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Visual Decompression in der Tauchausbildung

26 Nov

Visual Decompression war ursprünglich für Zwecke der Sichtbarmachung (Visualisierung) von im Körper stattfindenden Inertgaslösungsvorgängen gedacht und wurde erst später zu einem universellen Analyse- und Planungsprogramm für Tauchgänge fortentwickelt.

Auf dieser Seite möchte ich die Anwendungsmöglichkeiten im Tauchunterricht anhand kurzer didaktischer Problemstellungen erläutern.

1. Sättigungsverläufe darstellen

1.1 Sättigung mit Stickstoff

Die einfachste Problemstellung ist die Darstellung von Tauchgängen und deren Sättigungsverläufen in den Geweben. Den Tauchschülern muss hier als Lerrnvoraussetzung folgendes bekannt sein:

  • Unterteilung des Körpers in einzelne Kompartimente (Modellgewebe),
  • Partialdruck und seine Berechnung,
  • Sättigungsverläufe.

vdedu1

Anschließend kann zur Ansicht mit den Sättigungskurven gewechselt werden:

vdedu2

Sehr gut erkennt man den Verlauf der Lösungskurven. Die schnellen Gewebe sättigen sehr schnell auf und erreichen einen hohen Stickstoffpartialdruck. Sie geben den Stickstoff bei Druckentlastung auch schnell wieder ab, gegen Ende des TG fällt der Inertgaspartialdruck sogar unter jenen der langsamen Gewebe.

Ergebnis: Die schnellen Gewebe sind weitgehend entsättigt, die langsamen Gewebe haben eine höhere Gasspannung als die schnellen.

Interessant sind auch Wiederholungstauchgänge mit kurzen Oberflächenpausen und insbesondere „Non-Limit-TG“:

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Im obigen Bild sieht man einen typischen Tauchtag auf einer Tauchsafari: Innerhalb 10 Stunden werden 3 TG durchgeführt. Die Oberflächenpausen sind relativ kurz. Aus Gründen der Übersichtlichkeit ist es ratsam, nur jedes zweite Gewebe anzuzeigen.

Das Ergebnis:

  • Die schnellen Gewebe entsättigen relativ vollständig.
  • Die langsamen Gewebe sättigen im Verlauf des Tages immer weiter auf.

1.2 Sättigung mit Stickstoff und Helium

Ab der Version 2.6.80 von VD lassen sich die Inertgase Stickstoff und Helium auch getrennt betrachten. Mit der Menüfunktion Ansicht => Inertgaspartialdruck in den Geweben und den nachfolgenden 3 Menüpunkten kann man den Inertgaspartialdruck differenziert ausgeben. Zeigen möchte ich dies anhand eines Trimix-Tauchganges:

Tauchprofilbeschreibung: Es wird mit folgendem Gas abgetaucht: O2:36%, N2:63%. Gaswechslauf 30 m auf O2:12%, N2: 47%, He:40% bis zu einer Tiefe von 70 m. Dort Aufenthalt 15 min., dann Aufsteig auf 30m, Gaswechsel auf das vorher benutzte Nitroxgas. Dann Austauchen mit diesem. Das errechnete Tauchprofil:

vdedu8a

 

vdedu8dvdedu8cvdedu8b

2. Dekompressionsproblematik anschaulich vermitteln

Neben der reinen Gewebesättigung lässt sich auch darstellen, wie die grundsätzliche Dekompressionsproblematik definiert ist: Als ein gegebener minimaler Umgebungsdruck der a) im Laufe der Dekompressionsphase veränderlich ist und b) zu keiner Phase des Tauchganges unterschritten werden darf. Interessant ist es also, zwei Druckkurven gegeneinander zu sehen:

  • Die von der Tauchtiefe abgeleitete Umgebungsdruckkurve.
  • Die von den Geweben und ihrer momentanen Sättigung definierten Kurve eines jederzeit zu haltenden minimalen Umgebungsdruck.

Die entsprechende Funktion kann mit der Schaltfläche aufgerufen werden.

Den Tauchschülern müssen dabei folgende Sachverhalte bekannt sein:

  • Die Gewebe entsättigen das Inertgas im Laufe der Dekompressionsphase mit einer charakteristischen Verlaufskurve, die Gasspannung im Gewebe nimmt mit der Zeit funktional ab.
  • Jedes Gewebe erlaubt zu einer bestimmten Phase der Dekompression nur einen bestimmten minimalen Umgebungsdruck, der nie unterschritten werden darf.
  • Die Gewebe entsättigen nicht gleichmäßig, sondern es gibt schnelle und langsame. Dadurch hat jedes einen eigenen minimalen Umgebungsdruck, der gegeben sein muss. So gibt es zu jeder Phase des Tauchganges ein Gewebe, das den größten dieser Drücke aus den 16 Gewebewerten definiert. Dieses Gewebe ist das für die Dekompression jeweils entscheidende, es legt die minimale Tauchtiefe fest, da dieser Druck nicht unterschritten werden darf
  • Dieses Gewebe wird als Leit- oder Führungsgewebe bezeichnet.

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Die rote der beiden Kurven zeigt jeweils den niedrigsten gerade noch tolerierten Umgebungsdruck aus den 16 Geweben des Bühlmann-Modells. Die blaue Kurve darf nicht unter die rote Kurve fallen, da sonst der Umgebungsdruck kleiner wäre als der kleinste gerade noch tolerierte Druck. Die Folge wäre eine Dekompressionskrankheit.

3. Wechsel des Führungsgewebes

Wenn man die Balkengrafik, die die Gewebesättigung anzeigt einschaltet, so kann man folgende Darstellung abrufen:

vdedu5

Wenn nun mit der Maus in die Profilgrafik geklickt wird, kann für die entsprechende TG-Minute im Balkendiagramm der jeweils vohandene Inertgaspartialdruck abgelesen werden. Analog dazu sieht man mit einer blauen Linie den jeweiligen Umgebungsdruck und mit der roten Linie den minimal tolerierten Umgebungsdruck dargestellt.

Mit der schwarzen gestrichelten Linie wird das jeweilige Führungsgewebe markiert. Klickt man jetzt nacheinander verschiedene TG-Minuten an, so kann man zeigen, dass das Führungsgewebe im Laufe des Tauchganges ständig wechselt. Es geht vom schnellsten zum langsamsten Gewebe.

Automatisch lässt sich dies zeigen, wenn man auf die Start -Schaltfläche klickt.

4. Verwendung verschiedener Atemgase

4.1 Luft- vs. Nitroxdekompression

Dialog Einstellungen => Dekompression

Nitrox:

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Luft:

vdedu9a

4.2 Nitrox vs. Luft-Tauchgang

Zuerst erstellt man einen einfachen Rechteck-Tauchgang, anschließend wird die Dekompressionphase auf der Basis von Luft als Atemgas berechnet.

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ann wird auf ein Nitroxgas umgestellt. Wichtig: Es müssen sowohl das Atemgasgemisch als auch das Dekogas (Dialog Bearbeiten => Einstellungen => Dekompression ) umgestellt werden.

Vereinfachen kann man dies, wenn im Dialog Bearbeiten => Einstellungen => Dekompression eingestellt wird [X] Immer gleiches Gemisch wie Tauchgang .

Nach dem Umstellen des Atemgases muss der ganze TG neu kalkuliert werden, und zwar durch Anklicken. Es ergibt sich ein Profil mit einer stark verkürzten Dekompressionsphase:

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Es wird also deutlich sichtbar, inwieweit eine Reduktion des Inertgasanteil eine Verkürzung der Dekompressionsphase ergibt.

5. Abschluss

Dies sind nur die grundsätzlichen Methoden, wie Visual Decompression in der Tauchaus- und Weiterbildung angewendet werden kann. Weitere Möglichkeiten wären z. B.:

  • TG Vergleich Meereshöhe vs. Bergsee
  • Luft vs. Trimix-TG
  • Heliox vs. Trimix-TG
  • usw.

Bitte beachten Sie, dass die Anwendung in einem kommerziellen Umfeld eine Lizenzierung von Visual Decompression erfordert.

(C)2001 Peter Rachow (Erstveröffentlichung 2011 peter-rachow.de)

 

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