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Neues aus der Welt des Schwachsinns: „Krankenhaus erfüllt Sterbendem den letzten Wunsch: Eine Zigarette“

16 Apr

Gelegentlich blättere ich manchmal noch über die Seiten, die den geballten Raucherschwachsinn im Internet zelebrieren. Viel ist ja nicht mehr los, aber manchmal stößt man auf Dinge, da lässt es einem, ob der dargebrachten, ins Exzessive reichenden Dummheit, buchstäblich die Nackenhaare senkrecht stehen.Hier ist so ein Fall:

Auf dem facebook-Kanal des sog. „Netzwerk Rauchen“, eines Vereines, der sich nachhaltig dafür einsetzt, dass möglichst viele Menschen tabakbedingt der „sozialverträgliche“ Frühtod ereilt, stieß ich auf folgende Meldung:

Netzwerk Rauchen“ fällt auf Fakenews rein

Link zum Beitrag im FOCUS

Beim „Netzwerk Rauchen“ war man ob der kruden Story komlett aus dem Häuschen. Und die „krude Story“ ist schnell erzählt: Angeblich soll in einem dänischen Krankenhaus ein Patient mit einem geplatzten Aneurysma eingeliefert worden sein, das nicht mehr operiert werden konnte und der daher binnen Stunden sterben würde. Der ältere Herr, ganz „Genießer“, hatte indes noch einen letzten Wunsch: Eine Zigarette und ein Glas Wein. Also gewährte das Krankenhaus entgegen aller Regeln (schließlich herrscht in Krankenhäusern Rauchverbot, aus sinnvollen Gründen, nebenbei bemerkt!) dem Herrn den letzten (Genuss)Wunsch und rollte ihn im Sterbebett auf den Balkon, damit er den letzten Sonnenuntergang seines Lebens mit einem Glas Wein und eben der Zigarette genießen konnte. Man fasst sich an den Kopf angesichts dieses quadrierten Bullshit.

Dass Leute wie Michael Löb von „Netzwerk Rauchen“ und der „Deutsche Zigarettenverband“, der den Beitrag ebenfalls auf seiner facebook-Seite brachte, diesen hanebüchenen Mist glauben, verwundert indes nicht. Aber dass der FOCUS ebenfalls darauf hereinfällt, ist schon bemerkenswert. Bereits bei oberflächlicher Betrachtung fällt nämlich auf, dass das zugehörige Foto komplett „gefaked“ ist. Die Zigarette in der Hand des angeblich todkranken „Genussfreundes“ ist mittels Photoshop (oder eines Derivates) ins Bild gekommen.

Noch deutlicher wird die plumpe Bildfälschung bei dem von rechts hineingereichten Glas Weißwein. Da stimmt gar nichts. Weder das Licht, noch der Schattenwurf und die Kanten sind auch nicht geglättet. Einfach darübergemalt. „Wird schon passen!“, mag sich der Dilettant gedacht haben, der dieses Bild erzeugt hat. So eine Montage macht übrigens jeder Achtklässler heute besser. Aber die verblödete Raucher“scene“ hatte ihre emotional aufgeladene Story und so ultimativ dämlich, darauf nicht zu kommen, dass der Quatsch nicht stimmen kann, muss man erst mal sein. Und außerdem passen Rauchen und Sterben ja doch auch ganz gut zueinander.

Schlussbemerkung: Ein Hauptrisikofaktor für ein geplatztes Aneurysma ist, Sie werden es sich denken können, das Tabakrauchen. Insofern ist die Geschichte dann wieder plausibel.

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3 Antworten zu “Neues aus der Welt des Schwachsinns: „Krankenhaus erfüllt Sterbendem den letzten Wunsch: Eine Zigarette“

  1. Dick Rauch

    16. April 2017 at 18:15

    Danke für diesen wunderbaren Beitrag. Ich finde es toll, dass der Blog noch nicht ganz eingestellt wurde. Ich lese hier immer noch sehr gerne!

     
  2. Erwin

    16. April 2017 at 23:47

    Diesen rührseligen Oberschmarrn hat so ziemlich jedes Onlineblatt gebracht, das Lücken mit human interest stories füllt.

    Letztendlich habe ich keine Probleme, die Mär zu glauben, ist sie doch nicht außergewöhnlich. Nicht nur sterbende, sondern auch noch länger unter uns weilende Raucher qualmen heimlich in den Duschen/Toiletten oder auf den Balkonen, obwohl es eigentlch verboten ist. Davon konnte ich mich bei einem kurzen Krankenhausaufenthalt letztes Jahr selbst überzeugen. Besonders nach dem Abendessen und später nachts waberte Rauchgestank aus allen möglichen Ecken und Ritzen und auch beim Öffnen der Tür ins Zimmer. Die Krankenschwestern, die mir versprachen, auf heimliche Raucher zu achten, haben in der Zeit niemanden erwischt. Dabei sind auf den Gängen so manche lebenden Rauchsäulen umhergewandelt.

    Also – dieser hanebüchene Schmarrn enthält nichts Sensationelles. Es ist der dreckige, eklige Klinikalltag in Deutschland.

     
    • Dick Rauch

      17. April 2017 at 00:28

      Es ist richtig, es gibt in Spitälern inoffizielle Dienste, die Tschicks besorgen. Die Pfleger (meist selbst Tabakkiffer) geben sogar Tipps, wo man im Spital oder zumindest auf dem Spitalsgrundstück am besten rauchen kann, ohne erwischt zu werden. Natürlich solche Orte, bei denen es die Suchtkrüppeln schön trocken haben und sie nicht im Regen stehen müssen. Das ist Alltag. Aber bei dem Bild und der Geschichte dahinter handelt es sich mit einiger Wahrscheinlichkeit um alternative Fakten.

       

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