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Solidarität für Friedhelm! Eine Raucherposse erster Couleur.

03 Jul

Friedhelm Adolfs aus Düsseldorf, der zweitbekannteste Kettenraucher in Deutschland nach Helmut Schmidt, hat ein Problem: Er muss aus seiner Wohnung ausziehen, weil er das Treppenhaus jahrelang mit Tabaksqualm und Rauchgestank bemieft hat und ihm auch das Landgericht Düsseldorf nicht folgen wollte, dass dies alles gar kein großes Problem sei (Bericht hier im Blog).

Besonders  interessant liest sich in diesem Zusammenhang übrigens die Urteilsbegründung. Ein paar besonders aussagekräftige Passagen, die das Verhalten vom Raucher-Rentner Friedhelm Adolfs unter einem gewissen negativen Licht erscheinen lassen, möchte ich hier einmal kurz besprechen:

LG Düsseldorf:  „[…]Der schwerwiegende schuldhafte Pflichtverstoß des Beklagten, der die fristlose Kündigung rechtfertigt, liegt vorliegend alleine darin, dass der Beklagte keine Maßnahmen dafür trifft um zu verhindern, dass Zigarettenrauch in den Hausflur zieht, sondern dies durch sein vertragswidriges Verhalten sogar noch fördert.[…]

Herr Adolfs scheint sich also im Haus rücksichtslos zu benehmen und unternimmt nichts dafür, dass seine Geruchsbelästigungen so klein als möglich gehalten werden. Im Gegenteil:

LG Düsseldorf:  „[…]Zur Überzeugung der Kammer hat die Klägerin durch die durchgeführte Zeugenvernehmung den Nachweis erbracht, dass ein geänderte Verhalten des Beklagten dazu geführt hat, dass seit dem Jahr 2011 Zigarettenrauch in den unteren Teil des Treppenhauses L-Straße zieht und dort zu erheblichen Geruchsbelästigungen führt. Dies ergibt sich aus der Aussage des Zeugen C. Dieser hat im Termin vor der Kammer am 22.5.2014 ausgesagt, dass er schon seit über 30 Jahren als Makler und Immobilienkaufmann für die Klägerin tätig ist, dass ihm erstmals im Herbst 2011 aufgefallen sei, dass es im unteren Bereich des Treppenhauses L-Straße unangenehm nach Zigarettenrauch gerochen hat. Bei einer späteren Gelegenheit, im Frühjahr 2012, habe er im Einverständnis mit dem Beklagten dessen Wohnung betreten. Bei diesem Besuch habe er gesehen, dass sich fünf Aschenbecher des Beklagten in der kleinen Wohnung befanden, die alle nicht geleert waren.Weiterhin hätten sich innen an der Wohnungstür Kleidungsstücke befunden, die alle stark nach Rauch rochen. In der ganzen Wohnung habe es gerochen wie in einer Räucherkammer. Eine vergleichbare Wahrnehmung habe er erneut  im November/Dezember 2012 gemacht. Weiterhin hat der Zeuge geschildert, dass er im weiteren Verlauf des Jahres 2012 mehrfach im Haus L-Straße gewesen sei; bei jeder dieser Gelegenheiten habe er wahrgenommen, dass die Rollläden an der Wohnung des Beklagten heruntergelassen waren. […]

5 randvolle Aschenbecher, verseuchtes Mobiliar, nach Qualm stinkenden Klamotten. Und keine frische Luft von außen. Eigentlich ein sehr „leckeres“ Umfeld, in dem sich Herr Adolfs pudelwohl zu fühlen scheint. Mir wird beim Gedanken daran gerade etwas übel. Aber nur ein klein wenig…

LG Düsseldorf: „[…]Zu dem geschilderten vertragswidrigen Verhalten des Beklagten, nämlich dem unzureichenden Lüften und der unterlassenen Leerung von Aschenbechern, ist es aber erst später, nämlich ab dem Jahr 2011 gekommen.[…]“

So, und damit ist eigentlich alles klar. Friedhelm Adolfs hat irgendwann angefangen, nicht sein Raucherverhalten zu ändern sondern sein Lüftungsverhalten. Die Rolläden waren fortan regelmäßig geschlossen, die Fenster ebenso und der ganze aerosole Giftmüll musste zwangsweise über das Treppenhaus entsorgt werden. Dorthin breitet er sich nämlich aufgrund der Diffusionsgesetze aus, wenn ein anderer Weg zum Ausgleich der Konzentrationen nicht möglich ist. Und dies eben mit entsprechenden Folgen für die anderen Mieter.

Also war’s nichts mit der Aktion „Friedhelm sind wir alle!„. Wer sich benimmt wie ein rücksichtsloser Raucher, der wird auch entsprechend behandelt. Aber bei unseren Freunden von der Qualmfront ist Rücksichtnahme auf die Belange der Mitmenschen jetzt ja auch nicht unbedingt eine weit verbreitete Angewohnheit, insofern ist das Aufheulen der Raucherfraktion nach dem Urteilsspruch schon verständlich. Nachvollziehbar ist es aber nicht.

Ich weiß daher auch gar nicht, warum seitens der anderen Qualmfanatiker jetzt ein derart großes „Solidarität für Friedhelm!“-Fass aufgemacht wird. Vielleicht liegt es daran, dass diese Herrschaften eine Urteilsbegründung nicht lesen und/oder nicht verstehen können bzw.  einfach infolge einer gewissen ihnen eigenen geistigen Schlichtheit annehmen, dass man nun, nur weil man Raucher ist, sofort aus der Wohnung fliegen könne.  Also muss Kohle für Friedhelm her, denn „Friedhelm ist überall!“:

Roland Dittmar: Die Spendenwelle ist angelaufen. Lt. Aussage von RA Lauppe Assmann belief sich der Stand der Aktion am 2.7.2014 8 Uhr auf 500.- Euro. Friedhelm braucht 4.200.- Euro, um nicht zum Jahresende aus seiner Wohnung auszuziehen. Zeigt Eure Solidarität und Euer Raucherherz und spendet, denn dieses Urteil ist nicht nur für den Friedhelm wichtig, es betrifft die ganze Rauchernation. (Quelle)

Oh my god! Roland Dittmar, Schriftführer der Tabaklobbyorganisation „bft e. V.“ ruft im Namen der „Rauchernation“ auf, für Friedhelm, den Raucher-Rentner zu spenden. Dümmer geht’s wirklich nimmer! Erstens einmal sind nicht mal mehr 1/3 der Deutschen Raucher. Von einer „Rauchernation“ kann man daher wohl kaum sprechen. Und die geforderte Solidarität dürfte zweitens schnell erschöpft sein bei einer Bevölkerungsgruppe, die 1. nicht gerade zu den Wohlhabenden gehört und 2. ihr Geld lieber für Alkohol und Nikotin denn für „Solidarität mit Friedhelm“ ausgibt. Und über den Ausdruck „Spendenwelle“ wollen wir hier gar nicht reden. Wo Roland Dittmar eine „Spendenwelle“ sieht, sehe ich eher Ebbe in der Kasse.

Nebenbei bemerkt finanzieren die 4200,-€ auch nicht den Fortgang des Verfahrens vor dem Revisionsgericht sondern sind als Sicherungsleistung zu hinterlegen, damit die Räumung abgewendet wird. Und da wird mancher Hardcoreraucher sich überlegen, dass ihm der eigene Lungenkrebs. den es zu errauchen gilt, nicht vielleicht doch näher ist als jener des rauchenden Rentners, und dass eben dieser eigene Krebs daher zuvorderst finanziert werden muss. Für was das eigene knappe Geld dann ausgegeben werden wird, dürfte klar sein.

Aber egal, wie sich die Hardcorefraktion öffentlich präsentiert: Eine peinliche Posse ist das, was hier geboten wird, allemal!

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4 Kommentare

Verfasst von - 3. Juli 2014 in Friedhelm Adolfs, Roland Dittmar

 

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4 Antworten zu “Solidarität für Friedhelm! Eine Raucherposse erster Couleur.

  1. Excalibur

    3. Juli 2014 at 14:26

    Sehr schön, diese Erklärung. Sie sollte eigentlich an die versammelte Presse geschickt werden, denn ein guter Teil der Kommentatoren scheint das Urteil genauso wenig wie die Kampfraucher gelesen zu haben. Ob in den Papierblättern oder online, auf Facebook oder im TV – überall gibt es „Meinung“ zuhauf. Viel Senf, wenig Fleisch.

     
  2. Noch_ein_Leser

    3. Juli 2014 at 14:40

    „Bis zum Tod seiner Frau hätten sie sogar gemeinsam kräftig gequalmt, ohne dass sich jemand daran gestört habe. Sie starb vor wenigen Jahren an Krebs.“

    Quelle: http://www.taz.de/!132041/

    Der alte Mann scheint komplett merkbefreit zu sein!

     
  3. destruxol

    3. Juli 2014 at 21:38

    Rolli, der erste „Rauchernationalist“ 😀

     

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