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Archiv der Kategorie: Andrea Schwarz

Andrea Schwarz erklärt uns Physik und Chemie

Oder sie versucht es zumindest. Und das Ergebnis geht so dermaßen in die Hose, dass man fast Mitleid bekommt. Es geht mal wieder um das Passivrauchen. Frau Schwarz, die uns sonst mit hochgeistigen Liedtexten („Aloha heja hee„) zu erfreuen pflegt, die sie auf irgendwelchen Festzeltbühnen vor einem mehr oder weniger stark „angeheiterten“ Publikum vorzutragen pflegt (Link), versucht sich nun als Expertin für Aerosole und ihre Absorption im menschlichen Organismus:

Andrea Schwarz:Ja, Feuerwerke werden im Freien gezündet – dort, wo die Verbrennungsrückstände die beste Gelegenheit haben, ungefiltert in die Atemwege ALLER sich im Freien aufhaltenden Menschen und Tiere einzudringen. Verbrennungsrückstände gehören nicht in die allgemeine Atemluft, sondern in geschlossene Systeme und Filteranlagen. Soweit denken Sie nicht, oder? Ein Raucher fängt einen Großteil der durch sein individuelles Unterhaltungsbedürfnis entstehenden Rückstände ab, indem er das für die genannte Unterhaltung sorgende brennende Produkt in eine geeignete Körperöffnung steckt und die Rückstände mit seinem Körper aufnimmt. Sein eigener Körper fungiert dabei als Filteranlage. Dies sollte sich jeder Produzent ungefilterter Verbrennungsrückstände eigentlichzum Vorbild nehmen, wobei die mögliche Form der Umsetzung dieses beispielhaften größtmöglichen Nichtverursacherschutzes dem Einfallsreichtum des Rückstandverursachers überlassen bleibt… (Quelle)

Ich habe selten so einen haarsträubenden Blödsinn gelesen. Frau Sc hwarz ist also tatsächlich der Auffassung, dass der Körper eines Rauchers in der Lage sei, den allergrößten Teil der Schadstoffe, der bei der Pyrolyse des Tabaks in der Glutzone entsteht, zu absorbieren.

Zuerst einmal lässt die Dame einfachste Sachverhalte außer acht, wie z. B. dass der Raucher durch das Ziehen an der Zigarette zwar einen Hauptstromrauch inkorporiert, dieser Vorgang aber sofort abbricht, wenn das Ziehen unterbrochen wird und der Rauch ab dann als Nebenstromrauch von der Glutzone direkt an die Umgebung abgegeben wird. Wie der Raucher dieses Giftgemisch filtern können soll, darüber schweigt sich Dame ebenfalls aus. Dass man einen der einfachen Sachverhalt nicht verstehen kann, wundert mich bei Andrea Schwarz aber auch nicht weiter. Die Festzeltbühne ist nun mal keine Medizinvorlesung.

Zweitens muss man schon sehr wenig von menschlicher Physiologie, Chemie und Physik verstehen, um behaupten zu können, dass ein Raucher den größten Teil der Schadstoffe des Tabakrauches zurückhalten würde. Erstens reicht ein Blick auf die vom Raucher ausgeatmeten Qualmwolken um zu sehen, dass hier eine beträchtliche Menge an Staub (erkennbar am dunkel gefärbten  Rauch) bei jedem Zug an der Zigarette durch Ausatmung freigesetzt wird. Dass dieser Staub mit Schadstoffen belastet ist, ist alleine deshalb logisch, weil sich viele organische Stoffe an (Fein-)Staubpartikel anhaften können. Dies u. a. auch deshalb, weil sie eine gewisse Konzentration an Feuchtigkeit aufweisen. Diese entsteht beim Verbrennungsprozess aus der Oxidation organischer Substanz mit den Produkten CO2 und H2O und beim Menschen natürlich durch die Befeuchtung der Atemluft in den Bronchien. Das Dipolmolekül des Wassers ist in der Lage, andere Moleküle an sich zu binden. So gelangen die Schadstoffe am Rauchstaub angebunden zu einem beachtlichen Teil ins Freie.

Der gesamte Passivrauch besteht aus dem freigesetzen Nebenstromrauch und dem vom Raucher exhalierten Hauptstromrauch. Genaue Messungen zur Zusammensetzung dieser letztgenannten Fraktion existieren m. W. nicht. Welche Wirkmechanismen allerdings im Körper des Rauchers die von Andrea Schwarz postulierte „Filterung“ der Schadstoffe des inhalierten Hauptstromrauches vornehmen sollen, darüber schweigt sie sich, wie üblich in solchen Kreisen,  aus. Es werden einfach ein paar sinnlose Dinge postuliert, mehr folgt dann in der Regel mangels vertieften Wissens nicht mehr.

Als sicher kann allerdings gelten, dass die Aufnahme der Schadstoffe des Tabakrauches in den Körper primär auf dem Wege der Osmose den Diffusionsgesetzen folgend in den Alveolen im Rahmen des intrapulmonalen Gasaustausches stattfindet. Jeder, der ein wenig Grundkenntnisse in Physik hat, weiß, dass Diffusion abhängig vom Faktor Zeit und vom Konzentrationsgefälle ist. Die transportierte  Stoffmenge entlang des Diffusionsgradienten wächst mit zunehmender Zeit und sinkt mit dem Angleichen des Konzentrationsgefälles.

Bei jedem Zug behält der Raucher den Giftcocktail nur kurz in der Lunge. Hierbei geht also wegen der Kürze der Zeit nur ein Teil der Schadstoffe in den Blutkreislauf des Rauchers über. Der nicht übergegangene Teil wird nach wenigen Sekunden exhaliert. Das Konzentrationsgefälle der Stoffe zwischen Alveole und Blut sinkt dabei stetig. Mit fortschreitender Rauchzeit wird also immer weniger Schadstoff  in den Blutkreislauf übertreten, weil das Konzentrationsgefälle kleiner wird. Ergo wird immer mehr Schadstoff wieder emittiert.

Dabei davon zu reden, dass der größte Teil der Schadstoffe des Rauchens im Raucher verbleibt ist mit „Unfug“ nur unzureichend beschrieben. Aber man darf von einer Dame, die auf Festzeltbühnen ihr Geld verdient, vielleicht auch gar nicht erwarten, solche einfachen Zusammenhänge zu kennen und zu verstehen.

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