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Friedhelm Adolfs, der Schlaganfall und die Ferndiagnosen militanter Raucher

10 Jun

Friedhelm Adolfs aus Düsseldorf ist vermutlich der nach Helmut Schmidt bekannteste Kettenraucher der Republik. In die Medien hat er es geschafft, weil er nach Auffassung seiner Vermieterin in seiner Wohnung exzessiv gequalmt und den Tabaksgestank ins Treppenhaus entlüftet hat. Gegen seine deswegen ausgesprochene Wohnungskündigung wehrte er sich vor Gericht. Das Amts- als auch das Landgericht verwarfen seine Klage indes. Erst ein Zivilsenat des BGH erkannte Verfahrensmängel, verwies den Fall zurück und gab dem LG Düsseldorf auf, bestimmte Vorgehensweisen bei einer Neuauflage des Prozesses einzuhalten.

Diese Woche Donnerstag, den 11.06.2015 sollte der Termin sein. Aus dem wird wohl erstmal nichts werden. Friedhelm Adolfs erlitt einen Schlaganfall in dessen Folge er sich in die Hand der bei unseren „Genussfreunden“ als solche bezeichneten „Pharmamafia“ (also Ärzte, Krankenhäsuer, Arzeimittelhersteller) begeben musste (Link). Das versammelte Raucherprekariat auf „Raucher in Deutschland“ hat natürlich sofort die Ursache der Malaise des Herrn Adolfs messerscharf diagnostiziert:

Dagmar Pagalies Mich wundert es nicht das er über diese ganze Prozedur krank geworden ist Die Verantwortlichen sollen sich schämen . GUTE BESSERUNG !

Tino Bridgeman Durchs Rauchen (was hier wohl angedeutet wird)? Wohl eher unnötiger Stress durch Antiraucherbestrebungen. Gute Besserung!

Ronald Blumberg Wenn man einen alten Mann systematisch terrorisiert ( Klagen, Geldängste, Schmähbriefe, neue Vorgaben, usw.) dann beabsichtigt man doch geradezu den Zusammenbruch, oder nicht?

Jupp Hermanns Ich vermute mal das liegt daran weil die Mieter im Hause ihm das Leben schwer machen und er die ganzen Aufregungen der letzten Monate fertiggemacht haben. Gute Besserung Friedhelm und lass dich nicht kleinkriegen. Deine rauchenden Freunde stehen hinter dir

Elfi Schiefer der Schlaganfal hat nichts mit Rauch zu tun, sondern mit dem Stress dem er ausgestzt war!!!!!!! (Quelle „Raucher in Deutschland“ 1.2)

Vor so viel medizinischem Fachwissen muss man einfach den Hut ziehen. Wir fassen zusammen: Der Schlaganfall, den Herr Adolfs erlitten hat, kommt mitnichten vom exzessiven Tabakkonsum des Herrn. Nein, Schuld ist vielmehr der „Stress“, den die „Antiraucher“ (auch in Gestalt der Vermieterin) Herrn Adolfs gemacht haben. Diese bösen „Antis“ sind alleine verantwortlich dafür, dass es dem bekannten Raucherentner auf einmal so schlecht geht. Was sagt die Wissenschaft dazu?

[…] Akute Schlaganfälle, denen stressige Situationen vorausgehen, sind häufiger als solche, bei denen das nicht der Fall ist. […] Allerdings entstehen Schlaganfall oder Herzinfarkt meist auf der Grundlage einer längerfristigen Erkrankung, deren Verlauf sich in drei grobe Phasen unterteilen lässt. Ganz am Anfang entwickeln die Personen Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder Übergewicht. Auf der Basis dieser Faktoren kommt es dann in der zweiten Phase zu einer Erkrankung der Gefäße wie Atherosklerose, umgangssprachlich auch als „Arterienverkalkung“ bezeichnet. Dabei verlieren die Gefäßwände an Elastizität und verengen sich, was den Blutfluss behindert. Verschließt sich ein Gefäß im Gehirn oder Herzen in Phase drei ganz, kommt es zum Herzinfarkt beziehungsweise Schlaganfall.[…] Wer die Risikofaktoren im Griff hat – also nicht raucht, nicht übergewichtig ist und gesund lebt – muss sich zunächst einmal keine Sorgen machen. (Quelle)

Waaaaas? Sollte das Rauchen tatsächlich ein Risikofaktor für den Schlaganfall sein?

Wie unterscheidet sich das Schlaganfall-Risiko von Rauchern und Nicht-Rauchern? Vielen Studien zeigen, dass Raucher ein doppelt so hohes Erkrankungsrisiko für einen Schlaganfall haben wie Nicht-Raucher. (Quelle schlaganfall-hilfe.de) Rauchen Zigarettenrauchen ist ein bedeutsamer Risikofaktor für den Schlaganfall. Das Schlaganfallrisiko steigt mit der Anzahl der pro Tag gerauchten Zigaretten und der Anzahl der Jahre, in denen geraucht wurde. (Quelle Kompetenznetz Schlaganfall)

Und diesen Text würde ich mir, wenn ich Herr Adolfs wäre, mal sehr genau zu Gemüte führen:

Raucher sollten nach einem Schlaganfall dauerhaft auf Zigaretten verzichten. Wer das nicht tut, verdreifacht sein Risiko, innerhalb eines Jahres zu sterben, berichten italienische Forscher. Die Gefahr ist umso größer, je früher ein Patient nach der Entlassung aus dem Krankenhaus wieder mit dem Rauchen beginnt. (Quelle)

Tja, wahrscheinlich hätte Herr Adolfs sein kleines gesundheitliches Problem nicht gehabt, wenn er den Titel „Zweitbekanntester Kettenraucher Deutschlands nach Helmut Schmidt“ nicht unbedingt angestrebt sondern beizeiten die Finger von den Sargnägeln gelassen hätte.

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14 Antworten zu “Friedhelm Adolfs, der Schlaganfall und die Ferndiagnosen militanter Raucher

  1. Nieraucher

    10. Juni 2015 at 16:05

    Ich frage mich, wie er es jetzt im Krankenhaus ohne Kippe aushält. Dieser Stress durch den Entzug, das muss ja dann tödlich sein!

     
    • Peter Rachow

      10. Juni 2015 at 17:14

      Extrem gefährlich, allemal! Der arme Friedhelm! Jetzt spielen die im Krankenhaus mit seinem Leben. Ich schlage daher vor, dass man Friedhelm einfach im Bett rauchen lässt. Das ist zwar auch nicht ungefährlich, aber immerhin hat er so die Chance durch den weiteren Vollzug seines Genusses einen Re-Insult zu vermeiden. Und da nehmen wir die Brandgefahr doch mal gerne in Kauf. Also, Friedhelm, keep on smoking!

      Weiterhin ist es wichtig, alle Antiraucher konsequent von ihm fernzuhalten. Jede Art von Stress muss vermieden werden! Man sollte ihm stattdessen einen 24-h-Seelsorgedienst vom „Netzwerk Rauchen“ ans Bett setzen. Lövenich, Löb, Vollmer und die anderen „entspannten Genießer“ könnten sich abwechseln und Friedhelm die Bude so vollräuchern, dass er im Bedarfsfall nicht mal mehr selber rauchen muss.

       
  2. Noch_ein_Leser

    10. Juni 2015 at 17:19

    Das schreibt das lokale Boulevardblatt:

    ‚Die Ursache für den Schlaganfall hatten die Ärzte bis Dienstagmittag noch nicht feststellen können. Allerdings gaben sie dem 74-Jährigen einen dringenden Rat mit auf den Weg: „Hören Sie auf zu rauchen!“ Schließlich ist Rauchen einer der Risikofaktoren für Schlaganfälle.

    Und was sagt Friedhelm Adolfs dazu? „Aufhören? Ach Quatsch. Ich rauche seit 60 Jahren. Ich glaube nicht, dass es daran liegt.“ Auch im Krankenhaus glimmt rasch der Stängel. „Ich höre niemals auf.“ Das merkten allerdings auch die Mitpatienten in seinem Krankenzimmer. Weil Adolfs Kleidung so nach Rauch roch, wurde er in ein Einzelzimmer verlegt.‘

    Roch? Das kann doch überhaupt nicht sein?!? 😉

    http://www.express.de/duesseldorf/in-duesseldorfer-klinik-raucher-friedhelm-adolfs—schlaganfall–das-ist-mir-doch-egal–,2858,30910670.html

     
    • Peter Rachow

      10. Juni 2015 at 17:43

      Ich finde, da hat Friedhelm absolut Recht. Immerhin raucht er schon 60 Jahre. Der Mann kennt sich also aus. Der Schlaganfall KANN einfach nicht vom Rauchen kommen und an den Giften liegen, die im Tabakrauch enthalten sind. Sonst wäre Helmut Schmidt nicht über 90 Jahre geworden und immer noch fit wie ein Turnschuh durch die Gegend hopsen. Es sind GANZ BESTIMMT die Antiraucher, die Friedhelms Gesundheit so zugesetzt haben.

      Apropos „Antiraucher“: Gut ist jedenfalls, dass Friedhelm jetzt ein Einzelzimmer hat. Die militanten Antiraucher im Mehrbettzimmer, die sich über den angeblichen Gestank aus seiner Kleidung beklagt haben (obwohl doch jeder weiß, dass Tabak ein Naturprodukt ist und daher gut riecht) hätten ihm wohl den Todesstoß versetzt.

       
    • Nieraucher

      10. Juni 2015 at 18:41

      Na dann kann man ja den Ortstermin direkt ins Krankenhaus verlegen. Wenn der es schafft, in der kurzen Zeit ein Krankenzimmer so vollzustinken allein durch seine Ausdünstungen, dass er alleine gelegt werden muss, kann man sich ja vorstellen, wie die Wohnung dann stinken muss.
      Allein schon dieser vergilbte Bart, das ist so richtig eklig.

       
      • Peter Rachow

        10. Juni 2015 at 19:56

        Yep. Rauchen macht eben sexy.

         
  3. Hustinette

    10. Juni 2015 at 21:01

    Richtig. Ich hab mir auch gedacht, dass der mit dem Fall befasste Richter den Satz übers Einzelzimmer lesen sollte. Es gibt schließlich jede Menge Raucher in Krankenhäusern. Die allerwenigsten wrden in Einzelzimmer verfrachtet, weil die Mitpatienten das nicht mehr aushalten können. Wenn also die Kleidung eines Menschen dermaßen auf die Nase geht, kann man sich in etwa vorstellen, wie es in seiner Wohnung riechen muss.
    Noch ein Gedanke, der mir immer wieder kam, wenn ich einen Artikel über den Herrn las: Er zündet sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit offensichtlich einen Qualmstängel an. Schlecht vorstellbar, dass er dann nur „rund 15 Zigaretten“ pro Tag rauchen soll, wie kolportiert wird. Er wirkt eher wie ein Zwei-Schachtel-Typ.

     
    • Noch_ein_Leser

      10. Juni 2015 at 21:14

      Der mit dem Fall befasste Richter sollte auch die Zeitungsartikel beachten, die den Adolfs zeigen, wie er sich beim illegalen Rauchen in der Gastronomie hat fotografieren lassen!

      Beispiel: http://www.derwesten.de/staedte/essen/wie-helmut-partys-den-nichtraucherschutz-unterwandern-wollen-id9370343.html

       
      • Peter Rachow

        11. Juni 2015 at 05:24

        Wobei das illegale Rauchen des Herrn Adolfs in einer Kneipe natürlich nicht entscheidungserheblich ist. Es zeigt aber, dass Friedhelm Adolfs offenkundig derartig zigarettenabhängig ist, und daher auch rauchen muss, wenn es verboten ist, dass man eben wie bereits hier geschrieben, kaum davon ausgehen kann, dass sein Konsum mit 15 Kippen pro Tag hinkommt. Ich würde mindestens auf die doppelte Anzahl Zigaretten am Tag tippen.

        PS: Gibt es eigentlich ein Foto, das Herrn Adolfs NICHT mit einer Fluppe im Mund zeigt?

         
      • Noch_ein_Leser

        11. Juni 2015 at 12:05

        Das illegale Rauchen zeigt, dass Herr Adolfs nicht bereit ist, sich an Gesetze zu halten! In meinen Augen wäre es nicht ratsam, mit so einem Menschen eine Vereinbarung zu treffen, dass er in seiner Wohnung bleiben darf, wenn er künftig dafür sorgt, dass kein Tabakqualm mehr ins Treppenhaus zieht.

         
      • Noch_ein_Leser

        11. Juni 2015 at 12:13

        „Das Gericht hat nun vorgeschlagen, dass die Vermieterin von Friedhelm Adolfs, den 76-jährigen Rentner weiter in seiner Wohnung wohnen lässt. Im Gegenzug solle Adolfs dafür sorgen, dass der Rauch nicht weiterhin in andere Räume des Mietshauses ziehe.“

        Darauf wollte ich hinaus! Als ob sich dieser Mensch an Regeln halten würde!

        http://www.rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/friedhelm-adolfs-gericht-raet-zu-vergleich-im-raucherprozess-aid-1.5156777

         
    • Peter Rachow

      11. Juni 2015 at 07:31

      Wenn es nicht so widerlich wäre, müsste man sich den Tipp merken, wenn man nicht Privatpatient mit Einzelzimmervertrag ist: Einfach während des Krankenhausaufenthaltes so heftig quarzen, dass man zur Belästigung seiner Mitmenschen wird und ab geht’s ins Einzelzimmer. 😉

      Oder man ist als Genussfreund kurz vor dem Exitus. Dann geht’s auch ins Einzelzimmer. Nennt sich dann aber „Sterbezimmer“.

       
  4. Hustinette

    13. Juni 2015 at 14:32

    Manchmal glaube ich, die Facebook-Raucher legen es drauf an, uns – ihre nach eigener Wahrnehmung schlimmsten Feinde – durch heftige Attacken aufs Zwerchfell zu eliminieren. Der Kai Schwarzer macht wieder einen auf Klassenkasper und gleichzeitig alzgeschädigten Opa. Hat er doch mal so eben vergessen, dass Adolfs vor Gericht gezogen ist und nicht seine Vermieterin. Aber das kann schon mal passieren, wenn ein Thema so selten wie dieses in den Rauchergruppen abgehandelt wird. 😉

    Kai Schwarzer Ja Ron, da sprichst Du etwas wahres aus. Der ganze Rechtsstreit, mit all seinen Revisionsverfahren muss ein Vermögen gekostet haben. Keine Rechtsschutzversicherung und auch nicht der Haus und Grundbesitzerverein würden so etwas finanzieren, da die Erfolgsaussichten eher gering sind. Ich vermute eher, dass Pro Rauchfrei diesen Rechtsstreit erheblich mit finanziert hat. Deshalb wünsche ich mir auch so sehr, dass die Sache zu Gunsten von Friedhelm Adolfs ausgeht. Dann bleiben die nämlich auf den Prozesskosten sitzen, die sich auf zigtausend Euro belaufen dürften, und habe nicht nur einen juristischen Misserfolg zu vebuchen, sondern auch einen schmerkhaften (sic) finanziellen Verlust zu verkraften.
    https://www.facebook.com/groups/235701199911246/permalink/496124213868942/?comment_id=496629020485128&offset=0&total_comments=8&comment_tracking=%7B%22tn%22%3A%22R%22%7D

     

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