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„bft e. V.“ – Themen verzweifelt gesucht

27 Jul

Was macht eigentlich ein kleines Splittergrüppchen von Tabaklobbyisten um aus der Schmuddelecke von Skrupellosigkeit, Krankheit und Tod herauszukommen? Diese Frage stellt sich seit Jahren der Truppe um den Münchner Tabaklobbyisten Bodo Meinsen. Und so versucht dieses Häuflein um den erfolglosen FDP-Kandidaten Meinsen verzweifelt, andere Themen außer dem abgesroschenen „Rauchverbot ist Kneipentod!“ zu besetzen.

Auf der Homepage der Truppe sind dazu lieblos ein paar Themenfelder und ein paar zentrale Aussgaen zu gesellschaftsrelevanten Sachthemen zusammengeschustert. Aber das Ganze wirkt einfach nur wie an einem Abend lustlos und unter Zwang zusammengeschrieben. Die Damen und Herren von den selbst ernannten Freiheitsfreunden ergießen sich ausschließlich in Allgemeinplätzen und geben Statements von sich, die an Beliebigkeit kaum zu übertreffen sind. Ein kleines Beispiel aus dem Bereich der Bildungspolitik:

Pädagogische Käfighaltung – Bildung und Erziehung

Egal, ob man sie vernachlässigt oder über-behütet: Beides schadet unseren Kindern. Eltern bemuttern ihren Nachwuchs und erwarten auch vom Staat eine Rundum-Betreuung. Schulen wiederum schaffen es immer seltener, ihren Bildungsauftrag wirklich erfolgreich auszufüllen. Die Folgen sind verzweifelte Kämpfe um gymnasiale Eintrittskarten und konzeptloses Flickwerk in Bildungsplänen.

Wir Bürger für Freiheit und Toleranz finden: Chancengleichheit ist der Schlüssel zu einem gesunden Bildungssystem. Dazu gehört die Förderung von Kindern aus Nicht-Akademiker-Haushalten ebenso wie der Versuch, ein Gleichgewicht der Geschlechter in Schulkollegien zu erreichen. Doch danach heißt es: Kinder sollen die Welt mit ihren eigenen Erfahrungen sehen, sie sich selbst erobern. Überwachung und ständige Reglementierung haben in einer freiheitlichen Bildung keinen Platz. (Quelle bft e. V.)

Dieses ebenso allgemeine wie dumme Geschwätz aus dem ersten Absatz kann man auf allen Stammtischen hören, wenn selbsternannte Bildungsexperten über die Schule lamentieren. Es hat in etwa so viel Relevanz wie ein in China umfallendes Fahrrad.

Wer wie Meinsens Truppe es versucht, alle Schulen eines Landes, das sich zudem auch noch ein föderales Bildungssystem mit 16 verschiedenen Landesschulsystemen leistet, über einen Kamm zu scheren wird nolens volens Schiffbruch erleiden. Und dass Meinsens Kampfrauchertruppe zur Institution Schule keinerlei Beziehung hat, erkent man schon daran, dass diese Leute moderne Schulkonzepte wie Ganztagesschulen, zusätzlichen Förderunterricht, Durchlässigkeit des Bildungssystems in Schulen mit verschiedenen Anfroderungszweigen, Differenzierungsunterricht etc. gar nicht einmal erwähnen. Und über Unterrichtsversorgung, Klassenmesszahlen, Sprachenfolge etc. wird überhaupt nicht geredet. Das kommt eben dann dabei heraus, wenn man sich in der Öffentlichkeit so darstellen will, als sei man eben keine Raucherlobbytruppe sondern habe tatsächlich ein Interesse an gesellschaftlicher Fortentwicklung.

Und genau in die gleiche Richtung geht der neueste Flop von Bodo & Co.:

BFT – Bürger für Freiheit und Toleranz e.V.: Drei Tage BFT-Klausur, diesmal in Stuttgart. Drei Tage intensive Diskussionen über viele Gesellschaftsthemen. Vom demografischen Wandel und dessen Herausforderungen, über negative Trends (z.B. ansteigender Judenhass in Deutschland) und wie man diesen begegnen sollte, bis zur Hinterfragung von Toleranz und Intoleranz.

Die Debatten waren von ausgezeichneter Qualität. Die Teilnehmer aus allen Teilen Deutschlands waren konzentriert und ideenreich. Die Ergebnisse dementsprechend super. Alle Impulse werden nun bei BFT aufgenommen und umgesetzt. Spannend! Wer zukünftig dabei sein möchte, ist herzlich eingeladen. Die BFT Gemeinschaft wächst weiter und die Aufgaben fordern heraus. Danke an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Klausur. Die nächste dieser Art wird im Herbst stattfinden. (Quelle)

Interessant ist mal wieder wie Bodos Truppe versucht, aktuelle Presseberichte und -themen aufzunehmen. Hier ist das spezielle Thema der angebliche „Judenhass“ in Deutschland. Lieber Bodo, Du solltest Dich nicht primär aus der BILD-Zeitung informieren. Es gibt keinen „neuen Judenhass“ in Deutschland. Wir haben in diesem Land einen Bodensatz aus ca. 5  bis 10 Prozent Neonazis. Denen gestehe ich „Judenhass“ zu. Das ist bei derartigen Politspinnern einfach Standard. Die brauchen das. Ernst nimmt diese braunen Politkasper sowieso niemand mehr. Die NPD als ihr Sprachrohr ist auch gerade in Auflösung begriffen, also ist keine Gefahr aus der rechten Ecke zu befürchten.

Ein weiterer heißer Kandidat für Judenhass sind dann vielleicht eine Handvoll gewaltbereiter fundamentalistischer Extremmoslems, deren Weltbild ebenfalls ziemlich durchgeknallt ist. Abgesehen von diesen extremistischen Randgrüppchen können Menschen in Deutschland wohl zu einem überwiegenden Teil gut unterscheiden zwischen verachtenswertem „Judenhass“ und berechtigter Kritik an der israelischen Politik. Auch wenn Funktionäre wie Frau Knobloch dies in unzulässiger Weise in einen Topf werfen, um Stimmung zu machen.

Wer sich mal das Niveau einer „bft e. V.“-Veranstaltung anzusehen gedenkt, dem empfehle ich folgenden Link. Hier tauschen sich Leute aus, die zu einem guten Teil aus bekannten Szene der militanten „Genussfreunde“ stammen. Bei dem einen oder anderen kann man darüber hinaus erkennen, dass neben Tabak auch Alkohol beim „Genussverhalten“ eine zentrale Rolle spielen muss. Prost!

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10 Antworten zu “„bft e. V.“ – Themen verzweifelt gesucht

  1. Noch_ein_Leser

    27. Juli 2014 at 21:10

    > dass neben Tabak auch Alkohol beim “Genussverhalten” eine zentrale Rolle spielen muss

    Ich finde es peinlich, wie in dem Video besonders *ein* Gast der Veranstaltung bloßgestellt wird!

    Übrigens: Von den kaum vorzeigbaren BFT-Vorstandsmitgliedern der ersten Jahre ist ja keines im Hintergrund zu sehen? So ganz egal scheint Meinsen die Außenwirkung also nicht gewesen zu sein?

     
    • peterrachow

      27. Juli 2014 at 21:51

      Ich habe diesen bestimmten „Gneussfreund“ vor einiger Zeit bei einer Livediskussion im Internet gehört. Auch dort wirkte er deutlich angetrunken. Ich hatte teilweise erhebliche Mühe, seiner langen und unnatürlich gedehnten Artikulation zu folgen. Einer Artikulation, bei der man deutlich erkennen konnte, dass der sich Äußernde erhebliche Mühe hatte, selbst einfache Sätze zu bilden.

       
  2. Wolfgang

    28. Juli 2014 at 06:47

    Das Rauchen gibt eben keine guten Argumente her. Selbst Gruppen, die das Rauchen ausdrücklich im Namen tragen, wenden sich immer wieder anderen Themen zu. Bei „Fairness für Raucher“ echauffiert man sich derzeit über ein angedachtes Verbot von bereits gefärbten Ostereiern.

     
    • peterrachow

      28. Juli 2014 at 07:27

      Man sieht auch, dass Gruppen der Raucherlobby es häufig vermeiden, das Wort „Rauchen“ im Namen zu führen. Irgendiwe möchte man immer um das Schmuddelwort herumkommen. Heraus kommen dann so kurios klingende Namen wie „Komitee zur Wahrung der Bürgerrechte“, „Bergische Bürgerinitiative“, „NRW genießt“ „Verein zur Wahrung der Bayerischen Wirtshauskultur“ oder eben „Bündnis für Freiheit und Toleranz“. Der Name muss positiv klingen, das Wort „Rauchen“, das stark mit Begriffen wie „Krankheit“, „Tod“ oder „Unterschicht“ vernetzt ist, muss vermieden werden.

       
  3. Kleine Raupe Nimmersatt

    28. Juli 2014 at 16:42

    Zum Glück gibt es jetzt einen potenten Blogger, der die Texte von Senfpeter hervorragend deutet und interpretiert:

    http://juwelieralexanderjaeger.wordpress.com/2014/07/28/politisches-kabarett-mit-senfpeter/

    (PS: Was denken eigentlich Kunden dieses Herrn, wenn sie durch eine Google-Suche auf seinem Blog landen? 😀 )

     
    • peterrachow

      28. Juli 2014 at 17:10

      Ach Du lieber Himmel, ist der Mann aus Aalen denn immer noch am Keifen? Das liest sich wirklich schlimm. OK, wenn einem gar nichts mehr peinlich ist, dann macht man halt die „Große bunte Alex-Show“. Für alle Kunden des Juweliers Alexander Jäger aus der Mittelbachstraße in Aalen sicher eine erstklassige geschäftliche Empfehlung. Ich würde dort sofort einen größeren Einkauf planen, wenn ich Pretiosen bräuchte. Brauche ich aber nicht. Muhahahaha!

       

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