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Nicolai Kosirog – Wenn Raucherträume doch nicht wahr werden.

15 Jun

Muss man noch mehr über Nicolai Kosirog sagen? Wir haben seine peinlichen Ausfälle und Einlassungen hier mannigfaltig behandelt. Aber er legt immer wieder nach und zeigt uns jedes Mal auf’s Neue, dass er des Lesens und Recherchierens doch nicht ganz so mächtig ist, wie er zu glauben scheint. Sein neuestes Beispiel:

Nicolai Kosirog Hallo! Über was schreibt ihr hier? Nach einer Langzeitstudie des Westdeutschen Herzzentrums der Uni Essen ( aber das ist wahrscheinlich von der Pöhsen Tabakmafia gekapert worden) sind über 90% aller Herz-Lungenerkrankungen den Genen geschuldet. Also nix Rauchen, nix zu wenig Sport, nix falsche Ernährung trägt an diesen Erkrankungen Schuld. Ausser man heisst Rachow und ist völlig dement. (Quelle)

Zuerst einmal gelingt es selbst mir als Mensch, der täglich Suchmaschinen nutzt, nicht diese Studie zu finden. Kosirog referenziert wie üblich bei wissenschaftlich ungebildeten Personen nicht auf das Studienmaterial. Aber über die Tatsache, dass Kosirog wie fast alle seiner Rauchgenossen am Ende seiner Argumentationskraft angekommen nur noch die Flucht in die Beleidigung bleibt, habe ich sehr amüsiert zur Kenntnis genommen.

Wenn man die Studie auf die Kosirog verweist schon nicht findet, so erreicht man im Netz sehr leicht die Webseite des „Westdeutschen Herzzentrums in Essen„. Denn das gibt es wirklich. Und da bin ich doch verwundert. Denn die Autoren dort scheinen ihre eigene Studienlage nicht zu kennen. Auf der Webseite kann man sich nämlich eine ganze Menge Infobroschüren herunterladen (Link).

Infobroschüren Westdeutsches Herzzentrum Essen

Infobroschüren Westdeutsches Herzzentrum Essen

Einige davon sind für Kosirog sicher besonders interessant:

  • „Das Rauchen einfach aufgeben“
  • „Prävention und Lebensstil“
  • „Leben nach dem Herzinfarkt“

Gerade das, was in der letzten Broschüre steht, wird einem Hardcoreraucher wie Nicolai Kosirog nicht schmecken:

Rauchen als Risiko beim Herzinfarkt (Quelle Westdeutsches Herzzentrum Essen)

Rauchen als Risiko beim Herzinfarkt (Quelle Westdeutsches Herzzentrum Essen)

Auch in dem Text „Prävention und Lebensstil“ findet man gleichlautende Empfehlungen zum Rauchen:

Rauchen als Risiko beim Herzinfarkt (Quelle Westdeutsches Herzzentrum Essen)

Rauchen als Risiko beim Herzinfarkt (Quelle Westdeutsches Herzzentrum Essen)

Die von Kosirog genannten Einschränkungen, dass „90% der Herz-Lungenerkrankungen den Genen geschuldet sind“ wird hier offenbar nicht geteilt. Komisch. Woher hat Kosirog denn nun seine Informationen? Wir sind gespannt, wann er uns den Link zu der von ihm genannten Studie präsentiert und wir diese auswerten können. Eventuell kann Kosirog ja nur eine medizinische Studie nicht korrekt interpretieren und die Inhalte wiedergeben. Oder er lügt einfach bewusst und erdichtet in seiner Phantasie, was er gerne lesen würde.

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12 Antworten zu “Nicolai Kosirog – Wenn Raucherträume doch nicht wahr werden.

  1. Dick Rauch

    15. Juni 2015 at 21:51

    Viele Raucher brauchen einfach diese Lügen. Diese Lügen müssen nur so oft wiederholt werden, bis sie geglaubt werden. Das macht für viele den Drogenmissbrauch erträglicher, denn dann raucht es sich ohne schlechtes Gewissen. Lustigerweise sammeln viele Kampfraucher alles erdenkliche Material, welches das Rauchen verharmlost (oder von dem sie nach einer Fehlinterpretation annehmen, es verharmlose das Rauchen), und verbreiten es, ohne zu merken, dass es sich widerspricht. Da gibt es obskure Artikel, die behaupten, Tabak ohne Zusätze sei unschädlich oder gar gesund – im Gegensatz zu Tabak mit Zusätzen (stimmt nicht, es gibt nicht einmal Hinweise, dass Zigaretten ohne Zusätze auch nur ein klein wenig weniger schädlich sind). In anderen Artikeln sind auf einmal alle Arten von Zigaretten unbedenklich. So etwas findet sich freilich nur auf verschwörungstheoretischen Spinner-Websites. In den großen, bekannten Zeitungen gibt es in der Regel allenfalls mal Hinweise, dass Raucher möglicherweise seltener an der einen oder anderen Erkrankung leiden (dafür aber eklatant häufiger sehr früh wegen COPD, Lungenkrebs oder Herzkasper in die ewigen Jagdgründe wechseln, was den angeblichen Vorteil dann doch uninteressant macht) oder dass man eventuell aus der Tabakpflanze ein Medikament gewinnen könnte. Also nichts, was bei genauerer Betrachtung für das Rauchen spräche. All das wird gesammelt und geteilt. Gravierende Widersprüche inklusive. Bei den Widersprüchen gilt, falls sie überhaupt bemerkt werden, wieder etwas Ähnliches wie zu Beginn gesagt: Man biegt es sich zurecht: durch Lügen, durch Verdrängen, durch Ignorieren. Dann noch ein paar Legenden dazu wie von dem Bekannten, dessen Opa angeblich über 90 wurde und der nie ernsthaft krank war, obwohl er starker Raucher war. Man klammert sich an das sehr Unwahrscheinliche, obwohl im Leben das Wahrscheinliche der Maßstab sein sollte. Und der alte Helmut Schlot lebt ja auch noch, der ist zwar nicht gesund und wäre bereits vor Jahrzehnten ein paar Mal fast auf dem Raucherfriedhof gelandet, wenn ihn die Hightechmedizin nicht in letzter Minute gerettet hätte, aber das verdrängen wir mal, weil nicht sein kann, was nicht sein darf …

     
  2. John Doe

    15. Juni 2015 at 22:05

    Doch doch, Kosirog hat schon Recht. 90 aller Herz-Lungenerkrankungen sind den Genen geschuldet.
    Den Qualmdeppengenen.

     
  3. Erwin Kater

    15. Juni 2015 at 23:52

    Das findet sich mal in Hetzwerk Rauchen. Er meint diese Studie:
    http://www.jstor.org/stable/20445676?seq=1#page_scan_tab_contents

     
  4. Erwin Kater

    15. Juni 2015 at 23:55

    Weitere Links zu Ergebnissen der nämlichen Studie auf Seite
    https://www.uni-due.de/recall-studie/research/praevalenzdaten/

     
    • Peter Rachow

      16. Juni 2015 at 07:33

      Danke für den Hinweis. Mein Eindruck bestätigt sich. Weder das „Netzwerk Rauchen“ im Allgemeinen noch Nicolai Kosirog im Besonderen sind in der Lage, eine medizinische Studie, namentlich ein Abstrakt, korrekt zu lesen.

      1. ist Gegenstand der Studie nicht das Thema „Herz- und Lungenkrankheiten“ wie Kosirog schreibt, sondern die Studie beschränkt sich auf Herz-Kreislaufkrankheiten.

      2. handelt es sich um eine Untersuchung zur Prävalenz (also dem Auftreten) von bestimmten Herz-Kreislaufkrankheiten und nicht zur Genese der Krankheiten. Zusätzlich werden bestimmte Messwerte (Knöchel-Arm-Index) mit der Auftretenshäufigkeit bestimmter Krankheitsbilder verglichen. Über die Ursachen (und schon gar nicht über die genetische Disposition der Individuen als Determinante für das Entwickeln bestimmter Krankheitsbilder) wird nichts gesagt. Über das Thema „Lebensstil“ wird überhaupt nichts ausgeführt.

      Conclusion: Prevalences of PAD based only on ABI generally underestimate the true prevalence of PAD in population-based studies. CLI predominantly affects older subjects. In addition, cut-off values for MC must be newly determined.

      Ich übersetze mal für das Raucherprekariat: Die Diagnosestellung der Peripheren Arteriellen Verschlusskrankheit (PAD) nur auf der Basis des Knöchel-Arm-Indexes unterschätzt das wirkliche Vorkommen der PAD. Das Ischämiesyndrom betrifft hauptsächlich ältere Patienten. Zusätzlich müssen Grenzwerte für die Mönckeberg-Sklerose neu bestimmt werden.

       
  5. Raucher

    16. Juni 2015 at 07:34

    Passend zum Thema:
    http://www.tagesspiegel.de/wissen/medizin-krebs-ist-pechsache/11193418.html
    Wie ich den Superdoktor Rachow kenne ist das aber nur Propaganda und Lüge. „Oder er lügt einfach bewusst und erdichtet in seiner Phantasie, was er gerne lesen würde.“

     
    • Peter Rachow

      16. Juni 2015 at 07:38

      Vor allem lese ich Artikel bis zum Ende:

      „Die knifflige gesundheitspolitische Frage ist, ob die Möglichkeiten der Krebsvorbeugung nicht überschätzt werden. Selbstverständlich bleibt es weiter sinnvoll, nicht zu rauchen, sich viel zu bewegen und sich ausgewogen zu ernähren. „

       
  6. Erwin Kater

    16. Juni 2015 at 12:05

    Man muss den Artikel noch nicht einmal bis zum Ende lesen. Ich zitiere etwa aus der Mitte, „Er“ ist der Zufall: „Er ist möglicherweise bedeutender als genetische Veranlagung und Umweltfaktoren wie Rauchen oder tumorerzeugende Viren, legen die Ergebnisse der Wissenschaftler nahe.“ Wissenschaftler, die aus noch unzureichendem Langzeit-Material mögliche Schlussfolgerungen ziehen, werden von Ihresgleichen, Herr Raucher, sonst gern als „Dr. Konjunktiv“ bezeichnet und die entsprechenden Aussagen werden verhöhnt.
    Oder anders gesagt: Nur weil Rauchen nicht der einzige Faktor ist, der z.B. Lungenkrebs fördert bzw. erzeugt, heißt das noch lange nicht, dass der Zusammenhang zwischen Rauchen und Krebsbildung aufgehoben ist. Die Zahlen sprechen einfach eine andere Sprache.

    Oder noch anders gesagt: Vielleicht haben Raucher, die Lungenkrebs entwickeln, auch einfach mehr „Pech“ als Nichtraucher. 😉

     
    • Raucher

      16. Juni 2015 at 12:30

      Na dann zitiere ich auch mal: „Bisher galten erbliche Veranlagung und schädliche Umweltfaktoren, etwa Rauchen, als wesentliche Krebsursachen. Aber diese konnten nie zufriedenstellend erklären, warum auch Personen erkranken, die gesund leben und kein erhöhtes Risiko für Krebs in der Familie haben.“
      In Ihrem Abschlusssatz ist daher die Formulierung „als Nichtraucher“ einfach nur falsch. Ohne diese beiden Worte macht Ihr Satz aber sehr wohl Sinn.

       
  7. Erwin Kater

    17. Juni 2015 at 22:49

    Die semantische Differenz ist nebensächlich.
    Wenn Sie das also lieber lesen: „Vielleicht haben Raucher, die Lungenkrebs entwickeln, auch einfach mehr “Pech.”
    Was es mit diesem Pech auf sich hat, konnten Sie bereits im Beitrag „Krebs als vermeintlicher Zufall?“ lesen. Aber da kommen Sie wieder mit Ihrem „Konjunktiv“ daher, der natürlich immer nur dann gilt, wenn Sie von einer Sache nichts wissen wollen. Bei genehmen Ergebnissen darf’s für Sie anscheinend gern ein Stückchen Konjunktiv mehr sein.

     

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