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Immer die gleichen alten Geschichten – mal wieder.

20 Jul

Nach einigen Tagen Schockstarre über den Frühtod des Raucheraktivisten H., der mit 56 Jahren einem Herzinfarkt erlegen ist und dadurch ganz knapp das Alter des ketterauchenden Helmut Schmidt verfehlte, läuft die alte Masche wieder an. Die militanten Raucher pfeifen wieder im Wald. Wir lernen schnell, dass auch Nichtraucher nicht das ewige Leben haben:

Stefan Fenners: "Rauchen ist gar nicht soooo schlimm!"

Stefan Fenners: „Rauchen ist gar nicht soooo schlimm!“

Gut, das verstehe ich. Nichtrauchen ist auch gefährlich und kann zu einem frühen Tod führen. Noch ein „Beweis“:

"Moni MA" findet, auch Nichtraucher leben gefährlich.

„Moni MA“ findet, auch Nichtraucher leben gefährlich.

(Quelle)

Die meisten der dort schreibenden Damen und Herren dürften die Schule weit vor jenen Klassenstufen verlassen haben, wo das Thema „Statistik und Stochastik“ im Mathematikunterricht behandelt wird. Und so werden sie wohl keine Ahnung davon haben, dass Einzelfälle kaum als Prädiktor für Risiken taugen. Und umgekehrt dass keine Statistik einzelnen Risikoträgern vorhersagen kann, welche Entwicklung ihr zukünftiges Leben nehmen wird. Oder dass Statistiken nur Aussagen für größere Kollektive erlauben.

Insofern muss man, wenn entweder der 90-jährige kettenrauchende Opa, der plötzlich verstarb, weil ihn ein rücksichtsloser Autofahrer auf dem Zebrastreifen ins Jenseits bugsierte oder die nichtrauchende Kollgein, die mit 55 Jahren an Krebs aus dem Leben schied wieder auf die Tagesordnung kommen, einfach davon ausgehen, dass hier jemand redet, der von Wahrscheinlichkeitsrechnung nicht allzuviel Ahnung hat. Denn diese Herrschaften können mit dem Begriff „Risiko“ in aller Regel nicht viel anfangen. Aber wie soll man jemand erklären, was der Begriff „Eintretenswahrscheinlichkeit“ genau bedeutet, dem es eklatant an den Grundlagen der beschreibenden Statistik mangelt?

Dass man aber als Raucher ein wesentlich größeres Risiko trägt, nicht besonders alt zu werden bzw. gesund zu bleiben, das bleibt den Damen und Herren also schon aus diesem Grunde verborgen. Alleine das allgemeine Krebsbrisko ist für den Raucher um den Faktor 4 bis 5 höher als für den Nichtraucher (Link). Die Gefahr, an Lungenkrebs als dem typischen „Raucherkrebs“ zu erkranken ist sogar um den Faktor bis über 20 gegenüber den Nieraucher erhöht. Und das Risiko an einer kardiovaskülären Krankheit wie dem Herzinfarkt zu sterben steigt in ähnlichen Größenordnungen wie das allgemeine Krebsrisiko an (Link).

Hinzu kommt, dass sich die Freunde des „Genusses“ eben aufgrund ihrer Drogensucht nicht vom pathologischen Rauchverhalten abwenden können. Und daher werden wir von jetzt an wieder verstärkt auf den Raucherkanälen die alten Geschichten vom alten Raucheropa und von der jungen toten Nichtrauchertante lesen. Und auch Helmut Schmidt dürfte regelmäßig wie ein „Jack in the box“ wieder auftauchen.

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