonsum recht präzise mit einer Phasenverschiebung von ca. 35a hinterhereilt. Wir erinnern uns: Lungenkrebs hat eine Latenzzeit von 30 bis 40 Jahren zwischen Rauchbeginn und Erstdiagnose der Krankheit.

Damit ist übrigens auch der Unsinn widerlegt, den man manchmal aus Kreisen militanter Raucher hört und der in etwa lautet: „Wie kann es sein, dass die Lungenkrebsrate steigt, wenn die Zahl der Raucher sinkt?“. Den Begriff „Latenzzeit“ wollen diese Herrschaften aber bitte selbst ergooglen.

Durch die beiden korrespondierenden Kurven ist übrigens noch nicht bewiesen, dass Rauchen tatsächlich Lungenkrebs auslöst. Es ist aber aufgzeiegt, dass Rauchen und Lungenkrebs in einem bestimmten Verhältnis stehen. Und das würde mir als Raucher reichen, damit aufzuhören. Wobei dieses Aufhören wiederum eine Frage der individuellen Intelliegnz ist.

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Romano Grieshabers Pseudowissenschaft – Kaffeesatzlesen mit Lungenkrebs

Über Romano Grieshaber ist in der Raucherszene in den letzten Jahren viel geschrieben worden. Der Emeritus, der in seiner aktiven Berufszeit Präventionsleiter bei der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) war, ist eine wissenschaftlich hochumstrittene Person. Er ist einer der wenigen Wissenschaftler, die tatsächlich leugnen, dass Passivrauchen zu Gesundheitsschäden führt.

Seine entsprechenden Veröffentlichungen haben bei den militanten Hardcorerauchern in den letzten Jahren für erhebliche Ausschüttung von Glückshormonen gesorgt. Von ernsthaften Forschungseinrichtungen wie dem dkfz in Heidelberg wird Grieshaber dagegen belächelt und ob seiner wirren Thesen nicht ernst genommen. Andere Berufsgenossenschaften distanzieren sich von ihm und seinen in der Tat abstrusen Veröffentlichungen (Link).

Nebenbei betätigt sich Grieshaber immer wieder als Blogger um dort seine Thesen zum Rauchen und den gesundheitlichen Folgen, die er in der Regel verkleinert und relativiert, zu präsentieren. Unlängst ist ein neuer Artikel von ihm erschienen, den ich hier nachfolgend besprechen will:

http://grieshaber.wordpress.com/2014/06/26/stellen-sie-sich-vor/

Zuerst will ich vorausschicken: Ich halte es eher für unwahrscheinlich, dass das hier verlinkte Referat von Grieshaber selbst verfasst wurde. Es ist derartig haarsträubend zusammengeschustert und bedient sich einer Methodik (wenn man diese überhaupt so nennen mag), die weniger von einem ein promovierten Mediziner denn von einem vollkommenen wissenschaftlichen Laien stammen dürfte.

In dieser Ausarbeitung versucht Grieshaber (oder eben jemand der sich seines Namens bedient) zu beweisen, dass das inhalative Tabakrauchen weit weniger kausal für die Entwicklung eines Bronchialkarzinoms sein kann als man gemeinhin annimmt. Ich erinnere jedoch einmal kurz vorher an die gesicherten Fakten zur Relation von Rauchen und Lungenkrebs:

  • Bei Männern liegt der Anteil der Raucher an den Lungenkrebspatienten bei ca. 90%, bei Frauen bei ca. 60%. (Quelle RKI)
  • Das Lebenszeitrisiko eines Rauchers an Lungenkerbs zu erkranken liegt zwischen 10 und 16% (Quelle krebsinformationsdienst.de)
  • Etwa 10-15% der Lungenkrebsfälle stehen NICHT im Zusammenhang mit Rauchen.
  • Das Lebenszeitrisiko eines Nichtrauchers an Lungenkrebs zu erkranken liegt im Mittel bei ca. 0,5%

(Mehr Informationen)

Grieshaber stellt nun zuerst einmal verschiedene Grafiken nebeneinander, die den Raucheranteil in den USA und Deutschland an der Gesamtbevölkerung seit den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts zeigen. Man erkennt, dass der Raucheranteil in beiden Ländern als Funktion der Zeit abnimmt. Daraus nimmt sich Grieshaber dann einige Zahlentupel heraus:

Raucheranteil Männer:

  • 1950: USA: 50+%, Deutschland ca. 70%.
  • 1995: USA: 33%, Deutschland : 39%.
  • 2005: USA: 26%, Deutschland : 35%.

Dabei stellt er dann fest, dass der Raucheranteil in den USA über die Jahrzehnte hinweg konstant geringer war als in Deutschland.

Raucheranteil an der Gesamtbevölkerung (Männer)

Raucheranteil an der Gesamtbevölkerung (Männer)

Dann folgt die nächste Grafik. Grieshaber stellt die Lungenkrebstodesfälle in den USA jenen in Deutschland gegenüber (Link). Man erkennt auf dieser Grafik, dass die Sterblichkeitsquote durch das Bronchialkarzinom in den USA konstant geringfügig höher ist als in Deutschland, während es bei der Raucherprävalenz umgekehrt ist. Grieshaber stellt jetzt eine Frage, bei deren ich Lesen ich mir ernsthaft an den Kopf gefasst habe. Warum sage ich später.

Romano Grieshaber: Warum lag die Rate der Lungenkrebs-Todesfälle in den USA eigentlich über vierzig Jahre hinweg höher als in Deutschland, obwohl doch hier der Raucheranteil seit fünfzig Jahren höher und zeitweise sogar sehr viel höher lag als im Heimatland der Tabakkontrolle?

OK, aber wir wissen aber nun schon mal in welche Richtung Grieshaber will. Anschließend versucht er das gleiche Vorgehen mit den weiblichen Raucherinnen bzw. Lungenkrebspatientinnen. Dort passe laut Grieshaber die Raucherquote noch weniger zur Lungenkrebsrate:

Romano Grieshaber: Dieser Kurvenverlauf passt noch viel weniger als der bei den Männern zur Entwicklung des Rauchverhaltens. Auf dem dortigen Höhepunkt der Lungenkrebssterblichkeit Mitte der neunziger Jahre starben fünfmal so viele Amerikanerinnen an Lungenkrebs als Deutsche, obwohl der Anteil der Raucherinnen in Deutschland seit den Nachkriegsjahren zwar niedriger lag als in den USA, aber nie so viel niedriger, um diese Differenz erklären zu können.

Danach zieht er noch russische Daten bei und kommt nach einiger Zeit zu ein paar sehr aufschlussreichen Schlussfolgerungen:

Romano Grieshaber: Angesichts der vorgelegten Zahlen behaupte ich, Rauchen wird bei der Entstehung von Lungenkrebs über- und andere Faktoren werden unterschätzt. Die Suche nach den Faktoren, die bewirken

dass in den USA trotz geringerer Raucherzahlen Lungenkrebs häufiger als in Deutschland auftritt
– dass in Russland von den Männern so viel geraucht wird wie eh und je und dennoch die Erkrankungshäufigkeit sinkt
– dass Frauen in den USA fast doppelt so häufig wie deutsche an Lungenkrebs erkranken, obwohl der Anteil der Raucherinnen bei ihnen seit ca. zwanzig Jahren gleich hoch oder niedriger liegt und schon in den sechziger Jahren nie mehr als maximal 50 % höher lag
– und sogar mehr als viermal so häufig wie Russinnen von Lungenkrebs betroffen sind,
– obwohl sich der Bevölkerungsanteil der Raucherinnen in Russland seit 1992 mindestens verdoppelt hat, während gleichzeitig die Zahl der Lungenkrebserkrankungen sinkt,

(Hervorherbung von mir)

Und nun erkennt man auch den eklatanten Fehler in der haarsträubenden Methodik des Romano Grieshaber. Er hält einfach Mortalitätsraten und Raucherprävalenz unterschiedlicher Länder gegeneinander und verkennt vollkommen, wie viele Umstände letztlich bei einem multifaktoriellen pathologischen Geschehen wie dem Entstehen des Bronchialkarzinoms zum Tragen kommen und welchen Einflüssen zusätzlich die Mortalitätsrate unterliegt. Des Weiteren setzt Grieshaber unzulässigerweise zwei Dinge gleich: Das Auftreten des Bronchialkarzinoms (vor allem bedingt durch das inhalative Tabakrauchen), also die Inzidenz, und die Sterblichkeitsrate, die Mortalität. Diese beiden unterschiedlichen Dinge werden beeinflusst durch eine ganze Reihe Parameter::

1. Die Zahlen des Herrn Grieshaber  sagen nur etwas über den jeweiligen Raucheranteil aus. Was nicht erfasst wurde, sind die Rauchgewohnheiten. Also i. W.

  • Wie viele Zigaretten konsumieren die Menschen im Laufe ihres Lebens bis es zum Lungenkrebs kommt? Den Begriff „Pack Years“ zumindest als Näherungsgröße sucht man bei Grieshaber vergebens.
  • Welche Tabaksorten wurden geraucht?
  • Wurden ungefilterte Zigaretten, Filter-, Light- oder andere Zigaretten bevorzugt?
  • Welche Inhalationstiefe wird dadurch bevorzugt? („Light“ konsumenten inhalieren tiefer, Bronchialkarzinome entstehen dann bevorzugt in der Lungenperipherie und sind daher schwerer zu entdecken)
  • etc.

2. Wie ist die Gesundheitsversorgung in den jeweiligen Ländern geregelt? Bis zur Einführung von Obama care hatten viele Amerikaner gar keine Krankenversicherung. Dies betrifft besonders die unteren Sozialschichten mit ihrer traditionell hohen Raucherprävalenz. Daraus ergibt sich zwingend, der nächste Punkt:

3. Wie weit war das Bronchialkarzinom schon fortgeschritten als es diagnostiziert wurde?

4. Wann haben die Mitglieder des Kollektives mit dem Rauchen begonnen? Wer jünger anfängt, hat z. B. ein größeres Risiko am besonders aggressiven Kleinzelligen Bronchialkarzinom (SCLC) zu erkranken. Damit steigt auch die Sterblichkeitsrate. Somit entsteht zwingend gleich die nächste Frage:

5. Wie sind die Karzinome histologisch verteilt (SCLC vs. NSCLC)? Daran ermessen sich die Heilungschancen.

6. Wie wirken sich die unterschiedlichen Behandlungschemata aus, die als Standardtherapie gefahren werden?

7. WO wurden die Patienten bevorzugt behandelt? In kleinen Krankenhäusern oder in hochspezialisierten Fachkliniken?  Die Mortalitätsrate ist entscheidend abhängig von der Kompetenz des Behandlungszentrums.

8. Lungenkrebs ist auch eine Folge von Ernährungsweisen. Menschen mit einer Diät, die arm an Obst und Gemüse ist, erkranken häufiger (Quelle=> EPIC-Studie). Hier bestehen erhebliche Unterschiede zwischen den USA und Deutschland.

9. Welchen Stellenwert hat die Nachsorge? Gerade beim Lungenkrebs, der häufig früh Metastasen setzt, ist eine sorgfältige und dichte Nachkontrolle bei initial therapierten Patienten unabdingbar. Je früher das Auftreten eines Rezidiv erkannt wird, desto früher kann eine neuerliche Therapie eingeleitet werden.

Man sieht schon aus diesen wenigen Fragen, dass es vollkommener Unsinn ist, lediglich Zahlen von Raucherprävalenz  und Mortalität des Bronchial-Ca. ländervergleichend gegeneinander zu stellen, wie Grieshaber es tut. Ohne weitere Parameter wie sozio-ökonomische und medizinische Faktoren einzubeziehen und damit ohne valides Studiendesign, ist das, was Grieshaber betreibt, nichts anderes als einfaches Lesen im Kaffeesatz. Und es ist einfach nur peinlich.

(C) 2014 Peter Rachow

 

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