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Krebs als vermeintlicher Zufall?

16 Jun

Notorische Suchtraucher suchen immer mehr oder weniger abstruse Ausflüchte, um zu erklären, dass ihre Sucht mitnichten zu lebensgefährlichen Auswirkungen führen kann. Kettenraucher Helmut Schmidt sei über 90, andere Dinge (Atomverseuchung, Sonneneinstrahlung, Straßenverkehr etc. etc.) seien weit gefährlicher und Rauchen schütze angeblich vor Parkinson und Alzheimer. Die neueste Sau, die durch das Raucherdorf getrieben wird, ist nun “Krebs ist reiner Zufall!“. Wie kommt das?

Amerikanische Wissenschaftler haben verschiedene Gewebe, namentlich deren Stammzellen, untersucht und eine funktionale Abhängigkeit der Krebsinzidenz in den Geweben von der Teilungshäufigkeit der dort vorhandenen Stammzellen festgestellt. Je häufiger sich Zellen innerhalb einer bestimmten Zeit teilen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass dort ein Tumor entsteht. Soweit so gut. Kommt es zu einer Zellteilung mit malignen Tochterzellen, nannten die Forscher dies „bad luck“. Und aus diesem Begriff leiteteten einzelne Journalisten ab, dass „bad luck“ der einzige Grund für das Entstehen von Krebs sei. In der Presse wurde das Ergebnis daher so verkürzt: Ob jemand an Krebs erkranke oder nicht, sei reiner Zufall. Und dem ist dann eben nicht so.

Tumoren entstehen durch Defekte während der Replikation der DNA. Es handelt sich um Übertragungsfehler bei der Teilung einer Zelle die in einer bestimmten Anzahl von Fällen vorkommen und die in der Regel durch das körpereigene enzymatische Reparatursystem beseitigt werden oder, wenn dies nicht möglich ist, wird die Zelle durch den gezielten Zelltod (Apoptose) eliminiert. In einigen Fällen bleibt aber eine sich unkontrolliert teilende Tumorzelle übrig, die vor dem endgültigen Umwandeln in eine Krebszelle mehrere Zwischenstadien durchläuft.

Die Frage ist nun, wie es zu diesen DNA-Replikationsfehlern kommt. Und da spielt einerseits der Zufall eine Rolle aber andererseits, und das wird von der Süchtigenfraktion gerne außer acht gelassen, auch die Zufuhr von kanzerogenen Stoffen. Denn diese erhöhen die Mutationsrate in den Zellen ganz erheblich. Das Ergebnis ist u. a. eine Überlastung des körpereigenen Reparaturmechanismus mit einer gesteigerten Wahrscheinlichkeit, dass aus einer einstmals gesunden Zelle eine Tumorzelle entsteht.

Und genau hier setzt das Problem mit dem Rauchen wie auch allen anderen Kanzerogenen (z. B. chemische oder radioaktive Stoffe bzw. ionisierende Strahlung) an. Wer beipsielsweise raucht, führt seinem Körper über lange Zeit hohe Dosen an mutagenen Substanzen zu. Damit setzt er eine deutlich höhere Anzahl von DNA-Defekten als der Nichtraucher. Betroffen sind insbesondere jene Gewebe, die einen intensiven Kontakt mit den krebsauslösenden Stoffen haben. Wie z. B. die Lunge. In der Folge steigt daher auch die Wahrscheinlichkeit für eine Krebserkrankung des Rauchers im Vergleich zu jener des Nichtrauchers stark an. Natürlich bleibt auch eine Zufallskomponente, denn nicht jeder Raucher entwickelt z. B. einen Lungenkrebs. Andere Raucher sterben hingegen bereits mit 40 Jahren am Bronchialkarzinom.

So ist z. B. zu erklären, dass das Lebenszeitrisiko eines Rauchers einen Lungenkrebs zu entwickeln im Mittel 1:6 bis 1:10 beträgt, für den Nichtraucher dieses aber nur bei ca. 1:250 liegt.

Diesen Sachverhalt hätte man auch der Studie der amerikanischen Wissenschaftler herauslesen können. Dort wurden nämlich Gewebe untersucht, die keiner Zufuhr von Kanzerogenen ausgesetzt waren. Denn eine Exposition mit einem krebserzeugenden Stoff hätte das Ergebnis der Untersuchung natürlich ganz erheblich verfälscht.

Weiter hätte man ebenfalls herauslesen können, dass immerhin 1/3 der Krebserkrankungen doch auf heriditäre und umweltbezogene Einflüsse wie Lebensstil (u. a. Rauchen, Übergewicht) zurückgehen:

[…] These results suggest that only a third of the variation in cancer risk among tissues is attributable to environmental factors or inherited predispositions. […]
(Quelle http://www.sciencemag.org/content/347/6217/78)

Krebs ist also kein reiner Zufall, wie Suchtraucher nun vermehrt behaupten, sondern das Rauchen erhöht die Wahrscheinlichkeit an bestimmten Krebserkrankungen zu leiden teilweise ganz erheblich. Ob man dann in seiner durch Rauchen klassifizierten Risikogruppe krank wird oder nicht, ist zwar letztlich dem Zufall unterworfen. Aber die signifikante Erhöhung des Risikos ob es zur Erkrankung kommt oder nicht setzt der Raucher durch sein Verhalten. Rauchen ist eben wie russisches Roulett. Allerdings mit wesentlich mehr Kugeln in der Trommel.

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15 Kommentare

Verfasst von - 16. Juni 2015 in Lungenkrebs, Rauchen

 

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15 Antworten zu “Krebs als vermeintlicher Zufall?

  1. Raucher

    16. Juni 2015 at 17:17

    Ich zitiere nochmals Peter Rachow: „Oder er lügt einfach bewusst und erdichtet in seiner Phantasie, was er gerne lesen würde.“

     
    • Peter Rachow

      16. Juni 2015 at 18:12

      Lieber Herr Raucher, dann seien Sie doch bitte so freundlich und schreiben eine fachlich begründete Kritik. Ich bin sehr gespannt.

       
      • Nieraucher

        16. Juni 2015 at 18:44

        Da wird nichts kommen. Setzt er sich wirklich mal (sofern fähig dazu) mit entsprechender Fachliteratur auseinander, wird er kaum Argumenten finden.
        Tut er es nicht, und blablubbt nur rum, wird er entsprechend fachlich zerlegt und das weiß er auch.

        So oder so entlarvt er sich selbst.

        Das ist jetzt dumm für ihn, sich hier aus dem Fenster zu lehnen, aber nicht liefern zu können.

         
      • Peter Rachow

        16. Juni 2015 at 20:03

        Wird wohl so sein. Diese Leuten müssen einfach mal lernen, dass hier keine Raucherkneipe mit Stammtisch ist, sondern dass man hier korrekte Fakten präsentieren muss, um ernsthaft mitreden zu können. Dummes Schwadronieren reicht hier nicht. Wir sind hier nicht auf Alexander-Jäger-Niveau.

         
    • Peter Rachow

      17. Juni 2015 at 06:42

      Na, Herr Raucher, kommt noch eine fachlich fundierte Stellungnahme oder war die Heißluftpumpe mal wieder alles, was die „entspannte Genussfraktion“ anwerfen konnte? OK, das kennt man ja. Scheint tatsächlich ein Bildungsproblem zu sein.

       
      • Raucher

        17. Juni 2015 at 07:09

        Herr Rachow, auch hier darf ich Sie zitieren: „…am Ende seiner Argumentationskraft angekommen nur noch die Flucht in die Beleidigung bleibt, habe ich sehr amüsiert zur Kenntnis genommen.“
        Was Ihre Forderung nach Fakten und Beweisen betrifft: Es gibt auf beiden Seiten keine Beweise. Der hier behandelte Artikel zeigt lediglich auf, dass die angeblichen wissenschaftlichen Beweise bestenfalls Vermutungen sind, die aber leicht widerlegt werden können. Aber als Superwissenschaftler haben Sie natürlich grundsätzlich Recht und brauchen keine „korrekten Fakten“ liefern. Sie machen sich die Welt wie Sie Ihnen gefällt.

         
      • Peter Rachow

        17. Juni 2015 at 07:17

        Zitat: „Der hier behandelte Artikel zeigt lediglich auf, dass die angeblichen wissenschaftlichen Beweise bestenfalls Vermutungen sind, die aber leicht widerlegt werden können. “

        Ja,meine, Güte, wenn das so leicht ist, dann widerlegen Sie es doch endlich anstatt hier immer nur heiße Luft in die Umwelt zu entlassen! Wir alle warten auf Ihre Antithese. Legen Sie endlich fundiert dar, warum bspw. Lungenkrebs nicht zum allergrößten Teil vom Rauchen kommt sondern reiner Zufall ist! Auf geht’s!

         
  2. Raucher

    17. Juni 2015 at 07:26

    „Ja, meine Güte“, lesen Sie doch einfach den Artikel. Das sollte Ihnen als Superlehrer doch nicht schwerfallen, oder?

     
    • Peter Rachow

      17. Juni 2015 at 12:33

      Wow, das liebe ich! Wenn einem nichts mehr einfällt, dann kommt als lapidare Antwort: „Lies eben selbst!“. Deutlicher kann man die eigene Unfähigkeit einen Sachgegenstand zu durchdringen kaum deutlich machen. Na ja, dies stand ja auch zu erwarten.

       
      • Raucher

        17. Juni 2015 at 17:08

        Herr Rachow, ich werde mich nicht auf Ihr Niveau herunterlassen.
        Ich zitiere Sie wiederholt: „…am Ende seiner Argumentationskraft angekommen nur noch die Flucht in die Beleidigung bleibt, habe ich sehr amüsiert zur Kenntnis genommen.”

         
      • Nieraucher

        17. Juni 2015 at 17:56

        Wie ich oben schrieb: In jedem Fall entlarvend.
        Da hat sich mal wieder jemand bemüßigt gefühlt, seinen Senf dazuzugeben, konnte wieder nicht widerstehen, hier mitzukommentieren und scheitert dann doch wieder auf ganzer Linie.

        Wir präsentieren Ihnen den „Jäger der Woche“!

         
      • Peter Rachow

        17. Juni 2015 at 18:41

        Lusitg ist auch, dass dieser „Raucher“ die Vorhaltung, unfähig zu sein, einen Sachgegenstand korrekt zu erörtern, als „Beleidigung“ empfindet, dann aber über angebliche Niveaulosigkeit herzieht. Aber wie Du richtig schreibst, Nieraucher: Es war zu erwarten, dass er nichts an sachlichen Argumenten bringt. Herzlichen Glühstrumpf auch von mir zum „Jäger der Woche“! 😉

         
  3. www.gold-dna.de

    18. Juni 2015 at 03:55

    Zufall ? Pech ? Oder steckt doch mehr hinter dem Symptom Krebs ?

    https://ichliebemeinentumor.wordpress.com/2015/06/11/wofur-ist-das-leben-mit-krebs-notwendig-teil-1/

    Gruß

     
  4. Erwin Kater

    19. Juni 2015 at 08:05

    Und nochmal Zahlen. Von 10.000 Lungenkrebs-Patienten an der Evangelischen Lungenklink Berlin sind über 90% entweder Raucher (fast 52%) oder Ex-Raucher (fast 40%). Die Kombination von Rauchen und Feinstaubbelastung vervielfache das Risiko, Lungenkrebs zu bekommen, sagt der dortige Chefarzt der Pneumologie. Also Pech hin oder her: „Nicht zu rauchen gilt deshalb als wichtigste Maßnahme, um sich vor Lungenkrebs zu schützen.“

    http://www.morgenpost.de/printarchiv/berlin/article142743126/Die-Kombination-aus-Tabak-und-Feinstaub-vervielfacht-das-Lungenkrebsrisiko.html

     

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