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Vaclav Wenzel Cerveny und das „BayHanfG“: Der wohl dümmste Gesetzentwurf aller Zeiten

12 Aug

Aus der Feder bekennender Hardcoreaucher, ihrer Lobbygrüppchen und anderer Menschen im blauen Dunstkreis ist man als Chronist ja einiges an Unsinn gewohnt. Aber was Vaclav Wenzel Cerveny uns  zur Zeit wieder präsentiert, ist an Peinlichkeit kaum mehr zu übertreffen. Ich habe einfach den Eindruck, dass der ehemalige Gastwirt und höchst erfolglose Kandidat der Bayernpartei es auf „Teufel komm‘ raus“ darauf anlegt, sich lächerlich zu machen.

Kurz nachgezeichnet: Cerveny ist in der Raucherszene seit einigen Jahren bekannt. Seit Beginn des Nichtraucherschutzes in Bayern führt der ehemalige Betreiber der Diskothek „Karibik Beach“ in Vaterstetten, der mit diesem Unternehmen vor einigen Jahren insolvent ging, einen Kampf gegen die Windmühlen des Nichtraucherschutzes.

Egal, ob er beweisen wollte, dass man mit teuren Lüftungsgeräten im Innenraum einer Raucherkneipe eine Luft herstellen könnte, die gesundheitlich unbedenklich ist oder ob er für das mittlerweile beerdigte Vorhaben eines „Volksbegehren Raucherclubs Bayern“ Tausende Kilometer im Wohnmobil abspulte, um Unterstützerunterschriften zu sammeln. Das Thema „Rauchen“ stand immer ganz oben auf der Agenda des Mannes, der sich auch gerne mal in einer Kutsche eine Paradeuniform im Stile der „k. u. k.“-Monarchie tragend fotografieren ließ. Cerveny ist immer für einen bizarren Auftritt gut.

Mit allen seinen Projekten ging „Vaci“, wie er unter Kennern der Szene genannt wird, übrigens gnadenlos baden. Die Geschichte des Vaclav Wenzel Cerveny ist eine Geschichte der Erfolglosigkeit und des Scheiterns.

Ähnlich dürfte es nun beim neuesten Projekt des „Erfolgsgastronomen“ laufen. Dem „Volksbegehren Legalisierung Cannabis in Bayern“ (Link zum Bericht hier im Blog).

Um was geht es?

Kurz erklärt: Cerveny will, dass Hanf mit einem TCH-Gehalt oberhalb einer bestimmten Schwelle in Bayern legal zu „medizinischen Zwecken“ verkauft werden darf. Ein Arzt muss das Produkt nach einer medizinischen Indikation verschreiben. Es soll eine Höchstmengenbegrenzung was den Erwerb und die private Lagerung betrifft, geben.

Was steckt hinter dem Vorhaben?

Liest man den Gesetzentwurf, so wundert man sich schon, für wie dumm Cerveny seine Mitmenschen offenkundig hält. Der Gesetzentwurf, dessen haarsträubende juristische „Feinheiten“ ich hier nicht erläutern mag, enthält eigentlich nur 2 Normen, die relevant sind. Alles andere ist reines Geschwätz um zu verschleiern, um was es wirklich geht:

[…]

§ 2

(1) Jeder Einwohner des Freistaates Bayern hat ein Anrecht auf angemessene Versorgung mit Cannabinoid-Medizin aus natürlichen, nicht gentechnisch veränderten Hanfblüten.

(2) Die Entscheidung für die Verschreibung von Hanfprodukten zu medizinischen Zwecken obliegt alleine dem betroffenen Patienten und dessen gesetzlich anerkannten Arztes.

[…]

§ 13

(1) Der Konsum von Hanfprodukten mit einem THC-Gehalt über 0,2 vom Hundert zu nicht-medizinischen Zwecken ist in der Öffentlichkeit verboten.

(2) Zuwiderhandlungen werden als Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße von EUR 200,- geahndet. Falls Minderjährige beim ordnungswidrigen Konsum anwesend waren, verdoppelt sich die Geldbuße.

(3) Der Konsum in speziell gekennzeichneten, gemeldeten Raucherclubs ist erlaubt, dort darf auch Tabak konsumiert bzw. geraucht werden wenn sichergestellt ist, dass keine Minderjährigen anwesend sind.(Einlass ab 18 Jahren) (Quelle)

Dümmer geht’s wirklich nimmer. Cerveny versucht also über den vorgeblichen Konsum von „medizinischen Hanf“, der vom Arzt verordnet werden muss, die „Raucherclubs“, in denen dann Tabak konsumiert werden darf, quasi durch die Hintertür wieder einzuführen. Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Für wie ignorant hält der Mann die Menschen in diesem Lande?

Wie sähe die Praxis aus?

Wenn man davon ausgeht, dass es in Deutschland nur sehr wenige Menschen geben würde, bei denen überhaupt eine medizinische Indikation zum Konsum von Cannabis-Produkten bestünde, aber die „Hanf-Raucherclubs“ zum Zwecke des möglichen Konsums der medizinischen Anwendung flächendeckend eingerichtet würden, dort aber auch Tabak geraucht werden dürfte, wird klar, wie so ein „Hanf-Club“ in 99,9% der Fälle „bestückt“ wäre: Mit 100% Tabakrauchern.

Oder lässt sich der schwer kranke Patient, der z. B. an Morbus Parkinson leidet und der auf einen Rollstuhl angewiesen ist, zum Verabreichen seiner THC-Dosis dann in den „Raucherclub“ fahren um sich dort, in einer Atmosphäre, die seiner körperlichen Verfassung sicher nicht zuträglich ist, behandeln zu lassen?

So eine selten dumme Idee verursacht mir schon körperliche Schmerzen. Da ich nicht rauche, müsste ich allerdings wohl auf die entsprechende Hanftherapie verzichten. Ich werfe dann doch lieber eine Paracetamol ein.

Eine Frage bliebe noch: Warum muss ein Mensch, der vom Arzt den Konsum von Cannabis indiziert bekommen hat, eigentlich in einem „Club“ seine Medikamente einnehmen? Wenn ICH vom Arzt Tabletten verschrieben bekommen habe, werfe ich die in aller Regel in den eigenen vier Wänden ein. Und zwar ohne dass dabei jemand Zigaretten raucht. Apropos „einnehmen“: Dass man Cannabis-Produkte nicht zwingenderweise rauchen muss sondern sie auch oral einnehmen kann, scheint Herrn Cerveny unbekannt. Oder er äußert dies nicht öffentlich. Denn damit wäre die Idee seiner „Raucherclublösung 2.0“ schon von vorneherein gescheitert.

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15 Antworten zu “Vaclav Wenzel Cerveny und das „BayHanfG“: Der wohl dümmste Gesetzentwurf aller Zeiten

  1. Dick Rauch

    12. August 2014 at 17:27

    Der erste Versuch eines Volksbegehrens: Maximal 20% Raucherclubs pro Gemeinde, aber mindestens ein Fünftel (kein Witz). Verworfen, bereits gesammelte Unterschriften wurden offiziell vernichtet.
    Zweiter Versuch: Raucherclubs für alle, ohne Quote und ohne Genehmigung. Ausnahme: Jedes zweite Zelt auf Volksfesten muss rauchfrei sein. Es fehlen offiziell noch 4.000 Unterschriften, wohl eingestellt.
    Der dritte Versuch: Raucher- und Kifferclubs für alle. Was treibt diesen Mann? Leidet er unter einer Blamieren-um-jeden-Preis-Manie?

     
    • peterrachow

      12. August 2014 at 18:24

      „Was treibt diesen Mann“?

      Offen gestanden, ich weiß es nicht. Wahrscheinlich ist es eine ungeheure Realitätsferne gepaart mit einer größenwahnsinnigen Idee irgendwie in die Geschichtsbücher eingehen zu müssen. Cerveny ist für mich nur eine tragische Figur, die sich nach Kräften in der Öffentlichkeit lächerlich macht um irgendein mediales Echo zu erfahren. Egal, wie dieses Echo letztlich ausfällt.

       
      • destruxol

        12. August 2014 at 19:01

        Irgendwie haben fast alle Raucheraktivisten eins gemein: den Misserfolg.

        Vaclav und Ronald sind dabei noch die tragischten Figuren, weil sie es selbst nicht einmal merken. Da ist der Nicolai schon schlauer, der erkennt wenigstens sein Versagen und zeigt offen seinen Frust (z. B. in Form seiner Facebookseiten, auf denen er versucht unsere Beiträge zu kommentieren und außer Beleidigungen nichts aufbieten kann).

         
  2. rasta fari

    2. Januar 2015 at 11:33

    sorry aber wenn man keine ahnung von cannabis clubs hat sollte man sich erstmal informieren. dies habt hier nur unzureichend getan. schaut mal zb nach spanien. die haben cannabis social clubs und des sind keineswegs tabakraucher die da auschließlich drin verkehren. ich bin selbst cannabispatient und würde, wie viele andere auch, mir wünschen es gäbe solche clubs! eure persönliche fehde mit herrn cerveny über sowas auszutragen zeugt von engstirnigkeit und falschen enthusiasmus! schlechter und mieser text um jemanden schlecht zureden und dabei an der wirklichkeit vorbeigescheppert…..

     
    • peterrachow

      2. Januar 2015 at 15:22

      Zitat: „…ich bin selbst cannabispatient und würde, wie viele andere auch, mir wünschen es gäbe solche clubs! …“

      Gegenfrage: Warum nehmen Menschen Ihre Medikamente in „social clubs“ ein? Ich kenne niemanden, der sowas macht. Ich kenne nur Leute, die ihre Medikamente alleine einnehmen und das außerhalb sozialer Gesellschaften.

       
  3. Andi

    26. September 2015 at 16:19

    Es ist schade, wie oberflächlich versucht wird das Volksbgehren hier zu zerreissen.
    Dass Herr Cerveny als ehemaliger Kneipenwirt nicht komplett neutral beim Thema Raucherclubs sein dürfte steht für mich wenig in Frage, auf die Raucherclubs wird aber auf der Seite vom Volksbegehren auch eingegangen.
    Mir hat er es so erklärt, dass es Vorbehalte gegen den öffentlichen Konsum geben könnte und daher die Raucherclubs als Kompromiß gesehen werden, um einen legalen (nichtmedizinischen) Cannabiskonsum abseits der Straße zu ermöglichen – ich persönlich hätte eher Gemeinden erlaubt, so eine Art Sperrbezirke einzurichten, in denen der öffentliche Konsum verboten ist.

    Eines der Dilemma bei dem Volksbegehren ist, dass es doch recht restriktiv ist und einen Mittelweg zu finden versucht zwischen Leuten, die gegen eine Legalisierung Vorbehalte haben könnten, Genußkonsumenten und denen, die am ehesten darauf angewiesen sind (als Medikament bei Tourette, Schmerzpatienten usw) und finde es eine Frechheit, diesen Cannabis als Medikament sowohl organisatorisch als auch finanziell so schwer zugänglich zu machen, insbesondere wenn die Alternativen schädlicher sind (Man denke an Robert Strauß in Augsburg).

    Auch wenn ich nicht alle Punkte des Gesetzes befürworte finde ich die Idee brilliant, den Föderalismus zu nutzen (und so abwegig ist das Gesetz jetzt auch nicht). Ich habe auch einen Heidenrespekt vor den Leuten, die da soviel Einsatz gezeigt haben und auch weitermachen.
    Ich hoffe mal dass alles klappt, außerdem kann ja die Landesregierung einen Gegenentwurf machen (ohne Raucherclubs).
    Wer gegen eine Cannabislegalisierung Vorbehalte hat sollte sich überlegen, welche sozialen und volkswirtschaftlichen Schäden Alkohol verursacht und wie viele Leute Cannabis konsumieren würden nur weil es legal ist oder wie viele mit dem Konsum vielleicht nur angefangen haben, weil es verboten ist und damit irgendwas ganz tolles sein muss.

     
    • Peter Rachow

      26. September 2015 at 17:10

      Nachdem Herr Cerveny jahrelang erfolglos gegen das Rauchverbot in Bayern agitierte, ist seine „geniale Idee“ von den „Raucherclubs mit Cannabiseckchen“ wohl das letzte Aufbäumen vor dem endgültigen Untergang.

      Wer auf diesen Quatsch hereinfällt, dem ist in der Tat nicht mehr zu helfen. Dem Mann geht es übrigens gar nicht um die medizinische Verabreichung von Cannabis (wozu Medizinpersonal sowieso eher befähigt wäre) sondern um die Wiedereinführung von Raucherclubs durch die Hintertür. Warum man „medizinisches“ Cannabis in einem Raucherclub konsumieren soll, dazu fehlt mir jedes Verständnis.

       
    • Wolfgang

      26. September 2015 at 19:42

      Blöderweise kommt der Föderalismus hier aber gar nicht zum Tragen, weil das Betäubungsmittelgesetz, welches dazu geändert werden müsste, eine Bundesangelegenheit ist.
      Aber mich würde natürlich freuen, wenn das Volksbegehren zugelassen wird. Nachdem er nun Jahre für 25000 Unterschriften gebraucht hat, würde ich doch zu gerne sehen, wie er knapp 1 Million Menschen innerhalb von zwei Wochen in die Rathäuser bringen will.

       
    • Destruxol

      27. September 2015 at 17:31

      1. Der Konsum ist nicht verboten, sondern nur der Besitz.
      2. Warum sind es Raucherclubs, wenn es nur um den Konsum von Cannabis geht?
      3. Haben Kiffer kein Zuhause, indem sie kiffen koennen?
      4. Ist es nicht vielmehr so, dass man versucht zwei Anliegen in einem VB zu verpacken, weil jedes fuer sich chancenlos ist?
      5. Wird die Antwort des Landtagsamts veroeffentlicht?

       
      • Nieraucher

        27. September 2015 at 19:56

        Und weiß man, wie schnell die Antwort erfolgen wird?

         
  4. Mario HempJesus Dannemann

    17. April 2017 at 17:51

    Auch wenn dieser Mann schon oft gescheitert ist und viel unsinn verzapft, so ist es meiner Meinung nach auch nicht besser öffentliche Hetze gegen solche Menschen zu betreiben, wird woanders auch als „Stalker“ bestraft, oft mit Recht.
    Deine Meinug in allen Ehren, aber das geht mir zu weit in die Privatsphäre!

     
    • Dick Rauch

      17. April 2017 at 21:05

      Ich erkenne keine öffentliche Hetze. Der Mann hat vieles, auch Privates, bewusst und freiwillig in die Öffentlichkeit getragen. Dass dieses dann auch kritisch kommentiert und auch ggf. satirisch aufgearbeitet wird, ist in einer freien Gesellschaft üblich, sicher sogar notwendig, weil Leute wie Cerveny auch eine Verantwortung haben – etwa potenziellen Drogenneukunden gegenüber, sodass hier einiges richtig gestellt werden sollte.
      Wir sind hier ja nicht in einer Diktatur, wie sie die Türkei seit spätestens gestern ist, wo man Angst haben muss, wenn man den Mund aufmacht.

       
    • Peter Rachow

      17. April 2017 at 22:33

      Sie haben eine eigenartige Auffassung des Begriffes „öffentliche Hetze“. Vielleicht lernen Sie irgendwann einmal, ihn gegen den Begriff „rechtlich zulässige Meinungsäußerung“ abzugrenzen. Ein kleiner Hinweis dazu: Wer sich in der Öffentlichkeit produziert (und Herr Cerveny tut dies), muss sich nach herrschender Rechtsmeinung eine Kritik an seinem Verhalten und seinen Äußerungen gefallen lassen. Dies nennt man „öffentlichen politischen Meinungskampf“ und er ist integraler Bestandteil jeder funktionierenden Demokratie.

      Und dann wäre ich Ihnen noch sehr verbunden, wenn Sie mir nachweisen würden, wo ich über die *Privatsphäre“ des Herrn Cerveny berichtet habe.

       
  5. Werner Fischer

    20. April 2017 at 01:05

    Sauft euch doch zu Tode. Das ist Legal und alle die keinen Alkohol trinken bezahlt die Zeche der in die Rente ein bezahlt also nicht ärgern wenn es unter 1000€ sind und der Alkie das selbe ausbezahlt bekommt!

     
  6. Noch_ein_Leser

    1. Mai 2017 at 14:35

    Endlich eine Zeitung, die das Engagement des großen VWC zu würdigen weiß!

    http://taz.de/Muenchner-Aktivist-Wenzel-Cerveny/!5401680/

    (Was macht eigentlich Lachnummern-Bodo?)

     

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