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Archiv der Kategorie: Fairness für Raucher

Wenn Unsinn zur „Pressemitteilung“ wird

Bei den Hardcorerauchern gehört es seit Jahren zur Tradition, dass man mehr oder weniger regelmäßig  „Pressemitteilungen“ herausgibt. Allerdings werden diese von der Presse nie wahrgenommen, man liest niemals in einer Zeitung etwas davon, keinen interessiert es, was „Netzwerk Rauchen“, „VEBWK“, „bft“ und andere Pro-Lungenkrebs-Grüppchen zu verlautbaren haben.

Ein Grund für die Nichtbeachtung der Selbstdarstellungen der Nikotinfreunde ist wohl, dass in den allermeisten Fällen etwas über den Sender geschickt wird, was man gänzlich unakademisch nur als „megapeinlichen Bullshit“ bezeichnen kann. Und genau in dieses Genre fällt auch die jüngste Pressemitteilung einer kleinen bedeutungslosen Organisation von Nikotinfans, die sich blödsinnigerweise auch noch „Fairness für Raucher“ nennt.

Herausgeber dieses wirklich schwer erträglichen Sammelsuriums an in Textform gegossener Dummheit ist der heute nicht mehr allzu bekannte Heinrich Kohlhuber, ein Gastronom aus Wolnzach in Bayern. Der Mann fordert, neben einer Menge anderen Unsinns, allen Ernstes einen „Bonus für Raucher“:

Bonus für Raucher!
Am 31.05. ist wieder Weltnichtrauchertag. Eine rauchfreie Welt ist das Ziel der WHO undviele Nichtraucher unterstützen dieses Bestreben. Es geht schließlich um die„Volksgesundheit“ und die vielen Toten, die durch Rauchen sterben.Ich bin ebenfalls ein Nichtraucher, fordere aber genau das Gegenteil: Gebt den Rauchern
einen Bonus bei der Krankenkasse und lasst sie endlich in Ruhe! (Quelle)

OK, der Mann ist Gastronom und sitzt an der Quelle für allerlei Flüssigkeiten, die das kritisch-rationale Denken erheblich erschweren können. Aber muss man dann so einen peinlichen Unsinn veröffentlichen? Denn wenn man seine Begründung für die haarsträubende Forderung nach einem Krankenversicherungsbonus für Nikotinsüchtige liest, kann einem schon anders werden:

Eine ungewöhnliche Forderung? Sicherlich, aber sie lässt sich sehr gut begründen.Dazu müssen wir uns nur einmal vorstellen, dass es morgen keine Raucher mehr gäbe. Was wären die Folgen?
• 14 Milliarden Euro Tabaksteuer würden plötzlich in der Staatskasse fehlen. Wir können sicher sein, dass unser Finanzminister die Steuern erhöhen würde.

Dieses „Argument“ ist so derart dumm, da fällt einem nichts mehr ein. Was würde denn mit dem Geld passieren, dass Raucher nicht für Tabak ausgeben? Für die Antwort muss man nur etwas analytisch denken können und etwas Hintergrundwissen haben, was einem Gastwirt eventuell ein paar Probleme macht. Die Erklärung ist dann sehr einfach: Sozialempirisch lässt sich nachweisen, dass Raucher häufig aus unteren Sozialschichten stammen. Dort ist die Sparquote niedrig, das vorhandene Geld wird fast vollständig für den Konsum verwendet. Man kann also davon ausgehen, dass die Kaufkraft, die nicht für Tabakwaren umgesetzt wird aufgrund des typischen Konsumverhaltens von Menschen mit geringer Bildung und einer niedrigen Sparquote sofort für andere Dinge ausgegeben und daher ebenfalls am Markt ankommen würde. Oder um es mal deutlicher zu machen: Das, was der Angehörige des Raucherprekariats nicht verraucht, wird er vielleicht vertrinken, verfuttern oder für andere Lustbarkeiten ausgeben. Die jüngere Klientel zieht dann eben in den Mediamarkt.

Raucher sterben angeblich 7 Jahre früher (Helmut Schmidt bricht alle Rekorde). Gäbe es keine Raucher mehr, beziehen demnach 25 % der Bevölkerung 7 Jahre lang länger die Rente! Selbst bei nur 1000.– Euro Rente monatlich würden diese zusätzlichen Ausgaben das Rentensystem regelrecht sprengen. Eine drastische Erhöhung der Beiträge und eine Senkung der Renten wären die Folgen.

Auch hier wird Unfug in Reinstform vorgetragen. Nicht der Blödsinn mit Helmut Schmidt, der nebenbei,  enn man ihm nicht schon mit knapp über 60 ein paar Bypasse ins Herz opriert hätte, heute wohl mausetot wäre.

Nein es wird noch schlimmer: Herr Kohlhuber geht dummerweise davon aus, dass der Rentner seine Rente zu 100% auf die hohe Kante legen kann. Nein, schlimmer: Der Renter muss seine Rente verbrennen, so dass sie dem Wirtschaftskreislauf endgültig entzogen ist. Dies aber nicht der Fall. Was der durchschnittliche Renter an Rente bezieht, besonders wenn diese niedrig ist, geht weitestgehend für den täglichen Lebensunterhalt wieder heraus. Und dadurch wird wieder Wirtschaftsleistung und Steueraufkommen generiert. Das muss Herr Kohlhuber aber nicht verstehen.

Das Problem stellt sich anders. Und zwar in der Zeit vor der Rente. Raucher sind häufiger krank und werden früher invalide und arbeitsunfähig. Auch das „sozialverträgleiche Frühableben“ ist nicht so gesellschaftsnützlich, wie aus Raucherkreisen gerne kolportiert wird. Durch die negativen gesundheitlichen Folgen des Rauchen entstehen daher u. a. Einnahmeausfälle für die staatliche Rentenversicherung, Verminderung von Kaufkraft, Wegfall von Arbeitsleistung und insgesamt eine Verminderung des Bruttosozialproduktes. Der gesamte wirtschaftliche Schaden durch das Rauchen beläuft sich insgesamt auf ca. 40 Milliarden Euro (Link)

25 % der Bevölkerung würden zwar 7 Jahre länger leben, müssten aber schließlich doch an irgendeiner Krankheit sterben. Wer nicht an der Todesursache A stirbt, stirbt eben an der Todesursache B – nur später!

Dass Kohlhuber wohl den größten Teil seines Lebens berufsbedingt im Umfeld von Stammtischen zugebracht haben muss, kommt hier wieder deutlich zum Tragen. Einfältiger kann man kaum auftreten. Der Gastronom aus Wolnzach geht davon aus, dass der normale Raucher ohne jemals vorher krank gewesen zu sein, von jetzt auf nachher tot umfällt und daher seine Sozialkosten minimiert. Dies ist natürlich Blödsinn. Raucherkrankheiten führen oft langsam und schleichend zum Tod. Eine COPD beispielsweise dauert ca. 20 bis 25 Jahre bis der Raucher an ihr verstirbt. In dieser Zeit verursacht er immense Kosten für die Behandlung. Schneller geht es mit den bekannten Krebserkranungen. Aber auch die können pro Patient zwischen 100.000 und 300.000 Euro verursachen. Alleine die 40.000 jährlich am Lungenkrebs versterbenden Raucher kosten das Sozialsystem so annähernd bis zu 10 Milliarden Euro.

25 % der Bevölkerung gehen somit volle 7 Jahre lang länger zum Arzt, um irgendwelche altersbedingten Krankheiten behandeln zu lassen. Noch vollere Krankenzimmer, immense zusätzliche Kosten für das Gesundheitssystem und steigende Krankenkassenbeiträge wären die Folge.

Wenn ich so einen Mist lese, wird mir ehrlich gesagt speiübel. Denn wenn man dem wirren Vortrag des Herrn Kohlhuber folgt, dann wäre es durchaus angezeigt, alle Menschen bei Erreichen einer bestimmten Altersgrenze ganz einfach zu exekutieren damit das Gesundheitssytem maximal entlastet wird. Darum geht es aber nicht. Das Gesundheitssystem ist keine zweckökonomische Effizienzmaschine sondern steht im Dienste der Menschen. Die rein monetäre Sichtweise des Herrn Kohlhuber ist widerlich, sie ist chauvinistisch und sie ist menschenverachtend. Und wie Kohlhuber den Raucher als Individuum darstellt, welches mit seinem Rauchen (und dem daraus erwachsenden „sozialverträglichen Frühableben“) ganz altruistisch die Gesellschaft entlasten will, ist nur dazu geeignet, dieses aus dem Magen kommende Würgegefühl nochmals zu verstärken.

Übrigens haben es die meisten Raucher, wenn die letale Diagnose denn mal feststeht, gar nicht so eilig, unter die Erde zu kommen, wie immer wieder dargestellt wird. Meiner Erfahrung nach geht dann nämlich das Wehklagen nach dem besten Arzt, der besten Medizin und der besten Klinik erst richtig los. Man lese nur einfach mal in den einschlägigen Raucherforen nach.

Und die so oft zitierte „Volksgesundheit“? Auch diese würde sich angesichts der vielen zusätzlichen alten Kranken verschlechtern und nicht verbessern! Prinzipiell führt jeder Kampfgegen ein ungesundes Leben, sei es nun der Tabak, der Alkohol, zu ungesundes Essen usw. stets nur zu einer Verlagerung hin zu anderen Krankheiten.

Nein, meine lieben Leserinnen und Leser, das, was wir hier von Herrn Kohlhuber lesen dürfen, ist noch nicht das Ende der Fahnenstange an hirnrissigem Vortrag, es kommt noch schlimmer. Nebenbei, Herr Kohlhuber: Wenn man Lungenkrebs, Herzinfarkt und Schlaganfall verhindert, wieso soll dies kausal dafür sein, dass Menschen dann eventuell andere Krankheiten bekommen sollen? Der ausbleibende Lungenkrebs verursacht Darmkrebs? Völliger Schwachsinn, dieser Art des Vortrages. Im Gegenteil: Rauchen erzeugt häufig eine schwere Komorbidität, so dass Raucher häufig unter mehreren schweren Erkrankungen gemeinsam leiden. Sehr häufig tritt der Lungenkrebs z. B. mit der COPD gemeinsam auf. Wenn man das Rauchen aufgibt, sinkt bereits die Gefahr an einer von 2 Krankheiten zu leiden ganz erheblich.

Warum verfolgen die WHO und viele Politiker aber nach wie vor so verbissen die Vision einer gesunden und rauchfreien Welt? Ich vermute, dass sie mit diesem Aktionismus von den wirklichen Problemen dieser Welt nur ablenken wollen. Und nicht zuletzt, lässt sich mit der „Gesundheit“ natürlich jede Menge Geld verdienen.

So, das war jetzt fast der Gipfel der Dummheit. Mehr muss dazu nicht gesagt werden. Aber nicht einmal für eine anständige Verschwörungstheorie reicht es bei Herrn Kohlhuber. Man hätte ja wenigstens sagen können, dass Raucher tendenziell intellektueller seien als der nichtrauchende Bevölkerungsrest und dass sich die Mächtigen vor ihnen fürchteten. Obwohl sich das Thema „Der Raucher als Archetypus des Intellektuellen“ bei der Durchsicht der bekannten Raucherforen schnell als erledigt erweist.

Und am Ende dieser unüberschaubaren Menge Unsinns, schließt Kohlhuber sein über alle Maßen dümmliches Traktat gekonnt mit einer kaum mehr zu steigernden Blödheit ab:

Zusätzlich schlage ich vor, neben dem Weltnichtrauchertag auch einen Weltrauchertag einzuführen!

Und ich schlage vor, dass wer keine Ahnung hat, einfach mal die Klappe hält!

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