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„Netzwerk Rauchen“ – Nikotinabhängige wollen selbst auf Spielplätzen rauchen (von Peter Rachow)

14 Mrz

Vom sog. „Netzwerk Rauchen“, einem Verein einiger weniger hochgradig Nikotinabhängiger, sind wir einiges an bis dato publiziertem Unsinn gewohnt. Jetzt legt diese Splittergruppe, deren Lautstärke umgekehrt proportional zu ihrer Mitgliederzahl ist, mal wieder nach: Link zu einem Pamphlet des „Netzwerk Rauchen“ .  Und zwar in einer Causa, in der uns deren Vereinsvorsitzender, Michael Löb aus Worms, allerdings unfreiwillig, eindringlich eine der Folgen des Rauchens anhand seines schlechten Zahnstatus demonstriert hat (Link zum Filmbereicht des SWR zum Thema „Rauchverbot auf Spielplätzen“). Wir fassen kurz zusammen: Herr Löb möchte gerne auf Spielplätzen weiter rauchen.  Alle, die das nicht wollen, sind doof, und „Genussfeinde“ und sowieso.  Reflexartig versucht sein kaum ernstzunehmender Kleinstverein für diese abwegigen Thesen die Trommel zu rühren. Aber immerhin: Der Versuch, sich mal wieder lächerlich zu machen, gelingt.

Beim Vortrag des Herrn Löb und seines „Netzwerks“ handelt es sich summa summarum um eine, wie ich finde, ziemlich blödsinnige Einlassung. Denn erstens sollte man den auf einem Spielplatz  spielenden Kindern nicht den Drogenkonsum in Gestalt des überaus peinlichen Verhaltens des Tabakrauchens direkt vor der Nase demonstrieren.

Zweitens ist es bedauerlich, dass manche Menschen nicht einmal die kurze Zeit, in der ihre Kinder auf dem Spielplatz zubringen, aushalten können, ohne sich den nächsten „Schuss“ mit Nikotin zu setzen. Denn für die nikotinabhängigen Protagonisten von Lungenkrebs und Raucherbein aus dem Hause „Netzwerk Rauchen e. V.“ dürfte dieser kurze Drogenverzicht bereits eine erhebliche Anstrengung darstellen. Und so muss die Gruppe um Michael Löb eben ein paar „Argumente“ suchen, um zu erklären, dass man eben auf Spielplätzen dringend rauchen dürfen muss.

Eines davon ist die gerade angesprochene Vorbildfunktion, jedoch in einer weitgehend sinnfreien Neuinterpretation:

„Netzwerk Rauchen“ schreibt: Es ist jedermann unbenommen Kindern, auch fremden, Vorbild zu sein so man dafür ein Bedürfnis verspürt, die Frage ist nur: wofür? Es mag vorbildlich sein Kindern nahe zu bringen, dass man bestimmte Dinge besser bleiben lässt, wenn man das Erwachsenenalter jemals erreichen will, zum Beispiel Putzmittel zu verköstigen. Lebt man Kindern dagegen Konformismus vor ist die Lage eine andere, dann könnte Nachahmung böse enden.

Es ist kaum verwunderlich, dass solch ein hemmungloser Egoist wie ein Kampfraucher aus dem oben genannten Rauchernetzwerk kaum einen Sinn darin sehen dürfte, Kindern ein Vorbild zu sein. Denn der Egoismus dieser Extremabhängigen ist beständig nur darauf gerichtet, ihre eigene Sucht zu befriedigen. Warum soll man da Kindern in Form eines Vorbildes zeigen, dass Sucht aber kein erstrebenswertes Verhalten ist und nur in die Dummheit und die Unmündigkeit führt? Von finanziellem Schaden, Krankheit,  Siechtum und Tod mal abgesehen. Und dass Rauchen sowieso nur etwas für Schwächlinge und Verlierer ist?

Der Nonkonformismus, dessen sich der Autor in drastischer Verkennung der Tatsachen rühmt, ist darüberhinaus wohl kaum damit zu erreichen, dass man zu einer Gruppe von mehr als 20 Millionen zigarettensüchtigen Menschen in Deutschland gehört. Und den in Ansätzen vorgetragegen Bezug zum Nazireich („wohin das führt, wissen wir…“), der von diesen Hardcorerauchern in ihrer schier unbeschreiblichen Einfalt gerne mal getätigt wird, den ignorieren wir einfach mal. Diese Art von ausufernder Dummheit ist mir schon seit Jahren bekannt. Ich lache immer wieder gene darüber.

„Netzwerk Rauchen“ schreibt: Davon abgesehen, dass man in kurzer Zeit den Respekt jedes Kindes verlieren wird, sobald es begriffen hat, dass das Vorbild in Wahrheit ein Scheinriese ist; einer, der dem Kind etwas vorspielt, sich aber ansonsten ganz anders verhält.

Hier schließt der Autor vermutlich von sich auf andere. Der normale Mensch wird einem Kind dagegen konsequent vorleben, dass er so klug ist, sein Geld nicht zu verbrennen indem er es anzündet und die entstehenden Abgase einatmet. Er wird auch zeigen,  dass er seine Gesundheit nicht vorsätzlich runiert und dass er seine Mitmenschen nicht dadurch belästigt und gefährdet, dass er raucht und ihre Umwelt belastet.

„Netzwerk Rauchen“ schreibt: So erzieht man Anpasser, schwache Menschen, die stets einen Anführer brauchen der ihnen sagt was sie tun sollen, Menschen, die sich selbst nicht kennen, weil sie nie die Gelegenheit hatten sich selbst kennen zu lernen, die sich als minderwertig erleben, weil sie das Ideal der Außenwelt nicht erreichen können. Ideale Kandidaten für langjährige Psychotherapien, ideale Befehlsempfänger.

Wenn der Autor von „schwachen Menschen“ spricht, wen meint er damit eigentlich genau? Ich kenne „schwache Menschen“ eher als jene, die nicht oder nur extrem schwer von der Nikotinsucht loskommen oder die sogar noch weiter rauchen müssen,  nachdem ihnen ein Arzt gesagt hat, dass sie nur noch wenige Monate zu leben haben. Ganz einfach weil sie an einer tödlichen und nur durch das Rauchen entstandenen Krankheit leiden. Es sind meiner Ansicht nach jene, die sich als Jugendliche als minderwertig erlebten und dadurch zum Raucher wurden. Sie wollten ein „Genussmensch“ sein, der ja so unendlich „cool“ und „überlegen“ ist und der „meilenweit“ für seine Kippen geht und für den das Leben ein Abenteuer in „Marlboro Country“ ist.  So wollte also auch der picklige Jüngling sein, und schluckte halt der Einfachheit halber den Köder der Tabakindustrie.

Diese Sichtweise auf die Droge Tabak, die den jungen, pubertierenden und von Selbstzweifeln angenagten Jungkonsumenten von Seiten einer profitgeilen und skrupellosen Tabakdrogenindustrie eingehämmert wurde (ein Märchen, das primär die intellektuell weniger gut ausgestatteten Teens und Twens glaubten und die diesen „Lebensentwurf“ dann in den Konsum von Tabakwaren umsetzten) führte so der Killerdroge Tabak immer neue Konsumenten zu. Und genau diese Leute muss der Autor des „Netzwerk Rauchen“ auf dem Schirm gehabt haben, als er seine Aussage von den „schwachen Menschen“ tätigte. Rauchen ist Schwäche. Wer stark ist, lebt ohne Drogen.

„Netzwerk Rauchen“ schreibt: Kinder müssen Menschen erleben, keine Konformisten. Menschen die Ecken und Kanten haben, die die unterschiedlichsten Dinge tun, die sich unterscheiden und die dazu stehen, ohne wenn und aber und ohne schlechtes Gewissen.

Ach ja? Und diese Menschen sind Raucher? Man muss fast lachen über die unverhohlene Dummheit, die der Autor hier offenbart: Die Individualisten, die Kreativen, die Aufrechten, die Unangepassten, ja das sind seiner Meinung nach die Raucher. Was für eine schwachsinnige Einlassung! In der Realität sind dies jedoch oft Menschen, die ihr letztes Geld in die Droge stecken und die so „unangepasst“ sind, dass sie wirklich idiotische Dinge tun. Nämlich sich und ihre Umwelt zu vergiften und später einmal an ihrer vermeintlichen „Indivualität“ wesentlich früher zu sterben als Nichtraucher. „Ecken und Kanten“ scheinen für den Autor dieses selten blödsinnigen Textes jene zu sein, die sich freiwillig vergiften. Was für eine abgrundtiefe Dummheit aus diesen Worten spricht!

„Netzwerk Rauchen“ schreibt: Wie viele Kinder sind also bislang an verschluckten Zigarettenkippen zu Tode gekommen: keines. In einem bestimmten Alter nehmen Kinder schlicht alles in den Mund um den Gegenstand des Interesses zu prüfen, und manchmal wird auch einer verschluckt. Das kommt bei Kippen etwa 1.500mal pro Jahr vor. In fast allen Fällen kümmert sich der Körper des Kindes selbst erfolgreich um das Problem und scheidet den unerwünschten Gegenstand schlicht wieder aus.

Auch hier erkennt man wieder die übliche Taktik dieses „Netzwerk Rauchen“, sich auf ein eher am Rande liegendes Problem zu fokussieren. Es sind aber nicht die Kippen, die Kinder verschlucken könnte, es ist der widerliche Abfall des Tabakkonsums der überall herumliegt. Asoziale Raucher haben die Angewohnheit, ihre Zigarettenreste überall hinzuwerfen, wo sie gerade stehen. Dies sieht nicht nur ekelhaft aus, es stinkt ekelerregend und die Beseitigung des Mülls kostet viel Geld. Und dieser Dreck hat auf einem Kinderspielplatz rein gar nichts zu suchen. Und seine Beseitigung fällt obendrein der Allgemeinheit zur Last.

„Netzwerk Rauchen“ schreibt: Eine naheliegende greifbare Lösung für dieses Problem das keines ist für geradeaus denkende Menschen wäre übrigens: einfach ein paar Aschenbecher aufstellen. Preiswert und effektiv. Diese geniale Erfindung reduziert weggeworfene Kippen um einen dramatisch hohen Prozentsatz.

Wir sind es gewohnt, dass die Brachialraucher aus dem „Netzwerk Rauchen“ an einer schweren Form des „Pippi-Langstrumpf“-Syndroms leiden: „Wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt!„. Man sehe auf einem Bahnhof mal ins Gleis und vergegenwärtige sich, wie viele hundert Kippenreste da auf einem Meter Bahnsteiglänge zusammenkommen. Und dies trotz aufgestellter Aschenbecher. Raucher wie Michael Löb, der gegen den Nichtrauchschutz in Kneipen kämpft u. a. deshalb, weil er es nicht vermag, zum Konsum seiner Drogen ein paar Meter vor die Tür zu gehen ist diesbezüglich kein Einzelfall. Und der erwartet dann allen Ernstes, dass Raucher vor diesem Hintergrund nach dem vollzogenen Konsum zum Aschenbecher watscheln und dort die abgebrannten Reste ihrer Zigaretten entsorgen? Man darf nun getrost neuerlich laut auflachen.

„Netzwerk Rauchen“ schreibt: Apropos Überwachung: Ein Gesetz, das nicht durchgesetzt werden kann ist natürlich überflüssig wie ein Kropf. Der Städtetag ist noch eine Erklärung schuldig, wie die allzeit klammen Kommunen ein weiteres kontrollaufwändiges Verbot denn durchsetzen wollten. Wir sind gespannt auf die Antwort.

Dass die Brutalraucher vom „Netzwerk Rauchen“ es mit der Gesetzestreue nicht so genau nehmen, ist hinlänglich bekannt. Aus deren Reihen wird bekanntermaßen immer wieder zum Rechtsbruch aufgefordert. Jürgen Vollmer aus Marburg, ehemaliger Vizevorstand des Vereins, ist dabei besonders hervorgetreten (Link 1 | Link 2). Auch Michael Löb, derzeitiger Vorsitzender des Vereines, hat mit dem Bruch geltender Gesetze kein Problem:

Boykott von Rauchverbots-Gastronomie in NRW
Netzwerk Rauchen: Geschlossene Gesellschaften nutzen

Raucher boykottieren ab dem 1. Mai alle Gastätten in Nordrhein-Westfalen, in denen nicht mehr geraucht werden darf, rät Netzwerk Rauchen e.V.. Die deutsche Interessenvertretung rauchender Menschen fordert stattdessen dazu auf solche Wirte zu unterstützen, die ungeachtet des Verbots weiterrauchen lassen…

(Quelle)

Und daher dürfte auch der Autor des hier besprochenen Beitrages (bei dem es sich wahrscheinlich um eben diesen Michael Löb, Vorstand von „Netzwerk Rauchen e. V. „, handeln dürfte), genau jenes im Sinn haben. Ich gehe davon aus, dass Löb mit internalisierten Normen wohl wenig im Sinn hat. Folglich dürfte es ihm kaum einsichtig sein, dass Normen eine stabilisierende Funktion im Zusammenleben der Menschen haben. Also ist davon auszugehen, dass der einzige Antrieb, der ihn zur Einhaltung eines bestehenden Gesetzes zu bringen in der Lage ist, die Drohung mit einer Sanktion ist. Denn durch seine Äußerung tut er kund, dass er eben nicht vorhat, wenn schon nicht kontrolliert wird, diese Regelung (Rauchverbot auf Spielplätzen) auch einzuhalten.

Zum Ende des Textes kommt dann wieder ein weiteres typisches Stilmittel dieses verqueren Rauchernetzwerkes und seiner Ausarbeitungen auf den Plan: Die Ablenkung vom eigentlichen Thema und der Verweis auf eine vermeintlich größere Gefahr. In diesem Falle sind es herumliegende Injektionsspritzen.

„Netzwerk Rauchen“ schreibt: Übrigens lauert da auf so manchem Spielplatz eine echte Gefahr, weggeworfene Spritzen beispielsweise. Da helfen aber weder ein Rauchverbot und ein Spritzenverbot vermutlich auch nicht. Ob das Problem ganz woanders zu suchen ist? Wir fragen mal den Städtetag, falls er Zeit hat dieser Frage nachzugehen.

Dies hat zwar mit dem Rauchen gar nichts zu tun, aber immerhin lenkt es vom Thema ab. Aber nur jenen, der so doof ist, sich auf diesen bei Hardcorerauchern üblichen Vergleich von Äpfeln und Birnen einzulassen.

Bleibt nur zu hoffen, dass andere Städte in Baden-Württemberg, wie hier in Karlsruhe, ein Rauchverbot auf Spielplätzen verhängen. Und dies dann auch unbedingt konsequent überwachen. Damit Leute wie Michael Löb gar nicht auf den dummen Gedanken kommen, den Kindern auf dem Spielplatz die „Ich-bin-süchtig-und-muss-überall-rauchen“-Show geben.

Nachsatz: Im Forum des Nikotinistenvereines „Netzwerk Rauchen“ schreibt Löb als „freiraucher“ folgenden Stuss:

Was ich noch gar nicht erwähnt hatte war diese geradzu symbolische Koninzidenz von Drehtermin und einem tragischen Unglück: während wir gedreht haben war auf der anderen Neckarseite die Feuerwehr im Großeinsatz. Der Grund war, wie ich später erfahren habe, der Brand in einem heruntergekommen Asylwohnheim in den Quadraten, bei dem zwei Kinder einer Asylfamilie ums Leben kamen. Die Elektrik in dem Haus war in einem mangelhaften Zustand und sie hatten wohl versucht mit einem Verlängerungskabel Strom in ihre Wohnung zu bekommen; das ging dann gründlich schief. So sehen Gefahren für Kinder aus die man mit Leichtigkeit abstellen könnte so man sich drum kümmerte anstatt sich derweil mit so einem Mumpitz wie Rauchverboten auf Kinderspielplätzen zu befassen. (Quelle)

Auch hier wieder die selten dumme Strategie, Risiken zu vermengen, die rein gar nichts miteinander zu tun haben. Vielleicht soltle man dem Mann mal klar machen, dass Vergleiche immer problematisch sind. Besonders wenn sie hinken.

(C) 2014 Peter Rachow

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