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Archiv der Kategorie: Raucherprävalenz

Nicolai Kosirog: Ein rauchendes Logikgenie

Ein ständig wiederkehrendes Thema hier im Blog sind die geistigen Verrenkungen, die Nikotinsüchtige gelegentlich im Internet anstellen, um ihre Sucht irgendwie zu rechtfertigen oder zumindest in einem guten Licht erscheinen zu lassen und Gegenmeinungen abzuwerten. Heute habe ich mal wieder ein besondere Schmankerl aus dieser Kategorie für Sie, meine sehr verehrten Leserinnen und Leser. Der Urheber dieses hochgradigen Unsinns ist der bereits hier häufiger besprochene Nicolai Kosirog aus Mülheim an der Ruhr. Auf dem facebook-Kanal des Nikotinikervereins „Netzwerk Rauchen e. V.“ lässt er seine Betrachtungen zu Thema Raucherprävalenz, Statistik und Stochastik über den Sender:

Nicolai Kosirog: Und wieder einmal völliger Blödsinn von Mortler und Co. […]

Zur Information: Marlene Mortler ist die Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Vor wenigen Tagen stellte sie den Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung vor (Link). Darin wird insbesondere herausgearbeitet, dass die Raucherquote in Deutschland nunmehr bei nur noch ca. 25% der Bevölkerung liege. Die Prävalenz insbesondere jugendlicher Raucher sei zudem sehr stark gefallen.

Zahl der starken Raucher sank um ein Drittel Seit 2010 sank die Quote bei den Frauen von 22 auf 20 und bei den Männern von 35 auf 29 Prozent. Die Zahl der starken Raucher, die pro Tag auf mehr als 20 Zigaretten kommen, fiel im gleichen Zeitraum sogar um ein Drittel. Die Quote liegt damit inzwischen bei zwölf Prozent aller Raucher. Bei den Kindern und Jugendlichen sank die Raucherquote seit 2001 dagegen ganz beachtlich – von 28 auf 9,7 Prozent. Damit sei die Zielmarke von weniger als zwölf Prozent, die die Bundesregierung in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie vorgegeben habe, sogar unterschritten worden, freute sich Mortler. (Quelle Tagesspiegel)

Derartige Zahlen können einem notorisch Nikotinabhängigen wie Nicolai Kosirog naturgemäß nicht gefallen. Denn damit wird auch deutlich, dass seine Sucht immer mehr zu einer Domäne der randständigen, also der sozial unterprivilegierten Gesellschaftsteile wird. Außerdem wird Rauchen zunehmend ein Verhalten der älteren Menschen. Entsprechend versucht der Mann aus Mülheim dagegenzuhalten:

Nicolai Kosirog: […] Woher will sie diese Zahl haben, wie will sie diese errechnet haben? Durch Umfragen? Meinungsforscher gehen davon aus, dass in Umfragen bis zu 30% der Befragten unwahre Angaben machen.Daher wenig seriös.(Quelle)

Ein, wie von Kosirog gewohnt, dünnes, nachgerade dümmliches Argument. Die Tatsache, dass u. U. in Umfragen unwahre Angaben gemacht werden, wofür er übrigens wie üblich den Beleg schuldig bleibt, ergibt nun nicht in der Folge, dass alle Daten, die mit Hilfe von Umfragen zu Stande kommen, per se unseriös sind. Und woher will Kosirog wissen, wer wie viel bei welcher Umfrage gelogen hat? Die genannten 30% sind, wenn überhaupt, ein Maximalwert, der eine erhebliche Schwankungsbreite aufweisen kann. Dies ist also wieder ein typischer Versuch der Nikotinabhängigen aus dem Umfeld des „Netzwerk Rauchen“ die Wissenschaft zu diskreditieren. Es wird irgend etwas behauptet, aber es wird nicht bewiesen. Man kennt derlei ja bereits von der Problematik, dass Passivrauchen gesundheitsschädlich ist. Diese Erkenntnis wird von den einschlägigen Nikotinikergrüppchen regelmäßig mit dem Hinweis darauf zu kontern versucht, dass man vorhält, dass es nur epidemiologische Studien und keine ätiologischen Beweise dafür gebe. Dieser selten dümmliche Vortrag kondensiert dann immer in der Einlassung, auf keinem einzigen Totenschein sei jemals „Tod durch Passivrauch“ als Todesursache aufgetaucht. Man muss nicht weiter über derlei Stuss reden. Aber neben dieser intellektuellen Schwäche unterlaufen Kosirog weitere Fehler:

Nicolai Kosirog:  Dem widersprechen mehrere Gründe: 1. Nach einer jüngst veröffentlichen Schätzung des Bundesamtes für Statistik, basierend auf den ersten drei Monaten dieses Jahres, wird die Tabaksteuer dieses Jahr mit ca. 21 Milliarden einen neuen Höchststand erreichen. Also ist dort kein Rückgang, wie er bei weniger Rauchern fetststellbar sein müsste, erkennbar.

Diese Stellungnahme entstammt vermutlich entweder aus reiner Dummheit, der Unfähigkeit zu recherchieren, korrekt mit Zahlen umzugehen oder dem schlichten Vorsatz der Desinformation der Leser. Sehen wir uns zuerst die Einnahmen aus der Tabaksteuer an. Die Einnahmeschätzung für das Jahr 2015 liegt nämlich mitnichten bei 21 Milliarden Euro, wie Kosirog vorgibt, sondern nur bei 14 Milliarden:

Tabaksteuer Schätzung für 2015

Tabaksteuer Schätzung für 2015 (Quelle)

Die Veränderung gegenüber dem Vorjahrsquartal beträgt dabei -3,8% was ein normaler Mensch als „Rückgang“ ansehen würde. Man hätte einfach mal im Netz recherchieren können.

Besonders dumm ist zusätzlich, dass Kosirog wissenschaftliche Untersuchungen als „unseriös“ abtut (s. o.) aber sich stattdessen auf Schätzungen verlässt. Also haben wir hier wieder einen wunderbaren Beleg dafür, dass Rauchen mit selektiver Wahrnehmung wesentlich einfacher ist. „Helmut Schmidt ist über 90 und ein kerngesunder Raucher“ ist dann nur die Spitze dieses Eisbergs der nikotininduzierten Verdoofung.

Weiter im Text: Logisches Denken ist offenbar überhaupt nicht die bevorzugte Disziplin des Fernschachspielers Kosirog:

Nicolai Kosirog: 2. Allein im Zollbereich Essen wurden in 2014 12 Millionen geschmuggelte Zigaretten beschlagnahmt und der ermittelte Steuerschaden beträgt 59 Millionen Euro. Fünf mal mehr als noch in 2013. Da nun bekanntermassen nur ein Bruchteil beschlagnahmt werden kann, ist also auch dort kein Rückgang zu erkennen.

Dass das Aufspüren von Schmuggelgut einer mehr oder weniger großen Anzahl von Zufällen unterliegt (Fahndungsdruck, Informationen über Schmuggelwege und Vorgehen der Schmuggler, Ermittlungsstrategien und -erfolge, Personalausstattung der Polizei- und Zollbehörden, Vorliegen von Hinweisen etc. etc.), dürfte intelligenten Menschen einsichtig sein. Herr Kosirog hat jedoch damit Probleme. Der geht davon aus, dass sich aus dem jeweils entdeckten Schmuggelgut auf funktionalem Wegse eine verlässliche Zahl der insgesamt geschmuggelten Ware herleiten ließe. Zumal auch das Verhältnis von legaler und illegaler Ware hochgradig variabel ist.

Nicolai Kosirog:  3. Steigen durch höhere Steuern immer mehr Raucher von fertigen Zigaretten auf Feinschnitttabak um. Da nun jeder Raucher anders dreht oder stopft, wie sollen da Zahlen ermittelt werden können? Ergo, kein Rückgang erkennbar.

Auch dieses Argument ist wertlos. Als Suchtraucher sollte Herr Kosirog über folgendes Wissen verfügen: Der Raucher braucht die Droge Nikotin. Nikotin ist Teil im Tabak, es ist zu einem bestimmten Anteil darin enthalten. Um die vom Süchtigen benötigte Menge an Nikotin aufzunehmen, muss eine bestimmte Tabakmenge geraucht werden. Die Verteilung dieser Menge auf die einzelnen am Tag gerauchten Zigaretten ist unerheblich. Wie ein Raucher dreht oder stopft spielt dann keine Rolle. Egal ob in einer dicken oder zwei dünnen Zigaretten verteilt, die verschwelte und inhalierte Tabakmenge alleine ist entscheidend. Denn sie alleine sagt aus, wie viel seines Suchtstoffes sich der Nikotinabhängige zuführt.

Nicolai Kosirog:   4. Dampfen etliche Raucher zusätzlich zum normalen Rauchen noch, was die Zahl der verkauften Zigaretten sinken lassen müsste. Wie in Punkt eins zu sehen war, ist dem nicht so. Auch hier ist kein Rückgang feststellbar.

Auch hier sucht man nachprüfbare Zahlen vergeblich. Stattdessen Mutmaßungen, vage Annahmen, unbewiesene Behauptungen. Der Großmeister des Konjunktiv Kosirog könnte vielleicht mit einer Kristallkugel bewaffnet als Wahrsager in einem Kirmeszelt auftreten. Die Qualifikation dazu hat er jedenfalls.

Nicolai Kosirog:   Fazit: Wenn nun also die Lügen, ups, Drogenbeauftragte einen Rückgang erkannt hat, so müssten (und ich übertreib jetzt mal) alle anderen Raucher ihren Konsum quasi verdoppelt haben und das ist definitv ins Reich der Fabel zu verweisen.

Sehr amüsant. Ein Textdichter wie Nicolai Kosirog, der Zahlen und Daten ohne Belege bereitstellt, bezichtigt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, die sich auf wissenschaftliche Daten berufen kann, der Lüge. OK, man ist von den Leuten aus dem Umfeld des „Netzwerk Rauchen“ nichts anderes gewohnt. Halten wir fest: Rauchen liegt nicht mehr im Trend. Gerade Jugendliche, zumal wenn sie aus gebildeteren Schichten stammen, lehnen das Rauchen immer stärker ab. Es ist zunehmend „uncool“ zu rauchen. Raucher werden als Unterschichtangehörige wahrgenommen, Rauchen ist nicht mehr anstrebenswert. „Nierauchen“ liegt im Trend:

Gleichzeitig ist der Anteil der Nieraucherinnen und Nieraucher im Zeitraum von 2001 bis 2014 deutlich angestiegen (Abbildung 08). Bei der Befragung 2001 hatten 40,5 Prozent der 12- bis 17-Jährigen noch nie  geraucht, 2014 waren es 75,3 Prozent. Bei den jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren ist der Anteil des Nierauchens von 23,1 Prozent (2001) auf 36,2 Prozent (2014) gestiegen. Sowohl bei den 12- bis 17-Jährigen als auch bei den 18- bis 25-Jährigen verlaufen die Entwicklungen des Nierauchens in beiden Geschlechtergruppen ähnlich. (Quelle S.30)

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