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Dekompression (FAQ)

  • Was bedeutet „Dekompression“ und warum ist sie für den Taucher von Bedeutung?
  • Findet Dekompression bei jedem Tauchgang statt?
  • Sind Nullzeittauchgänge sicherer als Dekompressionstauchgänge?
  • Was ist eine Dekompressionskrankheit?
  • Risikofaktoren: Wer ist besonders anfällig für die Dekompressionskrankheit?
  • Was bedeutet „inertes Gas“
  • Was ist besser für das Dekompressionstauchen geeignet: Eine Dekotabelle oder ein Dekocomputer?
  • Warum sind die Dekompressionsphasen beim Computer kürzer, wenn ich für den gleichen Tauchgang den Dekocomputer mit der Tabelle vergleiche?
  • Kann ich auch mit einer Nullzeitentabelle Deko-TG planen?
  • Wie äußern sich Symptome einer unzureichenden Dekompression?
  • Ich habe gehört, dass der Körper für die Dekompression in verschiedene „Gewebe“ eingeteilt wird. Was hat es damit auf sich?
  • Was kann man tun, wenn man beim Dekomprimieren zu wenig Luft hat, um alle Dekompressionsstopps durchführen zu können?
  • Ich hörte die beiden Begriffe „nasse Rekompression“ und „nachgeholte Dekompression“. Meinen sie das Gleiche?
  • Was sind Mikroblasen?
  • Was sind Dekompressionsmodelle?
  • Wie kann ich die Dekompressionsphase verkürzen?
  • Lohnt sich der Aufwand für eine Nitrox- oder Sauerstoffdekompression?
  • Worin liegen die Unterschiede der Tabellen Deco92 und Deco2000?
  • Warum muss ich beim Tauchen in Bergseen länger dekomprimieren?
  • Früher hat man beim Bergseetauchen einfach die normale Dekotabelle verwendet und einen Tiefenzuschlag gegeben. Ist das sinnvoll?
  • Im Urlaub mache ich manchmal 5 Tauchgänge am Tag. Nun hat mir jemand erklärt, dass das ungesund sei. Stimmt das?
  • Kann mein Computer das nicht berechnen?
  • Was bedeutet der Begriff „isobare Gegendiffusion“?
  • Was sind M-Werte?
  • Was sind reverse Tauchprofile und welche Dekompressionsregeln ergeben sich?
  • Was ist die 90er- und die 7er-Regel?

F: Was bedeutet „Dekompression“ und warum ist sie für den Taucher von Bedeutung?

A: Bei jedem Tauchgang mit Tauchgerät (ausgenommen solche, die mit 1-bar-Druckanzug oder reinem Sauerstoff durchgeführt werden) atmet der Taucher das Atemgas unter erhöhtem Druck. In jedem Atemgas (egal ob Luft, Nitrox, Trimix) befinden sich Anteile von sog. Inertgasen (z. B. Stickstoff oder Helium). Diese Gase sind normalerweise stoffwechselphysiologisch nicht wirksam, werden jedoch beim Atmen von der Lunge an das Blut abgegeben und lösen sich anschließend durch den erhöhten Umgebungsdruck beim Tauchen in den Körpergeweben, die mit dem Blut versorgt werden. Die in den Geweben bei einem bestimmten Druck gelösten Gase können nur solange in Lösung bleiben, wie der Umgebungsdruck (und damit der Partialdruck dieser Gase beim Atmen) nicht wieder absinkt.

Beim Auftauchen wird der Umgebungsdruck reduziert und die vorher durch den erhöhten Atemgasdruck in den Geweben des Körpers gelösten Gase werden freigesetzt und wieder an das Blut abgegeben, das sie wieder zur Lunge transportiert. Dies ist dann die sog. Dekompressionsphase .

Ein Tauchgang lässt sich also grob in 3 Phasen unterteilen:

  • Die Abstiegsphase mit ansteigendem Umgebungsdruck ( Kompressionsphase ) , hier beginnt die Lösung der inerten Gase im Körper.
  • die Isopressionsphase (Grundzeit, Umgebungsdruck bleibt [mehr der weniger] konstant), die Lösung geht weiter.
  • die Dekompressionsphase (sinkender Umgebungsdruck, die gelösten Inertgase, allen voran der Stickstoff, verlassen die Körpergewebe)

Abhängig von Menge und Maximaldruck der vorher gelösten Gase müssen bei Überschreiten bestimmter körperlicher Toleranzgrenzen bestimmte Austauchstufen eingehalten werden, um den jetzt wegen des abnehmenden Umgebungsdruckes aus den Körpergeweben frei werdenden Inertgasen die Gelegenheit zu geben, den Körper langsam zu verlassen. Geschieht dies nicht, wird also auf einmal durch zu schnelle Druckverminderung (i. e. zu schnellen Aufstieg) in eine zu kurzen Zeit zuviel Inertgas freigesetzt welches nicht voim Ort des Entstehens auf dem Bluttransportweg abgeführt weren kann, bilden sich Blasen aus freigesetzem Gas, die schwere gesundheitliche Störungen hervorrufen können ( Dekompressionskrankheit ).

Ziel der Aufstiegsverlangsamung ist es also, die pro Zeiteinheit freigesetzte Inertgasmenge zu begrenzen, um einen geordneten Abtransport des Inertgases zu ermöglichen. Ist der Aufstieg dagegen zu schnell, bilden sich im venösen Blut (dem „verbrauchten“, also zur Lunge hin stömenden sauerstoffarmen Blut) Gasblasen aus z. B. Stickstoff, die in der Lunge nicht abgegeben werden können und in das arterielle System des Kreislaufs übertreten.

Dort können sie Schädigungen verursachen, die von Gewebebeschädigungen (rote Flecken auf der Haut (Hämatome), Gelenkschmerzen, Hautjucken) bis zu Lähmungserscheinungen und Ausfall der Sinneswahrnehmungen reichen können.

F: Findet Dekompression bei jedem Tauchgang statt?

A: Ja. Die vorher beschriebenen Vorgänge finden bei allen Tauchgängen statt, bei denen nicht reiner Sauerstoff geatmet wird. Der menschliche Körper hat allerdings eine gewisse Tolerqanz gegen einen Überdruck der Inertgase in seinen Geweben, so dass explizite Dekompressionspausen beim Auftauchen während der Druckentlastung nur dann nötig werden, wenn bestimmte Grenzwerte für Tauchtiefe und Tauchzeit überschritten wurden. Der Physiker spricht in diesem Zusammenhang auch von einer sog. „Gasspannung“ unter der die in den Geweben gelösten Gase stehen. Diese Spannung lässt sich mit einer elektrischen Spannung gut vergleichen. Bei der elektrischen Spannung kann man sich eine Kraft vorstellen, mit der die Elektronen des Stromes angetrieben werden, bei der Gasspannung ist es eine Kraft, die das Bestreben hat, das Inertgas aus dem Gewebe heraus zu treiben.

Bleibt man insgesamt unterhalb eines bestimmten Wertes für die „Gasspannung“ so ist die „Austrittskraft“ der inerten Gase aus dem Gewebe hinreichend klein und man kann bei Beachtung einer bestimmten Aufstiegsgeschwindigkeit (meistens 10 m / min) den Tauchgang sofort beenden. Diese Zeit, bis zu der auf einer bestimmten Tiefe verweilt werden kann, ohne Dekompressionspausen einzuhalten, heißt “ Nullzeit „.

Allerdings kann auch nach Tauchgängen innerhalb der sog „Nullzeit“ bei bestimmten, ungünstig disponierten Menschen eine Schädigung durch unzureichende Dekompression beobachtet werden. Auch muss stets die maximal zulässige Aufstiegsgeschwindigkeit (i. d. R. 10m/min. oder weniger) eingehalten werden, da diese in die Berechnung der Dekompression nach einem Nullzeittauchgang einberechnet wird.

F: Sind Nullzeittauchgänge sicherer als Dekompressionstauchgänge?

A: Nein. Dies ist eine These moderner Tauchausbildung und ist nicht nur vereinfacht sondern falsch. Der Begriff „Nullzeit“-Tauchgang sagt lediglich aus, dass während des Austauchens keine Stopps eingehalten werden müssen, weil die Gewebesättigung mit Inertgas unterhalb einer bestimmten kritischen Schwelle geblieben ist und das Inertgas auf dem Weg zur Oberfläche durch die langsame Aufstiegsgeschwindigkeit wieder in ausreichend langsamen Maße abgegeben werden kann.

Wenn die max. Aufstiegsgeschwindigkeit, die der Berechnung der Nullzeit zu Grunde liegt, nicht überschritten wurde, wird es also in der überwiegenden Mehrzahl der Nullzeittauchgänge keine Dekompressionsprobleme geben, da das aufgesättigte Inertgas von Druck und Menge unterschwellig genug ist, zeitlich ohne durch Zwischenstopps erzielte Aufstiegsverlangsamung entsättigt zu werden..

Die Sättigung der Gewebe kann sich jedoch sehr dicht an der kritischen Grenze befinden, ab deren Überschreiten Dekompressionsstopps notwendig werden. Ob es zum Auftreten von Symptomen der Dekompressionskrankheit kommt, entscheidet sich nun zusätzlich an einer Vielzahl weiterer Faktoren. Siehe dazu die Frage nach den Risikofaktoren . Daher: Besonders Tauchgänge, die an die Grenze der sog. „Nullzeit“ führen, sollten kritisch betrachtet werden.

Physiologisch sind grenzwertige Nullzeittauchgänge und regelgerecht beendete Dekompressionstauchgänge gleichwertig. Mindestens ein Körpergewebe (das sog. „Leitgewebe“) ist noch so weit mit Inertgas beladen, dass die kritische Grenze, ab derer im Blut manifeste Gasblasen auftreten würden, rechnerisch gerade nicht erreicht wird.

F: Was ist eine Dekompressionskrankheit?

A: Sie ist die Folge einer unzureichenden Dekompression und damit meist von großen manifest (nachweisbar) auftretenden Gasblasen im Blut, die zu Gewebezerstörungen, lokalen Embolien, Blutgefäßverschlüssen etc. führen können. Aber auch bereits eine hohe Belastung mit sog. Mikrogasblasen kann Symptome hervorrufen, z. B. eine extreme Müdigkeit.

F: Risikofaktoren: Wer ist besonders anfällig für die Dekompressionskrankheit?

A: Neben einigen nicht näher bestimmbaren Faktoren sind dies i. W.:

  • Übergewicht (Fettgewebe bindet besonders viel Stickstoff, ist aber schlecht durchblutet)
  • Rauchen (die Durchblutung der Gewebe sinkt, d. h. das Inertgas wird nicht so schnell abtransportiert)
  • Vorher erlittener Dekompressionsvorfall (Es bildet sich vernarbtes Gewebe, das sehr intolerant gegen eine hohe Gasspannung ist).

Weiterhin sind Risikofaktoren: Flüssigkeitsmangel (Folge: schlechte Durchblutung), starke Auskühlung (mehr Inertgas löst sich im kalten Gewebe) und hohe körperliche Arbeit unter Wasser (mehr Gas wird veratmet).

F: Was bedeutet „inertes Gas“

A: Inerte Gase sind Gase, die keine (bio-)chemische Wirksamkeit entfalten, d. h. an Reaktionen (z. B. Stoffwechsel) nicht beteiligt sind. Sie können trotzdem im Körper wirksam werden, wie z. B. bei der Stickstoffnarkose („Tiefenrausch“). Diese hat aber keine chem. sondern physikalische Ursachen, da die Weiterleitung elektrischer Nervenimpulse in den Synapsen der Nerven durch Stickstoff unter hohem Druck gestört wird.

F: Was ist besser für das Dekompressionstauchen geeignet: Eine Dekotabelle oder ein Dekocomputer?

A: Die Bedieung eines Dekocomputers erfordert im Extremfalle keine Kenntnisse der Dekompressionsverfahren. Man kann sich auf das Ablesen und die Interpretation der angezeigten Daten beschränken. Problematisch wird es, wenn mit dem Computer Dekotauchgänge durchgeführt werden, und das Gerät während des Tauchens ausfällt. Eine sichere Dekompression ist dann defintiv nicht mehr möglich, wenn keine Ersatzinstrumente mitgeführt und sachgerecht benutzt werden.

Die für die Anwendung der Dekompressionstabelle verwendeten Geräte (Taucheruhr, Tiefenmesser) sind technisch einfacher und habe eine geringere Ausfallwahrscheinlichkeit. Nachteil der Tabelle ist, dass nur Tauchgänge mit einer einfachen Profilstruktur geplant werden können (Sog. „Rechteck“- oder „Trapez“-TG, deren Profile wie die entsprechenden geometrischen Flächen aussehen).

Die Anwendung der Tabelle (insbesondere, wenn Wiederholungstauchgänge durchgeführt werden sollen) erfordert jedoch Sachkenntnis und Übung.

Empfehlenswert ist es, Deko-TG mit einer Dekotabelle zu planen und einen Computer als Sicherheitsreserve beim Tauchgang mitzuführen.

Nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen gibt die Verwendung einer Tabelle keine geringeren Wahrscheinlichkeiten für das Auftrreten einer Dekompressionskrankheit als die Verwendung eines Tauchcomputers, auch wenn theoretisch die Tabelle systembedingt mit höheren Sicherheitsreserven arbeitet (idealisiertem Rechteckprofil statt realem Tauchprofil).

F: Warum sind die Dekompressionsphasen beim Computer kürzer, wenn ich für den gleichen Tauchgang den Dekocomputer mit der Tabelle vergleiche?

A: Der Computer berechnet die Inertgasaufsättigung ausgehend vom realen Profil des Tauchganges. Hier wird quasi im Takte weniger Sekunden ein identisches Abbild der Tiefen-/Zeitlinie erstellt und die Sättigung der Gewebe und damit die Dekompressionsregeln für den Tauchgang werden anhand der Profillinie berechnet. Die Tabelle dagegen geht von einem vereinfachten Profil aus, indem sie die gesamte Grundzeit auf der maximalen Tiefe rechnet. Dadurch wird die Dekompressionsphase deutlich länger, weil theoretisch mehr Inertgas aufgesättigt wird als das in der Praxis der Fall sein wird.

F: Kann ich auch mit einer Nullzeitentabelle Deko-TG planen?

A: Nein. Dafür sind diese Tabellen (z. B. PADI RDP) nicht gedacht und auch nicht geeignet. Das gleiche gilt für Nullzeitencomputer. Wer dekompressionspflichtige TG planen und durchführen will, braucht die entsprechenden richtigen Werkzeuge (z. B. die Tabelle Deco 2000).

F: Wie äußern sich Symptome einer unzureichenden Dekompression?

A: Durch Anzeichen der Dekompressionskrankheit (DCS) mit verschiedenen Ausprägungen

  • DCS Typ I mit Haut-, Muskel- und Gelenksymptome (‚Bends‘, also Gelenkschmerzen, die erträglicher werden, wen das Gelenk in Beugehaltung gehalten wird), Juckreiz der Haut, lokale Schwellungen, Rötungen, Blutergüsse.
  • DCS Typ II mit Nervenlähmungen, Bewusstlosigkeit, motorischen und sensorischen Störungen (Taubheit, Blindheit) oder Tod.

F: Ich habe gehört, dass der Körper für die Dekompression in verschiedene „Gewebe“ eingeteilt wird. Was hat es damit auf sich?

A: Es handelt sich um ein Hilfskonstukt, um Dekompressionsverfahren mathematisch berechnen zu können ( Dekompressionsmodelle ). Die inerten Gase lösen sich in unterschiedlichen Geweben des Körpers unterschiedlich schnell. Diese Zeiten nennt man „Halbwertszeiten“, also die Zeit, die ein Gewebe braucht, um die Hälfte des vorher bestehenden Inertgaspartialdruckes zum Maximaldruck aufzusättigen oder zu entsättigen. Die Toleranz dieser verschiedenen Modellgewebe (wie auch der realen Gewebe) gegen eine zu hohe Gasspannung („Inertgasüberladung“) ist ebenfalls unterschiedlich hoch.

Aus diesen Gründen hat man den Körper in mehrere modellhafte Teilgewebe untergliedert, die die verschiedenen Eigenschaften der Körpergewebe symbolisieren und auf deren Daten die mathematischen Berechnungen für die Dekompression beruhen. Diese Modellgewebe nennt man in der Fachsprache Kompartimente . Sie stellen reale Gewebe bzw Gewebegruppen vereinfacht dar. Meistens rechnen Tauchcomputer mit 8 bis 16 dieser theoretischen Gewebe, was den Körper und sein Verhalten in Bezug auf Gaslösung ausreichend genau abbildet.

Schnelle Gewebe sind z. B.: Blut, Nerven Rückenmark, Gehirn, mittelschnelle Gewebe sind z. B.: Muskeln, Haut und langsame Gewebe sind z. B.: Knochen und Knorpel. Hierbei gilt als Faustregel: Je besser ein Gewebe durchblutet ist, desto kürzer ist seine Halbsättigungszeit für das Inertgas und desto toleranter ist es gegen Übersättigung..

F : Was kann man tun, wenn man beim Dekomprimieren zu wenig Luft hat, um alle Dekompressionsstopps durchführen zu können?

A: Es gibt mehrere Handlungsalternativen:

1. Dekompressionsphase verkürzen: Hier sollte darauf geachtet werden, dass die tiefen Stopps (i. d. R. 15 m, 12m und 9m) in etwa mit der vorgeschriebenen Zeitplanung durchgeführt werden, denn hier werden Gehirn, Zentralnervensystem und Rückenmark entsättigt. Die hier betroffenen Gewebe haben glücklicherweise die höchste Toleranz gegen einen Inertgasüberdruck, sie ertragen hohe Gasüberspannungen besser. Problem: Unzureichende Dekompression bei diesen Geweben hat meistens schwerwiegende gesundheitliche Störungen wie Lähmungen und sensorische Ausfälle (Empfindungsstörungen) zur Folge.

Die flacheren Stopps (6m und 3m) können jedoch verkürzt werden, weil hier nur die langsamen Gewebe entsättigt werden. Diese Verkürzung der Entsättigungsphasen kann u. U. zu Symptomen wie Hautrötungen, Gelenk- und Muskelschmerzen aber i. d. R. nicht zu lebensbedrohlichen und/oder irreversiblen Schäden führen.

2. Dekompression kurz unterbrechen und neue Luft besorgen. Die Toleranzzeit liegt hier bei max. 3 Minuten, innerhalb derer wieder abgetaucht werden muss. Wenn Symptome der DCS auftreten, kann das Verfahren nicht mehr angewendet werden. Die Dekompression wird vom ersten Stopp wiederholt und, wenn möglich, die Zeiten auf den Stufen verdoppelt. Dieses Verfahren heißt “ nachgeholte Dekompession

3. 100% Sauerstoffatmung nach dem Tauchgang an der Oberfläche: Weil kein Stickstoff mehr zugeführt wird, kann der aus den Geweben austretende Stickstoff schneller eliminiert werden, da das Inertgasgefälle zwischen Atemgas und Inertgas in den Geweben sehr groß ist (hoher Partialdruckgradient). Außerdem sättigt sich das Blut mit Sauerstoff, so dass die Vitalfunktionen des Körpers stabilisiert werden. Die Weiterbehandlung in einer Druckkammer und die Atmung von Sauerstoff unter erhöhtem Druck sind angezeigt.

F: Ich hörte die beiden Begriffe „nasse Rekompression“ und „nachgeholte Dekompression“. Meinen sie das Gleiche?

A: Nein. Die nachgeholte Dekompression kann angewendet werden, wenn man nur kurz an der Oberfläche verweilt hat, z. B. um sich neue Luft zu beschaffen o. ä. Bei ihr sind noch keine Symptome der DCS aufgetreten. Es wird nur die Dekompressionsphase wiederholt, allerdings mit Verdopplung der Zeiten auf den einzelnen Stufen.

Die nasse Rekompression wurde früher angewandt, wenn ein Taucher bereits Symptome zeigte. Es wurde auf eine große Tiefe (> = 50 m) abgetaucht und dann der Tauchgang mit sehr großen Zeitverlängerungen auf den Dekostufen zu Ende geführt (extrem verlängerte Dekompressionsphase). Sie kann heute nicht mehr empfohlen werden, da z. B. der verunfallte Taucher instabil bezüglich seiner Vitalfunktionen werden kann oder durch die massive Auskühlung zusätzlich Schaden nehmen könnte.

F: Was sind Mikroblasen?

A: Auch beim regelgerechten Austauchen entstehen kleinste Gasblasen im Blut und anderen Geweben. Diese errreichen jedoch nicht die Größenordnung, um in großem Umfange schädlich zu wirken. Ihr Radius bleibt im Bereich einiger Mikrometer (Millionstel Meter). Sie führen jedoch dazu, dass der Gasaustausch in der Lunge behindert wird, das/die Inertgas(e) also nicht so effektiv abgegeben werden können.

Mikrogasblasen, wenn sie nicht von manifesten Gasblasen begleitet werden, sind ein Indiz für eine ausreichende Dekompression. Neuere Dekompressionsverfahren wie das VPM- oder RGBM-Modell versuchen bereits, die Mikrogasblasenbildung auf rechnerischem Wege zu minimieren, weil man davon ausgeht, dass es sich um eine Vorstufe manifester Blasen handelt. Eine Folge ist, dass die Dekompressionsphase nach diesen „modernen“ Verfahren früher beginnt als nach den „klassischen“ Dekompressionalgorithmen (z. B. dem Bühlmann-Verfahren))

Diese Blasen werden unwissenschaftlich auch als „stumme Blasen“ bezeichnet.

F: Was sind Dekompressionsmodelle?

A: Dekompressionsmodelle versuchen, die Abläufe der Gasauf- und entsättigung im Körper mathematisch nachzubilden, um sie berechenbar zu machen.

Es gibt die sog. „Klassischen Modelle“, zu denen z. B. die Arbeiten von Haldane zu Ende des 19. Jh. zählen und die Ableitungen von A. A. Bühlmann aus den 70er und 80er Jahren des 20. Jh.. Diese Modelle werden auch als Kompartiment-Modelle bezeichnet, da sie auf der Unterteilung des Körpers in Teilgewebe beruhen (sog. Kompartimente). Sie definieren für diese Kompartimente Halbwertszeiten für die Sättigung und Entsättigung des Gewebes unter Druck und stellen Werte für den Inertgasüberduck auf, den jedes Gewebe beim Austauchen symptomlos tolerieren kann.

Neue Modelle (VPM=variable permeability model, RGBM=reduced gradient bubble model) widmen sich mehr den physikalischen Vorgängen bei der Gasblasenbildung während der Kompression und Dekompression (Abtauch- und Auftauchphase). Aber auch hier wird der Körper in Modellgewebe unterteilt, jeodch steht die Blasenmechanik im Vordergrund und nicht die Toleranz der Körpergewebe gegen eine Übersättigung mit Inertgas.

Alle diese Modellle sind nur mathematische Annäherungen mit einer begrenzten Genauigkeit. Sie sind in sich geschlossen, decken jedoch nur einen Teil der in der Realität wirkenden Faktoren ab. So ist es z. B. nicht möglich, eine größere Anzahl Tauchgänge innerhalb einer kurzen Zeitspanne (z. B. 5 TG innerhalb 24h) zuverlässig zu berechnen, auch wenn Anbieter moderner Tauchcomputer genau dies vorgeben. Die Ursache liegt in der sehr komplexen Entsättigungsmechanik, die durch eine Vielzahl körperspezifischer Faktoren bestimmt wird, die nicht in die Rechenmodelle eingehen können, da sie von Individuum und seiner momentanen bzw. generellen Disposition bestimmt werden.

Auf den folgenden Gedankengang wies mich zusätzlich Karl Heser hin:

Da die Rechenmodelle durch empirisch ermittelte Daten überprüft werden, die zur Verfügung stehenden Datenmenge aber mit der Anzahl der Wiederholungs-TG geringer wird, da sich empirisch nicht beleibig viele Wiederholungs-TG in einem bestimmten Zeitrahmen durchführen lassen, differieren die errechneten Daten und die Realität mit der Anzahl der Wiederholungs-TGs zunehmend. Für den ersten Deko-TG sind deshalb die Modelle daher deutlich sicherer als für den 2+x-ten Wiederholungs-TG, auch wenn es sich dabei um sog. „Nullzeit-TG“ handelt. Siehe auch hier .

F: Wie kann ich die Dekompressionsphase verkürzen?

A: Nicht ohne technischen Aufwand. Es gibt verschiedene Möglichkeiten:

1. Als Tauchgas eines verwenden, das einen geringeren Inertgas- dafür aber einen hohen Sauerstoffanteil hat (z. B. Nitrox).
2. Während der Dekompressionsphase ein Atemgas mit hohem Sauerstoffanteil verwenden, z. B. Nitrox mit 80% O 2 oder reinen Sauerstoff.

F: Lohnt sich der Aufwand für eine Nitrox- oder Sauerstoffdekompression?

A: Nein, es sei denn man hat sehr lange tiefe Tauchgänge hinter sich, die Dekompressionzeiten > = 30 Minuten erfordern. Für TG in Bereiche von 50 bis 70 Metern max. Wassertiefe und Grundzeiten im Bereich bis max. 15 min. sind die Dekompressionszeiten mit Pressluft im praktikablen Bereich (ausreichender Luftvorrat und keine Probleme mit Auskühlung vorausgesetzt).

F: Worin liegen die Unterschiede der Tabellen Deco92 und Deco2000?

Die Unterschiede in den Dekompressionszeiten sind gering, jedoch hat die Deco 2000 deutlich kürzere Flugverbotszeiten. Bei der Deco 2000 werden weiterhin für einige Tiefen-/Zeitenkombinationen die Dekozeiten anders verteilt. Die Tendenz geht dahin, die Dekompressionsphase auf einer tieferen Stufe zu beginnen und dafür die flacheren Stufen geringfügig abzukürzen. Dies geschieht aus der Absicht heraus, die Bildung von Mikrogasblasen zu verringern.

F: Warum muss ich beim Tauchen in Bergseen länger dekokmprimieren?

A: Der Umgebungsluftdruck in der Höhe ist geringer als auf Meereshöhe. Nach dem Verlassen des Wassers wirkt nur noch dieser geringere Luftdruck auf den Taucher. Dadurch kann es (wie in einem Verkehrsflugzeug auch) zu dem Problem kommen, dass der Umgebungsdruck zu gering ist, das verbliebene gelöste Inertgas in den Geweben des Körpers zu halten. Die Folge wäre eine Dekompressionskrankheit. Daher muss der Taucher bereits im Wasser soweit entsättigt werden, dass das Inertgas in seinen Geweben auch unter dem geringeren Umgebungsdruck in diesen Geweben gehalten werden kann und keine Gasblasen auftreten.

F: Früher hat man beim Bergseetauchen einfach die normale Dekotabelle verwendet und einen Tiefenzuschlag gegeben. Ist das sinnvoll?

A: Nein. Dieses Verfahren führt zwar ebenfalls zu längeren Dekompressionszeiten, es ist aber nicht exakt, weil die verschiedenen Kompartimente des Körpers und deren Sättigung mit Inertgas nicht exakt abgebildet werden. Es liegt beim Tauchen in der Höhe schließlich keine höhere Inertgasaufladung vor, was einem Tiefenzuschlag entsprechen würde, sondern ein vermehrtes Bestreben des Inertgases, die Gewebe schnell zu verlassen, da der Umgebungsdruck gering ist. Dies ist mathematisch nur exakt abzubilden, wenn man Berechnungen verwendet, die den geringeren Umbgebungsdruck beim Verlassen des Wassers (also am Ende der im Wasser stattfinden Dekompression) mit einberechnen.

F: Im Urlaub mache ich manchmal 5 Tauchgänge am Tag. Nun hat mir jemand erklärt, dass das ungesund sei. Stimmt das?

A: Ja. Sogar sehr ungesund. Bei dieser Art des Tauchens sättigen sich besonders die Körpergewebe, die lange Halbsättigungszeiten besitzen, wie z. B. Knochen, Knorpel und damit die Gelenke mit Stickstoff auf. Die Stickstoffaufladung dieser langsamen Gewebe nimmt in der Folge mit jedem Tauchgang zu und kann in den Oberflächenpausen nicht signifikant verringert werden. Da die langsamen Gewebe das Inertgas auch nur sehr langsam abgeben, steigt die Aufladung mit Stickstoff im Laufe der folgenden Zeit permanent an. In bestimmten Fällen kommt es dann (meistens am 2. oder 3. Tag) zu Symptomen der Dekompressionskrankheit Typ I, insbesondere wenn andere Risikofaktoren hinzukommen.

Unsinnig, ja nachgerade dumm, ist in diesem Zusammenhang auch die Argumentation „Das habe ich viele Jahre so gemacht und mir ist nichts passsiert“. Erstens ist diese Aussage zutiefst unwissenschaftlich, da das, was für einzelne Personen gilt, für ein großes Kollektiv nicht gelten muss. Zweitens ist über die Spätfolgen eines solchen Verhaltens wenig bekannt. Betrachtet man allerdings tauchmedizinische Breitenstudien (z. B. Reul et. al.), kann man ein derartiges Tauchverhalten zumindest nicht als risikolos bezeichnen.

F: Kann mein Computer das nicht berechnen?

A: Nein. Nicht exakt. Der Computer berechnet eine Entsättigung anhand theoretischer Modelle . Diese Modelle sind relativ genau, solange nur wenige Tauchgänge pro 24 h Periode unternommen werden (max. 2 TG/Tag). Ab einer bestimmten Anzahl von Wiederholungstauchgängen innerhalb einer bestimmten Zeitspanne wird die Entsättigung zunehmend durch die Inertgasabgabe selbst gestört. Mit anderen Worten: Die Entfernung des Stickstoffes aus dem Körper verlangsamt sich, weil der zu entfernende Stickstoff die Gasabgabe in der Lunge blockiert. Es kommt zu einer teilweisen Blockade der Lungenbläschen durch Mikrogasblasen und damit zu einem reduzierten Gasaustasch.

Andere Dinge wie Austrocknung des Körpers tun ein übriges. Die Entsättigung kann also primär deshalb nicht mehr exakt kalkuliert werden, weil der Computer und das Rechenmodell nicht alle Rahmenbedingungen kennen können, denen der Taucher unterliegt.

F: Was bedeutet der Begriff „isobare Gegendiffusion“?

A: Isobare Gegendiffusion bezeichnet eine Problematik, die auftreten kann, wenn beim Tauchen auf einer bestimmten konstanten Tauchtiefe oder Dekompressionstufe (isobar = gleicher Druck) von einem Atemgas auf ein anderes gewechselt wird. Dies insbesondere deshalb, weil andere Inertgaskomponenten andere Diffusionsgeschwindigkeiten haben als der in der Luft enthaltene Stickstoff. Helium, das beim sog. „Mischgastauchen“ verwendet wird, hat z. B. eine um den Faktor 2,63 höhere Diffusionsgeschwindigkeit als Stickstoff. Die mögliche „isobare Gegendiffussion“ ist daher primär relevant beim Tauchen mit verschiedenen zeitlich abwechselnden Inertgasen.

Beim Mischgastauchen ist dies zum Beispiel dann der Fall, wenn beim Abtauchen von einem Gas mit einer hohen Stickstoffraktion (wie z. B. Luft oder nitrox) auf ein Gas mit einer geringen Stickstoff- dafür aber mit einer hohen He-Fraktion gewechselt wird (Trimix).

In diesem Falle (Wechsel von Nitrox/Luft-Gemisch auf Trimix mit He-Anteil) besteht nun rein theoretisch die Problematik einer übermäßigen Inertgasspannung in den Geweben. Dies begründet sich deshalb, weil Helium schneller in die Gewebe eindiffundiert als Stickstoff abgegeben wird. Jetzt kommt es zumindest zeitweise zu einer theoretisch erhöhten Inertgasaufladung des Gewebes und damit bei gegebenem konstantem Umgebungsdruck zu einer Übersättigung..

Wissenschaftlich belegt ist die praktische Relevanz dieser Problematik jedoch nicht, was auch damit zu tun haben dürfte, da dieser Gaswechsel in die Abtauchphase fällt und sofort nach dem Gaswechsel eine weitere Druckzunahme auf den Körper einwirkt, was die Gasüberspannung im Gewebe im Vergleich zum Umgebungsdruck herabsetzt. Dabei hat man nun jedoch strenggenommen keine „isobare“ Situation mehr, da ja eine weitere Druckzunahme zu beobachten ist.

F: Was sind M-Werte?

A: Diese Bezeichnung geht auf den amerikanischen Dekompressionsforscher Workman zurück. Sie sind ein Synomym für die Bühlmannschen Übersättigungstoleranzen der Gewebe.

F: Was sind reverse Tauchprofile und welche Dekompressionsregeln ergeben sich?

A: Ein reverses (inverses) Tauchprofil bedeutet, dass der Wiederholungstauchgang nach einen Ersttauchgang tiefer als dieser ist. Welche Dekompressionsprobleme ergeben sich daraus?

Im Wesentlichen bestimmt die angenommene Dekompressionstheorie, die der Dekompression zugrunde gelegt wird, welche Implikatiomem sich ergeben. Die bekannte Aussage „tiefster TG zuerst“ stammt absurderweise aus einer Zeit, als Gewebemodelle (Haldane et. al.) die hauptsächlich verwendeten waren. Es gibt interessanterweise im Gewebemodell aber keinen Grund, warum die vorher zitierte Aussage gelten soll. Dies wird erst bei den Blasenmodellen (VPM, RGBM) nachvollziehbar, weil hier das Tauchprofil Blasengröße und -aufkommen beeinflusst.

Gewebemodelle definieren Inertgasspannungen im Gewebe und gleichen anhand errechneter oder ermittelter Übersättigungstoleranzen die tolerierte Gasspannung ab. Ein Bezug zum Tauchprofil (sieht man mal von der Tatsache ab, dass Inertgasaufsättigung der Gewebe u. a. eine Funktion des Tauchprofiles ist) kommt hier nicht vor.

Die Erklärung ist die, dass man früher, zumindest partiell, davon ausging, dass eine Rekompression von sich nach der Dekompression noch in den Geweben (respektive dem Blut) befindlichen Inertgas(mikro)blasen auf einen höheren Umgebungsdruck ein Einschwemmen dieser dann komprimierten Blasen in kleinste Kapillargefäße befördern würde. Dies sollte verhindert werden.

Wenn man jedoch Blasenmodelle heranzieht, die definieren, dass Blasen unterhalb eine sog. „kritischen Radius“ auch bei der Dekompression keine Ausdehnung erfahren, kann man ableiten, dass bestimmte Gasblasen, deren Radius nämlich klein genug ist, dadurch stabil bleiben. So betrachtet ist die vorstehend ausgeführte, „historische“, Erklärung ad absurdum geführt.

Zieht man nochmals Blasenmodelle heran, sieht der Sachverhalt so aus, dass das Tauchprofil die Blasenbildung beeinflusst. Schnelle Abstiege und langsame Aufstiege führen beispielsweise zu kleineren Blasen als z. B. Jo-Jo-TG.

In einem Text von Yount et. al. wird ausgeführt, dass vor dem Hintergrund der Blasenbetrachtung, der tiefste Punkt eines Tauchgangs oder eben eines Tauchgangspaares zuerst aufgesucht werden sollte. Dadurch erhält man den maximalen Druck, der auf die entstehenden Gasblasen einwirken kann, so dass diese auf ihren minimalen Radius zerkleinert werden können. Kleine Blasen sind vor dem Hintergrund dieses Modelles anzustreben, da sie bei der Dekompression wegen ihres spezifischen Radius, der nun kleiner ist als ein zu definierender „kritischer Radius“, ihr Volumen bei der Dekompression nicht vergrößern, da die Kraft Oberflächenspannung der Blase in Verhältnis zur expansiven Kraft ihres Inhalts, dies verhindert.

Weiterhin führt Yount aus, dass für den Fall, dass zwei Tauchgänge nacheinander ausgeführt werden sollen, die Blasenlast des ersten den zweiten mitbeeinflusst. Je größer diese ist, desto größere Einflüsse für den Wiederholungstauchgang ergeben sich. Da die Blasenproblematik mit der Zeit der Oberflächenpause abnimmt, werden die Einflüsse jedoch im Laufe der Zeit geringer. Daraus ergibt sich, dass der erste Tauchgang die höhere Belastung darstellen sollte.

Das nächste Problem betrifft die Blasen, die nach der Dekompression nach dem ersten Tauchgang im Körper verbleiben. Sie stabilisieren sich und dienen für die Blasen des zweiten Tauchganges als eine Art Kondensationskerne. Wenn der erste Tauchgang die Blasen durch einen hohen Umgebungsdruck „zerkleinert“, bleiben auch beim zweiten Tauchgang weniger Blasen zurück, da das Aufkommen an freiem Inertgas insgesamt geringer ist.

In der Praxis bedeutet dies für umgekehrte Tauchgangsprofile:

  • Tiefsten Punkt des jeweiligen Tauchganges zuerst aufsuchen.
  • Langsame Aufstiege.
  • keine abrupten, exzessiven Tiefenwechsel (sig. Jo-Jo-Tauchen ).
  • Sehr konservative Austauchphase.

Die ausschließliche Zulässigkeit reverser Tauchprofile nur bei der Durchführung von Nullzeit-Tauchgängen zu postulieren, wie man gelegentlich lesen kann, ist i. W. unsinnig, da einereits schlecht definierbar ist, wo die sog. Nullzaiet aufhört und die Dekompressionspflicht beginnt und sich auch bei einem NZ-Tauchgang durch ein ungeschickt gestaltetes Austauchprofil eine signifikante Inertgasblasenbelastung ergeben kann. Für Nullzeit- und dekompressionspflichtige Tauchgänge gelten die gelichen Regeln, wenn man die Gasblasenentstehung beim Austauchen so weit als möglich verringern will.

F: Was sind die 90er- und die 7er Regel?

A: Mit diesen einfachen Kopfrechenformeln bzw. Tabellen lässt sich die Nullzeit auf einer gegebenen Tiefe näherungsweise ermitteln:

90er-Regel

NZ = 90 – 2 x Tauchteife [m] Beispiel: Nullzeit in 35m Wassertiefe = 90 – 2 x 35 = 20 min.

7er-Regel

Man setzt an: Nullzeit auf 50m WT = 0 min., auf 40 m = 7 min. Alle 10m höher wird die Nullzeit verdoppelt, also auf 30m: 14 min., auf 20 m: 28 min, auf 10m ist die NZ dann unendlich.
Stand:09.08.2002 

Peter Rachow

 

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Die Mathematik des Bühlmann-Dekompressionsalgorithmus

Bei den von Prof. A.A. Bühlmann seit den 60er Jahren an der ETH Zürich entwickelten Dekompressionsalgorithmen mit der Bezeichnung ZH.. (für ‚Zürich‘, z. B. ZH-L16 bzw. das Verfahren ZH-L12) handelt es sich um sog. „Haldane“-basierte Dekompressionsalgorithmen, bei denen der menschliche Körper modellhaft in eine bestimmte Anzahl repräsentativer Modellgewebe (sog. Kompartimente ) unterteilt wird, mit deren Hilfe dann die eigentlichen Dekompressionsberechnungen durchgeführt werden. Daher bezeichnet man Rechenverfahren dieser Art auch als „Gewebemodelle“ bzw. „Kompartimentmodelle“. Diese Verfahren haben eine weite Verbreitung gefunden und werden heute in vielen Tauchcomputern und Dekompressionsprogrammen bzw. als Grundlage für die Berechnung von Austauchtabellen (Dekompressionstabellen) angewandt.

Die kompartimentorientierten Rechenverfahren basieren i. W. auf zwei Grundannahmen. Man geht davon aus, dass jedes Gewebe des Körpers

a) sich unter Überdruck mit einem Inertgas aufsättigt und dabei eine bestimmte Halbsättigungszeit für dieses jeweilige Inertgas besitzt, sowie
b) einen bestimmten Inertgasüberdruck in Relation zum (niedrigeren) Umgebungsdruck symptomlos tolerieren kann.

Erst wenn der Inertgasüberdruck eines Gewebes in Relation zu dem gerade herrschenden Umgebungsdruck (der durch die Tauchtiefe gesetzt wird) zu groß ist, die Gasspannung innerhalb des Gewebes also einen bestimmten Wert im Verhältnis zum Umgebungsdruck überschreitet, treten Gasblasen hinreichender Größe im Körper bzw. dem betroffenen Gewebe auf und es kommt in der Folge zu Symptomen der Dekompressionskrankheit (DCS).

Ziel einer regelgerechten Dekompression ist es demzufolge, während der druckentlastenden Phase eines Tauchganges den umgebenden Druck (p.amb) zu jeder Zeit so groß zu halten, dass sich alle Gewebe zu jeder Zeit unterhalb dieser kritischen Schwelle befinden, dadurch regelgerecht entsättigen können und keine Gasblasen signifikanter Zahl und Größe erzeugt werden..

1. Der Dekompressionsalgorithmus ZH-L16

ZH-L16 ist der am weitesten ausentwickelte Dekompressionsalgorithmus aus dem Spektrum der Bühlmannschen Arbeiten. Er ist bestechend einfach und benutzt lediglich 3 simple mathematische Gleichungen um die Dekompressionsgegebenheiten zu ermitteln. Verschweigen darf man allerdings nicht, dass er vom Standpunkt der Mathematik her betrachtet einige (für die Praxis allerdings vernachlässigbare) Schwächen und Unsauberkeiten aufweist, was u. a. auch an der später zu diskutierenden Berechnung der Nullzeiten deutlich wird.

Zur Struktur des Algorithmus:

Die erste der verwendeten drei Formeln ermittelt, unter welchem Partialdruck das Inertgas aufgenommen wird (inspiratorischer Inertgaspartialdruck, p.i.i.g, p ressure of i nspirated i nert g as). Diese Gleichung ist also die Inspirationsgleichung .

Die zweite errechnet davon ausgehend den jeweiligen Inertgaspartialdruck (Physiker sprechen auch von „Gasspannung“, vergleichbar mit der Aufladespannung eines Kondensators) eines Gewebes ( p.i.g, p ressure of i nert g as, siehe Gl. II). Sie wird auch als Sättigungsgleichung bezeichnet, denn sie bildet den jeweiligen Sättigungszustand eines Gewebes zu jeder Phase des Tauchgangs ab.

Die dritte Gleichung gibt an, welchen äußeren Druck ( p.amb, a mbient p ressure) ein Gewebe gerade nicht unterschreiten darf, damit keine Gasblasen aus dem Gewebe austreten (siehe Gl. III). Diese Formel berechnet also die gerade noch symptomlos tolerierte Gasspannung des Gewebes im Vergleich zum Umgebungsdruck. Man könnte sie daher auch Toleranzgleichung nennen.

Zusammenfassend ausgedrückt: In die Funktion der Sättigung eines Gewebes mit Inertgas eingehende Größen sind

a) die Tauchzeit (Expositionszeit),
b) die Tauchtiefe (also der daraus abgeleitete Umgebungsdruck p.amb)
c) der Inertgasanteil im Atemgasgemisch und
d) der Umgebungsluftdruck über Wasser, der mit b) zusammen den Gesamtdruck in der Teife ergibt.

Der Umgebungsluftdruck ist nicht vernachlässigbar, weil er auf die Wasserfläche wirkt und daher zum Wasserdruck addiert werden muß. Bedeutung erlangt er daher insbesondere bei der Dekompression, weil nach dem Beenden der Dekompressionsphase weiterhin Inertgas von den Körpergeweben abgegeben wird, die Entsättigung also fortschreitet. Wenn der Umgebungsdruck geringer ist als z. B. der Luftdruck auf Meereshöhe, muss im Wasser länger dekomprimiert werden um die im Gewebe herrschende Gasspannung weiter abzubauen. Dieses Faktum erhält Bedeutung beim Fliegen (herabgesetzter Kabinendruck, ca. 600 mBar) und beim Bergseetauchen.

2. Die Mathematik der Bühlmann-Gleichungen

Sehen wir uns die einzelnen Gleichungen genauer an:

2.1 Berechnung des inspiratorischen Inertgaspartialdruckes

Bei der Gasaufnahme in den Körper steht der Partialdruck des Inertgases (meistens Stickstoff, u. U. Helium bzw. ein Gemisch von beiden) in einem bestimmten Verhältnis zum Umgebungsdruck (Wasserdruck), er ist von diesem funktional abhängig. M. a. W.: Je tiefer getaucht wird und je höher der Inertgasanteil im Atemgas ist, desto höher ist der einatemseitige Inertgaspartialdruck.

Dieser vermindert sich noch geringfügig um den Dampfdruck des in der Atemluft gelösten H 2 O, der mit 0,063 bar (=Sättigungsdampfdruck von H 2 O bei der Körpertemperatur von 37°C) angesetzt wird.

Es gilt:

buehlmann-gl-I

p iig : Einatemdruck (Inspirationsdruck) des Inertgases
p sH2O : Sättigungsdampfdruck von Wasser bei T=37°C
p amb : Umgebungsdruck
f ig : Anteil des Inertgases im Atemgasgemisch (bei N 2 : ~78%)

2.3 Berechnung des Inertgaspartialdruckes im Gewebe

Nach einer bestimmten Einwirkungszeit (Tauchzeit) des unter erhöhtem Umgebungsdruck eingeatmeten Inertgases ist dessen Partialdruck in den verschiedenen Körpergeweben funktional angestiegen. Die Funktion hat dabei exponentiellen Charakter, d. h. die Aufsättigung eines Gewebes ist endlich. Sie strebt bei einer konstanten maximalen Tauchtiefe einem Endwert zu, nämlich dem Inertgaspartialdruck im Gewebe vermindert um den Dampfdruck des im Atemgas gelösten H 2 O (s. o.).

Wichtiges Moment hierbei ist die Halbsättigungszeit eines Gewebes, also die Zeit, nach deren Verstreichen das Gewebe noch die Hälfte des in der vorigen Zeitspanne erhaltenen Inertgaspartialdruckes aufnehmen kann.

Dieser Partialdruck eines Inertgases im Gewebe nach einer bestimmten Zeit t errechnet demnach sich zu:

buehlmann-gl-II

p ig (tE) : Inertgaspartialdruck im Gewebe nach Expositionszeit t E .
p ig(t0) : Inertgaspartialdruck im Gewebe zu Beginn der Expositionszeit t E .
p iig : Einatemdruck (Inspirationsdruck) des Inertgases (siehe Gl. I)
t E : Einwirkzeit (Expositionszeit), beliebige Zeitspanne, in min..
t 1/2 : Halbwertszeit des Gewebes in min.

Zentrales Element dieser Gleichung ist der Sättigungsfaktor p iig – p ig(t0) . Ist der Inertgaspartialdruck im Atemgas ( p iig ) höher als der des Gewebes p ig(t0) ist der Faktor positiv, es erfolgt Aufsättigung. Beim Auftauchen (Dekompression) kehrt der Sättigungsfaktor p iig – p ig(t0) dann sein Vorzeichen um, die abgegebene Inertgasmenge ist größer als die neu aufsättigende, die Gasspannung der Gewebe verringert sich. Ob aufgesättigt oder entsättigt wird, hängt also von der Relation von inspiratorischen zu bereits im Gewebe vorhandenem Inertgaspartialdruck ab.

Mit dieser Berechnung erhält man für jede Tauchgangsphase einen Wert für den Inertgaspartialdruck in einem bestimmten Gewebe.

Anmerkung: Bei genauer Betrachtung wird man erkennen, dass Gl. I in Gl. II enthalten ist, sowie Gl. II in Gl. III eingeht. Strengenommen könnte man also eine einzige Gleichung daraus aufstellen, was aber nicht mehr übersichtlich und nachvollziehbar wäre zumal Gl. II und Gl. getrennt gerechnet werden, um´z. B. bei einer Dekompressionssoftware den aktuellen Zustand der Gewebesättigung separat abspeichern zu können.

2.3.1 Anwenden der Formeln während der Kompressions- und Isopressionsphase

Um die Betrachtungen zu vereinfachen, teilt man einen Tauchgang in 3 Phasen auf: Abtauch- (Kompression), Grund- (Isopression) und Auftauchphase (Dekompression). Während des Abtauchens (Kompression, i. e. steigender Druck) und des Aufenthaltes auf einer bestimmten Tiefe (Isopression, iso = „gleich“, i. e. gleichbleibender Druck) sättigen sich die Gewebe mit Inertgas (i. W. Stickstoff bzw. Helium) entsprechend des inpisratorischen Inertgaspartialdruckes und ihrer Halbsättigungszeiten auf.

Um die jeweilige Aufsättigung des/der Inertgase(s) in den verschiedenen Geweben zu berechnen, müssen die Halbwertszeiten der einzelnen Teilgewebe des Körpers (Kompartimente) bekannt sein. Bühlmann hat dazu, wie beschrieben,  den menschlichen Körper im Modell ZH-L16 in 16 Teilgewebe unterteilt und nennt dazu für jedes Inertgas 16 korrespondierende Halbwertszeiten, die im Bereich von 2,65 min. bis 635 min. (für N 2 ) liegen. Für Helium (He) liegen sie zwischen 1 und 240 Minuten, weil Helium aufgrund seiner geringeren Molekülgröße deutlich höhere Diffusionsgeschwindigkeiten erreicht. He hat also im Durchschnitt eine um den Faktor 2.65 geringere Halbwertszeit im Körper als Stickstoff.

Werden 2 Inertgase verwendet (z. B. N 2 und He als sog. „Trimix“) ist der Inertgaspartialdruck für die einzelnen Gase erst gesondert auszurechnen und dann für das Gewebe zu addieren. In Visual Decompression wird folgende Funktion dafür verwendet

‚Gewebepartialdrücke für Inertgas ausrechnen
Sub CalcPIOnTime(dblDepth#, dblTE#, dblN2Percent#, dblHePercent#)

  Dim dblPiigN2#, dblPiigHe#
  Dim T1&

  For T1 = 1 To 16
    dblPiigN2 = (GetWaterPressure(dblDepth) – 0.063) * dblN2Percent / 100 ‚N2
    dblPiigHe = (GetWaterPressure(dblDepth) – 0.063) * dblHePercent / 100 ‚He
    dblPigTN2(T1) = dblPigTN2(T1) + (dblPiigN2 – dblPigTN2(T1)) * (1 – 2 ^ (-1 * dblDecoFactor * dblTE / dblTHalfN2(T1)))
    dblPigTHe(T1) = dblPigTHe(T1) + (dblPiigHe – dblPigTHe(T1)) * (1 – 2 ^ (-1 * dblDecoFactor * dblTE / dblTHalfHe(T1)))
    dblPigT(T1) = dblPigTN2(T1) + dblPigTHe(T1)
  Next T1

End Sub

Die Summe der Inertgaspartialdrücke zur Zeit tE (Expositionszeit) errechnet sich also als Summe der einzelnen Inertgaspartialdrücke zum Zeitpunkt tE. Man muss also für eine Dekompressionsrechnung immer alle 16 Gewebe simultan und doch isoliert voneinander betrachten.

2.4.2 Auftauch-/Dekompressionsphase

Während der Dekompression (bzw. zu deren Beginn) beginnen die schnellen Gewebe bereits zu entsättigen, da der Umgebungsdruck und damit der inspiratorische Inertgaspartialdruck nachlassen, die langsamen sättigen fallweise noch weiter auf, da diese aufgrund ihrer langen Halbsättigungszeiten immer noch einen geringeren Inertgaspartialdruck aufweisen als er auf der Einatemseite vorliegt. Während dieser Phase wird logischerweise die in 2.4.1 gezeigte Sättigungsrechnung nicht beendet sondern weiter fortgeführt. Sie läuft die ganze Zeit auch während der Oberflächenpause.

Jetzt kommt allerdings eine zweite mathematische Betrachtung hinzu: Wenn der Inertgaspartialdruck eines Gewebes nach Gleichung (II) zur Zeit t E und auf der Tauchtiefe berechnet wurde, muß nun für alle Gewebe eine weitere Gleichung angewendet werden, die den gerade tolerierten Umgebungsdruck (p.amb.tol) berechnet, bis zu dem aufgetaucht werden kann, ohne dass Gasblasen auftreten.

Diese Gleichung ist die für die eigentliche Dekompressionsphase relevante, sie lautet:

buehlmann-gl-III

p amb.tol : Von einem Gewebe noch tolerierter Druck, bei dem noch keine Gasblasen auftreten.
p ig(tE) : Inertgaspartialdruck im Gewebe nach Expositionszeit t E .
a, b : Die beiden verwendeten Faktoren a und b sind gewebespezifisch und stellen die mathematisch formulierte Toleranz des Gewebes gegen eine Übersättigung mit Inertgas dar. Der Faktor a ist dabei ein konstanter Druckwert in der Einheit [bar], der angibt, welchen absoluten Überdruck das Gewebe tolerieren kann, ohne dass sich freie Gasblasen bilden. b hat keine Einheit und gibt die Relation zwischen Umgebungsdruck und toleriertem Inertgaspartialdruck an. Es handelt sich folglich um den Linearfaktor einer Funktion ersten Grades der zum Ausdruck bringt, inweitet ein Gewebe bei einem bestimmten Umgebungsdruck eine definierte Gasüberspannung tolerieren kann.

Die Koeffizienten für ZH-L16 sind:

buehlmann1

Berechnet werden Sie nach folgenden einfachen Formeln für das Modell ZH-L16:

buehlmann-gl-a

buehlmann-gl-b

In das oben erwähnte Modell ZH-L12 sind die Werte für a- und b-Parameter als empirisch ermittelte Konstanten eingegangen, allerdings werden für die 16 Gewebe nur 12 verschiedene Zahlenpaare verwendet, in ZH-L16 sind sie funktional wie oben definiert.

Mathematisch betrachtet ist der symptomlos tolerierte Inertgasüberdruck eine lineare Funktion. Löst man Gl. III nach dem Inertgasüberdruck im Gewebe auf, so erhält man eine Geradengleichung für die gilt Steigung=1/b und Y-Achsenabschnitt=a:

p ig(tE) = 1/b * p amb.tol + a     (IV)

Der Faktor a beschreibt dabei einen absoluten Überdruck, der immer toleriert wird, daher die Druckeinheit [bar]. b beschreibt dagegen eine lineare Beziehung von Umgebungsdruck => Tolerierter Inertgasüberdruck (p.amb => p.amb.tol). Anders formuliert: Je größer der Umgebungsdruck, desto größer wird der tolerierte Inertgasüberdruck.

Man erkennt hier übrigens die mathematischen Unsauberkeiten des Modells exemplarisch. a ist laut Bühlmann ein absoluter Druck, der immer toleriert wird. Die Einheit von a ist allerdings [bar]*[1/3.Wurzel aus min.] und nicht „bar“.

Ähnliches lässt sich auch für b beobachten: Wenn b (bzw. dessen Reziprokwert b -1 ) wie dargelegt ein Steigungsfaktor ist, müsste er eine gebrochene Einheit aufweisen, da gilt m=Delta y/Delta x. Aus der Herleitung dieses Faktors ( b = 1,005  – t05 -1/2 ) ergibt sich allerdings die Einheit 1/(Wurzel aus min.) also min -1/2 . Die Konstante 1,005 ist dagegen einheitenlos. Desweiteren erkennt man den Kunstgriff Bühlmanns, zu verhindern, dass b jemals 0 wird. Die Konstante ist nämlich 1,005 und nicht 1,000, da sonst für ein Gewebe mit HWZ=1 min. b = 0 gelten würde. Nun gilt diese Bedingung für eine Gewebe mit der HWZ  0,9900745031064 min.

Da a und b wiederum Ergebnisse von Funktionen sind, liegt es nahe, diese graphisch darzustellen:

2.4.3 Die Ermittlung der Dekompressionsstufen

Um die gerade noch tolerierte Dekompressionstiefe zu errechnen, wird jeweils ermittelt, wann der Umgebungsdruck der nächsthöheren Deko-Stufe (also z. B. nach gängiger Stufung 3 m weniger Tauchtiefe als die aktuelle Dekompressionstufe) den von allen 16 Geweben höchsten noch tolerierten Umgebungsdruck gerade nicht unterschreitet. Dabei erfordert regelmäßig eines der Gewebe den höchsten noch einzuhaltenden Umgebungsdruck. Dieses jeweils „herausragende“ Gewebe wird zum sog. „Führungsgewebe“ und bestimmt, wie weit der Umgebungsdruck verringert werden kann. Es wird solange in der jeweiligen Dekompressionstiefe Tiefe verweilt, bis auf die nächste Dekompressionsstufe aufgetaucht werden kann, d. h. alle 16 Gewebe (genauer gesagt, das dann jeweils wirksame Führungsgewebe, das u. U. ein anderes sein kann als das der vorigen Stufe bzw. Zeitspanne) den dann verminderten Umgebungsdruck tolerieren können. Dabei schreitet die Entsättigung ständig fort, d. h. die Gasspannung in den Geweben wird kontinuierlich kleiner. Die Dekompressionsstufen folgen in modernen Austauchtabellen dann jeweils alle 3 m, was sich in der Praxis als angemessen erwiesen hat.

MIt weiter fortschreitender (Aus-)Tauchzeit wechselt das Führungsgewebe stetig. Während zu Beginn der Dekompression das Führungsgewebe unter den schnellen Geweben mit kurzen Halbwertszeiten zu finden ist, wird gegen Ende der Dekompression immer das jeweils nächstlangsamere Gewebe zum Führungsgewebe.

Zu den Toleranzgrenzen beim Trimix-Tauchen: Die Übersättigungstoleranzen der Gewebe (a- und b-Faktoren) sind für Stickstoff und Helium unterschiedlich. He hat geringere Halbwertszeiten als Stickstoff. Dadurch steigt die Gasspannung im Gewebe beim Aufsättigen schneller als bei einem langsam diffundierenden Gas. Auch wenn He den Körper schneller wieder verlassen kann und die Toleranzwerte gegen Übersättigung etwas höher sind als bei Stickstoff, wird aufgrund der deutlich erhöhten Gasspannung, die sich im Laufe der Sättigungsphase aufbaut, die Dekompressionsphase bei einem reinen He-O 2 -Gemisch länger dauern als bei einem TG mit Luft. Hier die Werte für die Toleranzen der Gewebe bei N 2 und He:

‚ Stickstoff:

  ‚a und b Koeffizienten N2
  dblA_N2(1) = 1.2599: dblB_N2(1) = 0.505
  dblA_N2(2) = 1.0000: dblB_N2(2) = 0.6514
  dblA_N2(3) = 0.8618: dblB_N2(3) = 0.7222
  dblA_N2(4) = 0.7562: dblB_N2(4) = 0.7725
  dblA_N2(5) = 0.6667: dblB_N2(5) = 0.8126
  dblA_N2(6) = 0.5933: dblB_N2(6) = 0.8434
  dblA_N2(7) = 0.5282: dblB_N2(7) = 0.8693
  dblA_N2(8) = 0.4701: dblB_N2(8) = 0.891
  dblA_N2(9) = 0.4187: dblB_N2(9) = 0.9092
  dblA_N2(10) = 0.3798: dblB_N2(10) = 0.9222
  dblA_N2(11) = 0.3497: dblB_N2(11) = 0.9319
  dblA_N2(12) = 0.3223: dblB_N2(12) = 0.9403
  dblA_N2(13) = 0.2971: dblB_N2(13) = 0.9477
  dblA_N2(14) = 0.2737: dblB_N2(14) = 0.9544
  dblA_N2(15) = 0.2533: dblB_N2(15) = 0.9602
  dblA_N2(16) = 0.2327: dblB_N2(16) = 0.9653

‚ Helium:

  ‚a und b Koeffizienten He
  dblA_He(1) = 1.7424: dblB_He(1) = 0.4245
  dblA_He(2) = 1.383:  dblB_He(2) = 0.5747
  dblA_He(3) = 1.1919: dblB_He(3) = 0.6527
  dblA_He(4) = 1.0458: dblB_He(4) = 0.7223
  dblA_He(5) = 0.922:  dblB_He(5) = 0.7582
  dblA_He(6) = 0.8205: dblB_He(6) = 0.7957
  dblA_He(7) = 0.7305: dblB_He(7) = 0.8279
  dblA_He(8) = 0.6502: dblB_He(8) = 0.8553
  dblA_He(9) = 0.595:  dblB_He(9) = 0.8757
  dblA_He(10) = 0.5545: dblB_He(10) = 0.8903
  dblA_He(11) = 0.5333: dblB_He(11) = 0.8997
  dblA_He(12) = 0.5189: dblB_He(12) = 0.9073
  dblA_He(13) = 0.5181: dblB_He(13) = 0.9122
  dblA_He(14) = 0.5176: dblB_He(14) = 0.9171
  dblA_He(15) = 0.5172: dblB_He(15) = 0.9217
  dblA_He(16) = 0.5119: dblB_He(16) = 0.9267

Die Ermittlung der a- und b-Faktoren bei Inertgasgemischen aus N 2 und He geschieht über eine einfache Gewichtung der einzelnen Inertgasanteile im Atemgas. Bei der Berechnung der Dekompression werden diese Werte gelesen und in Relation zum momentanen Gewebeinertgaspartialdruck gesetzt:

‚ Berechnen des Umgebungsdruckes, bei dem gerade noch keine
‚ Gasblasen auftreten
Function GetAmbTolPressure#(lngFN2&, lngFHe&)

  Dim T1&, a#, b#
  Dim dblPambTol#, dblMaxP#
  Dim dblFN2#, dblFHe#

  dblMaxP = 0
  dblFN2 = lngFN2 / 100 + 0.001
  dblFHe = lngFHe / 100 + 0.001

  For T1 = 1 To 16
    a = (dblA_N2(T1) * dblFN2 + dblA_He(T1) * dblFHe) / (dblFN2 + dblFHe)
    b = (dblB_N2(T1) * dblFN2 + dblB_He(T1) * dblFHe) / (dblFN2 + dblFHe)
    dblPambTol = (dblPigT(T1) – a) * b
    If dblPambTol > dblMaxP Then
      dblMaxP = dblPambTol
    End If
  Next T1

  GetAmbTolPressure = dblMaxP

End Function

Diskussion: Muss die Dekompressionsrechnung immer in Form einer Iteration erfolgen?

Wie hier gezeigt wird, ist ein iterativer Ansatz relativ leicht in einem Computerprogramm zu implementieren. Wenn genug Rechenleistung zur Verfügung steht ist dies sicher immer eine tragfähige Lösung, zumindest für PC-basierte Dekompressionsprogramme. Glücklicherweise haben moderne Mikrocontroller in Verbindung mit modernen Compilern zwar gute Fähigkeiten in Gleitkommarithmetik, es kann aber u. U. sein, dass die Rechenleistung beilangen Dekompressionszeiten und einer hohen Gewebezahl doch relativ lange ausfallen. In diesem Falle läge es nahe, nicht eine Iteration zu programmieren sondern die Gleichungen entsprechnd umzuformen und die Expositionszeit auf einer gegebenen Dekompressionsstufe, die nötig ist, um regelgerecht zu dekomprimieren, direkt zu berechnen. Es sind hierbei zwar infolge der Gewebezahl auch noch iterative Elemente erforderlich, sie werden jedoch weniger relevant da die Hauptrechenarbeit wegfällt.

Folgender Ansatz führt theoretisch zu einer weitgehend iterationsfreien Lösung:

  • Einsetzen von Gl. II in III
  • Logartihmieren der Gleichung und Auflösen nach der Expositionszeit

Wie dabei genau vorzugehen ist, steht weiter unten zu lesen, denn bei der Berechnung der Nullzeit wird dieses Verfahren angewandt. Da aber fallweise Konstellationen denkbar sind, die dazu führen, dass die Gleichungen in der logarithmierten Form nicht (oder nicht eindeutig) lösbar sind, stellt dieses Verfahren keinen universell anwendbaren Ersatz für die Iteration dar. Leider.

2.5 Die Berechnung der Nullzeit

Auch die Berechnung der sog. Nullzeit , also die Zeit, bis zu der man bei einer bestimmten Auftauchgeschwindigkeit bis zur Oberfläche (i. e. ca. 1 bar Umgebungsdruck) austauchen kann ohne dabei Dekompressionstopps einhalten zu müssen, kann man mit dem Bühlmannmodell vorgenommen werden.

Selbstredend könnte man die Berechnung der Nullzeit für eine gegebene Situation (Gewebesättigung, inpiratorischer Inertgaspartialdruck) auch iterativ (mit einer Schleifenberechnung) lösen. Eleganter geht es allerdings, wenn man die Mathematik des Bühlmannmodells zugrunde legt und sich  der in den Gleichungen enthaltenen Definitionen bedient. Wir gehen dabei davon aus, dass die Expositionszeit so berechnet werden kann, dass, wenn man als p.amb.tol aus Gl III den Umgebungsdruck an der Oberfläche (i. e. den Luftdruck) einsetzt, die kürzeste Nullzeit aller 16 Gewebe das gesuchte Rechenergbenis sein wird.

Zuerst wird also Gleichung III nach p.i.g (Inertgaspartialdruck, i. e. Sättigungszustand des Gewebes) umgeformt:

gl1

Anschließend werden beide Gleichungen gleichgesetzt (ab der 2. Zeile in unten stehender Herleitung) und nach der Expositionszeit tE aufgelöst. Dazu verwendet man einen Logarithmus. da gilt log(n x ) = x * log(n) . Dieser Logarithmus wird später dann leider allerdings zum Stolperstein in besonderen Fällen (siehe unten).

Zuerst schreibt man die Sättigunsgleichung (1. Zeile), dann folgt durch Gleichsetzen von der oben aufgelösten Gl III und Umformen bzw. Auflösen nach t E

gl2

Nach dem oben vorgenommenen beidseitigen Logarithmieren und weiterem Umformen ergibt sich:

gl3

gl4

Diese dargestellte Rechnung wird auf alle 16 Gewebe angewandt, die kürzeste Nullzeit bestimmt die Gesamtnullzeit. Am besten bindet man diese Gleichung softwaretechnisch in eine Schleifenstruktur ein:

int calc_ndt()
{
  int dp; /* Wassertiefe in m */
  int t1, t0min = 999;
  float piigN2, te, x, airpressure = 1.001; /* airpressure: Luftdruck in bar */

  for(t1 = 0; t1 < 16; t1++)
  {
    piigN2 = (dp / 10 + airpressure – 0.0627) * FN2;
    x =  -1 * (((airp / bN2[t1] + aN2[t1] – piN2[t1]) / (piigN2 – piN2[t1])) – 1);
    if(x > 0)
    {
      te = -1 * log(x) / log(2) * t05N2[t1];
      if(te < t0min)
        t0min = te;
    }
  }
  return t0min;
}

Ein Problem stellt sich dabei, wie bereits vorstehend kurz angedeutet, in Zusammenhang mit Nullzeiten in geringen Tiefen (unter 10 m) bzw. unter bestimmten Sättigungszuständen (p.i.g). Abhängig von den Gegebenheiten wird der Ausdruck im Argument des Logarithmus des Zählers fallweise negativ, d. h. eine Nullzeitenberechnung ist für diese Fälle nicht möglich.

(C) Peter Rachow 2004

 

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Einführung in die Theorie der Dekompression beim Tauchen

1. Physikalische Grundlagen

1.1 Luft und ihre Bestandteile

Gerätetaucher atmen das jeweilige Atemgas unter einem erhöhten Umgebungsdruck während sie sich einer Überdruckexposition aussetzen. Dabei werden die Bestandteile dieses Atemgases, also jene Gase, aus denen sich z. B. die Luft zusammensetzt, von der Lunge aufgenommen und über den arteriellen Blutkreislauf zu den einzelnen Geweben transportiert.

Sieht man sich die Zusammensetzung der Atemluft an, so besteht diese aus verschiedenen Fraktionen (Anteilen):

Die Bestandteile der Atemluft:

Die Luft besteht aus verschiedenen Einzelgasen, die sich verteilen wie im Folgenden gezeigt:

  • ca. 78% aus Stickstoff (N 2 )
  • ca. 21% Sauerstoff (O 2 )
  • 0,03% Kohlendioxid (CO 2 )
  • ca. 0,97% Edelgase (Ar, Kr, He, Ne…)

Bedeutsam für das Tauchen mit Pressluft sind hier insbesondere O 2 , N 2 und CO 2 (als Stoffwechselprodukt der inneren Atmung, also der Energieumwandlung in den Zellen).

vd1b

1.2 Druck und Partialdruck

Die eingeatmeten Gase stehen entsprechend ihrer prozentualen Verteilung im Gesamtgemisch ‚Luft‘ jeweils unter einem bestimmten Teildruck, dem sog. ‚Partialdruck‘. Er besagt, welchen Druck das bestimmte Teilgas unter den gegebenen atmosphärischen Bedingungen (Umgebungsdruck) auf andere Körper ausübt.

Dabei leitet sich der Partialdruck ab vom Umgebungsdruck (Summe aus Luftdruck über dem Wasser + hydrostatischem Druck) unter dem das Gas steht und dem Anteil dieses Gases am Gesamtgemisch.

Beispiel: Befindet sich ein Taucher auf einer Wassertiefe von 40 m , so atmet er unter einem gesamten Druck von ca. 5 bar (ca. 1 bar Luftdruck + 4 bar Schweredruck des Wassers). Der Stickstoff mit seinem Anteil von ca. 78% (78/100 = 0,78) an der Luft steht daher auf 40 m Wassertiefe unter einem Partialdruck von 0,78 * 5 bar = 3,9 bar .

Der Partialdruck eines Gases lässt sich also errechnen zu:

p.p = f.g * p.amb p.p = Partialdruck (partial pressure) des Gases
f.g = Fraktion des Gases (Anteil am Gesamtgas) in %
p.amb = Umgebungsdruck

Die Wirkung eines bestimmten Gases auf den menschlichen Körper ist im Wesentlichen von seinem Partialdruck abhängig, wenn auch seine physiologische Wirkung in bestimmten Fällen vom zusätzlichen Vorhandensein anderer Gase (bzw. deren Partialdrücken) abhängen kann.

1.3 Die Löslichkeit von Gasen in Flüssigkeiten

Nach einem physikalischen Gesetz (Gesetz von Henry) lösen sich Gase, die über oder an Flüssigkeiten stehen, zum Teil in diesen. Diese Löslichkeit hängt dabei ab

a) vom Partialdruck des Gases
b) Von der Aufnahmefähigkeit der Flüssigkeit für das Gas (Löslichkeit)
c) Von der Temperatur der beteiligten Stoffe

Der Lösungsvorgang ist physikalisch betrachtet ein Diffusionsvorgang , d. h. ein Stoff der an einem Ort in hoher Konzentration vorliegt, hat das Bestreben, sich von diesem Ort weg zu einem anderen Ort zu bewegen, wo seine Konzentration niedriger ist und so einen Ausgleich herbeizuführen, ergo ist es das Bestreben des Stoffes überall eine gleich hohe Konzentration zu erreichen.

Beim Tauchen lösen sich alle Atemgase in den Flüssigkeiten der Gewebe des Körpers, besondere Bedeutung haben jedoch die sog. Inertgase , also jene Gase, die keine chemischen Reaktionen mit den Körper- und Gewebsflüssigkeiten eingehen (daher die Bezeichnung ‚inert‘), die aber physikalisch wirken können. Das wichtigste dieser inerten Gase ist der in der Atemluft mit ca. 78% enthaltene Stickstoff , bei künstlichen Atemgasgemischen auch Helium oder bei sehr exotischen Atemgaszusammenzusetzungen der Wasserstoff .

Fassen wir zusammen: Die Inertgase (also stoffwechselphysiologisch nicht aktiven Gase) beim Tauchen sind

  • Stickstoff (N 2 )
  • Kohlendioxid (CO 2 )
  • evtl. beim sog. Trimixtauchen das Helium (He)
  • evtl. beim sog. Hydreliox der Wasserstoff (H 2 )

1.3.1 Welche Inertgasmenge kann sich in einer Flüssigkeit oder einem Körpergewebe lösen?

Auf diese Frage ist keine eindeutige mengenbezogene Antwort möglich, es gibt jedoch eine Anzahl Faktoren, die in diese Betrachtung eingehen.

Die gelöste Menge eines Inertgases in einem Gewebe hängt hauptsächlich ab von

  • dem Partialdruck des Gases, und damit vom Umgebungsdruck, also der Tauchtiefe : Je höher dieser Faktor ist, desto mehr Inertgas löst sich.
  • von der Zeit: Je länger das Gas unter erhöhtem Druck geatmet wird, desto mehr Inertgas löst sich ( Tauchzeit ). Der maximale Wert der zu lösenden Gasmenge ist hier begrenzt durch die Tatsache, dass ein solches Gewebe bei einem bestimmten Umgebungsdruck ab einem bestimmten Zeitpunkt gesättigt ist, und bei gegebener Tiefe (Umgebungsdruck) kein weiteres Inertgas mehr aufnehmen kann. Man kann dies sehr gut mit einem Kondensator vergleichen, der bei gegebener elektrischer Spannung nur eine bestimmte Ladungsmenge aufnehmen kann.
  • von der Temperatur : Je niedriger die Temperatur ist, desto mehr Inertgas löst sich (Problem: Tauchen in kaltem Wasser)
  • Vom Durchblutungsstatus des Gewebes: Gut durchblutete Gewebe nehmen schneller und mehr Inertgas auf, als wenig durchblutete.

1.4 Übergang des Inertgases von einem Gewebe in ein anderes

Der Stickstoff wird, wie Helium und andere Inertgase auch, von den Lungen aufgenommen und mit dem Blutstrom zu den einzelnen Körpergeweben (den sog. „Kompartimenten“) transportiert, wo er entsprechend dem Gesetz von Henry in die Gewebeflüssigkeit eingelagert, also physikalisch gelöst, wird. Das Inertgas geht dabei jeweils von einem Gewebe in ein anderes über. Von der Lunge in das Blut und vom Blut in das Muskelgewebe beispielsweise.

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Dieser Vorgang der Aufsättigung ist, wie die später zu beschreibende Entsättigung auch und wie bereits dargestellt, physikalisch betrachtet eine Diffussion Der Stoff sucht ein vorher vorhandenes Gefälle der Stoffkonzentration auszugleichen. Dieses Gefälle der Stoffkonzentration wird in der Physik auch als Gradient bezeichnet.

1.5 Sättigung und Entsättigung

1.5.1 Gewebetypen

Der menschliche Körper besteht aus einer Vielzahl unterschiedlicher Gewebe. Diese lösen Stickstoff und andere Gase unterschiedlich schnell, was einerseits mit deren Fettgehalt und andererseits mit deren Durchblutungsstatus (Perfusionsrate) zu tun hat. Diese Gewebe bestehen zu einem großen Teil aus Flüssigkeit, insofern lässt sich das Lösungsgesetz von Henry hier anwenden.

Wie alle Flüssigkeiten auch, haben diese Gewebe stark unterschiedliche Lösungsverhalten für Gase. Um die Betrachtungen zu vereinfachen, hat man den menschlichen Körper daher modellhaft in eine bestimmte Anzahl unterschiedlicher Gewebe unterteilt. An diesen Geweben wird in Ansätzen mathematisch-modellhaft nachvollzogen welche Vorgänge sich in der Realität abspielen. Je nach Dekompressionsmodell sind dies 1, 4, 6, 8, 16 oder noch mehr Gewebe deren Eigenschaften man mit Hilfe von mathematischen Konstanten definiert. ( Mehr… )

Die Gewebe, die den Stickstoff am schnellsten lösen, sind z. B. das Blut und die Nerven, mittlere Gewebe z. B. die Haut und die Muskeln, langsame Gewebe sind z. B. Knochen und Knorpel. Für jedes Gewebe hat man eine bestimmte „Sättigungshalbwertszeit“ ermittelt, je kürzer diese ist, desto schneller ist eine Gewebestruktur mit dem Inertgas gesättigt.

Außerdem hängt die Löslichkeit von der Dichte des Gases ab. Leichte Gase (z. B. Helium) lösen sich schneller als massereichere Gase (z. B. Stickstoff). Andererseits lösen sich Gase unterschiedlich stark in Fettgewebe, sie verfügen über eine unterschiedlich ausgeprägte Lipophilie . Helium beispielsweise ist um ca. den Faktor 4 weniger liopohil als Stickstoff. Man erkennt also, dass sich das Verhalten des Gases in Bezug auf seine Lösung in einem Körpergewebe an vielen Faktoren determiniert.

1.5.2 Die Halbsättigungszeit der Gewebe

Der wichtigste mathematische Faktor bei der Betrachtung der Lösungseigenschaften der Gase im Gewebe ist dabei die sog. Gewebehalbsättigungszeit (kurz Halbwertszeit) . Sie ist definiert als die Zeit, bis zu der ein Gewebe die Hälfte des theoretischen Endwertes der Sättigung (also abhängig vom Ungebungsdruck und damit der Tauchtiefe) erreicht hat. Nach dieser Halbwertszeit hat also ein Gewebe bei einem bestimmten Druck die Hälfte der Inertgasmenge (Stickstoff, Helium etc.) aufgenommen, die es max. aufnehmen könnte.

1.5.3 Verlauf der Lösungskurven

Wie alle mit Halbwertszeiten assoziierten Vorgänge haben auch diese Lösungskurven einen exponentiellen Verlauf, d. h. sie streben einem rechnerischen Endwert zu. Man spricht hier von einer Approximation (Annäherung) an einen Maximalwert bei der Aufsättigung und an einen Minimalwert bei der Entsättigung. Beim Aufsättigen entspricht dieser Endwert der theoretisch möglichen maximalen Sättigung. In der Praxis bedeutet dies, dass ein Gewebe nach einer bestimmten Zeit unter einem bestimmten Druck keinen weiteren Stickstoff mehr aufnehmen kann, es ist gesättigt und hat den maximal möglichen Partialdruck des Inertgases erreicht.

Beim Entsättigen (also der Gasabgabe) entspricht der Druckgradient (Partialdruckunterschied) der Differenz des Partialdruckes des Inertgases im Gewebe zu dem des Atemgasgemisches. Auch dieser ist nach einer bestimmten Anzahl Halbwertszeiten nahezu Null.

Eine typische Sättigungskurve hat den unten gezeigten Verlauf. Man erkennt

a) dass nach ca. 8 – 9 Halbwertszeiten das Gewebe (bei gegebenem konstantem Umgebungsdruck) kein weiteres Inertgas aufnehmen kann. Der Sättigungszustand ist erreicht, und

b) dass nach jeweils einer Zeitperiode (Horizontalachse) die gelöste Inertgasmenge immer die Hälfte des Restwertes der vorigen Zeitperiode ist.

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1.5.4 Sättigungsverlauf verschiedener Gewebe

Während der Aufsättigungsphase haben verschiedene Gewebe ganz unterschiedliche Lösungszustände für das Inertgas weil sie unterschiedliche Sättigungshalbwertszeiten besitzen.

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Modellhaft dargestellt ist dieser Sachverhalt oben für 5 verschiedene Gewebe. Die blaue Linie entspricht dabei einen schnellen Gewebe (z. B. dem Blut), es erreicht die Sättigung schneller als alle anderen sog. Kompartimente (Modellgewebe). Die violette Linie entspricht dem langsamsten Gewebe dieser Kurvenschar.

1.6 Welche Gewebe sind beim Sporttauchen relevant?

Die verschiedenen Körpergewebe verhalten sich beim Abtauchen (Aufsättigung mit Inertgas) ebenso wie beim Auftauchen (Abgabe des Inertgases) unterschiedlich was die Zeiten ihrer Gasaufnahme und -abgabe betrifft. Vergleicht man das Aufättigungs- mit dem Entsättigungverhalten gibt es vom exponenziellen Verlauf der Kurven her betrachtet keinen Unterschied: Ein schnelles Gewebe nimmt Inertgas schnell auf und gibt es ebenfalls schnell wieder ab. Nur läuft die Entsättigung i. d. R. langsamer ab, da physiologische Ursachen einem schnellen Ausspülen ( Elimination ) des Inertgases aus dem Körper entgegenstehen (z. B. die sog. Mikrogasblasenproblematik mit Verschlechterung des Gasaustausches in der Lunge, Temperaturprobleme beim Kaltwassertauchen etc.)

Schnelle Gewebe mit kurzen Halbwertszeiten (z. B. Gehirn, Rückenmark, Nerven, Blut) Langsame Gewebe mit mittleren Halbwertszeiten (Muskeln, Haut) und langen Halbwertszeiten (Knochen, Knorpel)
  • Sie sättigen Inertgas schneller auf.
  • Sie geben Inertgas schnell wieder ab
  • Sind besonders für kurze tiefe Tauchgänge relevant
  • Sie haben beim Entsättigen, also der Inertgasabgabe beim Auftauchen, höhere Toleranzen gegen eine Übersättigung.
  • Langsame Stickstoffaufnahme und -abgabe
  • Besonders relevant bei langen flachen Tauchgängen und häufigen Wiederholungs-Tauchgängen in kurzer Zeit (sog. „Non-limit-Tauchen“)
  • Niedrige Toleranz gegen zu schnelle Druckentlastung beim Auftauchen

1.7 Die Entsättigung

Bei Druckentlastung ( Dekompressionsphase während des Auftauchens) geben die Gewebe den gelösten Stickstoff wieder ab, weil der Umgebungsdruck sinkt. Dies ist der umgekehrte Vorgang des Abtauchens ( Kompressionsphase ) oder der Tauchphase auf der Tiefe (Isopressionsphase, iso = gleich).

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Der Stickstoff (oder ein anderes Inertgas oder Inertgasgemisch) tritt dabei aus der Gewebsflüssigkeit aus und strebt mit dem Blutstrom der Lunge zu, wo er abgegeben wird. Wir sprechen, wie bereits erwähnt, in diesem Falle von Inertgaselimination , also der Entfernung des Inertgases aus dem Körper.

1.8 Übersättigung und Sättigungstoleranzen

Wie gezeigt wurde, ist die Aufnahme der Inertgase in die Körpergewebe ein Ergebnis der Tatsache, dass der Umgebungsdruck unter dem das Gas durch Atmung in den Körper aufgenommen wird, gestiegen ist. Wird nun beim Tauchen der Umgebungsdruck vermindert, weil aufgetaucht wird, tritt der umgekeherte Vorgang auf: Das unter höherem Druck im Gewebe gelöste Gas will dieses wieder verlassen. Beim Auftauchen kann das Inertgas den Körper jedoch nicht unbegrenzt schnell verlassen, da die Abtransportrate aus den Geweben über das Blut begrenzt ist. Ab diesem Zeitpunkt entsteht in den Geweben eine zeitweilige sog. Übersättigung mit Inertgas, d. h. der Gasdruck im Gewebe ist im Vergleich zum Umgebungsdruck hinreichend groß, so dass das Gas im Gewebe nicht mehr in Lösung gehalten werden kann.

Dieser Vorgang, wenn er ausreichend langsam abläuft, wird keine sog. Dekompressionskrankheit hervorbringen, sondern lediglich vom Auftreten sog. Mikrogasblasen begleitet sein , die allerdings keine krankmachende (pathogene) Wirkung entfalten. Mikrogasblasen sind gewissermaßen die Verkörperung ( Manifestation ) des aus den Geweben austretenden Inertgases, das der Lunge entgegenstrebt um aus dem Körper entfernt zu werden.

In der Lunge wird das anfallende Inertgas dann weitestgehend abgeatmet, wenn auch hier gewisse Mechanismen die Inertgasabgebae verlangsamen können.

Wird jedoch die Druckabnahme pro Zeiteinheit zu schnell durchgeführt, tritt zuviel Gas in einer bestimmten Zeit aus den Geweben aus und es bilden sich mehr oder weniger große Blasen, weil die große, momentan freigewordene Inertgasmenge nicht vom Ort des Entstehens abtransportiert werden kann. Gut durchblutete, sog. „schnelle“, Gewebe haben daher eine geringere Tendenz zur Bildung von z. B. Stickstoffblasen, weil hier das Inertgas schnell weiter geleitet werden kann. In anderen, schlecht durchbluteten Geweben, wie z. B. Fettgewebe, sammelt sich einerseits wegen der höheren Löslichkeit von Stickstoff in Fett mehr Inertgas an, andererseits kann dieses Gas nicht ausreichend schnell abtransportiert werden. Daher ist Fettleibigkeit ( Adipositas ) ein Risikofaktor beim Tauchen.

Bilden sich jedoch große Gasblasen ( manifeste Blasen ), kommt es im Bereich der Blasenbildung zu örtlichen Gewebszerreissungen, was man z. B. an den Hautrötungen bei einer leichten Dekompressionskrankheit und den Schmerzen in den Gelenken, den sog. „‚bends“ beobachten kann. Diese weniger gravierenden Symptome der sog. Dekompressionskrankheit (sog. Typ I ) treten auf, wenn bestimmte Gewebe (Muskeln, Haut) mehr Gas abgeben müssen, als sie symptomlos tolerieren können.

Schwerere Symptome der Dekompressionskrankheit entstehen, wenn Gasblasen aus dem venösen System in der Lunge wegen ihrer großen Zahl und der damit einhergehenden Herabsetzung der Lungenfunktion und des Gasaustausches nicht abgeatmet werden können und in das arterielle System übertreten. Dort können sie wie ein Thrombus (Pfropfen) die Blutzufuhr zu lebenswichtigen Organen blockieren, so dass es hier nicht selten zu Nervenlähmungen, motorischen oder sensorischen Ausfällen oder im Extremfalle zum Tod kommt (sog. Typ II der Dekompressionskrankheit )

Alle Gewebe haben dabei, wie bereits geschildert, bestimmte Toleranzen gegen eine zu hohe Stickstoffaufladung (Gasspannung) und können einen bestimmten Gasüberdruck aushalten, ohne dass sich eine relevante Zahl und Größe von Gasblasen ausbildet. Dieser Gasüberdruck entsteht alleine deshalb, weil der Außendruck infolge Auftauchens kleiner wird, der Innendruck des gelösten Gases im Gewebe aber nicht zeitnah synchron folgen kann.

Schnelle Gewebe sind dabei toleranter gegen Übersättigung als langsame. Die Auftauchgeschwindigkeit muss stets so bemessen sein, dass die Übersättigungstoleranzen aller Gewebe eingehalten werden und nicht zuviel Gas auf einmal die Gewebe verlässt, so dass sich keine Blasen bilden können. Diese Ermittlung eines Austauchplanes, bei dem alle Gewebe unterhalb der kritischen Schwelle gehalten werden, ist die Basis der mathmematischen Dekompressionsrechnung.

1.8.1 Verzögerte Entsättigung durch Temperatureinflüsse

Die Entsättigung verläuft, wie bereits gezeigt, theoretisch umgekehrt ab wie die Aufsättigung, aber unterschiedliche Durchblutungscharakteristika der Gewebe können die Entsättigung verlangsamen: Kalte Haut und schlechte Durchblutung am Ende des TG verursachen z. B. Transportprobleme des Inertgases zur Lunge. In kalten Körperbereichen kommt es zu einer Verengung der Gefäße ( Vasokonstriktion ). Dadurch sinkt die Menge des pro Zeiteinheit abgegeben Inertgases.

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1.8.2 Mikrogasblasen

Bei jedem Tauchgang entstehen wie geschildert beim Auftauchen infolge der Verminderung des Umgebungsdruck durch Austritt von Inertgas aus den Geweben sog. Mikrogasblasen . Ihre Größe liegt im Bereich einiger Millionstel m und sie sind gesundheitlich weitgehend unbedenklich.

Diese Blasen haben jedoch einen negativen Einfluss auf die Inertgaselimination in der Lunge selbst, d. h. die Abgabe von Stickstoff (oder Helium) durch die Lunge sinkt. Sie setzen also die Wirksamkeit der Lunge herab, man spricht in diesem Zusammenhang von einer Blockade des Lungenfilters . Ihre negative Wirkung auf die Inertgaselimination entsteht deshalb, weil sie die feinsten Blutgefäß in der Lunge zum Teil verstopfen können und daher den Gasaustausch in den Lungenbläschen (Alveolen) behindern.

1.9 Stickstoffabgabe über die Lunge

Der aus den Geweben stammende Stickstoff bzw. ein anderes Inertgas wird im venösen Blut gelöst und zur Lunge transportiert, wo er weitgehend abgeatmet werden kann, wenn die in einer bestimmten Zeit transportierte Gasmenge unterhalb eines kritischen Schwellenwertes bleibt. Diesen Schwellenwert zu ermitteln und immer unterhalb der kritischen (Blasen-)Grenze zu bleiben, ist, wie bereits gezeigt, die Aufgabe der entwickelten Dekompressionsverfahren wie Deko-Tabellen und Tauchcomputer.

Physiologische Eigenheiten können die Stickstoffabgabe verlangsamen:

  • Offenes Foramen Ovale (PFO = patent foramen ovale = Loch in der Herzscheidewand, erlaubt den Übertritt venösen, blasenhaltigen Blutes in den arteriellen Kreislauf)
  • Rauchen (führt wegen Vasokonstriktion, i. e. Gefäßverengung, zu einer Minderdurchblutung der Kapillaren).
  • Fettleibigkeit (Fettzellen lösen besonders viel Inertgas, daher steigt die Menge des gelösten Gases, das später wieder abgegeben werden muss, Fettgewebe ist aber schlecht durchblutet, also kann das Inertgas nicht effektiv eliminiert werden)
  • Dehydrierung (Austrocknung, z. B. bei Durchfall oder zu wenig Flüssigkeitsaufnahme, Seekrankheit, führt zu einer verminderten Fließfähigkeit des Blutes)
  • Körperliche Anstrengung während des TG (Vermehrte N 2 -Aufnahme, da das Atemminutenvolumen erhöht ist, dies führt in der Folge u. U. zu einem CO 2 -Überhang => größere Blasen durch 2 Inertgase)
  • Vorhergegangene Dekompressionsunfälle (DCS) mit lokaler Bildung von Narbengewebe.
  • Stress (höheres Atemminutenvolumen, AMV, also zusätzliche Aufsättigung, siehe oben).
  • Kurze Oberflächenpausen (sog. Non-Limit-Tauchen !), daher hohe Konzentration von Mikrogasblasen.
  • Schnelle Aufstiege (v max. > 7-10 m/min.) mit exzessiver Mikrogasblasenbildung.

1.10. Dekompression bei anderen Inertgasen

1.10.1 Helium

Helium, das am häufigsten verwendete Inertgas bei künstlichen Atemgasgemischen, hat eine sehr viel geringere Masse als Stickstoff. Dadurch steigt die Diffusionsgeschwindigkeit des Gases in und aus den die Geweben an. Die Halbwertszeiten sinken. Bühlmann gibt an, dass die Halbwertszeiten für He um den Faktor 2,65 geringer seien als für Stickstoff.

Daraus resultieren im Wesentlichen zwei Sachverhalte:

  • Ein Gewebe ist schneller gesättigt als beim Tauchen mit N 2 .
  • Die Abgabe des Inertgases bei der Dekompressionsphase erfolgt schneller, dadurch sinken die Toleranzen verglichen mit einem Inertgas mit niedriger Diffussionsgeschwindigkeit.

Besonders letzter Punkt ist bedeutsam. Während man eigentlich vermuten müsste, dass sich die Dekompressionsproblematik bei He weit weniger stellt (verglichen mit N 2 ), weil eben das Inertgas schneller abgegeben wird, ist genau das Gegenteil der Fall. Die Dekompressionsphase muss langsamer ablaufen, damit nicht zuviel Inertgas pro Zeiteinheit die Gewebe verlässt und es daher zur Produktion manifester (also krankmachender) Gasblasen kommt. Die abzugebende Inertgasmenge wird größer, wenn das Gas beim Aufsättigen schneller diffundiert.

In der Konsequenz heißt dies (bei reiner Atmung von He als Inertgas ohne N 2 -Anteil), dass a) mit der Dekompression früher begonnen werden muss und b) die maximale Aufstiegsgeschwindigkeit deutlich geringer ist, als beim Tauchen ausschließlich mit N 2 (Pressluft, Nitrox).

Weiterhin kann es beim Wechsel der Atemgasgemische während der Dekompression zu einem Effekt kommen, den man als “ isobare Gegendiffusion “ bezeichnet. Er hat eher theroetische Bedeutung.

Andererseits hat der Wechsel des Inertgases von He auf N 2 bei der Dekompression den Vorteil, dass der Druckgradient des schnellen Inertgases (He) stark ansteigt, wenn auf N 2 als Inertgas gewechselt wird. Dadurch steigt die Eliminationsrate ebenfalls mit an.

2. Dekompression in der Praxis

Wie geschildert, haben die Regeln der Dekompression Bedeutung für das Tauchen mit allen Gasen außer reinem O 2 , weil beim reinen Sauerstofftauchen keine Inertgase vorhanden sind. Im Wesentlichen kommt es darauf, an die Austauchphase entsprechend den physikalischen Gegebenheiten zu gestalten.

2.1. Nullzeittauchgänge sind nicht wirklich sicher: Der ewige Streit „Nullzeit-TG“ vs. „Deko-TG“

Ein Mythos , der von moderner Tauchausbildung immer wieder vertreten wird, ist die Aussage, dass Nullzeittauchgänge sicherer seien als geplante Dekompressionstauchgänge. Das ist natürlich Unsinn und dient u. E. nur der vordergründigen Befriedigung des Sicherheitsbedürfnisses schlecht ausgebildeter und unzureichend informierter Taucher durch Anweiser (sog. Instructoren ), die es oft kaum selber richtig wissen.

Laut allgemein gültiger Definition liegt ein Nullzeittauchgang dann vor, wenn beim Austauchen keine Dekompressionspausen eingehalten werden müssen. Physikalisch bedeutet dies, dass der „Aufladungszustand“ aller Gewebe des Körpers mit Inertgas (Stickstoff/Helium) zu einem bestimmten Zeitpunkt ausreichend niedrig ist und dass eine Druckverminderung des Körpers auf 1 bar (Luftdruck an der Wasseroberfläche) symptomlos toleriert würde wenn eine bestimmte Aufstiegsgeschwindigkeit eingehalten wird.

Dabei werden wohlweislich bestimmte Einzelheiten verschwiegen:

Beim Tauchen kommt es bereits beim Abtauchen und erst recht beim Tauchen in allen Tiefen > 0 m WT zu einer Inertgasaufsättigung der Gewebe. Dadurch wird jeder Tauchgang sofort zu einem Dekompressionstauchgang, wenn auch das sofortige Austauchen immer noch möglich wäre, weil die Gewebe stets eine bestimmte Toleranz gegen Gasblasenbildung bei Druckentlastung aufweisen.

So ist es letztlich möglich, dauernd entlang dieser „Nullzeitgrenze“ entlang zu tauchen. Das Verfahren funktioniert so: Ist der Taucher eine bestimmte Zeit auf einer bestimmten Tiefe. Nähert sich die Inertgasaufsättigung der Gewebe langsam dem Wert, der ein sofortiges Austauchen verhindern würde (der Tauchgang also zum Deko-TG würde), so dass in Kürze explizite Stopps unterhalb der Wasseroberfläche nötig wären, so taucht man einfach einige Meter höher und verlangsamt dadurch die weitere Aufsättigung. Diese Spiel kann man theoretisch treiben, bis die Luft in der Flasche leer ist oder man die Wasseroberfläche erreicht hat, wenn auch zwischen 0 und 10 m Wassertiefe die Zunahme der Aufsättigung nicht mehr problematisch wird. Taucht man nach diesem Verfahren. so ist man vordergründig nie eine explizite Dekompressionspflicht eingegangen.

Problematisch bei diesem Verhalten ist jedoch, dass mindestens ein Körpergewebe so aufgesättigt ist, dass es immer kurz vor einer Dekompressionsproblematik steht. Exzessives Nullzeittauchen heißt eigentlich nur, sich an diese kritische Schwelle „heranzutasten“, was moderne Dekompressioncomputer mit ihrem integrativen (den Tauchgang abbildenden) Rechenverfahren theoretisch möglich machen, in der Praxis aber eben auch Probleme hervorgebracht können, da das Dekompressionsverhalten verschiedener Menschen höchst unterschiedlich sein kann. Das was für Person A noch tolerabel ist, kann für Person B schon zur Behandlung in der Rekompressionskammer führen.

Allerdings heißt “ keine Dekompressionspflicht “ natürlich nicht “ keine Dekompression „. Die Dekompressionsphase läuft hier nur ohne Planung des Tauchers ab, der sich zwar sicher wähnt, aber trotzdem mit mindestens einem voll aufgesättigtem Gewebe aus dem Wasser kommt, und dabei noch ein gutes Gewissen hat. Der Trick liegt in der Aufstiegsgeschwindigkeit, die so bemessen wird, dass eben doch scheinbar „sofort“ ausgetaucht werden kann.

Bei einem regelgerecht durchgeführten Dekompressionstauchgang hat man am Ende der Dekophase den selben Zustand wie nach einem Nullzeit-TG, der an die Grenze der Dekompressionspflicht führte: Mindestens ein vollgesättigtes Gewebe, dass unter den gegebenen äußeren Druckbedingungen noch gerade keine Dekompressionskrankheit erzeugt.

Folgende, häufig geübte, Praxis einen Tauchcomputer zu verwenden, ist also besonders bedenklich , da sie eine hohe Anzahl an Mikrogasblasen hervorbringt:

Tauchen an der Nullzeitgrenze

  • Nach einer bestimmten Tauchzeit auf einer bestimmten Tauchtiefe, werden u. U. Dekompressionsstopps notwendig.
  • Viele Taucher tauchen dann kurz vor diesem Zeitpunkt in geringere Tiefen auf.
  • Dies wird immer wiederholt, wenn die Nullzeitgrenze erreicht wird, was vom Computer ja mitgeteilt wird, so dass theoretisch keine Dekompressionspflicht entsteht. Risiko: Bestimmte Gewebe (u. a. das Führungsgwebe) sind nahe an der Toleranzgrenze für die max. zul. Gasspannung
  • Physikalisch kein Unterschied zum Dekompressionstauchen, außer dass explizite Stopps vermieden werden (Ergebnis: Mindestens ein Gewebe ist soweit gesättigt, dass gerade noch keine großen Gasblasen entstehen)

2.2 Gestaltung der Austauchphase bei Dekompressionstauchgängen

Werden Dekompressionstauchgänge durchgeführt, bedeutet dies zuerst einmal, dass dem Taucher der direkte Weg zur Oberfläche für einige Zeit versperrt ist. Dies macht Tauchern vielfach Angst, weil sie nicht, besonders wenn sich z. B. während des Tauchgangs Probleme ergeben, sofort auftauchen könnten. Dies ist zuerst einmal ein psychologisches Problem. Von daher sollte unerfahrenen oder unsicheren Tauchern natürlich von Dekompressionstauchgängen abgeraten werden, solange dieser psychische und/oder Erfahrungsstatus sich nicht verbessert haben.

Dekompressionstauchgänge lassen sich anhand von Dekompressionstabellen durchführen oder mittels Dekompressionscomputern (Tauchcomputer). Sie setzen regelmäßig eine gewissenhafte Tauchgangsplanung voraus, weil der mitgeführte Atemgasvorrat jetzt genau kalkuliert werden muss damit er für die Tauch- und für die Dekompressionsphase ausreichend ist. Insofern unterscheiden sich geplante Deko-TG stark von sog. „Nullzeit-Fun-Dives“.

Wird ein Dekompressions-TG durchgeführt, so ist ab einer bestimmten, vorher geplanten, Tauchzeit der Aufstieg einzuleiten. Ob man vertikal, an einer Steilwand, im Freiwasser oder an Geländestrukturen entlang aufsteigt, ist irrelevant, ganz abgesehen davon dass die Techniken des Tarierens beherrscht werden müssen.

Die Aufstiegsgeschwindigkeit zur ersten Dekompressionstufe sollte nicht mehr als 8-10 m/min betragen. Ist man auf der ersten Stufe angekommen, so wird dort die in der Tabelle oder dem Computer ausgewiesene Zeitspanne verweilt und dann zur nächsten Stufe aufgestiegen.

Die Tiefen der jeweiligen Dekompressionsstopps sollten so genau als möglich eingehalten werden. Steigt man zu hoch auf, so wird zuviel Inertgas pro Zeit freigesetzt oder es bilden sich Mikrogasblasen in zu großer Zahl, bleibt man zu tief, wird nicht schnell genug entsättigt.

Eine gewisse Toleranzgrenze ist jedoch auch hier gegeben, man geht davon aus, dass bei einer mittleren Dekompressionspflicht, 2 bis 3 Minuten Unterschreitung der Dekompressionstiefe toleriert werden. Man kann also auch während einer Dekophase kurz Austauchen, um sich z. B. an der Oberfläche zu orientieren.

2.3 Austauchen unter vermindertem Umgebungsdruck (Bergseetauchen)

Die Dekompressionsregeln der gängigen Tabellen und Computermodelle sind so beschaffen, dass beim Verlassen des Wassers der umgebende Luftdruck mit ca. 1 bar angenommen wird. Da nach Verlassen des Wassers die Dekompression (Entsättigung) der Gewebe noch nicht beendet ist, müssen alle Gewebe bei diesem Umgebungsdruck bereits das Inertgas so weit abgebaut haben, dass keine manifesten großen Gasblasen mehr auftreten können.

Würde man den Luftdruck beim Verlassen des Wassers vermindern, könnte es jetzt wegen des größer gewordenen Druckgefälles zwischen Inertgaspartialdruck in den Geweben und Umgebungsdruck doch noch zu einer Dekompressionskrankheit kommen.

Beim Tauchen in hoch gelegen Gebirgsseen ist der Umgebungsdruck jedoch regelmäßig niedriger, so dass die Gewebe vor Verlassen des Wassers weiter entsättigen müssen, als sie das tun müssten, wenn der Umgebungsdruck Normalwerte hätte.

Bergseetauchtabellen und höhenangepasste Computermodelle rechnen daher regelmäßig mit verlängerten Dekompressionszeiten verglichen mit den Tabellen für Meereshöhe. I. d. R. wird man davon ausgehen können, dass ab einer Höhe über NN von > 700 m eine Bergseetabelle zu verwenden ist.

2.4 Die Bedeutung der Aufstiegsgeschwindigkeit

Je höher diese ist, desto risikoreicher die Dekompression (Mikroblasen, u. U. manifeste Blasen). Abhängig vom Tiefenbereich (Druckentlastung pro Tiefenmeter)

Als max. Aufstiegsgeschwindigkeiten sind anzusetzen:

  • im Tiefenbereich unterhalb 20m: v max. = 10-18 m/min
  • im Tiefenbereich oberhalb 20m: v max. = 7-10 m/min oder weniger

Geplante Dekompressionstopps setzen die Aufstiegsgeschwindigkeit also künstlich herab. Auch bei „Nullzeit“-TG muss der Taucher auf eine geringe Aufstiegsgeschwindigkeit achten und sollte einen Dekompressionstopp von 4-5 min. auf 3-5 m Wassertiefe einhalten. Der heute propagierte „Sicherheitsstopp“ ist mithin nichts anderes als ein unspezifischer Dekompressionsstopp.

2.5 Tipps für die Tauchsicherheit

  • Jo-Jo Tauchgänge vermeiden. Hier ist die Bildung von Mikrogasblasen exzessiv.
  • Wiederholungstauchgänge planen mit möglichst großer Oberflächenpause zwischen dem 1. TG und dem 2. TG. Die Mikrogasblasenbildung erreicht ihr Maximum ca. 1 – 2h Ende des letzten TG, wer dann gleich wieder ins Waser springt, nimmt die nächsten Blasenkeime gleich mit. Auch sind Zeitzuschläge zur Dekompression zu beachten (zumindest beim Tauchen mit Tabellen, der Computer rechnet das mit ein)
  • Auch mal einen Tauchgang am Tag ausfallen lassen oder einen Tag nicht tauchen (langsame Gewebe entsättigen lassen).
  • Ausreichenden Atemluftvorrat einplanen (d. h. 70-80 bar bei Beginn der Dekompression, je nach Flaschengröße und kalkulierter Dekodauer)
  • Körperliche Belastungen und hohe Temperaturen (Sauna) nach dem TG vermeiden (keine vermeidbaren Kondensationskerne für Gasblasen erzeugen)
  • Vor dem Fliegen 12-24 h nicht tauchen.
  • Auf genug Flüssigkeitsaufnahme achten. Blut mit geringer Fließfähigkeit kann austretendes Inertgas nicht so effektiv zur Lunge transportieren.

2.6 Dekompressionsunfälle/Dekompressionskrankheit (DCS decompression sickness)

Durch zu schnelle Druckentlastung beim Auftauchen entstehen Stickstoffblasen, d. h. das Inertgas bleibt nicht in Lösung sondern wird freigesetzt, so dass massive Gasblasen entstehen. Diese Gasblasen führen einerseits zu lokalen Gewebeschädigungen (Ischämien, Läsionen, Gewebszerreißungen), andererseits gelangen sie in den venösen Blutkreislauf und werden zur Lunge transportiert. Dort können sie in das arterielle System übertreten (in der Lunge, sog. „rechts-links-Shunt“)

Wegen der großen Zahl der Blasen können diese dann, wenn in der Lunge angekommen, nicht vollständig über die Lungenbläschen an die Außenluft abgegeben werden. Dies führt einerseits zur Enstehung kleinster Lungenembolien und weiter dazu, dass diese Blasen weiter in den arteriellen Blutkreislauf eintreten, entweder direkt über die Lunge oder über ein Loch in der Herzscheidewand (patent formen ovale, pfo , das bei ca. 30% der menschen vorhanden ist). Außerdem besteht die bei massivem Einströmen von Gasblasen in die Lunge die Gefahr eines auf die Lunge begrenzten Bluthochdruckes, der zum Herzversagen und Kreslaufkollpas führen kann.

Unterschieden werden im Bezug auf die Dekompressionskrankheit folgende Typen:

  • DCS Typ I mit Haut-, Muskel- und Gelenksymptome (‚Bends‘), Juckreiz der Haut
  • DCS Typ II mit Nervenlähmungen, Bewusstlosigkeit, motorische und sensorischen Störungen (Taubheit, Blindheit)
  • DCS Typ III Langzeitschäden wie Skelettveränderungen, Nervenschädigungen (‚Läsionen‘)

2.6.1 Behandlung der DCS

  • Atmung von O2, möglichst hoher O2-Anteil, am besten 100%.
  • ruhige, flache Lagerung bei anprechbarem Unfallopfer, sonst stabile Seitenlage wenn das Opfer bewusstlos ist aber die Vitalfunktionen OK sind. Sonst entsprechende Maßnahmen ergreifen (HLW).
  • Flüssigkeitszufuhr
  • Rettungskette mit Behandlung in Rekompressionskammer

Die Behandlung der Dekompressionskranheit zielt darauf ab, die freien manifesten Gasblasen im Körper zu eliminieren. Die kann durch verschiedene Methoden erreicht werden.

Zuerst ist der Druckgradient, also das Inertgasgefälle zu erhöhen. Da es sich bei der Inertgaselimination ebenso wie bei der Aufsättigung um einen Diffussionsprozess handelt, ist dafür zu sorgen, dass das Inertgas den Körper möglichst schnell verlassen kann. Dazu wird die Gabe von Reinsauerstoff empfohlen. Aufgrund der Tatsache, dass der Körper durch diese Maßnahme keinen weiteren Stickstoff aufnehmen kann, ist das Druckgefälle (Gradient) vom Köper zur Umgebung maximiert, d. h. der Stickstoff wird mit maximal möglicher Transportrate abgegeben.

Weiterhin sind die im Körper sich befindlichen Gasblasen zu verkleinern. Dies wird durch eine Rekompression in einer Druckkammer erzielt, z. B. auf einen Umgebungsdruck, der einer Wassertiefe von 50m entspricht (6 bar). Von diesem Druck wird langsam, über mehrere Stunden entlastet, zum Schluss unter Atmung von 100% O 2 . Dieser hohe Druck ist deshalb notwendig, weil sich die Gasblasen im Körper nicht in Kugelform manifestieren sondern in länglicher Form sich an die Gefäßwände anlagern. Um diese Blasen so zu verkleinern, dass sie das Gefäß wieder freigeben, ist ein hoher Umgebungsdruck notwendig, weil sich die wegen der Adhäsionskräfte weiter an die Wände des Blutgefäßes anlagern und zuerst in der Länge schrumpfen und dann erst im Durchmesser.

Um die Fließfähigkeit des Blutes zu verbessern ist dem ansprechbaren Patienten ausreichend Flüssigkeit zuzuführen, allerdings wegen der dehydrierenden (wasserentziehenden) Wirkung keinen Alkohol, Kaffee oder Tee.

Keinen Beleg gibt es für den Nutzen der Gabe von Aspirin zum Zwecke der Verbesserung der Fließfähigkeit des Blutes.

2.6.2 Alternative Behandlungsmöglichkeiten

2.6.2.1 Nasse Re-/Dekompression mit Druckluft

Patient atmet aus SCUBA Luft auf 10 bis 15m WT

Abzulehnen weil

  • Patient in unstabilem (i. e. nicht tauchtauglichen Allgemeinzustand)
  • Gefahr der Auskühlung durch langen Wasseraufenthalt
  • Gefahr der Bewusstlosigkeit oder Erbrechen unter Wasser
2.6.2.2 Nasse Re-/Dekompression mit Sauerstoff (max. 9m WT)

Dieses Verfahren wird in Australien teilweise recht erfolgreich praktiziert, was gut funktioniert, da hier die Auskühlung de Patienten keine Gefahrenquelle darstellt. Der Patient atmet mit Vollgesichtsmaske einige Stunden im warmen Wasser reines O 2 in einer Wassertiefe von 6 bis 9 m.

2.7 Ausgelassene Dekompression und kurzes Austauchen

Reicht das Atemgas nicht für die ganze Dekompressionsphase sollte man die tieferen Dekostopps noch durchführen (also z. B. auf 12, 9 und evtl. 6 m) um die schnellen Gewebe wie Nerven und Zentralnervensystem zu entsättigen und dann die flacheren Stopps auslassen bzw. auf dieser Tiefe die Flasche vollständig leer atmen.

Besteht die Möglichkeit, ein volles Tauchgerät innerhalb weniger Minuten zu erreichen, so kann eine Toleranzzeit von 2 bis 3 Minuten gerechnet werden, in der der Taucher gefahrlos und ohne Symptome einer DCS in das Wasser zurückkehren kann. Sodann ist die gesamte Dekompressionsphase beginnend mit der tiefsten Deko-Stufe erneut zu durchlaufen. Dieses Vorgehen wird als “ nachgeholte Dekompression “ bezeichnet, im Unterschied zur „nassen Rekompression“.

Ist die Zeitspanne außerhalb des Wassers zu lang oder es zeigen sich nach Verlassen des Wassers erste Symptome der DCS, darf nicht wieder abgetaucht werden. Stattdessen ist die Gabe von reinem O 2 und eine ruhige Lagerung angezeigt.

[…]

2.8 Falsche Annahmen und Aussagen zur Dekompression

Folgende Aussagen, die man immer wieder in Tauchsportkreisen hört, sind letztlich unbewiesen:

  • Es fehlt bis heute u. a. ein eindeutiger wissenschaftlicher Beleg für die Richtigkeit der These „Tiefster Tauchgang zuerst“.
  • Bei einem Nullzeit-TG seien Dekompressionschäden unmöglich. Diese Annahme ist evident falsch, da auch nach NZ-Tauchgängen (besonders wenn die vorhergehende Oberflächenpause kurz war) immer wieder von Dekompressionsunfällen berichtet wird.

3. Glossar

Atemgas

Als Atemgas verwenden wir meistens Luft. Da jedoch die hier geschilderten Gesetze für alle Gemische, die beim Tauchen zum Atmen verwendet werden, anwendbar sind, sprechen wir allgemein von Atemgas , und meinen dabei Luft, Nitrox, Trimix, Heliox etc.

Gesetz von Henry

Der englische Arzt William Henry fand Ende des 18. Jh heraus, dass sich eine Flüssigkeit mit einem Gas, das über Ihr liegt, sättigt. Das Gas wird zum Teil in die Flüssigkeit eingelagert (physiklaisch gelöst), und zwar solange, bis diese Flüssigkeit kein weiteres Gas mehr aufnehmen kann, also gesättigt ist.

Kompartiment

Wissenschaftliche Bezeichnung für Modellgewebe . Ein Kompatiment entspricht einem gedachten Körpergewebe für Dekompressionsmodelle.

Mikrogasblasen

Kleinste Gasblasen, die beim Dekomprimieren entstehen und die wegen ihrer geringen Größe keine physiologischen Probleme hervorrufen, wenn die Anzahl unterhalb eines bestimmten Grenzwertes bleibt. Wird die Anzahl der Mikrogasblasen jedoch zu hoch, so stören sie die Stickstoffabgabe in der Lunge, weil es in der Lunge zu kleinsten Embolien kommt, was zu einer Herabsetzung des Gasaustausches führt. Damit wird die Entsättigung des Körper in Bezug auf das Inertgas verzögert.

Offenes Foramen Ovale (patent foramen ovale)

Dieses Loch in der Herzscheidewand dient dazu, den ungeboren Körper im Mutterleib optimal mit Sauerstoff zu versorgen. Es wächst i. d. R. in den ersten Lebensmonaten zu. Bei ca. 1/3 der Menschen gelingt der Verschluss allerdings nicht vollständig.

pfo

Erstveröffentlichung 2001 auf peter-rachow.de

 

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Visual Decompression in der Tauchausbildung

Visual Decompression war ursprünglich für Zwecke der Sichtbarmachung (Visualisierung) von im Körper stattfindenden Inertgaslösungsvorgängen gedacht und wurde erst später zu einem universellen Analyse- und Planungsprogramm für Tauchgänge fortentwickelt.

Auf dieser Seite möchte ich die Anwendungsmöglichkeiten im Tauchunterricht anhand kurzer didaktischer Problemstellungen erläutern.

1. Sättigungsverläufe darstellen

1.1 Sättigung mit Stickstoff

Die einfachste Problemstellung ist die Darstellung von Tauchgängen und deren Sättigungsverläufen in den Geweben. Den Tauchschülern muss hier als Lerrnvoraussetzung folgendes bekannt sein:

  • Unterteilung des Körpers in einzelne Kompartimente (Modellgewebe),
  • Partialdruck und seine Berechnung,
  • Sättigungsverläufe.

vdedu1

Anschließend kann zur Ansicht mit den Sättigungskurven gewechselt werden:

vdedu2

Sehr gut erkennt man den Verlauf der Lösungskurven. Die schnellen Gewebe sättigen sehr schnell auf und erreichen einen hohen Stickstoffpartialdruck. Sie geben den Stickstoff bei Druckentlastung auch schnell wieder ab, gegen Ende des TG fällt der Inertgaspartialdruck sogar unter jenen der langsamen Gewebe.

Ergebnis: Die schnellen Gewebe sind weitgehend entsättigt, die langsamen Gewebe haben eine höhere Gasspannung als die schnellen.

Interessant sind auch Wiederholungstauchgänge mit kurzen Oberflächenpausen und insbesondere „Non-Limit-TG“:

vdedu3

Im obigen Bild sieht man einen typischen Tauchtag auf einer Tauchsafari: Innerhalb 10 Stunden werden 3 TG durchgeführt. Die Oberflächenpausen sind relativ kurz. Aus Gründen der Übersichtlichkeit ist es ratsam, nur jedes zweite Gewebe anzuzeigen.

Das Ergebnis:

  • Die schnellen Gewebe entsättigen relativ vollständig.
  • Die langsamen Gewebe sättigen im Verlauf des Tages immer weiter auf.

1.2 Sättigung mit Stickstoff und Helium

Ab der Version 2.6.80 von VD lassen sich die Inertgase Stickstoff und Helium auch getrennt betrachten. Mit der Menüfunktion Ansicht => Inertgaspartialdruck in den Geweben und den nachfolgenden 3 Menüpunkten kann man den Inertgaspartialdruck differenziert ausgeben. Zeigen möchte ich dies anhand eines Trimix-Tauchganges:

Tauchprofilbeschreibung: Es wird mit folgendem Gas abgetaucht: O2:36%, N2:63%. Gaswechslauf 30 m auf O2:12%, N2: 47%, He:40% bis zu einer Tiefe von 70 m. Dort Aufenthalt 15 min., dann Aufsteig auf 30m, Gaswechsel auf das vorher benutzte Nitroxgas. Dann Austauchen mit diesem. Das errechnete Tauchprofil:

vdedu8a

 

vdedu8dvdedu8cvdedu8b

2. Dekompressionsproblematik anschaulich vermitteln

Neben der reinen Gewebesättigung lässt sich auch darstellen, wie die grundsätzliche Dekompressionsproblematik definiert ist: Als ein gegebener minimaler Umgebungsdruck der a) im Laufe der Dekompressionsphase veränderlich ist und b) zu keiner Phase des Tauchganges unterschritten werden darf. Interessant ist es also, zwei Druckkurven gegeneinander zu sehen:

  • Die von der Tauchtiefe abgeleitete Umgebungsdruckkurve.
  • Die von den Geweben und ihrer momentanen Sättigung definierten Kurve eines jederzeit zu haltenden minimalen Umgebungsdruck.

Die entsprechende Funktion kann mit der Schaltfläche aufgerufen werden.

Den Tauchschülern müssen dabei folgende Sachverhalte bekannt sein:

  • Die Gewebe entsättigen das Inertgas im Laufe der Dekompressionsphase mit einer charakteristischen Verlaufskurve, die Gasspannung im Gewebe nimmt mit der Zeit funktional ab.
  • Jedes Gewebe erlaubt zu einer bestimmten Phase der Dekompression nur einen bestimmten minimalen Umgebungsdruck, der nie unterschritten werden darf.
  • Die Gewebe entsättigen nicht gleichmäßig, sondern es gibt schnelle und langsame. Dadurch hat jedes einen eigenen minimalen Umgebungsdruck, der gegeben sein muss. So gibt es zu jeder Phase des Tauchganges ein Gewebe, das den größten dieser Drücke aus den 16 Gewebewerten definiert. Dieses Gewebe ist das für die Dekompression jeweils entscheidende, es legt die minimale Tauchtiefe fest, da dieser Druck nicht unterschritten werden darf
  • Dieses Gewebe wird als Leit- oder Führungsgewebe bezeichnet.

vdedu4

Die rote der beiden Kurven zeigt jeweils den niedrigsten gerade noch tolerierten Umgebungsdruck aus den 16 Geweben des Bühlmann-Modells. Die blaue Kurve darf nicht unter die rote Kurve fallen, da sonst der Umgebungsdruck kleiner wäre als der kleinste gerade noch tolerierte Druck. Die Folge wäre eine Dekompressionskrankheit.

3. Wechsel des Führungsgewebes

Wenn man die Balkengrafik, die die Gewebesättigung anzeigt einschaltet, so kann man folgende Darstellung abrufen:

vdedu5

Wenn nun mit der Maus in die Profilgrafik geklickt wird, kann für die entsprechende TG-Minute im Balkendiagramm der jeweils vohandene Inertgaspartialdruck abgelesen werden. Analog dazu sieht man mit einer blauen Linie den jeweiligen Umgebungsdruck und mit der roten Linie den minimal tolerierten Umgebungsdruck dargestellt.

Mit der schwarzen gestrichelten Linie wird das jeweilige Führungsgewebe markiert. Klickt man jetzt nacheinander verschiedene TG-Minuten an, so kann man zeigen, dass das Führungsgewebe im Laufe des Tauchganges ständig wechselt. Es geht vom schnellsten zum langsamsten Gewebe.

Automatisch lässt sich dies zeigen, wenn man auf die Start -Schaltfläche klickt.

4. Verwendung verschiedener Atemgase

4.1 Luft- vs. Nitroxdekompression

Dialog Einstellungen => Dekompression

Nitrox:

vdedu9b

Luft:

vdedu9a

4.2 Nitrox vs. Luft-Tauchgang

Zuerst erstellt man einen einfachen Rechteck-Tauchgang, anschließend wird die Dekompressionphase auf der Basis von Luft als Atemgas berechnet.

vdedu6

ann wird auf ein Nitroxgas umgestellt. Wichtig: Es müssen sowohl das Atemgasgemisch als auch das Dekogas (Dialog Bearbeiten => Einstellungen => Dekompression ) umgestellt werden.

Vereinfachen kann man dies, wenn im Dialog Bearbeiten => Einstellungen => Dekompression eingestellt wird [X] Immer gleiches Gemisch wie Tauchgang .

Nach dem Umstellen des Atemgases muss der ganze TG neu kalkuliert werden, und zwar durch Anklicken. Es ergibt sich ein Profil mit einer stark verkürzten Dekompressionsphase:

vdedu7

Es wird also deutlich sichtbar, inwieweit eine Reduktion des Inertgasanteil eine Verkürzung der Dekompressionsphase ergibt.

5. Abschluss

Dies sind nur die grundsätzlichen Methoden, wie Visual Decompression in der Tauchaus- und Weiterbildung angewendet werden kann. Weitere Möglichkeiten wären z. B.:

  • TG Vergleich Meereshöhe vs. Bergsee
  • Luft vs. Trimix-TG
  • Heliox vs. Trimix-TG
  • usw.

Bitte beachten Sie, dass die Anwendung in einem kommerziellen Umfeld eine Lizenzierung von Visual Decompression erfordert.

(C)2001 Peter Rachow (Erstveröffentlichung 2011 peter-rachow.de)

 

 

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Ein paar kleine Tipps für Einsteiger in das Trockentauchen

Wer häufig in kaltem Wasser taucht, sollte sich über die Anschaffung eines Trockentauchanzuges Gedanken machen. Neben dem größeren Komfort bietet der Trockentauchanzug insbesondere Vorteile im Hinblick auf die Vermeidung gesundheitlicher Spätschäden durch permanenten Kontakt mit Kaltwasser (z. B. rheumatische Muskelschmerzen) und eine höhere Tauchsicherheit (besseres Reaktionsvermögen und verbesserte kognitive Fähigkeiten wegen der geringeren Auskühlung). Vor der hohen Investition sollte man jedoch ein paar Überlegungen anstellen.

1. Welcher Anzug?

Heute sind auf dem Markt 2 Materialien üblich, aus denen Trockentauchanzüge für Sporttaucher hergestellt werden:

  • Neopren (meistens in der Form sog. ‚crashed-Neoprens‘, ‚crushed neoprene‘ oder wie auch immer „compressed neoprene“)
  • Trilaminat (Ein Verbundwerkstoff, der aus 3 Schichten aufgebaut ist, in der Mitte i. d. R. eine Gummischicht).

Weiterhin werden ebenfalls Anzüge aus normalem Neopren und aus Gummi (z. B. von der Firma ‚Viking‘) angeboten, letztere haben aber wegen der hohen Kosten für den Sporttaucher keine Bedeutung.

1. 1 Anzüge aus ‚crashed neoprene‘ / ‚crushed neoprene‘

Dieses Material enthält im Gegensatz zu dem für Nasstauchanzüge verwendeten Neopren weniger Luftblasen, so dass einerseits die Wärmeleitfähigkeit höher ist, andererseits dieses Material durch den mit der Wassertiefe zunehmenden Umgebungsdruck nicht so stark verdichtet wird. Die beiden Materialien unterscheiden sich in bezug auf das Fertigungsverfahren: Gerüchteweise wird kolportiert, „gecrashtes“ Mateial werde zerhäckselt und dann wieder zusammengefügt, „gecrushtes“ würde komprimiert. Wie dem auch sei, als Ergebnis beider Verfahren reduziert sich sie Größe bzw. Anzahl der Luftblasen und das Material wird dünner.

Diese Anzüge haben grundsätzlich ein höheres Isolationsvermögen als Anzüge aus Trilaminat. Es wird in diesem Zusammenhang häufig argumentiert, dass Anzüge aus (Crash-) Neopren aus den genannten Gründen Vorteile bieten, wenn der Anzug aufgrund eines Defektes einmal vollaufen sollte. Diesen theoretisch vorhandenen Effekt, bei einem massiven Wassereinbruch in den Anzug nicht oder deutlich langsamer auszukühlen, darf man jedoch keinesfalls überschätzen. Aufgrund der hohen Wärmekapazität von Wasser wird es sehr lange dauern, bis eine eingedrungene größere Menge Kaltwasser auf Körpertemperatur erwärmt wurde.

Außerdem ist das Material sehr flexibel, im Gegensatz zu Trilaminat.

1.2 Anzüge aus Trilaminat

Trilaminat ist ein sehr dünner und leichter Werkstoff, der keine nennenswerte eigene Isolationswirkung in bezug auf Wärme besitzt. Dies muss durch die Anschaffung eines entsprechenden Unterziehers kompensiert werden. Trilaminat ist ein sehr steifer Werkstoff, was dem Anzug beim Tauchen ein paar Nachteile mitgibt.

1.2.1 Welches Material ist besser?

Ehrlich gesagt, es gibt keine allgemein gültige Antwort auf diese Frage. Beide Materialien sind gut geeignet, ganz einfach deshalb, weil sie sich sonst nicht vermarkten ließen.

Einige Unterschiede:

Reparaturfreundlichkeit: Trilaminat lässt sich wohl nicht ganz unproblematisch schneiden und kleben, während Neopren in der Reparatur dagegen mit den üblichen Methoden von Nasstauchanzügen zu bearbeiten ist. Bei Anzügen aus Neopren wird man beim Reparieren einer Naht jedoch stets diese noch zusätzlich von hinten abdichten müssen, da unterhalb einer bestimmten Materialstärke durch das Material hindurch genäht werden muss. Diese Abdichtung (z. B. mit ‚Aquashure‘) ist jedoch unproblematisch.

Gewicht: (crushed) Neopren-TTAs sind deutlich schwerer, während eine Trilaminat-„Tüte“ deutlich leichter ist.

Handhabbarkeit unter Wasser: Neopren-TTAs erlauben etwas mehr Bewegungsfreiheit, besonders, wenn sie nicht mit viel Luft getaucht werden. Trilaminatanzüge sind dann manchmal so steif, dass man sich nicht mehr richtig bewegen kann, wenn wenig Luft im Anzug ist. Dies liegt an der Grundsteifigkeit des Materials.

Außerdem sind Trilaminatanzüge wegen der fehlenden Flexibilität grundsätzlich zu groß geschnitten, bei manchen Modellen legt man sich einen richtigen Gürtellappen um die Hüften, der als Materialausgleich dient.

Unterzieher: Trilaminatanzüge benötigen wegen der geringen Eigenisolation einen etwas dickeren Unterzieher (und/oder mehr Luft beim Tauchen) während Neopren-TTAs, je nach Material, eine recht brauchbare Eigenisolation haben.

Fazit: Jeder, der zwischen den beiden Materialien die Qual der Wahl hat, sollte, wenn möglich, beide Typen probetauchen. Manche Tauchhändler bieten bei einem Trockentauchkurs die Möglichkeit dazu, was m. E. ein wichtiger, wenn nicht der ausschlaggebende Grund für solch einen Kurs sein dürfte.

1.3 Die Dichtmanschetten

Manche Trockentauchanzüge haben noch Dichtmanschetten an den Armen und am Hals, die aus Neopren hergestellt sind. Diese dichten jedoch nicht so gut, so dass immer eine gewisse Menge Feuchtigkeit eindringen kann, besonders, wenn beim Anspannen der Unterarmmuskualtor Sehnen stark hervortreten oder man(n) sehr stark behaarte Unterarme hat.

Latexmanschetten vermeiden dies weitgehend. Vorteil von Neoprenmanschetten ist indes die höhere Isolationswirkung. Andererseits scheint mir die Haltbarkeit von Latexmanschetten insgesamt höher zu sein.

1.4 Der Schnitt des Anzuges und der Reißverschluss

Man sollte sich vor dem Kauf des Anzuges insbesondere darüber im Klaren sein, ob man den Anzug ggf. alleine an- und ausziehen will, oder ob dafür i. d. R. der Tauchpartner zur Verfügung stehen wird. Besonders Solotaucher bevorzugen aus leicht einsichtigen Gründen Anzüge, die man ohne fremde Hilfe an- und ausziehen kann.

Sehr einfache (i. e. preisgünstige) Anzüge haben den Reißverschluss senkrecht zur Wirbelsäule hinten zwischen den Schulterblättern. Vorteil: Der Verschluss ist kurz und im Falle eines Austausches billiger als ein langer. Nachteil: Das Teil ist nur schwer selbst zu öffnen und zu schließen. Hier hilft der Trick, eine Schnur am Verschluss anzubringen und diese z. B. im Autofenster zu befestigen. Durch geschicktes Drehen kann der Reißverschluss so geschlossen und geöffnet werden. Allerdings muss man Sorge tragen, dass keine Fasern des Unterziehers eingeklemmt werden. Dadurch wird der Anzug undicht bzw. der Verschluss kann nach dem Tauchen nicht mehr geöffnet werden. Evtl. bringt man am Unterzieher im kritischen Rückenbereich einen breiten Streifen Klebeband oder DC-Fix an.

Ungünstig sind die um den Hals herum laufenden Verschlüsse z. B. von „Marlin“-Anzügen wegen der erhöhten Beanspruchung durch kleine Kurvenradien.

Auch die erwähnten Schulterreißverschlüsse (von einer Schulter zur anderen) sind nicht unproblematisch, weil man beim Anlegen des Gerätes, wenn man nicht die „Überkopf-Methode“ anwendet, beim Zurückbiegen der Arme immer starke Falten schlägt, was den in den Reißverschluss eingearbeitete Metalldraht massiv belastet und früher oder später brechen lässt, was den Reißverschluss unbrauchbar macht..

Andere Anzüge haben lange Verschlüsse, die das An- und Ausziehen deutlich bequemer machen. Z.B. im Frontbereich von der linken Schulter zur rechten Hüfte. Diese Verschlüsse sollten dann aber durch ein Textilband o. ä. abgedeckt sein, weil sie sonst u. U. Schaden nehmen, wenn das schwere Tauchgerät darauf drückt und scheuert.

1.5 Weitere Kauftipps

Beim Kaufen des Anzuges unbedingt die eigenen Flossen, das Jacket und bei Bedarf den Bleigurt mitnehmen. Der TTA hat eine größere Ausdehnung als der Nassanzug, das macht in den meisten Fällen den Neukauf einiger Ausrüstungsteile nötig. Nichts ist peinlicher als am See zu stehen, und im Wasser feststellen zu müssen, dass die Flossen nicht mehr passen ;-)).

2. Der Unterzieher

Zu jedem Trockentauchanzug, egal ob Neopren oder Trilaminat gehört ein entsprechender Unterzieher (Overall). In Verbindung mit der in den Anzug eingelassenen Luft ermöglicht er erst die hervorragende Isolationswirkung des Gesamtsystems ‚Trockentauchanzug‘. Der Unterzieher muss von seiner Dicke (i. e. seinem Isolationsvermögen) auf die zu erwartenden Tauchbedingungen und den Trockentauchanzug (i. e. das Material, s. o.) abgestimmt sein.

Unterzieher werden heute in verschiedenen Materialstärken angeboten. Für die Faser „thinsulate“ beispielsweise wird die Masse an Stoff (z. B. 400g) pro Quadratmeter angegeben. Daraus lassen sich Rückschlüsse auf das Isolationsvermögen ermitteln. Für das häufige Tauchen in kaltem Wasser (und insbesondere, wenn ein Trilaminatanzug verwendet wird), sollte man Material mit 400g/m² bevorzugen.

Ersatzmaterialien/Kosten: Hier werden von anderen Tauchern verschiedene Alternativen (Skikleidung, Sportthermokleidung, etc.) genannt, die man jedoch in nicht sehr kaltem Wasser ausprobieren sollte.

Keinesfalls darf man sich der Illusion hingeben, z. B. ein Skioverall oder im schlimmsten Falle ein Jogginganzug könnten in jedem Falle das gleiche leisten, wie ein guter Trockentauchunterzieher. Entsprechend sind die Kosten zu veranschlagen. Ein adäquater Overall schlägt mit Kosten in der Spanne zwischen 400,- und 700,- DM zu Buche und ist damit für einen Gutteil der Kosten des gesamten Trockentauchanzuges verantwortlich.

3. Anschluss des Inflators des Trockentauchanzuges

Der Trockentauchanzug besitzt ein manuell zu betätigendes Einlassventil (Inflator) und ein i. d. R. automatisch arbeitendes Auslassventil. Ersteres wird an den Mitteldruckabgang des Atemreglers angeschlossen, vergleichbar mit dem Inflator des Tarierjackets. Wer trocken taucht, taucht i. d. R. im Kaltwasser. Hier hat sich Verwendung von 2 separaten Atemreglern an 2 getrennten ersten Druckmindererstufen durchgesetzt. Dies ermöglicht es, verschiedene Konfigurationen zu tauchen:

3.1 Tarierjacket und Trockentauchanzug werden an die gleiche erste Stufe angeschlossen (Zweitregler), die Atemluftversorgung des Tauchers ist am Hauptregler.

Vorteile:

Gleichzeitiges Atmen und Tarieren (egal mit welchem Tariermittel) belastet den Hauptregler nicht übermäßig und senkt in Normalsituationen die Vereisungsgefahr.

Nachteile:

a) Wird der Zweitregler vom Tauchpartner benutzt, erhöht sich die Belastung des Zweitreglers, die Vereisungsgefahr dieses Reglers steigt.
b) Fällt der Zweitregler aus, ist ein Tarieren nur über das Jacket und den Mundeinlass des Tarierschlauches möglich (dies muss vom Taucher geübt und sicher beherrscht werden)

3.2 Tarierjacket und Trockentauchanzug sind an verschiedene erste Stufen angeschlossen

Vorteile:

Bei Ausfall eines Reglers bleibt ein Tarieren möglich, ohne das Luft mit dem Mund eingeblasen werden muss.

Nachteile:

Der Hauptregler wird höher belastet, wenn mit dem angeschlossenen Tariermittel (Jacket oder Trockentauchanzug) tariert und aus dem Regler geatmet wird.

Fazit: In der Praxis hat sich die zweite Methode bewährt, da sie schlussendlich mehr Sicherheit bietet, besonders wenn ein geübter Taucher sie benutzt, der häufig eine geringere Luftentnahme hat.

4. Tarieren

Auch wenn der Anzug für sich genommen ein Tariermittel darstellt, kann keinesfalls empfohlen werden auf ein Tarierjacket zu verzichten und nur mit einer Tragschale zu tauchen.. Beim Ausfall der Tariermöglichkeiten des Anzuges, stünde man ohne ein redundantes Tariersystem da. Dies könnte im Extremfalle lebensgefährlich werden.

Beim Trockentauchen gibt es grundsätzlich 2 Methoden des Tarierens:

a) Mit Trockentauchanzug und Tarierjacket.
b) Nur mit dem Trockentauchanzug

Methode a) Vorteile dieser Methode

i) Der Anzug wird nicht so stark aufgeblasen, dadurch wird die Wasserlage des Tauchers stabiler, der Wasserwiderstand sinkt.
ii) Bei Anzügen mit hohem Isolationswert kommt es nicht so leicht zu einer Hyperthermie während des Tauchens.
iii) Fällt ein Tariermittel aus (z. B. wegen einer Leckage) sinkt der Taucher nicht übermäßig schnell ab und hat mehr Zeit zum Reagieren. Weiterhin wird bei der dann schnell nötig werden Luftzugabe in das verbleibende Tariermittel der Regler nicht so stark belastet, weil das Tariermittel bereits teilweise gefüllt ist.

Nachteile:

Bei Aufsteigen muss die Luft aus 2 Tariermitteln abgelassen werden, um den Auftrieb zu kontrollieren

Methode b) Vorteile

i) Es muss nur 1 Tariermittel kontrolliert werden.
ii) Bei sehr kaltem Gewässer und entsprechendem Anzug (Trilaminat) ist die Isolationswirkung höher, wenn mehr Luft im Anzug ist.

Nachteile

s. o. Vorteile von Methode a)

Fazit: Ich persönlich bevorzuge z. B. aus den genannten Gründen Methode a). Besonders Taucher, die viele Jahre nass oder halbtrocken getaucht sind, werden sich bei Methode b) schlechter umgewöhnen können, weil das Gefühl unter Wasser irgendwie ’schwammig‘ und ungenau ist. Das Bedienen von 2 Tariermitteln kann man sehr schnell erlernen, zumal der Trockentauchanzug mit dem automatisch arbeitenden Auslassventil nicht willentlich kontrolliert werden muss. In der Praxis verfahre ich so, dass ich beim Anheben des Inflatorschlauches des Jackets ebenfalls durch das Ventil am Oberarm des Anzuges Luft entwichen lasse.

Zur Bleimenge:

Ob man ein bleiintegriertes Jacket oder einen Bleigurt benutzt, oder beides mischt, hängt vom persönlichen Geschmack und von der Ausrüstung ab. Problem beim bleiintegrierten Jacket ist, dass man wenn jemals gezwungen sein sollte aus irgendeinem Grunde das Jacket abzulegen, einen starken Auftrieb bekommen wird, was bei einem am Körper getragenen Bleigurt nicht so drastisch ausfällt. Andererseits sagen Benutzer bleiintegrierter Jackets, dass der Tragekomfort deutlicher höher sei. Auch hier gilt: Probieren!

Tipp: Vor dem Abtauchen sollte die Luft so weit wie möglich aus dem Anzug entfernt werden. Dazu geht man in 2 Schritten vor:

a) An Land vor dem Tauchgang: Man geht, noch bevor das Tauchgerät angelegt wird, in die Hocke und öffnet durch Druck das Auslassventil. Dadurch entweicht ein Großteil der im Anzug eingeschlossene Luft.

b) Im Wasser stellt man sich senkrecht und lässt den Rest der Luft ebenfalls durch das Auslassventil heraus, weil jetzt der Anzug durch den Wasserdruck komprimiert wird.

Alternativ kann man auch die Halsmanschette etwas anheben.

Durch diese Maßnahmen erleichtert man sich das Abtauchen ungemein.

Die Bleimenge kann dann nach den ersten 10 bis 20 Tauchgängen erfahrungsgemäß drastisch reduziert werden.

5. Lohnt sich ein Trockentauchkurs?

Jein. Wer bereits sehr viele Tauchgänge im nassen oder halbtrockenen Tauchanzug gemacht hat, sollte sich die Bedienung des Trockentauchanzuges von einem anderen Trockentaucher erklären lassen und sich langsam an die veränderten Eigenschaften herantasten.

Folgende Übungen haben mir geholfen:

i) Tauchen in geringen Tiefen parallel zum Grund, dabei Lagekontrolle. Hierbei sollte insbesondere verhindert werden, dass sich die Luft in den Füßlingen sammelt. Falls es doch passiert: Kurz auf den Rücken drehen, dabei schräg nach oben orientieren, die Luft geht wieder in den Brustbereich. (Tauchgang 1 und 2),

ii) einfaches Ab- und Aufsteigen dem Seeuntergrund folgend, dabei beide Tariermittel benutzen. (Tauchgang 3 – 7). Schwimmlage kontrollieren, Einströmen der Luft in die Füßlinge verhindern, besonders beim schrägen Abtauchen.

iii) senkrechte Ab- und Aufstiege, geschwindigkeitskontrolliert, später mit Stopps auf den Dekostufen, dabei die Tiefen steigern (bis ca. 30 Meter) (Tauchgang 8 – 12)

Danach hat es ein durchschnittlich begabter Mensch verstanden. Achtung: bei den ersten 10 TG besser keine Dekotauchgänge!

Weitere Übungen (für Notsituationen!):

  • Falls das Einlassventil versagt, muss man unter Umständen den Schlauch abklemmen, wenn man nicht zum Michelinmännchen werden will. ebenso muss das Wiederanschließen des Schlauches unter Wasser beherrscht werden.
  • Im Falle, dass das Auslassventil die Luftabgabe nicht mehr ermöglicht, gibt es verscheidene Möglichkeiten, Luft aus dem Anzug zu lassen:
1.) Auf das Ventil drücken, wenn nichts passiert, weiter zu Schritt 2.) 2.) Wenn man Trockentauchandschuhe trägt, weiter zu Schritt 3.) sonst (für Rechtshänder): Linken Tauchhandschuh von der Manschette schieben, darunter liegende Manschette greifen und hochziehen, beide Arme leicht anheben und Luft ablassen.

3.) Bei separater Kopfhaube: Diese anheben, Halsmanschette greifen und Luft ablassen. Bei angesetzter Kopfhaube hängt es vom Schnitt des Anzuges ab, ob, wie gut und wie schnell man die Manschette erreicht.

6. Pflege

  • Die meisten Anzüge haben heute Manschetten aus Latex, diese sollten regelmäßig mit Talkum eingepudert werden. das erhält ihre Elastizität und die Hände/der Kopf gleiten leichter hindurch. Andere Mittel können nicht empfohlen wern, da sie unter Umständen das Latex zersetzen oder spröde machen können.
  • Der Reißverschluss des Anzuges muss regelmäßig ‚geschmiert‘ werden, dazu verwendet man ausschließlich Wachs ( z. B. Bienenwachs, das genau für diese Zwecke in handlichen Stücken angeboten wird). Irgendwelche „Schmiermittel“ wie Silikon oder Öl haben am Reißverschluss nichts zu suchen. Silikonöle oder -sprays haben die Eigenschaft, Materialien an Klebestellen stark zu unterwandern. Beim Reißverschluss hieße dies, dass an der Verbindungsstelle zwischen Anzug und Reißverschluss später nur unter größten Schwierigkeiten ein Ersatzverschluss eingeklebt werden könnte. Dass man damit den Wert seines Trockentauchanzuges nicht gerade erhöht, liegt auf der Hand.
  • Den Anzug selbst lagert man an einem kühlen, dunklen, allerdings nicht zu trockenen Ort (keinesfalls im Heizungskeller!). Der Reißverschluss bleibt offen. Außerdem kann man den Anzug auch gut mit den Füßlingen nach oben aufhängen, ansonsten führt man einen großen Bügel durch die Halsmanschette.

Erstveröffentlichung 2003 auf peter-rachow.de

 

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Übungen für das Gerätetauchen

(von Christian Zink und Peter Rachow)

Nachfolgend haben wir einige Übungen aufgelistet, die von Tauchern regelmäßig durchgeführt werden sollten, um einen guten Traningzustand zu erhalten. Sie sind bewusst ohne Aufwand gehalten (d. h. es müssen keine Geräte unter Wasser montiert werden wie z. B. Übungsparcours).

1. Übungen mit der Maske

  • Maske ausblasen
  • Maske abnehmen und aufsetzen.
  • Maske mit dem Partner tauschen
  • Den Tauchpartner ohne Maske über eine Entfernung von 3-5 m anschwimmen und Maske ausblasen.
  • Neben dem Tauchpartner eine bestimmte Zeit (5 min.) ohne Maske tauchen (Die Verbindung zum Partner wird dabei durch Handkontakt hergestellt)

2. Reserve (nur bei bei älteren PTG):

Tauchpartner gibt Zeichen „Zieh mir die Reserve“. Anschwimmen, Reserve ziehen und bestätigen.

3. Aufstiegsübungen/Tarieren

  • Senkrechter Aufstieg aus mehreren Metern Tiefe (> 15 Meter), dabei Aufstiegsgeschwindgkeit < 10 m /min.
  • wie Vorübung, jedoch mit simulierten Dekostopps (1′ 9 m, 2′ 6 m und 3 ‚3 m). Feintarierung nur mit Lunge, max. Tiefenabweichung +/- 0,5 Meter

4. Simulation von Luftmangel

  • Anschwimmen des Partners, Zeichen „Habe keine luft mehr“ geben, atmen aus dem Zweitregler des Partners
  • Auftstieg während der Atmung aus dem Zweitregler des Partners zur Oberfläche
  • Wechselatmung jeweils mit Zweitregler und aus einem Lungenautomaten.
  • Auftstieg unter Wechselatmung, beginnend aus 5, dann 10, 20 und schließlich 30 Meter Wassertiefe.
  • Schwimmen einer kleinen Strecke (50 Meter) unter Wechselatmung.

5. Vereisung

  • Simulation des Aufstiegs nach einem Vereisen eines Lungenautomaten: Zum „vereisten“ Tauchpartner hinschwimmen, Zweitautomat dem Tauchpartner geben. Flaschenventil des vereisten Automaten zu drehen. Gemeinsamer Aufstieg mit Dekostopps.
  • Atmen aus einem „vereisten“ Lungenautomat. (Luftdusche drücken oder einen separaten Automat so präparieren daß er immer abbläst.)

6. Gerätehandhabung

  • Tauchgerät (einschließlich Jacket) mit dem Tauchpartner am Grund sitzend tauschen.
  • Tauchgerät (einschließlich Jacket) mit dem Tauchpartner während des Tauchgangs tauschen.

7. Notaufstieg

  • Auftauchen aus Tiefen von 3, 5 und 10m ohne einzuatmen. Dabei ständig Luft ablassen um eine Überdehnung der Lunge zu verhindern.
  • Bleigurt abwerfen, aufsteigen, Dekostopps so weit wie möglich einhalten. Bleigurt antauchen, anlegen, auftauchen.

8 Tauchtabelle/Dekotauchgänge

  • Übungen mit der Tabelle: Tauchgang X m, Y min: Welche Dekostopps sind erforderlich?
  • Wiederholungstauchgang mit Tabelle berechnen.
  • Dekotauchgang durchführen.

Übungen ***-Brevet o.ä. Nicht-PAID-Zertifikat

  • 50 m Streckentauchen.
  • 1 min. Zeitttauchen.
  • Bergen und Retten eines verunfallten TP aus 20-30m.
  • 1000m Schwimmen in voller Ausrüstung, danach Abtauchen auf 10m und Ablegen des Ausrüstung, Auftauchen, innerhalb einer Minute Antauchen des Gerätes auf 10m, Anlegen und Weitertauchen.
  • Berechnung und Durchführung von Deko-TG.
  • freier Aufstieg (ohne Jacket und Regler) aus großer Tiefe.
  • Aufstieg aus 40m unter Wechselatmung.
 

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Tauchausbildung nach VDST/VIT/CMAS oder PADI?

In der Newsgroup de.rec.sport.tauchen liest man sehr oft die Frage von Tauchanfängern, welches Ausbildungssystem besser sei. Diese Fragestellung lässt sich so einfach sicher nicht beantworten.

1. Gibt es Qualitaetsunterschiede zwischen PADI und CMAS?

Wenn man den Begriff Qualitätsunterschiede als etwas definiert, was einen bestimmten inhaltlichen Unterschied zwischen den zwei Alternativen ergibt, dann kann man sagen, dass es diese Unterschiede in Bezug auf die beiden Ausbildungsysteme tatsächlich gibt. Sie leiten sich im Wesentlichen von den Ausbildungsinhalten her. CMAS hat in einigen Bereichen andere Lerninhalte als PADI, was hier für den Einsteigerschein (PADI OWD bzw. VDST Bronze bzw. CMAS*) herausgearbeitet werden soll. Eine detaillierte Gegenüberstellung (verfasst von Matthias Frey) findet sich hier… .

Allgemeinkann man sagen:

Bei beiden Organisationen erhält der Kursteilnehmer ein Zertifikat, das nicht besagt, dass er damit unter allen Umständen und in allen Situationen eigenverantwortlich tauchen kann. Er erlernt lediglich die Grundzüge des Gerätetauchens mit Pressluft sowie der damit verbunden Technik und die Handhabung derselben.

Um sachgerecht (i. e. vollumfassend, eigenverantwortlich) den Tauchsport ausüben zu können, reichen diese Grundscheine nicht aus, auch wenn PADI z. B. behauptet: “ Im OWD lernt der Tauchschüler die grundlegenden Kenntnisse und Fertigkeiten um ohne Supervision mit einem Tauchpartner Tauchen zu können „. Hierbei ist natürlich der Knackpunkt das Wort „grundlegend“, was übersetzt bedeutet „mit erheblichen Einschränkungen“.

Anerkennung der Ausbildung auf Tauchbasen

Jedes dieser Systeme (CMAS oder PADI oder wie auch immer) wird vom anderen und von allen anderen unzählingen bekannten und am Markt agierenden Ausbildungssystemen anerkannt. I. d. R. spielt es (abgesehen von regionalen Situationen) keine Rolle, nach welchem System man ausgebildet ist. Tauchen kann kein „Frischling“ richtig. Falls man vorhat, häufiger in der Karibik oder den USA zu tauchen, empfiehlt sich eher eine Ausbildung nach PADI, weil CMAS dort relativ unbekannt ist. Umgekehrt: Wer in Frankreich tauchen will, sollte im CMAS-System beginnen (und mindestens das **-Brevet machen), da PADI dort nicht anerkannt wird. Dies jedoch sind Ausnahmen.

Die Kursinhalte

Bezüglich der Inhalte unterscheiden sich die Ausbildungen insbesondere in folgenden Punkten:

a) Bei der Ausbildung zum VDST Bronze/CMAS* legt man mehr Wert auf körperliche Fitness als PADI, was anhand der geforderten Schnorchelübungen (Streckentauchen, Zeittauchen, Freies „Tieftauchen“ im Flachwasserbereich bis max. 3,5 m Wassertiefe) erkennbar ist.

b) Bei der Ausbildung zum VDST Bronze/CMAS* wird bereits vom Einsteiger elemantere Kenntnis von Rettungstechniken verlangt, bei PADI werden sie nur im Lehrbuch angesprochen.

Auch die Art der Überprüfung der Leistungen des Tauchscheinanwärters ist unterschiedlich: CMAS erfordert sechs explizite Prüfungstauchgänge mit jeweils bestimmten, in sich abgeschlossenen Inhalten. Bei PADI werden die einzelnen Fertigkeiten des Neutauchers im Rahmen von Tauchgängen nacheinander in (fast) beliebiger Reihenfolge geprüft. Der Kandidat muss jeweils nur einmal vorweisen, dass er eine bestimmte Technik bzw. Übung beherrscht.

2. Welche unterschiedlichen Kosten fallen an?

Hier sollen zuerst die unterschiedlichen Systeme im Bezug auf kommerzielle Tauchschulen unterschieden werden, also PADI und beispielsweise VIT/CMAS:

Die Kosten der Ausbildung variieren weniger zwischen den beiden Systemen sondern eher innerhalb eines Systems zwischen verschiedenen Anbietern. Bei PADI werden die Kosten für einen OWD-Kurs in einer Tauchschule zwischen 150 und 450,-€ liegen, bei VIT (ebenfalls Tauchschule) zwischen 150.- und 300,-€, je nach Kalkulation des Anbieters. Es gibt aber auch VIT-Tauchschulen, bei denen die Kurse die teilweise über 400,- € kosten. (Nach meiner Erfahrung bzw. im Internet durchgeführten Übersichten)

Vereinsausbildungen (VDST/CMAS) sind dagegen deutlich preisgünstiger, es fallen Mitgliedsbeitrag pro Jahr und Abnahmegebühren (ca. 30,-€) pro Tauchbrevet an.

Da zwischen einer kommerziellen Tauchschule und einem Tauchschüler ein Dienstvertrag im Sinne des BGB zustande kommt, müssen alle evtl. anfallenden Zusatzbelastungen (Prüfungs-/Brevetgebühren, Lehrbücher, sonstige Auslagen) vor Vertragsabschluss genannt werden.

Bei VIT kostet die Brevetierung (Taucherpass, CMAS-Plastikkärtchen) ca. 30,-€.

Bei PADI regelmäßig extra zu bezahlen ist z. B. das Lehrbuch, bei der CMAS-Ausbildung lässt sich dieses oft aus der örtlichen Bibliothek entleihen, da im Buchhandel erhältlich (Stibbe, Axel, Sporttauchen). Auch schummeln manche Tauchschulen, indem sie die Kosten für das Plastikkärtchen, das sich mittlerweile als internationales Brevet eingebürgert hat (bei allen Organisationen) erst später berechnen. Dies ist nicht gesetzeskonform, wenn es vorher nicht vertraglich vereinbart wurde.

All dies muss dem Neutaucher seitens der Tauchschule vorher erklärt werden. Es gilt der Grundsatz der Preistransparenz.

3. Welche Unterschiede zwischen Verein und Tauchschule gibt es?

Nach dem Abschluss des Kurses in einer Tauchschule wird der Absolvent i. d. R. alleine gelassen und muss sich um sein weiteres Training selber kümmern. Die Tauchschule wird dabei manchmal aus wirtschaftlichem Interesse versuchen, weitere Kurse an den Taucher zu bringen (AOWD oder „Specialties“ bei PADI, CMAS** oder Sonderbrevets bei VIT/CMAS), was aber vor dem Hintergrund der mangelnden Erfahrung des Neutauchers zu dem Zeitpunkt nicht sehr sinnvoll erscheint. Will der Neutaucher stattdessen lieber primär Taucherfahrung sammeln, muss er sich um Tauchpartner, Verabredungen und Tauchplätze selber bemühen.

Der Verein erlaubt die Integration des Neutauchers in ein bestehendes soziales System und eine Infrastruktur (kostenlose Leihausrüstung, kostenloses oder sehr preisgünstiges Füllen aus dem Vereinskompressor, Rat und Hilfe bei taucherischen Fragen), ohne dass weitreichende ökonomische Interessen dies überlagern (Non-Profit-Status des Vereins).

Der Verein fordert jedoch im Gegenzug die Teilnahme am Vereinsleben, da dieses ohne Beteiligung der Mitglieder schnell zum Erliegen kommt und der Verein seine Aufgabe als Ort sozialer Kontakte nicht erfüllen kann.

Die Ausbildung im Verein dauert i. d. R. länger, weil sie von ehrenamtlichen Tauchlehrern durchgeführt wird (die nur eine kleine Aufwandsentschädigung erhalten, die oft nicht mal die Benzinkosten deckt) und keine ökonomischen Zwänge seitens des Vereins (Zeitansatz und Effektivität) zugrunde liegen.
Erstveröffentlichung 2004 Peter Rachow auf peter-rachow.de

 

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Galerie

Eistauchen Urisee (A) 2002 und 2003

 

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Österreich: Tauchen im fernsteinsee/Samaranger See

Beide Seen liegen kurz hinter den Fernpass in Tirol/Österreich. um sie betauchen zu dürfen, ist es erforderlich im Hotel Fernsteinsee mindestens 2 Nächte zu übernachten. Aber, man muss sagen, es lohnt sich. Das Hotel ist sehr gut ausgestattet und bietet für ca. 120, DM pro Nacht einen guten Service und ausgezeichnete Küche.

Die Zufahrt zu den Seen ist nur über eine Privatstraße vom Hotel aus möglich möglich.

Beide Seen sind nicht sehr tief (max. 17 bis 20 m), bestechen aber durch ihre Sichtweite, besonders der Samaranger See, der einige Meter hinter dem Fernsteinsee liegt.

Der Samaranger See, wo wir die meisten Tauchgänge an diesem Wochenende unternommen haben, hat einen Durchmesser von nur ca. 80 Meter und hat die Form einer kreisrunden Schüssel. Er war der einzige See, bei dem es mir bis heute gelang von einem zum anderen Ende durchzusehen. Die Sichtweiten waren größer als 60 Meter. In ihm befinden sich unzählige versunkene Baumstämme, die mit Schleimalgen bewachsen und einige wenige Fische. Ursache dürfte der minimale Nährstoffgehalt des Sees sein, der natürlich auch wegen des daraus folgenden geringen Aufkommens von Organismen für die fantastischen Sichtweiten ursächlich ist.

Nachfolgend einige Fotos, die mir von Peter Ruppert zur Verfügung gestellt wurden. Herzlichen Dank!

 
 

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Tauchen Kroatien

Vom 3.8.99 bis zum 9.8.99 waren wir für eine Kurzreise mit dem Auto nach Kroatien aufgebrochen. Nachfolgend Informationen zum Tauchen in Kroatien und einige subjektive Eindrücke von der Tauchbasis in der Nähe von Labin (Istrien).

Tauchen in Kroatien (Allgemeine Informationen)

Wie in Europa üblich, taucht man unabhängig ohne Guide, was sehr begrüßenswert ist. Die benötigte Tauchgenehmigung wird von den Tauchbasen gegen eine Gebühr von 100 Kuna (25,- DM) ausgestellt und gilt ein Jahr. Vorgelegt werden muß ein Brevet einer der anerkannten Tauchorganisationen. Die Brevetierungsstufe ist nicht relevant.

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Es existiert eine Tiefenbegrenzung von 40 m, deren Überschreiten „direkt am Tatort“ (so der Gesetzestext) mit einer Strafe von 500 Kuna (125,- DM) bestraft wird. Wir konnten jedoch unterhalb von 40 m leider nie einen entsprechend Beauftragten des kroatischen Staates antreffen, dem wir das Geld hätten aushändigen können. So beschlossen wir, stattdessen die gesparte Summe anderweitig zu investieren (z. B. in weitere Flaschenfüllungen und gutes Essen). Somit hatten wir einige schöne Tauchgänge im Log .

hr_log

Für erfahrene Taucher muß man sagen, daß unter 30 Meter sowohl die interessanten Dinge zahlreicher als auch die Sichtweiten erheblich besser wurden. Wir hatten daher keine Hemmungen etwas tiefer zu gehen.

Die Tauchbasis

Wir entschieden uns für die Tauchbasis Scuba Center Marina nahe dem Ort Labin an der Ostküste Istriens.

Die Basis liegt direkt auf dem Campingplatz Camp Marina, so daß sich Zelten in diesem Falle nachgerade aufdrängte. Der Campingplatz ist augenscheinlich bei Tauchern aus Deutschland, Österreich und Italien sehr beliebt.

Der Campingplatz ist nichts für Warmduscher, denn es gab nur kaltes Wasser für die Körperhygiene, was allerdings angesichts der großen Hitze sehr erfrischend war.

Die Basis macht insgesamt einen sehr guten Eindruck. Der Betreiber Christoph Karcher verfügt insbesondere über eine groß dimensionierte Kompressoranlage, mit der Flaschen innerhalb weniger Minuten gefüllt werden können. Auch die Leihausrüstungen waren, soweit wir dies bei anderen Tauchern sehen konnten, in sehr gutem Zustand.

marina2

Die Füllpreise bewegen sich für Urlaubsgebiete im moderaten Rahmen, man zahlt für 1 Liter Luft (bei 200 bar!) 1,- DM, bei 5 Füllungen gibt es eine gratis. Der Fülldruck der Flaschen war immer um 10-15% höher als der Nenndruck von 200 bar.

Weiterhin stehen mehrere (auch ziemlich stark motorisierte) Tauchboote zur Verfügung, mit denen Tauchgebiete außerhalb angefahren werden können. Die Preise für die Ausfahrten erschienen uns jedoch etwas hoch (gestaffelt nach Entfernung von DM 20,- bis DM 50,- für eine Ausfahrt).

Tauchmöglichkeiten/Tauchgebiete

Wer auf dem angeschlossenen Campingplatz sein Zelt oder den Wohnwagen aufgestellt hat, hat zur Basis max. 3 Minuten Wegstrecke. Der gesamte Zeltplatz liegt auf einer Halbinsel, um die herum sehr interessante Tauchplätze liegen, u. a. Steilwände bis in eine Tiefe von 50 m.

Wie die Karte zeigt, lassen sich die Tauchplätze von der am  hinteren Ende des Zeltplatzes bei einer alten kleinen Steinkapelle liegenden Badebucht aus erreichen. Hier steigt man ein und taucht entweder rechts oder links in einer Tiefe von 12-15 Metern parallel zum Ufer entlang. Beim Erreichen der Steilwände taucht man auf die gewünschten Tiefen ab.

3 Steilwände rechts vom Einstieg

Diesen Platz erreicht man, wenn man ca. 2-3 min. in einer Tiefe von 12-15 m am schräg abfallenden sandigen Untergrund, der mit einigen kleineren Felsen belegt ist, taucht. Man kommt dann sehr schnell an die Oberkante des Drop-Off und läßt sich auf ca. 35 m abfallen. Danach folgt man dem Fuße der Wand und stößt in 40 m Tiefe auf 2 Grotten. Die erste ist relativ groß und dafür nicht sehr tief, die zweite mit einem sehr schmalen Eingang und reicht dafür weiter in den Fels hinein.

Diese Wand geht nach kurzer Wegstrecke in einen sandigen Hang über, den man zum Auftauchen benutzen kann. Entscheidet man sich weiter auf der Tiefe von 40 m zu bleiben, kommen noch 2 weitere Steilwände, die bis auf 45 m abfallen. Spätestens nach Erreichen der dritten Wand sollte man Auftauchen, da hier dann schon ganz ordentliche Dekozeiten anstehen..

Bewertung ****

Steilwand links vom Einstieg

Wenn man nach links geht, bleibt man ebenfalls in einer Tiefe von 12-15 m und folgt dem Ufer parallel. Nachdem die Abwasserpipeline überquert wurde, taucht man weiter, bis man eine schräge Sandfläche erreicht. Am Ende dieser Fläche trifft man auf eine senkrechte Felsstruktur, die parallel zur Sandfläche schräg nach unten verläuft. Diesem Übergang Sand/Fels folgt man und erreicht schnell Tiefen von > 40 m. Dort beginnt der Fuß einer sehr schön mit Gorgonien bewachsenen Steilwand, die bis auf 50 m Tiefe führt. Anschließend senkrechter Aufstieg an dieser Wand bis auf ca. 25 m und dann Rückkehr unter Beachtung des notwendigen Dekompressionsprofils.

Bewertung ****

Abwasserpipeline

Wer es gerne etwas eklig mag, taucht der Pipeline bis in eine Tiefe von 47 m nach. Dort ergießt sich eine schmucke gelbe Fahne in das Meer. Ob es sich um die Abwässer des Campingplatzes handelt, wollten wir lieber nicht durch eine Geschmacksprobe verifizieren. An den Betonklötzen, die die Rohrleitung am Boden halten, gibt es kleinere Garnelen und Krebse.

Bewertung: Einfach EKLIG!

Bootstauchgänge

Da wir nur kurz auf der Basis waren, konnten wir leider nur 2 Tauchgänge vom Boot aus durchführen.

1. Nikolaigrotte

Dieser nahegelegene Tauchplatz führt zu einer Grotte in 24 m Tiefe, in die man hineintauchen kann. Der Eingang hat einen relativ großen Halbmesser (ca. 6 m) und mündet dann in einen Kamin, der sehr eng ist. Mit einer 15-Liter-Flasche auf dem Rücken kann man nur einige Meter in diesen eindringen und auch nur alleine. Weniger Geübte sollten darauf verzichten, um nicht in Schwierigkeiten zu kommen.

Folgt man, nachdem die Höhle verlassen wurde, der zur Grotte getauchten Linie weiter, so schließt sich wieder eine Steilwand an, die bis auf Tiefen unter 40 m führt. Auch sie ist sehr schön mit Gorgonien bewachsen.

Bei der Rückkehr in geringer Tiefe sollte man mal darauf achten, ob Luft aus dem porösen Stein austritt, wenn man über dem Kamin der Grotte taucht. Man kann seine eigene in der Höhle veratmete Luft mit Verzögerung sehen.

Bewertung ***

2. Wracktauchgang „Liberty“ bzw. „Lena“

Der Name dieses alten Holzfrachters, der gegenüber vor der Insel Cres liegt, wird unterschiedlich angegeben. Das Wrack beginnt in einer Tiefe von 24 m (Bug) und reicht bis auf 53 m (Heck). Die Laderäume lassen sich gut betauchen, auch die Kajüten sind in gutem Zustand. Wir haben das Wrack einmal von vorne bis hinten betaucht, man braucht allerdings um alles in Ruhe anzusehen 2-3 Tauchgänge (wird ein etwas teures Vergnügen, denn die zweifelsohne lohnende Ausfahrt kostete 40,- DM).

Auf den Dekostufen 6 und 3 m liegt direkt vor dem Ankerplatz eine kleine Höhle mit 2 Seitengängen. Der linke ist besonders interessant, denn dort gibt es einen Süßwasserzufluß, der sich seinen Weg durch das poröse Gestein gebahnt hat. Das wesentlich kältere Quellwasser trifft auf das warme Meerwasser und es bilden sich Schlieren, die eine glauben lassen, man habe einen gravierenden Sehfehler.

Gleich rechts daneben gibt es dann noch einen 180° Bogengang, den man ebenfalls durchtauchen kann.

Insgesamt betrachtet ein sehr lohnender und schöner Tauchgang.

Bewertung *****

Zusammenfassung

Die Reise nach Kroatien zur Basis „Scuba Center Marina“ lohnt sich in jedem Fall. Wer nicht auf Massentauchen à la Hurghada und Myriaden bunter Fische steht, sondern auf angenehmes Tauchen in überschaubarer Umgebung ohne jedwede Gängelung ist hier absolut richtig.

Unsere Abschlußbeurteilung: Absolut empfehlenswert!
Peter Rachow 1999

tauchplatzkarte

zelplatz mit blick auf die tauchbasis

 

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Tauchen in Kas (Türkei) Dez. 2001/Jan.2002

Urlaub in Kas kann ja ganz nett sein. Aber nicht unbedingt im Winter. Zum Jahreswechsel 2001/2002 wollten wir zur Abwechslung mal nicht in Ägypten tauchen (auch wegen der dort immer mehr um sich greifenden Beschränkungen der Tauchfreiheit) sondern, wie im Sommer auch, am Mittelmeer unseren Urlaub verbringen. Wir entschieden uns für Kas an der Südküste der Türkei, weil wir aus verschiedenen Quellen entnommen hatten, dass hier die Temperaturen um diese Jahreszeit relativ günstig sein sollten. Zumindest für das Wasser traf das auch zu, es war mit 19 °C noch sehr angenehm. Für die Luft sah das schon anders aus. Hier pendelten die Tageswerte in schneller Folge zwischen 5°C und 20°C. Ein teilweise sehr kalter Wind rundetete den Spaß ab.

Tauchbasis: Wir hatten über eine Empfehlung erfahren, dass man bei der Basis Sundiving guidefrei tauchen können soll, also fiel unsere Wahl auf diese Basis. Die Empfehlung stellte sich als richtig heraus, wir tauchten autonom, so, wie wir es gewohnt sind. (Angesichts der Wetterlage waren die Mitarbeiter der Basis wahrscheinlich sogar von Herzen dankbar, nicht ins Wasser springen und mit uns mit paddeln zu müssen…)

Die Basis machte einen gut geführten Eindruck. Man war sehr bemüht, uns den Tauchaufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Dies bedeutete einerseits, dass die Mitarbeiter der Basis uns, wenn irgend möglich, trotz des schlechten Wetters eine Ausfahrt ermöglichten, andererseits, dass auf unsere Wünsche betreffs Flaschengröße eingegangen wurde. Trotz dem Problem, dass die Basis nur 12-Liter-Alu-Geräte im Sortiment hatte, wurden uns 15- und 18-Liter-Stahlflaschen organisiert, was einerseits der Tatsache, dass wir trocken tauchten, andererseits unseren Tauchprofilen entgegen kam. Auch sonst gab es keine Kritik am Service der Basis. Die Ausfahrten starteten pünktlich um 11 Uhr (wenn überhaupt ausgefahren werde konnte). Wir konnten dann jeweils entscheiden, ob wir nur einen oder, falls wetterbedingt möglich, zwei TG pro Tag machen wollten. Das war auch kein Problem, da wir die einzigen Taucher zu dieser Zeit waren.

Die Basis verfügt über 2 Boote für jeweils 40 bzw. 12 Personen (von denen allerdings nicht alle Taucher sein dürfen) und einen recht gut aussehenden L & W Kompressor.

Gesamtnote für die Basis: Gut .

 

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Tauchen Kreta

Im August 1998 verschlug es uns für 2 Wochen auf die Insel Kreta. Kreta ist die größte griechische Insel. Seit ein paar Jahren ist das Tauchen hier an bestimmten Orten erlaubt, wenn es auch Einschränkungen gibt. So darf beispielweise nach Auskunft der Tauchbasis nicht unabhängig getaucht werden. Der Wahrheitsgehalt dieser Aussage ließ sich allerdings vor Ort nicht verifizieren.

Zur Geographie Kretas:

Kreta liegt im südöstlichen Mittelmeer, ist 260 km lang, mit einer Fläche von 8259 km². Auf der Insel leben ca. 540 000 Einwohner. Sie wird geographisch bestimmt durch ein stark verkarstetes Gebirge. Das Klima ist mittelmeertypisch mit sehr heißen Sommern.

Wir lebten in Bali, einem kleinen Fischerort an der Nordküste, der glücklicherweise vom Tourismus nicht überlaufen war, wie z. B. Iraklion (Hauptstadt der Insel) oder Rethymno.

Tauchen in Kreta ist ein relativ teures Vergnügen. Pro Tauchgang zahlt man ca. DM 40,-, was rund um das Mittelmeer in den oberen Preisregionen liegt. Nachtrag vom Okt. 2002: Ich habe eine (allerdings unbestätigte) Mail erhalten, dass die Preise für einen TG von DM 40,- auf 40,- € bei bestimmten Basen angehoben wurden. :-(((

In Bali, auf halbem Wege zwischen Iraklion und Rethymno, gibt es nur eine Tauchbasis, das Hippocampos Dive Center, geführt von Angelos Tsiritas. Die Basis liegt direkt am Hafen in einer kleinen Seitenstraße, man kann sie eigentlich nicht verfehlen.

Das Tauchen war recht familiär, da auf der Basis auch in der Hochsaison recht wenig Betrieb herrschte. Die Tauchplätze waren mittelmeertypisch, es gab keine Besonderheiten. Aber leider war zu der Zeit das Meer auch relativ unruhig, so daß die Basis mit dem kleinen Boot die besten Plätze (nach eigener Aussage) nicht anfahren konnte.

Insgesamt angenehmes Tauchen, wenngleich ein ausschließlicher Tauchurlaub nicht so interessant gewesen wäre, weil man nicht unabhängig tauchen konnte und die Preise doch recht hoch sind.

medsea1

Erstveröffentlichung 1999 auf peter-rachow.de

 

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Noch mehr ARGHHHH! von Tauchern und „Tauchlehrern“

von Peter Rachow

18.01.2011

Nochmal: Die intellektuellen „Koniferen“ des „taucher.net“…

OK, ich dachte, wir hätten das Thema „Ahnungslosigkeit“ der „taucher.net“-Insassen soweit durch. (Siehe hier und hier) Dem ist aber nicht so. C hatte unlängst beim „Blauen Bock“  eine kleine Geschichte gepostet, die ich kurz referieren muss, damit der geneigte Leser die Zusammenhänge erkennen kann.

Also, aufgrund meines Berichtes und der ausufernden Debatte im „taucher.net“, bei der sich die geballte Ahnungslosigkeit deutscher Hobbyaquanauten gnadenlos offenbart hatte und man sich gegenseitig jede Menge Unsinn um die Ohren gehauen hatte, hatte doch tatsächlich eine dieser „tn“-Geistesgrößen Strafanzeige gegen mich erstattet. Angeblicher Tatbestand, den dieser nicht ganz auf der Höhe des Sachstandes sich befindende Hobbyjurist zu erkennen glaubte: §323c StGB, „unterlassene Hilfeleistung“.

Wer nun den unten stehenden Eintrag zu „Tauchlehrer G.“ (jener G. war es übrigens nicht, der angezeigt hatte!) liest, weiß natürlich, dass dieser Vorstoß absoluter Unsinn ist und ein Vergehen nach §323c StGB bereits dann nicht qualifiziert ist, wenn eine Person sich eigenverantwortlich selbst gefährdet. Hier nochmal die einschlägigen Strafrechtskommentare zu diesem entscheidenden Punkt, damit man nicht lange suchen muss:

„Entsprechend löst auch eine risikobewusste selbstgefährdende Aktion als solche (zB waghalsige sportliche Unternehmungen, Rauschmittelmissbrauch) keine Hilfspflicht aus.“
Sternberg-Lieben/Hecker, in: Schönke/Schröder, Strafgesetzbuch, München 2010, S. 2795 Rn. 7

„Kein Unglücksfall ist hingegen der Schaden bzw. die Gefahr, der bzw. die aus einer freien und voll verantwortlichen bewussten Selbstgefährdung des Opfers resultiert, womit nicht nur die Fälle einer absichtlichen oder auch nur bedingt vorsätzlichen Herbeiführung gemeint sind (für diese passt schon der Begriff „Unglücksfall“ nicht) sondern auch diejenigen Fälle, in denen der Betroffene die Gefahr klar vor Augen hat und im Vertrauen darauf, sie werde isch schon nicht realisieren, trotzdem handelt.

In solchen Fällen disponiert der Betroffene ähnlich wie bei der Einwilligung in eine Gefährdung wirksam über sein Rechtsgut, so dass die Rechtsordnung keine Veranlassung hat, ihm die zur Wahrnehmung seiner Verhaltensfreiheit bewusst eingegangenen Risiken teilweise wieder abzunehmen, indem sie beliebige Dritte zur Abwendung unerwünschter Folgen verpflichtet.

Allerdings ist eine Grenze zu ziehen zu der strukturell übereinstimmenden Eingehung allgemeiner Lebensrisiken; der nur durch Fremdverschulden oder ohne jedes Verschulden versuchte Verkehrsunfall desjenigen, der die Fahrt im Klaren Bewusstsein über die Möglichkeit solcher Unfälle angetreten hat gehört gerade zum Kernbereich solcher Unglücksfälle i.S. von §323c. Die Grenze dürfte dort liegen, wo es sich um Risken handelt, die im Verhältnis zum Nutzen ihrer Eingehung nach rechtlichem Maßstab (wie er z. B. §34 zu Grunde liegt) extrem hoch sind wie z. B. das „Surfen“ auf einem schnell fahrenden PKW oder einer S-Bahn, die Ausübung einer Extremsportart durch einen nicht hinreichend Trainierten,…“
Rudolphi/Stein, SK StGB 110.Lfg.(September 2007) §323c, S. 13


Weil demnach kein Vergehen im strafrechtlichen Sinne vorlag, wurde das Verfahren mit Schreiben vom 22.12.2010 gem. §170 StPO eingestellt:

sta_einstellung

Soweit so schön. Was wurde aber nach Cs neuerlichem Post dieses Sachverhaltes im „taucher.net“, nachdem also der Sachverhalt wiederum der versammelten Ahnungslosigkeit hingeworfen wurde? Richtig, die „tn“-Maschine lief wieder an: Hier der neue Thread.

Fangen wir an, den Quatsch zumindest in ganz wenigen aber dafür extrem haarsträubenden Punkten aufzuarbeiten:

Einem „Doppeldreier“ (wobei nicht klar ist, ob sich hinter dem Nick eine Präferenz für eine sexuelle Spielart oder eine besonders exotische Tauchflaschenkombination verbirgt) entfleucht die erste juristische Fachmeinung:

nö, denke das lag eher an den geringen öffentlichen Interesse und der großen räumlichen Entfernung zum „Tatort“, dass das Verfahren eingestellt wurde. Solange keine Selbstgefährdung vorliegt muss man helfen, egal wie blöd der Andere sich in die Situation rein gebracht hat.

Klasse! Da steht nun ein Strafrechtskommentar und der Mann behauptet einfach mal was ganz anderes. Und wenn er wüsste, dass eine Einstellung gem. §170/2 StPO bedeutet, dass kein hinreichender Tatverdacht besteht, hätte er den Mist wohl auch gepostet. Man(n) ist ja schmerzfrei. Und dass der Typ den Begriff der Selbstgefährdung nicht mal in Grundzügen interpretieren kann, lässt schon schaudern. „Doppeldreier“, wenn Du dies liest: WENN 2 SPINNER SICH VOLLKOMMEN GEPLANT AUF FAST 60 METERN WASSERTIEFE ABSCHIESSEN, IST DAS DANN KEINE SELBSTGEFÄHRDUNG??? Nein, „Doppeldreier“, sag jetzt nichts. Bitte!

Der nächste ist ein „Bounty“, der wie viele andere nicht verstanden  hat, dass es bei der Anwendung des §323c StGB nicht darauf ankommt, ob jemand zu Schaden kam:

natürlich muss eine solche Klage abgewiesen werden, es gab ja keinen Schaden. Die bloße Annahme, dass es zu einem Schaden hätte kommen können, reicht dafür nicht aus!

Erstens, liebes „Bounty“ wurde nicht „geklagt“ (und noch nicht mal „angeklagt“ was der korrekte Begriff aus dem Strafrecht gewesen wäre, aber das musst Du nicht unbedingt wissen!) und zweitens kommt es beim 323c StGB nicht darauf an, ob jemand zu Schaden kam oder nicht. Der §323c StGB ist ein sog. „echtes Unterlassungsdelikt“. Bei dieser Deliktsform ist nicht von Bedeutung, ob dem Opfer ein Schaden entstanden ist oder nicht. Man macht sich schon durch Unterlassen einer Handlung ggf. strafbar, und dies vollkommen unabhängig ob jemand verletzt wurde oder nicht. Man macht sich nur dann eben nicht strafbar, wenn überhaupt keine Hilfeleistung gefordert ist, wie im hier vorliegenden Fall bei der eigenverantwortlichen bewussten Selbstgefährdung. Zu dem Thema „echtes Unterlassungsdelikt“ hilft Dir, mein liebes „Bounty“, übrigens eine Suchmaschine Deiner Wahl garantiert weiter. Und wenn Du sogar dazu zu doof bist, klick einfach mal hier drauf.

Ein „o.j.“ kann dafür gesichert überhaupt nicht lesen:

Moin,
ich hab mir mal den o.g. Thread durchgelesen.
Was mich dabei stört, ist die Glaubwürdigkeit des Verfassers.
„Aus meiner mittlerweile über 30-jährigen Taucherfahrung insbesondere mit Tauchgängen in Tiefen über 40 Meter steuerte ich folgende Ansichten bei…“
Schaut mal auf sein REG. Bei über 30 Jahren Taucherfahrung sollte man schon etwas älter als Jahrgang 1980 sein.


Schatzi, es ist ganz einfach. Ich (PR) bin 1961 geboren und tauche seit meinem 18. Lebensjahr. Das war 1980. Ich bin jetzt fast 50. Ich schreibe aber nicht im „tn“, weil meine Magenschleimhaut das nicht besonders gut verträgt. C ist jünger. Der kann noch im „tn“ schreiben, der ist noch robuster. Aber aufgrund seines Alters kann C gar nicht seit seit 1980 tauchen, weil der da noch gar nicht tauchen konnte. Und Du jetzt lernen Texte sinnverstehend lesen, capito?

Auch „QRM“ (was übrigens in der Funkersprache die Bedeutung für „Störung“ ist (C) Peter Rachow ) hat den §323c StGB voll verstanden:

Von meiner Seite aus noch ein kleiner Hinweis. Eine Anzeige nach § 323c (unterlassene Hilfeleistung) wäre nur möglich, wenn tatsächlich jemand zu Schaden gekommen wäre. Das Ermittlungsverfahren wurde deshalb natürlich eingestellt.

Liebe „Störung“: Du kennst Dieter Nuhr: „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal F…. halten“? Ansonsten siehe oben zum Thema „echtes Unterlassungsdelikt“. Aber Du musst das alles nicht verstehen. Schreiben kannst Du ja. Arrrrgggghhhh! (***in die Tischkante beiß***)

Und nach den gesammelten Nebenerwerbsjuristen des „tn“ betritt nun endlich auch ein Hobbypsychologe die Bühne und überrascht uns mit seinen Forschungsergebnissen aus der „Wikipedia“. Er nennt sich „MrNice“ und liefert gleich ungefragt eine Expertise ab, denn bei „tn“ darf jeder, aber auch absolut jeder, labern, was die Tasten hergeben:

Vielleicht stammte die Anzeige ja von jemandem, den PR auf seiner Seite zur Sau gemacht hat. Der Typ scheint es ja echt nötig zu haben. Dass es unter Tauchern viele Idioten gibt, ist klar, ein grosser Teil aller Menschen sind Idioten. Dass ein Akademiker, wie PR es nötig hat, sich Seitenweise über das Gelaber von einigen debilen Tech-Tauchern zu echauffieren, spricht nicht gerade für ihn. Als Lehrer sollte er über solchen Dingen stehen. Für mich ist er einfach nur ein Forentroll, mit einer stark ausgeprägten Profilneurose.

Symptome dieser Krankheit treffen jedenfalls eindeutig zu:

1 hat ein grandioses Verständnis der eigenen Wichtigkeit (übertreibt etwa Leistungen und Talente, erwartet ohne entsprechende Leistungen als überlegen anerkannt zu werden)

2 glaubt von sich, „besonders“ und einzigartig zu sein und nur von anderen besonderen oder hochgestellten Menschen (oder Institutionen) verstanden zu werden oder mit diesen verkehren zu müssen

3 benötigt exzessive Bewunderung (im Internet)

4 ist häufig neidisch auf andere oder glaubt, andere seien neidisch auf ihn / sie (Der Neid zeigt sich in seinen Lästereien)

5 zeigt arrogante, hochmütige Verhaltensweisen oder Ansichten

Quelle: Wikipedia 

Ja, warum muss man eigentlich noch studieren? Man könnte doch alternativ sein Wissen aus der Wikipedia nach Bedarf beziehen und damit die Welt retten. Lieber „MrNice“. Ich habe weder ein übersteigertes Geltungsbedürfnis noch eine Profilneurose. Mir gehen einfach nur Leute wie Du und Deine Genossen furchtbar auf den Senkel, die sehr viel reden bzw. schreiben, die aber dabei nur Unsinn rauslassen. Verstehst Du das: ICH MAG EINFACH KEINE DUMMSCHWÄTZER UND KEINE HEISSLUFTPUMPEN!!!!! UND DAVON GIBT ES ZU VIELE IM INTERNET!!!

Lassen wir es dabei erstmal bewenden, schalten Sie auch morgen wieder ein, wenn es heißt: „taucher.net. Das ‚Kompetenzzentrum‘ des deutschen Tauchsports.“



22.11.2010

Ich bin zur Zeit gelegentlich etwas schockiert mit wie viel Unwissen, mangelndem Lese- und unzureichender Verständnisfähigkeit man immer wieder seitens von Hobbytauchern innerhalb und außerhalb des WWW konfrontiert wird.

Das jüngste Beispiel: Der „Tauchlehrer“ G. aus L.

Herr G. rief mich vor kurzem an und wollte mich zu dem Bericht über die verhinderten Tieftaucher befragen. Herr G. kam am Telefon ohne Umschweife zur Sache und meinte in einem seiner ersten Sätze  er sei „Tauchlehrer“ und damit höher brevetiert als ich. Folglich habe er mehr Sachkenntnis der Materie „Tauchen“.

Zuerst war dieses Vorbringen natürlich ungemein beeindruckend für mich und ich schlug am Telefon sofort pflichtschuldigst die Hacken zusammen und ließ ein ebenso zackiges „JAWOHL!“ vernehmen. Außerden nahm ich unwillkürlich „Haltung an“, ein ererbter Reflex meiner preußischen Vorfahren. Die hatten (im Gegensatz zu mir) nämlich allesamt „gedient“. Im Falle von Herrn G. war also Ehrfurcht angesagt. Denn wenn ein echter „Tauchlehrer“ sich die Mühe macht, mich am Telefon zu sprechen ist das schon ein besonderer Tag. So fühlte ich mich denn auch zutiefst geehrt. Denn es gibt ja kaum „Tauchlehrer“ auf der Welt und wenn schon mal einer bei MIR anruft, das muss im Kalender vermerkt werden. Wurde es dann auch, aber nicht nur in meinem.(C) Peter Rachow

Dann legte Herr G. los. Er meinte, der ganze Vorfall sei ein schwerer Fall von  „unterlassener Hilfeleistung“ gem. §323c StGB. „Schön“, dachte ich mir, „kommt mir irgendwie bekannt vor.“ Und genau so schön fand ich, dass Herr G. bei dem besagten Tauchgang vor Ort dabei war und so nun alles aus bester Lage kenntnisreich beurteilen kann. Solcherart Experten braucht dieses Land. Oder sollte Herr G. nur einer der weiteren vielen mehr oder weniger berufenen Meinungsäußerer aus dem „Taucher.net“ sein, die aus großer Entfernung aus einem mit pädagogischem Impetus in einem bestimmten plakativen Stile abgefassten Text mehr herauslesen können als der Autor jemals hineingepackt hat? Egal. Herr G. ist „Tauchlehrer“ und damit klar ein Fachmann. Außerdem ist er höher brevetiert als ich. Das hatten wir aber schon.

Herr G. meinte sodann allen Ernstes, man hätte sich ja die beiden Taucher greifen und mit ihnen einen Notaufstieg durchführen müssen, wenn die denn schon so weggetreten waren. „Prima Idee, Herr G.! Ganz meine Meinung. Und beim nächsten Mal mache ich es genau so, wie Sie es vorschlagen! Versprochen.“ Denn Herr G. ist, na,…., jaaaaaa(!!!), er ist „Tauchlehrer“.  Und diese seine Einlassung kann man aus diesem Grunde wirklich als fundiert und aus berufenem Tauchlehrermund kommend bezeichnen. Wir stellen uns das Ganze mal plastisch vor: Man packt sich also jeder einen narkostisierten Taucher auf der ganz leicht zu beherrschenden Wassertiefe von knapp 60 Metern und zieht ihn gaaanz einfach in höhere Gefilde hoch. Jetzt läuft es mir dann doch eiskalt den Rücken herunter…

Denn dass dieser derart angegangene Taucher aufgrund seiner Narkose dies vielleicht gar nicht als so tolle Idee empfindet, weil er akut an tiefen- und damit druckbedingt eigentümlichen Wahrnehmungsproblemen leidet, sich dabei bedroht fühlt, eine Panik bekommt und dann anfängt, um sich zu schlagen und/oder einem z. B. den Atemregler aus dem Mund und/oder die Maske vom Kopf reißt (was auf 50 oder 55 oder mehr Metern Wassertiefe natürlich kaum lebensdrohlich für den rettenden Taucher sein wird) scheint Herr G, der immerhin „Tauchlehrer“ ist, dabei nicht reflektiert zu haben. Vielleicht hat er derlei (im Gegensatz zum Beispiel zu mir) auch noch nicht erlebt, denn „Tauchlehrer“ tauchen ja nicht so tief. Ich habe derartige Aktionen jedenfalls schon 2 Mal mitgemacht und kann sagen, dass derlei unbestreitbar und in höchstem Maße lebensgefährlich für einen selbst ist.

Ganz abgesehen davon, dass die beiden „Rettungstaucher“ auf weit über 50 Metern Wassertiefe selbst erheblich narkotisiert gewesen sein dürften, was so ein zweifelhaftes Vorgehen auch nicht gerade erfolgversprechender macht. Von der nicht zu vernachlässigenden körperlichen Anstrengung und dem damit erhöhten Luftverbrauch seitens der „Retter“ (und der „Geretteten“ so sie sich aufgrund ihrer Narkose widersetzen sollten) sowie einer durch die körperliche Arbeit verstärkten Aufsättigung mit Inertgas und einer längeren Dekompressionsphase wenn die eigene Luft sowieso schon knapp zu werden droht, mal ganz zu schweigen. Zumindest taucherisch sollte „Tauchlehrer G.“ diese Zusammenhänge aufgrund seiner extrem hohen Brevetierung doch hinterschauen können. Leider hat er dies nicht getan.

Und ebenso hat Herr G. es bei seinen wirklich fundierten Vorschlägen unterlassen, auch die entsprechenden Strafrechtskommentare zum §323c StGB zu eruieren. In diesen steht dann nämlich regelmäßig zu lesen, dass eine Hilfeleistung nicht um den Preis einer erheblichen Selbstgefährdung gefordert werden kann und darf. Jetzt müssen wir aber konstatieren, dass C und D sowieso schon weit unterhalb der allgemein empfohlenen maximalen Tauchtiefen mit Pressluft tauchten, was in der Folge bedeutet, dass jede weitere Tiefenzunahme und besonders jede physische Aktion und deren unvorhersehbare Folgen in dieser großen Wassertiefe unweigerlich zu einer erheblichen Risikoerhöhung bis hin zur akuten Lebensgefahr für C und D bedeutet hätten.

Weiter ist es auch mit der gleichen Regelmäßigkeit Konsens i. d. Rechtsprechung, dass eine Hilfeleistung dann nicht gefordert werden darf, wenn dadurch andere wesentliche Pflichten verletzt werden. Diesbezüglich wäre mal wieder der Begriff der der „Garantenstellung“ nebst der „Gefahrengemeinschaft“ zu nennen. Dass die beiden Taucher C und D bei dem hier erörterten Tauchgang eine Gefahrengemeinschaft bildeten ist unstreitig. Insofern waren sie einander gegenüber Garanten für das erfolgreiche Absolvieren des Tauchganges und die sichere Rückkehr zum Boot. Also hatten C und D zuerst einmal das Wohlergehen des Partners im Auge zu behalten. Hätte also beispielsweise C den A oder B „gerettet“ und D wäre daraufhin etwas zugestoßen (was angesichts der Wassertiefe von ca. 60 Metern nicht gerade unwahrscheinlich ist), hätte der C seine Garantenpflicht gegenüber D in schwerwiegender und folgenreicher Weise verletzt und wäre dadurch schuldig geworden. Zumal in dieser Situation A und B kein direktes Eingreifen benötigten, da sie noch vollkommen autark waren und es absehbar war, dass sich infolge der schnellen Gewöhnung an den Umgebungsdruck die Stickstoffnarkose in kurzer Zeit zumindest soweit reduzieren würde dass sie alleine die Situation weiter kontrollieren konnten (was dann ja auch genau so eingetreten ist). Also, lieber Herr G., jetzt nochmal: Was spricht eigentlich gegen „watch and wait“ in solch einer Situation? Sie dürfen mich gerne nochmal anrufen. Oder nein, lassen Sie es besser. Es würde zu nichts führen.

Apropos „autark“: Weiterhin hat Herr G. leider übersehen, dass eine Hilfeleistung nur dann gefordert werden darf, wenn sie notwendig ist. Die beiden „Heldentaucher “ waren aber erkennbar in der Lage, sich insbesondere durch die unter Wasser gegebenen eindringlichen Hinweise und Aufweckaktionen von C und D aus einer misslichen Lage ohne Einwirkung von physischer Gewalt und vollkommen aus eigener Kraft zu befreien. Und dieses Vorgehen von C und D war dann auch das deutlich mildere (und damit wesentlich gefahrlosere) Mittel als ein physischer und damit hochgefährlicher Eingriff unter Wasser mit seinen unabsehbaren möglichen Folgen. Ja, über all diese kleinen aber nicht ganz unbedeutenden Feinheiten sollte Herr G., der immerhin „Tauchlehrer“ ist, ganz einfach mal in aller Ruhe nachdenken.

Dann hat mich bei Herrn G. noch dadurch erschreckt, dass auch er Texte offenkundig nicht richtig lesen kann. Er fragte mich nämlich allen Ernstes, warum die beiden Taucher C und D es denn zugelassen hätten, dass bei ihrer Rückkehr auf das Boot nicht umgehend eine Notflasche herabgelassen worden sei, wenn die beiden Taucher A und B demnächst zum Boot zurückkehren würden.

Lieber Herr G.! Wo steht eigentlich in dem Text, dass C und D bereits an Bord waren als A und B dort eintrafen??? Zitieren wir doch mal: „Die beiden „Tieftauchexperten“ kamen dann nach einiger Zeit denn auch mit vollkommen leerer Flasche am Boot an wo wir bereits dem Ende unserer Dekompressionsphase entgegen „fieberten“ 😉 .“

Ich lese daraus, dass C und D am Boot und nicht unter oder gar auf dem Boot waren als die beiden Taucher A und B eintrafen. Lieber Herr G., eine Dekompressionsphase wird normalerweise unter Wasser und nicht außerhalb durchgeführt (von Druckkammern mal abgesehen). Also konnten C und D noch gar nicht an Bord sein, weil sie noch im Wasser waren. Dies ist auch ganz einleuchtend, da beide Gruppen vermutlich ähnliche Dekompressionsprofile hatten, von der nicht unwesentlichen Vorsättigung von C und D aufgrund ihrer vortätigen Tauchunternehmungen mal ganz abgesehen, die ihnen einen noch längeren Aufenthalt im Wasser mit verlängerter Dekompression abgenötigt haben dürfte. So kann man es in dem Bericht lesen. Zumindest wenn man Texte sinnentnehmend zu verstehen in der Lage ist. Und auch ein „Tauchlehrer“ sollte wissen, dass man mit noch nicht vollständig absolvierter Dekompressionsphase und damit einer nicht ganz unerheblich kompartimentspezifischen Inertgasbelastung besser nicht auftauchen sollte, um sich nicht dem recht großen Risiko auszusetzen, einen Dekompressionsunfall zu erleiden.

Zum Abschluss dieses kleinen Exkurses in das Strafrecht, das Herr G.so gerne bemühen möchte: Vielleicht sollte sich Herr G. bei der Lektüre eines solchen Strafrechtskommentars auch einmal kurz damit beschäftigen, ob eine Tat nach der dargestellten Sachlage überhaupt für eine bestimmte Strafvorschrift qualifiziert ist oder eben nicht. Denn da gibt es für den hier geschilderten Fall einen kleinen aber nicht ganz unwesentlichen sprichwörtlichen „Haken“. Unsere beiden Tauchhelden sind ja nun nicht gerade mal so aus Versehen in ihr desperates Tieftauchabenteuer gestolpert sondern haben sich frei und selbstbestimmt der gemeinsamen Selbstversenkung anheim gegeben. Und liegt nun das Problem der Argumentation von Herrn G:

㤠323c РUnterlassene Hilfeleistung

Wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

[…]

Kein Unglücksfall ist hingegen der Schaden bzw. die Gefahr, der bzw. die aus einer freien und voll verantwortlichen Selbstgefährdung des Opfers resultiert, womit nicht nur die Fälle einer absichtlichen oder auch nur bedingt vorsätzlichen Herbeiführung gemeint sind (für die passt schon der Begriff „Unglücksfall“ nicht) sondern auch diejenigen Fälle, in denen der Betroffene die Gefahr klar vor Augen hat und im Vertrauen darauf, sie werde sich schon nicht realisieren, trotzdem handelt.“
(zitiert aus: Rudolphi et. al., Systematischer Kommentar zum Strafgesetzbuch (SK/StGB), Neuwied 2007, §323c, S. 13)

Soll ich nun, zum Abschluss dieses Blogeintrages, pflichtgemäß noch auf Dieter Nuhr und sein wohl bekanntestes Zitat verweisen? Nein, ich denke, das ist dann angesichts der heute herschenden Meinungsinflation und des doch deutlich suboptimalen Reflexionsvermögens innerhalb der Netzgemeinde wirklich obsolet weil vollkommen sinnlos. Und genau so sinnlos ist wohl auch das Vortragen meines Wunsches, dass mancher Hobbyaquanaut gelegentlich mal selbstständiges und eigenverantwortliches Denken an den Tag legen möge. Und dieses Ansinnen richtet sich sowohl an jene, die sich kopfüber in hochgefährliche Unterfangen stürzen (wie unsere beiden „Tieftauchexperten in Ausbildung“ aus dem genannten Bericht) als auch an jene, die meinen, am Schreibttisch nur mit dem PC-Monitor vor der Nase kluge Ratschläge geben zu können. Aber auch dieser Wunsch wird niemals in Erfüllung gehen, dessen bin ich mir sicher.

Peter Rachow 2010
 
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Verfasst von - 25. November 2018 in Uncategorized

 

Gefährlicher Taucherleichtsinn – wenn Abenteuerlust auf Inkompetenz trifft

Dieser Bericht behandelt eine nicht ganz ungefährliche Tauchsituation in einem Tauchurlaub, die durch Leichtsinn, Unkenntnis und taucherisches Unvermögen verursacht wurde. Und es wird erklärt, wie diese kritische Situation durch einfaches Nachdenken und optimiertes Handeln leicht hätte vermieden werden können.

Ort: Das Rote Meer, Zeit: Im Oktober 2010.

Die Situation

Die Tauchbasis, auf der wir diesmal unseren Urlaub verbrachten, wurde mir von einem anderen Taucher aus meinem Bekanntenkreis empfohlen, weil man dort relativ unabhängig tauchen könne, wie er sich ausdrückte. Sie lässt von Diveguides unabhängiges Tauchen zu, wenn Taucher ausreichend brevetiert sowie erfahren sind und nach einem Überprüfungstauchgang mit einem Basenmitarbeiter daher in der Lage erscheinen, eigenverantwortlich zu tauchen. Es werden dabei in Absprache mit den Gästen auch Riffe angefahren, die größere Tauchtiefen an Steilwänden und Drop-Offs ermöglichen. Der Guide betreut dann die weniger erfahrenen Taucher, die erfahrenen Taucher tauchen unabhängig in 2er- oder 3er-Gruppen.

Die maximale Tauchtiefe auf dieser Basis ist auf 40 Meter begrenzt. Ob eine derartige Limitierung sinnvoll ist oder nicht, wollen wir an dieser Stelle nicht weiter besprechen, die Frage kann als hinreichend beantwortet gelten. Allerdings wird die Einhaltung dieser Maximaltiefe auf der betreffenden Basis nicht stringent überwacht. Denn schließlich handelt es sich um eine Tauchbasis und keinen Kinderhort.

Vorgeschichte

Eines Abends saßen die Taucher der gerade zu Ende gegangenen Tagesausfahrt nach dem Tauchen noch zusammen und diskutierten verschiedene taucherische Dinge. Eines davon, man ahnt es, war das Thema „Tieftauchen“. Es wurden verschiedene Aspekte des Tauchens in größere Tiefen durchdiskutiert, u. a. das Thema „Tiefenrausch“. Aus meiner mittlerweile über 30-jährigen Taucherfahrung insbesondere mit Tauchgängen in Tiefen über 40 Meter steuerte ich folgende Ansichten bei:

Tieftauchen mit Pressluft ist möglich, wenn

a) eine entsprechende Erfahrung sowie
b) das fundierte Wissen über Dekompressionstheorie und die Beherrschung der entsprechenden Praxis vorhanden sind und
c) eine ausreichende Adaption an die hohen Stickstoffpartialdrücke durch mehrfache in kurzen Zeiträumen aufeinanderfolgende sich in der Tiefe steigernde Tauchgänge aufgebaut wurde.


Es entspann sich daraufhin eine kurzes Gespräch zwischen 2 Mittauchern, nennen wie sie mal „A.“ und „B.“, die offenbar planten, bei der Ausfahrt am nächsten Tag die 50-Meter-Marke erreichen zu wollen. Die spontane Verabredung zu diesem Unternehmen endete in der ebenso naiv wie treuherzig vorgetragenen Aussage von B. die da lautete: „…aber da müssen wir uns schon aufeinander verlassen können.“ Der geneigte Leser wird bereits hier erkennen, dass diese beiden Herren wohl keinerlei grundsätzliche Vorstellung von Planung, Durchführung und potenziellen Risiken eines Tauchgangs in einen solchen Tiefenbereich gehabt haben dürften.

Die Taucherfahrung dieser beiden Tieftaucher in spe sah denn auch so aus: A. hatte ca. 200 Tauchgänge im Log und war, wie ich aus seinen recht umfangreichen Vorträgen der vorangegangenen Tage ablesen konnte, reiner Urlaubstaucher. B. hatte noch weniger Tauchgänge (ca. 100 innerhalb von 20 Jahren!), war aber seit 3 Jahren nicht mehr getaucht und sonst auch nur wenig fit im Tauchen. Beide waren überdies recht starke Raucher, so dass hier auch zusätzlich von einer suboptimalen körperlichen Fitness auszugehen war.

Der Tauchtag

Aufgrund der herrschenden sehr guten Wetterlage wurde morgens beschlossen, dass „Careless Reef“ anzufahren. Dieser Tauchplatz bietet auf seiner Nordwestseite einen bis auf ca. 80 Meter reichenden Steilhang. Der Tauchguide erklärte den Tauchplatz ausführlich und die Gruppen machten sich fertig zum Tauchen. Der Guide selber tauchte mit einer Gruppe von Neulingen. C., mein Tauchpartner, und ich bildeten eine eigene Gruppe. A. und B. ergaben ebenfalls ein Team, wobei A. augenscheinlich als Tauchgruppenführer agieren sollte.

Fehler 1: Wie sie später erklärten, waren die beiden an diesem Tag zum ersten Mal gemeinsam unter Wasser gewesen und kannten sich und die Tauchfähigkeiten ihres Partners überhaupt nicht.

Da ich von der Diskussion am Abend vorher wusste, was A. und B. mutmaßlich planten, erklärte ich C. dass wir uns diesmal entgegen unserer sonstigen Gepflogenheit, uns immer vor allen ins Wasser zu begeben, jetzt den Schluss bilden sollten, so dass A. und B. vor uns tauchen würden und wir ihnen folgen konnten. Der Grund war sehr einfach: Ich hatte den Eindruck, dass die beiden es richtig „krachen lassen“ wollten und es selbstverständlich vermasseln würden. Und ich sollte mich nicht getäuscht haben. Aber davon später mehr.

C. und ich hatten übrigens für den ganzen Basenaufenthalt wohlweislich 15-Liter-Stahlflaschen geordert, weil wir entsprechende Tauchprofile zu tauchen beabsichtigten. Wir hielten uns daher, wo immer möglich, im Bereich um die 40 Meter auf. Und dies auch länger. Da für uns als CMAS***-Taucher Dekompressionstauchen zur normalen Ausübung unserer Sportart untrennbar gehört, waren wir dabei häufig dekompressionspflichtig gewesen. Wir waren somit an hohe Inertgaspartialdrücke zumindest in gewissem Rahmen gewöhnt. Ich selbst hatte in der Woche davor am Walchensee die 50-Meter-Marke mit Luft auch mehrfach durchtaucht und war also noch einigermaßen auf einen hohen ppN2 „geeicht“.

A. und B. waren mit den bekannten „12-Liter“-Aluminiumbehältern ausgerüstet, die aber in Wirklichkeit nur knapp über 11 Liter Inhalt haben (80 Kubikfuß Gas bei 1 bar p.amb. Dieses ergibt komprimiert für die Gasmenge ein Volumen von 11,3 Litern bei 200 bar Fülldruck). Der Druck der Flaschen war dabei immer relativ niedrig, so dass C. und ich unsere Flaschen immer gegen ein kleines Trinkgeld vom Kompressorboy jeweils morgens vor der Ausfahrt nachfüllen ließen. Wir hatten jeweils durch diese Extrabehandlung 220 bis 230 bar in der Flasche. Der „Standarddruck“ der restlichen Flaschen am Morgen ohne diese Maßnahme war dagegen jeweils nur 180 bis 190 bar. So kamen die beiden Aluflaschentaucher A. und B. nur auf eine Ausgangsluftmenge von ca. 62% bezogen auf unseren Vorrat am Anfang des Tauchganges.

Fehler 2: Ein Tieftauchgang mit einer derart unzureichenden Flaschengröße und Füllung ist nicht durchführbar, da eine Luftmenge zwischen 2100 und 2200 Litern niemals ausreicht, die Grund- und Dekompressionszeit für eine Tauchtiefe von 50+ Metern zu erfüllen, zumindest wenn man etwas mehr als einen „Touchdown“ plant.

So mangelhaft vorbereitet und ausgerüstet machten sich die beiden also auf in die Tiefe um die Steilwand des „Careless Reef“ zu erkunden. Wir folgten ihnen dabei in sicherem Abstand. Am Beginn des Steilabstieges orientierte sich die große Tauchgruppe des Diveguides nach rechts, während A. und B. wohlweislich um ihr Tieftauchunternehmen unbehelligt durchführen zu können nach links den Steilhang entlang tauchten und diesen dabei regelrecht hinunterstürzten. Aufgrund der hohen Abtauchgeschwindigkeit der beiden verloren wir sie zeitweilig sogar aus den Augen konnten aber an den aufsteigenden Luftblasen ihre Richtung gut ausmachen.

Fehler 3: Ein Abstieg in eine narkoseträchtige Wassertiefe von 50+ Metern muss langsam und mit ausreichend Adaptionszeit erfolgen um den Einfluss der Stickstoffnarkose zu mildern.

Auf ca. 50 Metern Wassertiefe sahen wir dann A. und B. wieder, allerdings etwas unter uns. Beide waren bereits deutlich und erkennbar vom Tiefenrausch betroffen. Dies war an folgenden Indizien erkennbar:

1. Ihre Körperbewegungen waren nicht koordiniert. A. verharrte nur ruhig im Wasser und berührte dabei mit den Flossen den Grund und stand sonst auf der Stelle. B. schwebte relativ gut tariert bewegungslos links über ihm, war von ihm abgewandt und konnte ihn daher nicht mehr sehen. Man hatte in dieser Phase augenscheinlich 2 Solotaucher vor sich. So sah also das bereits erwähnte „..wir müssen uns aufeinander verlassen können!!!“ vom Vorabend aus.

2. Sie waren beide nicht „ansprechbar“ und reagierten nicht: Das Zeichen „auftauchen!“ (Daumen hoch) beispielsweise wurde mehrfach nicht erkennbar beantwortet. Stattdessen waren die Augen groß, starr und leicht verdreht hinter der Maske zu sehen. Beide wirkten deutlich „weggetreten“.

B. drehte sich nun nach links zum Steilhang hin, entfernte sich dabei zusehends weiter von A. und stieg langsam aber ohne es zu merken nach oben. Die Entfernung der beiden wuchs geschätzt auf über 10 Meter an. Das Zeichen „taucht zusammen“ (Zusammenführen des Zeigefingers der linken und rechten Hand), das ich A., der in meine Richtung blickte, mehrfach eindringlich gab, wurde ebenfalls nur mit einer Nichtreaktion beantwortet. Keine Reaktion, keine Bewegung, keine bezugnehmende Handlung war erkennbar. Diese beiden Taucher, das war uns klar, waren schwerst von einer N2-Narkose betroffen.

Fehler 4: Die beiden Taucher haben versucht, ohne ausreichendes vorheriges Training in größeren Wassertiefen gleich eine sehr große Maximaltiefe zu erreichen.

Nach einiger Zeit reagierten sie dann doch und verringerten den Abstand wobei der weiter oben tauchende B. jetzt aber zum tiefer sich befindlichen A. hinuntertauchte anstatt dass umgekehrt A. höher ging. Durch ihre mangelnde Koordinationsfähigkeit und ihre Desorientierung fielen sie dabei weiter auf über 60 Meter Wassertiefe ab. Da C. und ich an den letzten Tagen vor diesem Tauchgang Tiefen im 40-Meter Bereich mehrfach für längere Zeit aufgesucht hatten und entsprechend angepasst waren, beschlossen wir, den beiden Heldentauchern weiter zu folgen aber nur bis zu max. 65 Metern um uns selbst nicht zu gefährden. Falls die Situation für die beiden unerfahrenen Tieftauchspiranten eskaliert wäre, hätten wir zumindest in gewissen Grenzen eingreifen können. Unser Flaschendruck betrug zu dem Zeitpunkt zwischen 130 und 140 bar. Wir hatten also beide noch jeweils ca. 1900 Liter Luft zur Verfügung.

Nach und nach begannen nun A. und B. aus ihrer Narkose zumindest rudimentär zu erwachen und tauchten langsam höher. Dabei war aber ihre Auftauchgeschwindigkeit allerdings sehr niedrig. Knapp vor Erreichen der 50-Meter-Marke signalisierte A. „noch 100 bar in der Flasche“. Und das war eindeutig zu wenig. Ich kombinierte daher das Zeichen „AUFTAUCHEN!!!“ mit dem Fingerzeig auf mein Finimeter. Wieder kam keine Reaktion.

Fehler 5: Wenn man schon mit viel zu wenig Luft bei einem Tieftauchgang unterwegs ist, sollte man diese für den wichtigen Teil, nämlich die Dekompressionsphase aufsparen. Der Aufstieg auf die erste Dekostufe hat dagegen so zügig als möglich zu erfolgen, notwendigenfalls unter Überschreitung der empfohlenen Aufstiegsgeschwindigkeit zumindest wenn man sich noch unterhalb von 20 Metern Wassertiefe befindet.

A. machte sich bei diesem extrem langsamen Aufstieg sogar noch den „Spaß“ Fotos zu schießen. Allerdings war er immer noch so „breit“ dass er nicht realisierte, dass der Auslöser seiner Billigknipse wegen des hohen Wasserdruckes festgegangen war und das Gerät dadurch gelegentlich spontan von alleine auslöste. Es blitzte jedenfalls munter während das Teil unter ihm hing. Und seine Narkotisierung ging sogar soweit, dass er den äußerst einfachen Zusammenhang zwischen viel zu langsamen Aufstieg, der weiteren Aufsättigung mit Inertgas und unnötigem Luftverbrauch offenkundig rein gar nicht realisierte.

Zwischenzeitlich überließen wir die beiden dann ab 30 Metern Wassertiefe ihrem Schicksal, aus dem Gröbsten waren sie wohl wie wir annehmen konnten heraus. Sie hatten sich nämlich zumindest mit ihren Kinderflaschen nicht auf 80+ Meter befördert.

Die beiden „Tieftauchexperten“ kamen dann nach einiger Zeit denn auch mit vollkommen leerer Flasche am Boot an wo wir bereits dem Ende unserer Dekompressionsphase entgegen „fieberten“ 😉 . Sie ließen sich dann sofort eine Notflasche reichen, mussten dazu aber erst einmal an Deck um die Sachlage zu erläutern und die Flasche vorzubereiten.

Fehler 6: Eine Notflasche lässt man sich in(!!!) das Wasser reichen um a) die Zeit außerhalb des Wassers zu minimieren und b) körperliche Anstrengungen durch das Erklimmen der Bootsleiter zu vermeiden. Diese körperlichen Anstrengungen können das Auftreten einer DCS beschleunigen.

Dabei war wohl die Zeit, die sie außerhalb des Wassers verbrachten so lange, dass sich ihre Tauchcomputer in den „SOS“-Modus schalteten, was sie am Tag darauf auch noch mit einen gewissen Stolz zu erfüllen schien. Nach einer längeren nachgeholten Dekompressionsphase waren sie dann aber gesund wieder an Bord. Überflüssig zu erwähnen, dass sie den Tauchgang am Nachmittag trotz ihres grenzwertigen Gewebestatus auch noch durchführten. So viel offenkundiges Nichtwissen in grundsätzlichen Belangen der Dekompressionstheorie erzeugte dann bei mir noch mehr Kopfschütteln.

Fehler 7: Nach einem Tauchgang mit nachgeholter symptomloser Dekompression und einem daher hohen Aufkommen an Mikrogasblasen besteht mindestens 24 Stunden Tauchverbot.

Nachbereitung

Der Guide war natürlich über dieses überaus dumme und gefährliche Tauchverhalten mehr als erbost. Und dafür habe ich volles Verständnis. A. meinte dann aber ganz cool, es habe doch alles prima geklappt, die Luft hätte ja „fast gereicht“ und überhaupt sei „das ja sehr schlechte Planung“ von Seiten des Tauchleiters, wenn er nicht dafür sorgen würde, dass bei „derartigen Tauchplätzen mit Drop-Offs eine Dekoflasche unter dem Boot“ hinge. Fazit: Schuld sind immer die anderen.

Ich verfolgte diese in meinen Augen sehr sinnlose und von den wahren Ursachen für den Vorfall ablenkenden Diskussion, die auf der Tauchplattform des Bootes stattfand und  beschloss, mich angesichts dieser selten dummen und die Ursache des Problems grob negierenden Darstellungen doch mal verbal einzumischen und intervenierte prompt. So erklärte ich den beiden „Tauchhelden“ dann doch relativ lautstark, dass alleine sie es waren, die aufgrund ihrer Inkompetenz, eine vernünftige Tauchgangsplanung hinzubekommen, den Tauchgang komplett alleine „vergeigt“ hätten und sie bitte die Schuld nicht bei anderen suchen sollten. Gut, A. äußerte zwar daraufhin, ich würde ihn „mobben“, aber damit kann ich leben. ;-))

Er hat sich allerdings später entschuldigt und hat, wie ich einen Tag später sehen konnte, sein Fehlverhalten wohl zum Teil eingesehen und kann hoffentlich bei weiteren Tieftauchgängen seine Schlüsse aus dem gerade noch mal gut gegangenen Vorfall ziehen. Eine kleine Hilfe dazu kann vielleicht dieser folgende Text sein:

http://www.peter-rachow.de/tief.htm

PS: Und von wegen, die Luft „hätte fast greicht“… C. und ich hatten am Ende des Tauchganges nach 60 Minuten noch einen Restdruck von jeweils 40 bar in den Tanks. Das entspricht einer verbrauchten Gasmenge von ca. 2850 Litern. Wie viel Gas man aus einer 11,3-Literflasche entnehmen kann, die von 200 bar auf 10 bar heruntergeatmet wird und wie lange man damit ein relativ identisches und nur nach unten verschobenes Profil tauchen kann, darf nun jeder selbst abschätzen.

PS2: Dieser Vorfall zeigt übrigens mal wieder deutlich, wie „gut“ das von PADI und anderen favorisierte „Buddy-System“ funktioniert. Nämlich gar nicht. Zumindest  dann nicht, wenn der Blinde versucht, den Lahmen zu führen.


Nachtrag: Nach unserem Erlebnis mit den beiden planerisch offenbar vollkommen überforderten Tauchern während des Urlaubes beschlossen wir, diesen Bericht zu verfassen und auf meine HP zu stellen. Da C. aber bei „taucher.net“ regelmäßig mitliest, kam die Idee auf, den Text zusätzlich bei diesem Forum zu posten. Ich hatte dieses Webforum des „modernen“ Tauchsports (die meisten User dürften OWDs oder ähnliches sein) jahrelang nicht mehr verfolgt, weil dort wirklich nur noch Unsinn steht. Aber C. berichtete, was für Typen dort mittlerweile ihren weitestgehend sinnfreien „Diver’s Newspeak“ ablassen würden. Für reichlich Stimmung sollte also gesorgt sein…

Gut, uns beiden war klar, dass es seitens der dort anwesenden „Netztaucher“ ein reges Echo geben würde und dass man sich fast halbtot schrei(b)en. würde und dass nur eines dabei herauskommen wird: Ein fast nicht mehr zu überbietender Blödsinn. Uns war weiterhin klar, dass dort vermutlich kaum 1 oder 2 Prozent der User eine entsprechende taucherische Kompetenz besitzt, eine auch nur halbwegs sachliche und fundierte Stellungnahme abzugeben. Alleine schon deshalb, weil die meisten weder Erfahrung mit Tauchgängen in Tiefenbereiche über 25 Metern haben dürften noch eine Ausbildung die den Namen verdient. OK, das alles wussten wir…

Aber es sollte schlimmer kommen. Viel schlimmer. Denn was wir aber dann dort lesen konnten, war dann doch weitaus grausiger als befürchtet. Eine einzige im 10-Minutentakt herausquellende verbale Eruption voller inhaltlicher Ungeheuerlichkeiten, persönlicher Angriffe und Beleidigungen (z. B. „Trottel“, „krank“), absurdesten Mutmaßungen geäußert von Tauchanfängern und extremer taucherischer Unwissen- und Unerfahrenheit. Und wie sich diese armen Unwissenden gegenseitig in eine Art kollektive Raserei hineinsteigerten binnen weniger Stunden hunderte Beiträge abzufeuern, lässt an deren kognitiver Kompetenz und Selbstkontrolle dann doch erhebliche Zweifel aufkommen.

Manchen dieser „Autoren“ fehlt es dazu ganz offenbar leider auch an einfachsten und elementaren Techniken der Textbearbeitung. Denn sie sind offenkundig nicht einmal in der Lage, einen wirklich einfachen Text mit einem in einem einzigen Strang erzählten Sachverhalt auch nur halbwegs sinnverstehend zu lesen. Man erkennt dies u. a. daran, dass sie Behauptungen aufstellen, etwas in dem Bericht gelesen haben zu wollen, was definitiv nie darin zu lesen stand. Anschließend wird (gerne auch in ausschließlichen Kleinbuchstaben) ein (Gegen-)Text erbrochen, den wirklich kaum ein Mensch lesen und dechiffrieren kann. Dass dieser Verbalerguss dann irgendeinen Bezug mit dem vorstehenden Inhalt haben soll, wäre reiner Zufall.

Besonders absurd wird es, wenn die versammelte Ahnungslosigkeit anfängt, juristisch zu argumentieren. Da werden hypothetisch und vollkommen sinnfrei irgendwelche Rechtsnormen des StGB angewandt um zu zeigen, wie sich die Autoren o. g. Beitrages angeblich strafbar gemacht haben sollen. So z. B. wird einfach ohne weiter nachzudenken von „unterlassener Hilfeleistung“ fabuliert obwohl diese bei einer Selbstgefährdung, wie sie hier vorliegt, rechtlich sehr umstritten ist.

Besonders plakativ ist in diesem Zusammenhang natürlich auch gerne der Ruf nach dem „Staatsanwalt“, der hier in diesem vorliegenden Falle natürlich wahnsinnig viel zu tun hätte. Und auch die gute alte „Garantenstellung“ kommt wieder zum Einsatz, wobei natürlich unbeachtlich bleibt, dass hier seitens der beiden Tauchgruppen keinerlei Gefahrengemeinschaft eingegangen wurde, die eine Vorausetzung für das Bejahen einer Garantenstellung gewesen wäre und dass eine Hilfeleistung natürlich nicht um den Preis der Selbstgefährdung gefordert werden darf. Aber egal: „Reden, schwallen, labern“, das ist „taucher.net“ live, in Farbe und bunt.

Gut, man hätte sich durch eine Netzrecherche sachkundig machen können. Aber wer will sich denn im Forum von „taucher.net“ sachkundig machen? Das ist doch nur zeitaufwändig und erfordert Energie, Einsatz und Gehirn. Und die Tastatur klappert schließlich auch ohne diesen intellektuellen „Input“ recht intensiv.

Von manchem User des „TN“ werden dann auch mangels Wissen einfach Begriffe neu erdacht oder falsch verwendet, Belege für eigene Aussagen fehlen dagegen meistens völlig, Behauptungen muss man auch nicht unbedingt beweisen usw. usw. Aber das alles macht rein gar  nichts, es gilt das Gesetz „HWG“ (Hauptsache was geschwallt). Falls man zitiert, werden Zitate dann noch zur „Leseerleichterung“ mit eigenem Text bunt durcheinander geworfen damit auch sicher keiner mehr erkennt, wer was (v)erbrochen hat. Und immer wieder merkt man sofort, dass diese Autoren nicht einmal die rudimentäre Fähigkeit des halbwegs akuraten sprachlichen Ausdruckes besitzen.

Und damit nicht genug: Ein Moderator namens „Andreas“ befleißigt sich noch, sich und seinen angeschlossenen „Tauchexperten“ zu bescheinigen: „Hallo zusammen, insgesamt ist dies doch eine durchaus erfreuliche Diskussion mit nur sehr wenigen Ausrutschern nach unten.“ Na ja, halten wir dem Manne mal zu Gute, dass er selber einer dieser „Tauchexperten“ ist und daher eine gewisse Betriebsblindheit zu seinem Job nolens volens dazu gehört.

Ja, es ist summa summarum einfach ganz entsetzlich. Aber es ist eben „taucher.net“. So wie es seit Jahren ist. Nur schlimmer. Wenn es nicht so zum Weinen wäre, könnte man lachen. Aber es geht nicht.

DER Thread

Und hier als krönender Absch(l)uss noch die Mail eines „Taucher.net“-Mitgliedes an meinen Tauchpartner C.:

hallo meiner 
beim lesen sind mir so einige dinge aus dem leben hochgekommen... nach den
erstennnnn fehler´n ( flaschen V; gewoehhhhhnungsgeschichtchen;
verantwortunglose duldung des MOEGLICHEN selbstmordes = unterlassene
hilfeleistung) hab ich leider :·((( deine storry verworfen. du tauch´st wie
du sagst LANGE zeit & tief. ein verantwortungvoller TAUCHER taucht so
nicht... schoen von dir NICHT zu hoern!!!

Orthographie: ungenügend. Inhalt unverständlich. Gesamteindruck: einfach nur peinlich. Ich frage mich immer, wie solche Leute überhaupt je einen Tauchschein bestehen konnten. OK, seit man bei bestimmten Anbietern nur noch ankreuzen muss, geht das wohl. :-(((

 

 
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Verfasst von - 25. November 2018 in Tauchen, Uncategorized

 

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Tauchbasenbericht „Sea Horse“, Hurghada

Auch dieses Jahr stand wieder der traditionelle Trip in Süden an. Wie immer in den Herbstferien war Hurghada das am Besten geeignet erscheinende Ziel. Nach dem eher bescheidenen letztjährigen „Event“ war guter Rat jedoch teuer. Denn wenn man schon mehrere hundert Euro für Flug, Hotel und Tauchen ausgibt, sollte es dann doch auch „etwas Gescheites“ sein. Ein bayerischer Tauchsportfreund, der wie ich auch das ganze Jahr im kalten Süßwasser taucht und ebenfalls das Bedürfnis hegte, seinen Trockentauchanzug gegen etwas leichtere Bekleidung einzutauschen, empfahl mir die Basis „Sea Horse“ in Hurghada. OK, gesagt, getan: besager Tauchfreund und 2 weitere Taucher aus meinen Club machten daher sich gemeinsam auf, um diese Basis mal einem ausgiebigen 😉 Test zu unterziehen.

Machen wir es kurz: Es gibt nicht viel zu beklagen. Das Tauchen war genau so, wie wir es uns wünschten: Keine Gängelei, gute Tauchplätze und entspannte Atmosphäre an Bord und auf der Basis.

Zu den Details: „Sea Horse“ befindet sich im Norden von Hurghada, in der Nähe des Hilton Plaza Hotels direkt am Meer an einer kleinen Marina von wo aus auch die Boote ablegen. Sie sieht von außen nicht so aus wie die anderen Tauchbasen in Hurghada sondern gleicht von außen eher einem außerirdischen Raumschiff. ;-))

Es sind 3 eigene Schiffe vorhanden, 2 Tagesboote und ein Safariboot. Soweit ich erkennen konnte waren diese in einem sehr guten Zustand. Wenn viel Betrieb ist (wie das bei uns der Fall war) wird ein Boot zusätzlich angemietet (hier die „Salem One“). Die hätte allerdings mal eine kleine Überholung in Gestalt einiger Eimer Farbe und einiger Schweißnähte an der Reling nötig.

seahorse1

Der Innenbereich der Tauchbasis ist sauber, ordentlich und zweckmäßig eingerichtet. Nicht das „Bruchbudenfeeling“, das man gelegentlich erlebt. Und auch wenn es kein „Shaab Stella“ wie bei J&M gibt, konnte man sich gegen Abend noch gemeinsam niederlassen und das übliche „Dekobier“ in Gestalt einer Flasche ägyptischen Gerstengebräus einverleiben.

„Sea Horse“ hat als Untermieter übrigens noch eine französische Tauchbasis, die einen Nebenraum belegt. Während unseres Aufenthaltes waren die meisten Gäste Franzosen und nur wenige Deutsche. Ich mag das (zeitweise dache ich, ich sei bei Sub Plongee 😉 ) und mit ein paar Grundkenntnissen in Französisch konnte man sich sogar unterhalten.

Tauchgeräte und Preise

Es sind Alu- und Stahlflaschen im Angebot, jeweils in den Größen 12 und 15 Liter. 12-Liter-Stahl-Tauchgeräte werden nicht extra berechnet, für die 15-Liter Ausführung kommen je Tag 3 Euro hinzu. Ein wirklich akzeptabler Preis, wenn man nicht mit den Aluflaschen tauchen will. Ich habe mir jedenfalls diesen „Luxus“ gegönnt und am Ende des Urlaubs hatte ich durch die Ersparnis von 2 bis 3 kg Blei deutlich weniger Rückenprobleme.

Auch die Preise für Tauchgänge sind moderat. Wenn man 10 TG im Paket bucht, kostet dieses 150 Euro. Es kommen am Ende des Urlaubs noch je Tag 3 Euro „Umweltschutzgebühr“ hinzu (wofür die verwendet werden erschließt sich mir nicht ganz, es scheint sich aber um eine Auflage der ägyptischen Regierung zu handeln).

Tauchbetrieb

Die Organisation des Tauchbetriebs ist reibungsfrei. Trotz des großen Aufkommens an französischen Tauchgästen, die zeitweise mehrere Boote belegten, gab es keine Probleme. Die Tauchausrüstung wird in einem kleinen Abstellraum aufbewahrt, man erhält die übliche Plastikbox für die eigene Ausrüstung. Auf Wunsch trägt oder fährt einem die Bootsbesatzung sogar das Material auf das Boot. Aber das muss nicht sein, auch mit über 40 sollte man das noch alleine können ;-)) .

Das Verladen der Flaschen durch die Bootsbesatzung geschieht allerdings manchmal etwas unkonventionell, wie das obige Bild zeigt.

Tauchbeschränkungen

Die üblichen Tauchbeschränkungen wurden ausgesprochen: Maximale Tiefe 40 Meter, Restdruck der Flasche bei Erreichen des Bootes 50 Bar, auf dem Boot 40 Bar, keine dekompressionspflichtigen Tauchgänge. Kontrolliert wurde das allerdings nie, wiewohl sich die Tauchguides angenehm im Hintergrund hielten. Warum manche Tauchgäste dann trotzdem so doof sind und am letzten Tag lauthals verkünden müssen, dass sie gerade auf 50 Metern waren, verstehe ich dagegen nicht. Man taucht und hält die Klappe und gut is‘.

„Check Dive“

Neue Taucher machen den üblichen Checkdive, der knieend am Grund einige Übungen beinhaltete. Für mich eher ungewohnt war, dass diese Eingangsüberprüfung in einem Bereich stattfand, in dem wenig Sand dafür aber viele kleine Korallenstöcke vorhanden waren. Ich persönlich habe gewisse emotionale Schwierigkeiten, mich da einfach niederzulassen. Diese Wahl des Ortes für solche Übungen würde ich dann doch nochmal überdenken…

Tauchplätze

In den 5 Tagen unseres Urlaubs fuhren wir hauptsächlich Tauchplätze im Norden von Hurghada an (Umm Gamar, El Fanadir, etc. Und natürlich das überaus beliebte „Shaab Alle ma‘ lache“ ;-)) )). Dort tauchten wir fast immer bis auf 40 Meter und absolvierten lehrbuchgerechte Tauchprofile mit entsprechend korrekter Austauchphase. Was ich sehr angenehm fand war der Umstand, dass im Gegensatz zu meinen letzten Aufenthalten in Ägypten (bei dem bekanntesten Taucherverschiebebahnhof am Roten Meer) bei „Sea Horse“ bewusst Plätze mit Steilwänden bzw. Abhängen ausgewählt wurden und man nicht tagelang im 12- bis 15-Meter-Bereich Pressluftschnorcheln praktizierte und ein TG dann auch noch um die 20 Euros kostet. So gesehen stimmt bei „Sea Horse“ das Verhältnis von Preis und Leistung unbestreitbar.

Fazit zur Basis

Im Gegensatz zu bestimmten negativ geladenen Berichten, die man im sog. „Taucher-Netzzzz“ lesen kann und die wohl von eher unerfahrenen Tauchern lanciert werden, weil sie meinen, bei der Basis nicht auf ihre Kosten zu kommen (ja, Jungz, ich lese manchmal ebenfalls das „Taucher.netzzzz“, auch wenn’s weh tut!), lautet unser Urteil: Für geübte Sporttaucher ist eigenverantwortliches und selbstständiges Tauchen möglich, keine Nanny geht einem zur Hand. Aber ob andererseits ein AOWD mit 50 Tauchgängen zu dieser Klientel der geübten Taucher gehört, steht einfach zu fragen. Fallweise könnte das nämlich nicht unbedingt so sein. Und wer professionelle Begleitung braucht, bekommt die natürlich auch, dann gegen einen entsprechenden Aufpreis.

Soll heißen: Die Basis „Sea Horse“ in Hurghada ist aufgrund des Erlebten für erfahrene eigenverantwortlich tauchende Hobbyaquanauten als „empfehlenswert“ zu beurteilen.



And now for something completely different:

Die Taucher an Bord unseres Bootes waren dem Augenschein nach insgesamt recht fähig, was das Beherrschen der Tauchtechniken betrifft. Aber darüber hinaus gab es natürlich auch die üblichen Großsprecher, die ungefragt ihren Senf zu allen Themen beisteuern mussten und einen ungefragt an ihrem umfangreichen Tauch(halb)wissen und Lebensweisheiten teilhaben ließen. Mittlerweile stehe ich solchen Damen und Herren jedoch sehr tolerant gegenüber, was nicht immer so war. Heute weiß ich es durchaus zu schätzen, wenn mir ein erfahrener „Alter Hase“ mit bald 250 TG im Logbuch wertvolle Tipps aus seinem reichen Erfahrungsschatz mit auf den Weg gibt und mir beispielsweise sagt, warum ich beim Nachttauchen meine Lampe ausschalten muss. Und mit dem fortschreitenden Alter kommen die Weisheit und die Duldsamkeit quasi von alleine. Auch bei mir. ;-)))

Außerhalb unseres Bootes sah es allerdings ganz anders aus: Die Gewässer um Hurghada scheinen mittlerweile zu einem Tummelplatz für Nichttaucher oder generell Tauchunfähige zu verkommen. Zeitweise hatte man unter Wasser wirklich den Eindruck, eine geschlossene psychiatrische Klinik mache hier einen Gruppenausflug mit ihren schwersten Fällen und veranstalte so eine Art Unterwasser-Spiel-Therapie.

Da wurde unter Wasser herumgetanzt (ob Walzer oder Foxtrott ließ sich leider nicht genau eruieren), „Hoppe-Hoppe-Reiter“ gespielt, gnadenlos von „Schnupptertauchern“ das Riff zerlegt und anderer debiler Unfug mehr angestellt. Tauchen alleine reicht heute wohl nicht mehr. Könnte ja langweilig werden.

Wenn man unterhalb von 20 Metern Wassertiefe tauchte, waren die Grenzdebilen jedoch schnell verschwunden und man hatte zumindest zeitweise seine Ruhe. Aber auf der Deko- Verzeihung „Austauchphase“ sah man die Spinner regelmäßig wieder wie sie gnadenlos durch das Riff schreddern. Und weil Bilder mehr als 1000 Worte sagen, gibt es nun die Highlights in zeitgemäßer Form. Die Fotos und Videos hat Christian Stegmayr, teilweise unter Einsatz seines Lebens ;-), beigesteuert.

Und hier die ultimative „Deppdiver“-Parade:

(C) 2009 Peter Rachow

 
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Verfasst von - 25. November 2018 in Tauchen, Uncategorized

 

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James & Mac 2008 – Take a walk on the PAID-Side…

Wieder mal Eintauchen in die „Spaßgesellschaft“

Morgens, halb acht. Es gibt aber kein Knoppers (schließlich ist weder halb zehn noch sind wir in Deutschland) sondern es ist Frühstückszeit im Giftun-Hotel, Rotes Meer, Ägypten. Und bereits zu dieser frühen Stunde kann man schöne Studien betreiben. Wenn man die Augen aufhält, zumindest.

Was fällt auf? Nun, manche Leute müssen schon beim Frühstück kurz vor 8:00 Uhr rauchen:

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Wie widerlich ist das denn? Apropos „Rauchen“. Diese Gegend der Welt ist für eingefleischte Nikotinjunkies noch ein echtes Eldorado, wo man dem Lungenkrebs und anderen Raucherkrankheiten noch eine faire Chance gibt. Im Giftun-Hotel gibt es eine Nichtraucherzone im Speisesaal. Das ist alles. Überall sonst darf hemmungslos giftiger und krebserregender Abbrand verbreitet werden: In der Hotellobby, den Bars, dem Internetcafé gibt es keine Beschränkungen. Willkommen in der Steinzeit des Nichtraucherschutzes!

Gehen wir wieder zurück zum Frühstück: Ca. 3 Tische weiter vor mir sitzt z. B. einer und dreht mir den Rücken zu. An sich nichts Ungewöhnliches, aber der junge Mann trägt ein T-Shirt. Auch nicht gerade ungewöhnlich. Aber darauf steht irgend etwas mit „Shut up“. Und jetzt wird’s interessant: „To shut up“ ist Englisch und heißt auf Deutsch „Schnauze halten“. „Und warum bitte soll ich die Schnauze halten?“, frage ich mich verblüfft. Ich versuche, rein aus Neugier, den Rest der Aufschrift zu entziffern. Irgend eine Botschaft muss doch dahinter sein. Geht aber nicht, die Stuhllehne hat etwas dagegen und verdeckt bösartig die „Messidsch“.

Dann steht dieser Mensch plötzlich auf, um sich etwas am Buffet zu holen. Und jetzt erkenne ich schlagartig die ganze Tragödie. Auf seinem T-Shirt steht in großen fetten Buchstaben: „Shut up and DIVE Hurghada„. „Arggghhhhhh“, denke ich mir, „wie kann man nur so blöd sein?“. Schnauze halten und in Hurghada tauchen. „So muss das wohl heute sein…“ ist mein Gedanke bevor der Magen krampft.  Dieser selten dümmliche Slogan passt aber irgendwie. „Mund halten und Spaß haben!“. Jo mei, wo samma denn hier?

Ach ja, um die Antwort nicht schuldig bleiben zu müssen: Nach einem Jahr bin ich (vielleicht, weil ich gerade etwas dem Müßiggang nachhing? 😉 ) wieder bei „James & Mac“, einer der größten Tauchfabriken am Roten Meer, aufgeschlagen. Mal wieder bunte Fische gucken und an der Spaßgesellschaft teilhaben. Muss sein. Muss das wirklich sein? Egal, sei es wie es sei, mein Budget beträgt diesmal ca. 200 Euro, dafür sollten 10 Tauchgänge drin sein. Sind sie auch, ein TG schlägt mit 22 Euronen zu Buche, also findet man hier eine relativ moderate Preisgestaltung vor. Auf eine Online-Vorbuchung verzichte ich bewusst, denn das bedeutet, das Geld vorab zu überweisen. Wenn man dann von der Basis fliegt, ist die Kohle wohl futsch oder man muss ihr lange hinterher laufen. Also wird „cash“ bezahlt, was allemal sicherer ist. Zumindest wenn man, wie ich, nicht gerade „Paid“-kompatibel ist und schon gelegentlich von einer Basis geflogen ist.

„Tauchspaß pur“? Kommt darauf an…

Morgens auf der Basis. Almauftrieb. Zuerst fällt mir auf, dass viele Tauchgäste morgens kurz vor acht bereits die erste (oder die zweite oder gar dritte?) Lulle im Mund haben und stinkende Wölkchen verbreiten. Hat sich im Vergleich zum letzten Jahr nicht verändert. Rauchen und Tauchen passen ja auch super zusammen. Die Bronchien bleiben frei und gelöst, „Air-trapping“ ist ein reiner Mythos. Das Blut kann zudem besser mit Sauerstoff gesättigt werden weil man beim Rauchen kein Kohlenmonoxid einatmet, das den Hg-Rezeptor blockieren könnte. Außerdem wird man durch Tabakkonsum körperlich ungeheuer fit und die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit steigern sich enorm. Und ein dezenter Husten sichert einem zudem die Aufmerksamkeit der Umgebung. Und so wird in der Bar der Tauchbasis bereits zu früher Stunde gequalmt, was das Zeug hält. So stelle ich mir „Tauchsport“ vor.

Und auf den Booten geht es gerade so weiter mit der Stinkerei. Gäste und Guides rauchen gerne und viel. In der ganzen Zeit, die auf der Basis zugegen war, fand sich kein Diveguide an Bord, der/die nicht exzessiv Kippen durch Anzünden und Inhalieren der giftigen Abbrandgase vernichtet hätte. Rauchen macht das Tauchen ja auch deutlich sicherer, siehe oben. Außerdem steht der Diveguide dann als cooles Vorbild da, denn das weiß doch jeder: Raucher sind cooler, besser drauf, geselliger und aufgeschlossener als Nichtraucher. Oder sollte es doch nur schnöde Nikotinsucht sein, die die Damen und Herren regelmäßig zum „Cancer Stick“ greifen lässt?

Tauchbetrieb

Das Wetter war sehr windig, so dass nur wenige Tauchplätze angefahren werden konnten. Die Auswahl war also erheblich eingeschränkt, die meisten Tauchgänge führten in Tiefen von 8 bis 12 Metern.

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Diese TG hätte man also auch apnoe machen können, was aber wegen der oben anstehenden Welle und den dort herum fahrenden Booten nicht empfehlenswert gewesen wäre. Nur bei 2 TG konnte ich ca. 40 Meter erreichen. Die Ankerplätze waren oft überlaufen, einmal zählten wir an einem Platz 22 (!) Tauchboote. Wer Tauchindividualismus sucht, ist also In dieser Gegend der Welt relativ falsch.

Die meisten Leute, die die Basis frequentieren, tauchen mittlerweile Nitrox, was bei TG im 10-Meter-Bereich sicher extrem sinnvoll ist. Achtung: Auch der vorige Satz könnte Ironie enthalten haben 😉 .Es war „easy diving“ pur, wie aus dem PADI Leerbuch (Schreibweise ist Absicht!). Auf die allmorgendliche Frage der Guides bei der Bootsausfahrt, wo man denn tauchen möchte, wollten viele Leute nämlich explizit leichte Tauchgänge machen, so dass die Guides diesem Wunsch wohl gerne entsprachen. Strömungstauchen? Zu schwierig. Wellen? Och nöh, lieber nicht. Tiefer gehen? Neee, danke!

Jedem, der bei dieser Basis taucht muss folglich klar sein, dass der allergrößte Teil der Gäste ungeübte Taucher mit einer höchstens 2-stelligen Tauchgangszahl sind. Dies war zumindest nach meiner Beobachtung so. Das daraus folgende Problem ergibt sich, wenn man als erfahrener Taucher alleine reist und gewisse Ansprüche an das Tauchunternehmen hält. TG nur mit einer Schnorcheltiefe werden dann nämlich irgendwann langweilig auch wenn Fische und Korallen noch so bunt sind und man den ersten „LaNaBüBa“ seines Lebens sichtet. Allerdings haben sich die Guides bemüht, mir adäquate Tauchpartner zuzuweisen, was bis auf einen Fall (siehe unten) immer gut funktioniert hat.

So tauchte ich also gemütlich mal mit diesem, mal mit jenem. Übel ist bei jedem TG die Aluflasche. Ich habe Rückenschmerzen, der Bleigurt drückt mit einem Äquivalent von 10kg auf die Lendenwirbelsäule. Die gleiche Ausrüstung tauche ich meiner 10er aus Stahl im Süßwasser komplett ohne Blei. Mit jedem TG wird es schlimmer. In meiner Not schiebe ich den Bleigurt auf das Gesäß, das hilft etwas. Der Gesäßmuskel ist wohl vom vielen Radfahren besser trainiert. 😉

Nach 8 vollkommen stressfreien Tauchgängen mit genügsamen Tauchpartnern kam am letzten Tag dann doch der lang ersehnte Höhepunkt. Meine unheimliche „Begegnung der 3. Art“ mit dem PADI-System. Am Ende meiner Tour wurde ich nämlich Frau Diveguide persönlich, nennen wir sie einfach mal „B.“, zugewiesen.

Grundsätzlich habe ich kein Problem mit PAID-Tauchern unter Wasser zu gehen, so lange sie a) mich nicht gefährden und b) mich in Ruhe tauchen lassen. Der Punkt b) war aber bei B. das Problem ;-).B. ist nämlich eine 150%ige PADI-Anweiserin und hat PADI quasi verinnerlicht. Sie l(i)ebt PADI. Und deshalb schwadronierte sie schon beim Briefing unablässig von der „Nullzeit“, die man keinesfalls überschreiten dürfe und die man daher immer im Blick haben müsse. Wenn die Gute wüsste, wo mir die „Nullzeit“ alles vorbeigeht. Wenn man mit einer 15er-Stahlflasche Dekozeiten von 40 Minuten erreicht, relativiert sich der Begriff „Nullzeiut“ sehr schnell.   ;-).

Wir tauchten also ab zu einem Korallenblock, den die Diveguides figurativ „Pizzaofen“ nennen und der auf ca. 25 m Wassertiefe liegt. Darunter geht das Riff in eine Steilwand über. In gewohnter Manier steuerte ich nach Inspektion des Korallenblocks den Tiefenbereich um 40 Meter an. B. hatte vorher beim „Briefing“ erklärt, sie „würde mir einfach hinterher tauchen.“ Bei knapp 40 Metern drehte ich dann aber doch lieber um, weil ich B., die wohl nicht unbedingt so „entsetzlich“ tief tauchen wollte (immerhin befand ich mich auf 39 Meter Wassertiefe, was schon ziemlich gefährlich ist) und daher immer einige Meter über mir war, ersparen wollte, mir später einen Vortrag über die unermessliche Gefährlichkeit des Tieftauchens halten zu müssen. Denn ich kenne diese Vorträge von PADIsten zur Genüge und finde sie mittlerweile eher langweilig. Allerdings wäre ein Basenverweis mal wieder lustig gewesen.

Einige Minuten später, wir waren wieder bereits auf ca. 30 Meter Tiefe, zupfte mich B. an der Flosse. „Hoppla“, dachte ich mir, „was habe ich denn nun wieder falsch gemacht? Koralle abgebrochen, ‚LaNaBüBa‘ zu Tode erschreckt, unanständig gerülpst (‚Schuuuuuuuuulz!‘, denn wer rülpst, muss „Schulz!“ sagen! 😉 ) oder was? B. deutete auf meinen Bleigurt. Ich konnte keinen Fehler erkennen, gab das OK-Zeichen und tauchte weiter. (Später meinte B., es sei schlecht, dass mein Bleigurt die Schnalle hinten habe, das sei gefährlich. Ja, nach längerem Nachdenken wurde auch mir klar, dass man daran sterben kann. Wenn sich die Schnalle nämlich im Schließmuskel verkeilt, kann das tödlich enden.;-) )

  1. tauchte langsam, was vielleicht auch daran liegt, dass sie, wie alle Diveguides, Kippen raucht und daher etwas außer Puste war. Ich war jedenfalls viel zu schnell für sie. B. gab mir folglich Zeichen, langsamer zu tauchen. Sie fing langsam an, zu nerven. Und zwar richtig. „Du solltest mal mit Christian Z., meinem alten Tauchkumpel, tauchen“, dachte ich mir, „der ist doppelt so schnell wie ich un d geht dopelt so tief runter wie Du. ;-)“

Der Abstand von B. und mir vergrößerte sich zusehends, was mir als Solotaucher aber kein besonderes Problem bereitet. B. hatte aber so ein Klimperdings dabei und rasselte alle 5 Minuten damit. Langsam nervte es heftig. Funkbotschaften finde ich zwar spannend, aber nicht unter Wasser wo ich einfach meine Ruhe haben will. Mein nächster Fehler: Ich hatte vergessen, Frau B. anzuzeigen, dass ich noch 100 bar Restdruck habe. Warum auch? Das habe ich a) noch nie gemacht und b) führte ich ja der Absprache gemäß den Tauchgang und plante ihn entsprechend. Wenn, dann hätte B. mir ihren Restdruck anzeigen müssen, hat sie aber nicht. „Die ticken schon komisch, diese PAID-Guides“, dachte ich mir.

Nach 52 Minuten endet dieser TG und B. erklärte, sie möchte mit mir reden. Sie macht ordentlich einen auf wichtig und erläuterte mir, sie fände ziemlich daneben wie ich tauche. Das „Buddysystem“ sei ja für mich total nicht existent. Und daher würde ich gefährlich tauchen. „Aha. Wie schön.“, ich muss einigermaßen verständnislos geguckt haben….

Derlei Äußerungen verursachen mir allerdings heute nur noch sehr wenig Verdruss und in aller Ruhe erklärte ich ihr, dass dieses vielgelobte „Buddysystem“ ein ziemlich untaugliches Konstrukt sei, was es nur gäbe, weil moderne Ausbildungsorganisationen es nicht vermögen, ihre Tauchschüler zu kompetenten Tauchern auszubilden und weil viele Freizeittaucher ihrem Hobby höchstens nur wenige Tage im Jahr im Urlaub nachgehen und daher völlig ungeübt an die Sache herangingen. „Der Blinde führt den Lahmen“ ist heute im Tauchen Realität. Das ganze nennt sich dann „Buddysystem“. Wenn denn wenigstens ein System dahinter wäre. Aber nicht mal dem Begriff wird dieses Ding gerecht.

Die potenzielle Gefahr hinter diesem „System“ wurde besonders deutlich, wenn man sich die Tauchfähigkeiten mancher Mittaucher mal ansah: Rudern mit den Händen zur Lagestabilisierung, Flossentechnik à la „Radfahren“ etc. etc. Ich möchte nicht wissen, was hier passieren würde, wenn mal einer dieser Neptunsjünger in eine ernste Situation käme. Ob sein mit den Händen rudernder „Buddy“ ihm eine nennenswerte Hilfe sein könnte, diese Frage lassen wir mal bewusst offen.

Schlimmer war noch die Denkweise von B.: „Wer solo taucht, taucht gefährlich.“, das war der Tenor ihrer Aussage. „Hast Du schon mal jemanden neben Dir sterben sehen?“, fragte sie allen Ernstes.

Das Erschreckende ist: Sie glaubt das, was sie sagt, wirklich. Der PADI-Brainwash wirkt. 100%. Diese Leute haben nie gelernt über den schmalen Tellerrand ihrer PADI-Manuals hinauszudenken. Auf meine Einwürfe, das Buddysytem sei untauglich, weil es die mangelnden Fähigkeiten eines Tauchers durch die mangelnden Fähigkeiten seines Mittauchers auszugleichen suche (nennt man das dann eigentlich auch „Synergieeffekt“? 😉 ) entgegnete sie nur, das „Buddysystem“ sei aber Standard bei „James & Mac“. Prima. Damit lässt sich letztlich alles rechtfertigen. Die Todesstrafe ist auch „Standard“ in den USA und China. Wird sie deshalb automatisch weniger inhuman?.

Und man muss sich schon fragen, wie jemand eingestellt ist, die beim Briefing vor allen anderen erklärt, wenn keiner mit ihr tauchen würde, ginge sie „eben alleine“ sich dann im Nachgang als nicht im Mindesten solotauglich erweist. Des Weiteren muss ich einfach bei jemandem, der täglich Tauchanfänger durch den Teich zieht, schlichtweg davon ausgehen können, dass diese Person in der Lage ist, völlig ohne fremde Hilfe zu tauchen. Denn wer Tauchanfänger begleitet (und das ist ja die ureigenste Aufgabe eines Diveguides) der darf kaum erwarten, im Ernstfall von diesen Hilfe erwarten zu können. Also habe ich bei B. wohl eine ausreichende Solokompetenz voraussetzen können. Wenn die nicht vorhanden ist und diese Person auf das „Buddysystem“ vertrauen muss, ist sie letztlich ungeeignet für den Job, den sie ausübt.

Und das bringt mich zum entscheidenden Gedanken: Wo bleibt eigentlich das kritische und hinterfragende Denken bei solchen Menschen? Hat hier die Schule oder die Erziehung versagt? Es kann doch nicht sein, dass eine Organisation wie PADI allen Leuten einen unglaublichen Unsinn mitgibt und dass keiner diesen Mist kritisch hinterfragt und keiner merkt, was für einen Blödsinn man unter’s Volk streut.

Und nun das Beste zum Schluss: Beim „Briefing“ für den zweiten Tauchgang schloss B. am Ende, nachdem die „Buddyteams“ bekannt gegeben wurden mit einer öffentlich vorgetragenen Forderung an meine Adresse: „Peter, aber diesmal bitte im ‚Buddyteam!“. Ich entgegnete diplomatisch zurückhaltend mit Verweis auf „Kaiser Franz“: „Schau’n ‚mer mal!“. Darauf sprang eine neu an Bord gekommene Mittaucherin, die offenkundig ein nicht ganz unerhebliches (Über-)Gewichtsproblem hat, und sich ihre Flossen nicht mal alleine zumachen konnte, auf und brüllte vor versammelter Mannschaft herum, ich solle doch die „Autorität“ dieser „Tauchlehrerin“ anerkennen und mich in das Buddysystem einreihen.

Meine ausnehmend gute Erziehung verbot mir allerdings, dieser Repräsentantin der „tauchsportlichen Leibesfülle“ zu erklären, dass ich a) PADI-Anweiser nicht als „Tauchlehrer“ sehe, da ich der Meinung bin, dass ein Lehrer etwas mehr können muss, als anderen Menschen lediglich die dürftigen „Weisheiten“ seiner Franchisekette zu übermitteln und sich b) Autorität wohl kaum auf ein PADI-Kärtchen stützen könne sondern hier eine inhaltliche Dimension vonnöten sei. Denn schließlich leitet sich der Begriff „Autorität“ vom lat. „auctoritas“ ab, der „Urheberschaft“. Wer Autorität beansprucht hat also zuvorderst erst einmal eine Leistung zu erbringen.

Stattdessen beendete ich diesen Verbalausfall schnell, indem ich ihr erkläre, dass mich ihre eigene „Autorität“ (immerhin war der Brüllanfall bei wohlwollender Betrachtung schon eine gewisse Leistung, ich hätte ihn zumindest mit einer 4- bewertet 😉 ) gerade ungeheuer weiter gebracht habe. Die etwas füllige Dame wurde daraufhin ebenso schnell still wie sie aufbrauste. Ich schloss mich sodann einer anderen Gruppe an und hatte meine Ruhe. Bitte, warum denn nicht gleich so? War sowieso der letzte Tauchgang dieses Urlaubs.

Apropos „Tauchsicherheit“: Auf der Basis traf ich keinen Diveguide, der nicht geraucht hat. Rauchen stellt ein Risiko beim Tauchen dar. Das ist aber komischerweise kein Thema bei den Damen und Herren Guides. Genau so wenig wie eine geplante Tour, von der ich bei einem Mittaucher vernahm: Dort sollte die Möglichkeit bestehen, 5 (in Worten: FÜNF!) Tauchgänge an einem Tag zu absolvieren. Und das soll dann sicher sein?

Ich würde mir wünschen, dass diese Leute einfach mal das Nachdenken anfangen. Aber dieser Wunsch wird sich nicht erfüllen. Leider. Ignoranz ist nicht ausrottbar.

Was war positiv an der Woche bei „J & M“?? Ein paar nette Leute kennen gelernt, bunte Fische geguckt, ausgespannt, gut erholt und um ein paar Erfahrungen reicher auf dem Weg nach Hause ins kalte Grünwasser. Ach ja, und der SBTC4 hat super funktioniert. 😉

Und was mache ich dann nächsten Herbst? Sicher keinen 3. Besuch bei „J & M“. Auf das T-Shirt, das man nach dem 3. Mal erhält, verzichte ich bewusst. Eventuell probiere ich mal das Mittelmeer im Frühherbst. Soll ja auch schön sein. 😉

Und zum Abschluss: Die morgendliche Taucherkarawane:

(C) 2008 Peter Rachow

 
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Verfasst von - 25. November 2018 in Uncategorized

 

Hurghada „James & Mac“ – Eintauchen in die Spaßgesellschaft

Nach fast 3 Jahrzehnten Taucherei war es an mal wieder an der Zeit, etwas Neues zu entdecken. Nach all den Jahren im trüben Baggersee, im kalten Bodensee, auf kleinen, mehr oder weniger desorganisierten Tauchbasen in Griechenland, Spanien, Frankreich oder Malta, den zwei Trips auf einem Albtraumschiff im Mittelmeer und verschiedenen Tauchzielen am Roten Meer sollte gerade in Bezug auf letztere Destination die Entdeckung von Neuland folgen: Eine der „Big 5“-Basen in Hurghada. Für Hurghada hatten wir uns entschieden, weil hier eine Tauchbasis neben der anderen liegt und wir im Falle eines Rauswurfs mehr Auswahl an Alternativen gehabt hätten als in Safaga oder noch weiter südlich.

Die Wahl fiel daher zuerst einmal auf „James & Mac“, da meine allerbeste Hälfte dort von fast einem Jahrzehnt die ersten Flossenschläge machte. Also nahm sie gleich Kontakt mir der Basis auf, im Informationszeitalter praktischerweise mit E-Mail.

Die Kommunikation per E-Mail lief reibungsfrei, und man sicherte uns auch zu, gleich am ersten Tag aufgrund unserer Brevetierung (CMS***), unserer Tauchgangszahl p.a. und unserer Taucherfahrung (1000+, 1400+ TG) ohne den obligaten Check-TG gleich an einer Ganztagesausfahrt teilnehmen zu können und nicht die Spezialausfahrt für Neuankömmlinge buchen zu müssen, auf der der Rundum-Check durchgeführt wird und die jeweils später startet und nur einen TG beinhaltet. Dies spricht sicher für die Basis, da das Personal in der Lage ist, ein Brevet einschätzen und ein Logbuch (oder mehrere) lesen zu können.

Am ersten Tag in Ägypten wurden wir also vom kostenlosen Zubringerservice der Basis direkt vor unserem Hotel abgeholt und „checkten“ ein. Die üblichen Anmeldeformalitäten waren schnell erledigt. Ab diesem Tag nahmen wir dann an den üblichen Tagesausfahrten teil, die eigentlich nicht näher beschrieben werden müssen, da sie der Leserschaft durchaus bekannt sein dürften.

Die Tauchplätze sind weitestgehend anspruchslos und können auch von Anfängern (weniger als 150 Tauchgänge) problemlos betaucht werden. Selten führte uns ein Tauchgang in mittlere Tiefen von 40 Metern (Tiefenlimit der Basis). Strömung gab es ebenfalls kaum, und wenn, dann nur sehr moderat. Alles in allem, absolutes „Easy Diving“ wie es modernerweise heißt.

Das Gebiet der Riffeum Hurghada ist ein typisches Anfängertauchgebiet, entsprechend stellt sich die Unterwasserszenerie dar: Die überwiegende Zahl der Riffe ist durch den extremen jahrzehntelangen Tauchbetrieb massiv geschädigt. Wir konnten beobachten, dass die Boote zeitweise in 4er-Ketten  an den Ankerseilen der Riffe lagen. Die Taucherzahlen, die man unter Wasser sehen konnte, waren teilweise so hoch, dass man vor Blubberblasen kaum das dahinter liegende Riff erkennen konnte. Laut Informationen eines Basenmitarbeiters verlassen jeden Tag deutlich über 300 Boote die Anlegestellen in Hurghada, um die Taucher für in der Regel zwei Tauchgänge an den einzelnen Riffen abzuladen. Rechnet man jedes Boot zu mindestens 10 Tauchern, so kommt man auf die Anzahl von 6000 Tauchgängen, die pro Tag rund um Hurghada durchgeführt werden müssen.

Hinzu kommen noch die zahllosen „Schnuppertaucher“. Hier hat sich ein besonders eigenartiges System etabliert, bei dem ein Baseninstructor mit gleich 2 Opfern an den Armen in Vorhalte durch die Riffe pflügt. Diese Aktivität wird dem Vernehmen nach als „Russenschubsen“ bezeichnet und wurde in folgendem Bild exemplarisch festgehalten:

russenschubsen

Der Vorteil von „James & Mac“ ist bezüglich der Überlastung der Tauchplätze, dass sie sehr früh und noch vor allen anderen Basen ausfahren, daher dann an den Tauchplätzen die ersten sind und man wenigstens beim ersten TG des Tages halbwegs seine Ruhe hat. Auch dies spricht für die Basis, da man hier mitdenkt.

Zum Tauchbetrieb: Dieser ist nahezu perfekt organisiert, es klappt alles reibungslos und mit deutscher Gründlichkeit – vom Abholservice über die Bootslisten bis hin zum Verleih von Ausrüstungsgegenständen. In jedem Fall muss man sowohl der Basisleitung als auch allen Mitarbeitern bescheinigen, dass sie einen sehr guten Service für vernünftiges Geld bieten. Die Tauchpreise sind dabei moderat, z. B. kosten 2 TG/Tag ab 5 TG 41,-€, die Preise fallen dann gestaffelt weiter, je nach Anzahl der getauchten Tage. Preis und Leistung stehen also in einem absolut vernünftigen Verhältnis zueinander. Auch die Verleihausrüstung ist preisgünstig zu haben und, soweit wir das aus der Ferne beurteilen konnten, in einem sehr guten Zustand.  Bei allen Tauchplatzbesprechungen vor dem Tauchgang konnten die jeweiligen Guides gut die Struktur des Tauchplatzes vermitteln.

Sicherheit: Jeder Diveguide hat einen persönlichen Wenollkoffer dabei, so dass auch die Einleitung einer adäquaten Ersten Hilfe bei einem eventuellen Dekompressionsunfall gewährleistet wäre. Auf den Schiffen konnten wir jeweils auch ein VHF-Funkgerät erkennen, so dass vermutlich auch diesbezüglich die Rettungskette aktiviert werden könnte.

Tauchflaschen: Leider hat die Basis nur 12-Liter-Aluflaschen im Angebot gehabt, die hier das Standardgerät zu sein scheinen. Der Vorteil für die Basis (weniger Korrosionsproblematik beim Eindringen von Wasser) ist der Nachteil des Kunden: Die Flaschen haben einen höchst unangenehmen Auftrieb. In meinem speziellen Fall führte dies dazu, dass ich mit 10kg Bebleiung tauchen musste (Vergleich: Im Trockenanzug im Süßwasser mit 15-Liter-Flasche benötige ich, 89kg, 1,88 m Körpergröße, 8(!) kg Ballast). Auf die Dauer ist dies der Lendenwirbelsäule nicht zuträglich, was sich nach wenigen Tagen an heftigen Rückenschmerzen im LWS-Bereich manifestierte.

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Aber es gibt natürlich auch Schwächen: Wie bereits erwähnt, sind die Riffe teilweise in einem bemitleidenswerten Zustand und der Fischbestand ist in den letzten 5-10 Jahren deutlich zurückgegangen, wofür aber natürlich die Basis allenfalls indirekt etwas kann. Die Basis kann allerdings durchaus etwas für die Taucheinschränkungen, die nicht akzeptabel sind. Man fragt sich schon, warum man immer wieder die gleichen Verbote und Einschränkungen hören muss, die da lauten: „nicht tiefer als 40 Meter“, „keine Dekotauchgänge“, etc. etc.

Hier sollte die Basis dringend differenzierter vorgehen und nicht sämtliche Taucher über einen Kamm scheren. Wer im Dekompressionstauchen ausgebildet ist, sollte natürlich auch Deko-TG’s durchführen dürfen. Wer in diese Gruppe gehört, ist damit auch hinreichend definiert, CMAS*** und höher fallen sicher darunter, so auch die Ausbildungen der neumodischen „Techverbände“ wie „TecRec“ et. al., wenn sie einem vernünftigen Standard genügen, was im Einzelfalle zu klären wäre. Hier könnte die Basis gleich in die Weiterbildung einsteigen und die interessierten Taucher hinführen zu einem anspruchsvollen Sporttauchen, wie es in der traditionellen CMAS-Ausbildung verankert ist, statt vorwiegend Kursprogramme amerikanischer Organisationen anzubieten, in denen dieser Themenkomplex hartnäckig ausgeklammert wird.

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Immerhin kann man vom hohen „Durchsatz“ dieser Tauchbasis aber insofern profitieren, dass die große Kundenzahl der Basis die Möglichkeit gibt, sich nach Kräften zu bemühen, die Taucher auf den Booten einigermaßen anhand der jeweiligen Taucherfahrung „zusammenzusortieren“, so dass bei der Auswahl der Tauchplätze hierauf dann auch Rücksicht genommen werden kann. Das gelang unserer Beobachtung nach sehr gut.

Auffällig ist zudem, dass das Nitroxtauchen heftig propagiert wird mit der zwar grundsätzlich richtigen Aussage, dass es die Dekompressionsproblematik verringere, aber eben primär mit der Maßgabe, dass es die Nullzeit verlängere. Wer vernünftig ausgebildet ist, wird allerdings verstehen, wie komplex die Zusammenhänge sind und dass Nitrox nicht die Lösung aller Dekompressionsprofile und deren Problematik sein kann, sondern dass das Tauchprofil DER entscheidende Faktor ist. Und dass die Nullzeit auch nicht das allein selig Machende ist. Hier wäre, wie üblich, auch noch eine differenziertere Herangehensweise an die Kundschaft und ihr Wissen und Können (und die Verbesserung desselben) von Nöten.

Und Hinweise auf der Basis und ihren Schiffen, dass Zigarettenqualmerei so ziemlich das Letzte ist, was den Tauchern und dem Tauchen dienlich ist, könnten angesichts des auffällig hohen Anteils von Nikotin-Junkies unter Gästen und Mitarbeitern auch nicht schaden. Sehr unschön ist es, wenn man morgens, während man auf das Aushängen der Bootslisten in der überdachten aber trotzdem nur mehr oder weniger offenen Taucherbar „Shaab Stella“ wartet, gleich mal von ein paar Kippenkonsumenten nach allen Regeln der Kunst vollgedampft wird. Hier wäre eine Nichtraucherzone zumindest ein Ansatz, wenn man schon das Rauchen nicht ganz untersagen will. Schließlich hat sich auch in Deutschland das Rauchverbot für Orte, wo Nichtraucher und Raucher zusammen kommen. endlich durchgesetzt.

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Fazit: Die 5 Tage in Hurghada waren ideal geeignet zum „Abhängen“ wie man dies auf neudeutsch ausdrückt. Das Tauchen hat trotz der unschönen Einschränkungen Spaß gemacht und „richtig“ im Meer getaucht wird dann wieder im nächsten Sommer an der Côte d’Azur zu den Wracks wie „Donateur“ und „Togo“ in Tiefen bis zu 60 Metern und das natürlich dekompressionspflichtig. Die Jungs von “ Sub Plongee “ würden uns wohl ganz entschieden den Vogel zeigen, wenn wir die „Togo“ betauchen (GZ 20 min auf 55m) und später stolz erklärten, wir hätten „gar keine Deko gemacht“ sondern seien nach einem „Sicherheitsstopp“ gleich an Bord gegangen. Man würde uns von der Basis werfen. Und dafü hätte ich auch Verständnis 😉 . Und bis dahin haben wir ja den einen oder anderen Süßwassersee mit >50m Tiefe quasi direkt vor der Haustür. 😉

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Verfasst von - 25. November 2018 in Tauchen, Uncategorized

 

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Safaga (ORCA Tauchbasis) – ein finaler Reisebericht

(oder: wie wir von einer Tauchbasis flogen…)

(Oktober 2003)

Freitg, 24.10.2003: Ankunft bei ORCA

Gestern sind wir angekommen und waren ersteinmal todmüde. Trotzdem entschlossen wir uns, abends noch kurz vor 18:00 Uhr zur Tauchbasis zu gehen und uns anzumelden. Dann nahmen wir erschöpft noch das Abendessen ein und gingen danach schlafen.

Bis hierher war alles unauffällig. Aber heute morgen vor der ersten Ausfahrt der Boote kam die Basenbetreiberin, Frau Karin van C., auf mich zu und wollte ein belehrendes Gespräch mit mir führen. Hintergrund: Die Dame hatte den Artikel über unseren letzten Aufenthalt auf „ihrer“ ORCA-Basis gelesen und er hatte ihr nicht besonders gefallen. Besonders die Passagen, in denen die sog. „Techtaucher“ satirisch beleuchtet werden, missfielen ihr. Außerdem glaubte sie herauslesen zu können, dass wir beim Tauchen auf ihrer Basis ihre geheiligte Tiefengrenze von 40 m überschritten haben sollten. Wo das denn in welchem Text dieser Webseite genau stehen solle, konnte sie mir aber auch auf mehrfache Nachfrage hin nicht erklären. Da man desweiteren bekanntermaßen unterhalb von 40 Metern Wassertiefe mit Sporttaucherausrüstung sowieso stirbt, wir beide aber äußerst lebendig sind, kann eine Überschreitung des ORCA-Tiefenlimits durch uns schlechterdings nie stattgefunden haben.

Bei dem Gespräch an diesem Morgen eröffnete sie mir, sie wisse, ich sei “ Lufttieftaucher “ (hört, hört!), und sie fände das „Sch….“. Man sei hier nämlich eine Basis, die sich sehr für das „Tech-Tauchen“ engagiere (ach ja…?), und fände es nicht gut, wenn andere ihre konstruktive Aufbauarbeit in Sachen „Tech“ einfach „in den Boden rammen“ würden. Überdies könne sie es sowieso nicht verstehen, dass ich überhaupt nochmal zu ihrer Basis gekommen sei, da ich offensichtlich die Hälfte der Gäste (nämlich die „Techies“) für Psychopathen hielte. Ich erklärte ihr daraufhin, dass ich ja auch nicht meinen Lebensmittelhändler nur deshalb wechseln würde, weil er auch Produkte im Programm führe, die ich nicht besonders ansprechend finden und demzufolge auch nie kaufen würde.

Und dann wäre ich noch froh gewesen, wenn Frau van C. mir bei dieser Gelegenheit endlich mal den Unterschied zwischen „Tieftauchen mit Luft“ und „Tech-Deep-Air“ erklärt hätte. Mich hätte insbesondere interessiert, warum ich erst einen teuren „Deep-Air-Kurs“ belegen muss, der mir aber nur die „Lizenz“ bietet, „unter optimalen Bedingungen mit Pressluft in Tiefen bis zu 50 m vorzudringen.“ und dabei sogar „auch die Nullzeit überschritten werden darf“ um dann einen noch teureren „TEC-Deep-Air-Kurs“ machen zu dürfen, der sogar als „Lizenz“ herhalten muss, „um mit Pressluft und zwei verschiedenen Deko-Gasen (Nitrox und Sauerstoff) im Tiefenbereich bis max. 66 m tauchen“ zu können, wenn ich auch nur mit Pressluft bis 80 Meter tauchen kann. Hat sie aber nicht. Schade.

Letztlich richtete sich meine Kritik ja nicht gegen die Basis als solche, die zweifelsohne gut organisiert ist, gute Schiffe und freundliches Personal (na ja, jedenfalls bis dato…) hat, sondern gegen deren eigentümliches Geschäftsgebaren, das sich augenscheinlich dadurch auszeichnet, dass man bei den Kunden eifrigst propagiert, dass einerseits Tauchgänge jenseits der 40 m-Marke in jedem Falle und ausnahmslos nur sicher durchführbar seien, wenn man erst einmal teuerstes Geld in einen Tech-Tauchkurs stecke, um dann behängt wie ein Weihnachtsbaum ins Wasser zu springen, dass aber andererseits auch nur solche tauchenden Weihnachtsbäume die einzig wahren Taucher seien. ORCA sprach früher auf ihrer Webseite ja auch in diesem Zusammenhang ganz ausdrücklich von der „Königsklasse“ (!?!) des Tauchens. Und das alles verkauft man dann (im wahrsten Sinne des Wortes) bedenkenlos auch an Kunden, die selbst nach fünf Jahren noch keine 200 Tauchgänge zusammengestöpselt haben, reine Gelegenheits-Urlaubstaucher sind und daher nicht einmal eine konventionelle Pressluft-Ausrüstung wirklich sicher beherrschen und die auch mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit in ihrer gesamten weiteren Tauchkarriere keinen einzigen Tauchgang in Angriff nehmen werden, für den man eine solche Materialschlacht wirklich benötigen würde. Hier wird dann versucht, mangelnde taucherische Grunderfahrung durch ein entsprechendes Mehr an Ausrüstungsbestandteilen zu kompensieren.

Kehren wir zurück zu unserem ersten Tag bei ORCA in Safaga: Des Weiteren erklärte mir dann die Dame, alle Guides ihrer Basis würden „einen Mordshass“ auf mich „schieben“ ob meines Artikels, der sich nach ihren Angaben seit der Ausstellung „Boot 2003“ eines sehr hohen Bekanntheitsgrades innerhalb ihrer Mitarbeiterschaft erfreue. Und dann kam sie zur Sache: Sie erklärte, man würde von nun an „meine Tiefe ganz genau beobachten“. Ich fragte mich in diesem Moment, ob die Tauchboote der ORCA-Basis jetzt auch schon Sonar an Bord haben… Sie erklärte weiter, bei über 40 m würden wir sofort von der Basis fliegen. Meine Nachfrage, ob 40,1 m denn auch schon zu viel seien, wurde prompt beantwortet: „In Deinem Falle schon“. Schön, dass man auch als kleiner Nestbeschmutzer so viel Aufmerksamkeit und bemühende Zuwendung von einer Dame erfährt, die ihre E-Mails bisweilen mit einer ganzen Reihe „Qualifikationen“ unterschreibt (u. a. „Deep-Air-Tech-Instructor“) und die demzufolge eine wirklich herausragende Stellung in der Hierarchie des Freizeitauchens einnehmen muss. ;-))

Das alles war aber auch irgendwie absehbar, kam doch der Inhalt dieses Vortrages einige Tage vorher schon in ähnlicher Form per E-Mail bei mir zu Hause an. Da hatte die Dame mir aber zusätzlich noch „ein kostenloses ‚Schnuppertech‘ am Beach“  mit einem ihrer „Techinstruktoren“ offeriert. Da für mich aber auch nach längerem Nachdenken nicht ersichtlich war, warum ich mit einer Doppel-12, einer Nitrox-Stage (ich habe, wie ich verschämt gestehen muss, gar kein Nitrox-Brevet!), einem Hebesack mit „Reel“ und einem „Tech-Instruktor“ am Strand herumkriechen und dabei sämtliche in Ufernnähe lebenden Wassertiere akut gefährden soll, lehnte ich das Ansinnen dankend ab. Die Dame erklärte mir in der Mail dann noch, ich hätte doch sowieso keine Ahnung vom Tech-Tauchen, ich sei ja nur CMAS***-Taucher und könne mir daher überhaupt kein Urteil über das „technische Tauchen“ bilden. Möglicherweise ist das ja die Ursache für meinen Unverstand: Wer keine Ahnung hat, hat auch keine Einsicht. – Was der Dame aber unbekannt zu sein scheint, ist, dass man sich Wissen auch (teilweise sogar: vorzugsweise !) außerhalb von teuren Kursen irgendwelcher abstruser Tech-Verbände, die ja in jüngster Zeit überall wie Pilze aus dem Boden schießen, erwerben kann. Kleiner Tipp: Lesen bildet! – Und lesen kann ich zumindest. Darüber hinaus können auch Zuhören, stilles Beobachten und der Gebrauch des gesunden Menschenverstandes durchaus lehrreich sein – und so viel preisgünstiger!

Trotz dieser Bedenken, die man offensichtlich uns gegenüber hegte, ließ man uns tauchen. Zunächst jedenfalls. Wir empfanden das als ausgesprochen gnädig und waren zutiefst dankbar. Eingeteilt wurden wir auf das Boot „Don Pierre“ (übersetzt „Herr Peter“). – Zu viel der Ehre ;-)! Mit uns war u.a. auch noch ein Berliner Tauchclub auf dem Boot, der seine Vereinsfahrt machte. Eine lustige Truppe, die immer zu Späßen aufgelegt war, was immer wieder auch einige der Mannschaftsmitglieder zu spüren bekamen, die gnadenlos bei allen Gelegenheiten ins Wasser geworfen wurden. Und zwar in voller Bekleidung! ;-))

Der erste Tauchgang fand am „Gamul Kebir“ statt und war ein sog. „Check-Tauchgang“, weil man wohl bei einem großen Teil der Kundschaft, die heute auf Tauchbasen aufschlägt, nicht davon ausgeht, dass diese Leute selbstständig und eigenverantwortlich tauchen können. Was uns nun aber doch insofern einigermaßen verwunderte, als weder meine Partnerin noch ich bis dato jemals auf dieser Basis einen „Check-Tauchgang“ machen mussten. Aber diesmal war es natürlich anders, man wollte uns zeigen, wer hier die Anordnungen trifft. So durften wir endlich mal wieder die Maske ausblasen und den ausgespuckten Regler zurückerlangen. Sehr schwierige Übung, die uns im Vorfeld bereits mit großer Besorgnis erfüllt hatte und die wir beide nur mit Mühe bewältigen konnten. Wir haben ja schließlich nur „Gold“.Für „Tech-Diver“, die in der „Königsklasse des Tauchens“ spielen, wäre das hingegen ein Leichtes gewesen. Na ja, dem Guide muss die Anordnung seiner Basenleitung wohl genauso sinnfrei vorgekommen sein wie uns: Nachdem er gesehen hatte, dass wir die Übung (wenn auch knapp) überleben konnten und wir uns allein hierdurch nun auch bereits zweifelsfrei als „tauchtauglich“ qualifiziert hatten, ließ er uns unserer Wege ziehen. Ein anderer Neuankömmling an Bord, der nach eigener Aussage schon seit zwei Jahren nicht mehr tauchen gewesen war, musste übrigens keinen „Checkdive“ absolvieren…

Der Tauchgang selbst war nicht schwierig. Max. Tiefe 16 m, flaches Innenriff. Wäre auch nur mit Maske, Flossen und Schnorchel zu machen gewesen. Trotzdem war es sehr nett, in aller Gemütsruhe viele Kleinlebewesen beobachten zu können. Außerdem testete ich den SBTC , denn die Tiefenanzeige war noch nicht genau genug: Die Abweichungen betrugen noch max. +/- 0,5m, und das war zu viel. Das Rote Meer mit seiner in Sporttaucher-Tiefen (wie gesagt: ab 40m Wassertiefe beginnt die Todeszone!) 😉 konstanten Temperatur bot hierfür die ideale Testplattform da Temperatureffekte auf die Druckmessung weitestgehend ausgeschaltet waren. Nächste Woche im Bodensee wird sich das ändern.

Des Weiteren konnte ich während des Tauchens erkennen, dass die Basis es augenscheinlich mit ihren Regeln nicht unbedingt genau nimmt bzw. dass man gegen „unorthodoxe Sporttaucher“ wie uns ganz anders handelt als gegen gut zahlende „Tech-Kunden“. So erklärte der Guide vorher bei der Tauchplatzbesprechung noch, dass man keinesfalls alleine tauchen dürfe. Nicht einmal unten an der Bootsleiter dürfe einer alleine zurückbleiben, wenn sein Tauchpartner schon aus dem Wasser gekrabbelt sei. Trotzdem sah ich kurz darauf unter Wasser einen Menschen von unserem Boot mit Doppel-12 und „Stage-tank“ an der Seite seelenruhig alleine tauchen. Seinen zugehörigen Tauchpartner konnte ich allerdings nirgends sehen. Er hatte offensichtlich keinen. Na ja, quod licet Jovi non licet bovi. Nicht, dass uns das in irgendeiner Weise gestört hätte – mitnichten, machen wir ja selbst auch oft genug, das Solotauchen. Unseren Guide bzw. seine ihn beauftragende Basis störte das offenbar aber auch nicht. Dabei hätte man es ja bewenden lassen können: Leben und leben lassen. Klappte aber nicht.

In der Tauchpause justierte ich den Verstärker des Drucksensors am SBTC neu, um die Tiefenanzeige genauer zu machen.

Der zweite Tauchgang am Ras Abu Soma führte dann auf 40 m (tiefer stirbt man nämlich, wenn man nur CMAS***-Taucher ist!) und beinhaltete keine besonderen Vorkommnisse bis auf die Tatsache, dass die Nachjustierung der Druckmessung am SBTC ein voller Erfolg war. Die Tiefenabweichung bezogen auf einen Suunto Vyper betrug nun nur noch max. +/- 0.1m.

Samstag, 25.10.2003: Der Rauswurf von ORCA

Dieser Tag sollte uns zwei schöne Tauchgänge am Panorama Reef und einen Platzverweis bescheren. Zur Erinnerung: Das Panorama Reef ist eben jener Ort, wo jüngst eben diese Tauchbasis einen ebenso sinnlosen wie hochriskanten Tieftauchweltrekord aufgestellt hat, über den sämtliche Tauchblättchen groß berichtet hatten. Das Besondere an diesem Rekord war, dass er auf eine Wassertiefe von mehr als 220 m führte, was unter Verwendung von Kreislauftauchgeräten geschah, für die der englische Hersteller „Ambient Pressure Valves“ (AP) nur eine Freigabe bis 100 Meter Wassertiefe gibt. Prompt implodierte natürlich bei einem Umgebungsdruck von > 20 bar die Steuerhandkonsole, was bei den Geräten zu einem sofortigen Versagen der Mischelektronik führte, so dass die am Versuch beteiligten „technischen Taucher“ die Oberfläche lebend nur noch deswegen erreichen konnten, weil a) konventionelle offene Systeme mitgeführt wurden (die allerdings von ihrem Volumen her auch nicht ausgereicht hätten, um die Leute lebend oben ankommen zu lassen) und daher b) Sicherungstaucher das Leben dieser wagemutigen Aquanauten retten helfen mussten.

Auf der Fahrt zu diesem “ Rekordtauchort “ wurden wir noch Zeuge, wie ein Kapitän, dessen Boot morgens von der ORCA-Basis kurz vor unserem abgelegt hatte, das Kunststück fertig brachte, seinen Kahn unweit des Ufers mitten auf einen Korallenblock zu setzen. Ruummmmssss! Diese seemännische Glanzleistung führte dann erst einmal dazu, dass unsere Fahrt erheblich vezögert wurde, weil unser Boot den von einem anderen Schiff netterweise freigeschleppten Havaristen sicherheitshalber zum Anlegesteg bei der ORCA-Basis zurück eskortieren musste, da zu befürchten stand, dass das Boot wohl in seiner Manövrierfähigkeit eingeschränkt war.

Danach ging es dann endlich doch noch zum anvisierten Tauchort, den wir nach ca. einer dreiviertel Stunde erreichten. Dort angekommen, legten wir am Südost-Ende des Riffes an. Die Tauchgäste quetschten sich in ihre Ausrüstung, sprangen ins Wasser und tauchten in verschiedene Richtungen davon. Wir entschlossen uns, parallel der Riffwand nach Nordwesten zu folgen und tauchten zügig auf 40 m Wassertiefe ab. Den SBTC überprüfte ich wiederum anhand des Vyper, wobei ich abermals erkennen konnte, dass die Druckanzeige optimal arbeitete. Aufgrund dieser nur noch minimalen Abweichungen entschloss ich mich, fortan nur noch den SBTC, einen analogen Tiefenmesser, die Uhr und die Dekotabelle mitzuführen. Also die Gegenstände, die zur Grundausstattung eines jeden ernsthaften Sporttauchers gehören.

Während des Tauchgangs überprüfte ich die Aufsteigswarnung des SBTC, die zum Aufleuchten einer Leuchtdiode führt, wenn die Aufstiegsgeschwindigkeit von 10m/min. überschritten wird. Auch diese Funktion arbeitete wie gewünscht. Es schien so, als ob das Gerät tatsächlich einwandfrei das tun würde, was man von einem Tauchcomputer erwartet. Sehr schön!

Aufgrund der Tatsache, dass wir durch die Havarie des anderen Schiffes am Vormittag sehr viel Zeit verloren hatten, fiel die Mittagspause und damit die Oberflächenentsättigung der Kompartimente mit gerade mal zwei Stunden einigermaßen kurz aus. Aber egal, es wurden ja sowieso nur Nullzeittauchgänge gemacht und die sind schließlich per Defintion sicher… Dekompressionstauchgänge sind dagegen gefährlich und dies dürfte der Grund sein, warum nur „Techdivern“ bei ORCA gestattet wird, sich außerhalb der magischen Nullzeit zu bewegen. Welche Nullzeit das dann auch immer sein soll…

Für den den zweiten Tauchgang wurde dann das Schiff zum gegenüberliegenden Ende des Riffes verlegt und wir tauchten dort ab. Das Prozedere war das Gleiche wie beim ersten Tauchgang. Wir begaben uns sehr zügig auf 40 m und hielten uns in dieser Tiefe auf. Leider konnte ich während des TG erkennen, dass der SBTC jetzt langsam ein akutes Stromversorgungsproblem bekam. Ich hatte nämlich vergessen, den Akku nochmals zu laden. Peinliche Panne. Die Symptome waren mir aber bekannt: Die LCD-Anzeige wurde langsam immer undeutlicher und dann schließlich unlesbar, die Tiefenanzeige zeigte unsinnige Werte, das Wasser hatte plötzlich nur noch 15°C :-). Also schaltete ich das Gerät ab, um den Nickel-Metallhydrid-Akku, der nicht ganz billig war, nicht durch Tiefentladung zu zerstören.

Das Austauchen führten wir deshalb wie gewohnt nach Deko 2000 durch. Unterwegs trafen wir wieder unseren solo-tauchenden Techie, der von unten kommend an uns vorbei stieg – was mir wieder deutlich machte, dass Basenregeln bei ORCA nichts sind, was immer unumschränkt gelten muss, sondern dass man fallweise auch mal „Fünfe gerade sein lassen“ kann und ein oder sogar zwei Augen zuzudrücken vermag. Nur eben nicht bei Leuten, die man schnellstmöglich loswerden will, sondern halt bei denen, die für „Techausrüstung“, die man dort natürlich mieten kann, viel Geld ablegen.

A propos „loswerden“: Wie ist man uns denn nun so schnell losgeworden, wie also kam es zum finalen Rauswurf bei ORCA?

Es begab sich dann auf der Rückfahrt, dass Diveguide S. von allen Passagieren das Geld für das Mittagessen und dann von uns beiden auch noch zusätzlich die Tauchcomputer sehen wollte. Das Problem: Claudia hatte gar keinen Tauchcomputer, sondern „nur“ Uhr, Tiefenmesser und Tabelle dabei und ich hatte lediglich den mittlerweile ziemlich stromlosen SBTC zu bieten, der sich nur nach dem manuellen Einschalten ein paar Sekunden meldete und dann sogleich wieder im datentechnischen Nirwana verschwand. Außerdem hatte ich in der Software noch gar keine Logbuchfunktion programmiert, da erst mal die wichtigen Funktionen wie z. B. Messwerterfassung und -auswertung, Dekompressionsrechnung und Ablaufsteuerung arbeiten müssen. Also musste ich Diveguide S., der wohl aus einer gewissen Unwissenheit heraus davon ausgeht, dass alle Tauchcomputer zwingend auch ein Logbuch haben müssen, enttäuschen: Es gab schlicht keine Daten, die ihn irgendwie weitergebracht hätten. Damit konnten wir (!) also nicht den geschuldeten (?!?) Beweis erbringen, dass wir nicht tiefer als 40 m getaucht waren (was wir übrigens tatsächlich nicht getan hatten). Man beachte: Auf der ORCA-Basis gilt hier die Umkehr der Beweislast: Beweise erbringen muss dort nicht der Ankläger, sondern der Angeklagte. – Den Zeugen-Beweis hätte zwar unser solo-tauchender Techie liefern können, der mehr als nur ein paar Meter unter uns herumgepaddelt war, aber der wird auch gut daran tun, da schön brav seinen Schnabel zu halten, um sich nicht selbst unbeliebt zu machen. Außerdem hätte der nur sagen können, dass wir über ihm tauchten aber nicht auf welcher Tiefe. Und da wir bereits bei 40,1 m geflogen wären, hätte uns das auch nicht die Todesstrafe erspart. 😉

Somit waren wir also durchgefallen: „Setzen! Sechs. Schuldig aus Mangel an Beweisen!“ – Diveguide S. erklärte uns im deutlich erkennbaren Tonfall seiner ostdeutschen Heimat: „Nuuu, dann wer’n wa eusch ma‘ die Reschnung ferdisch mach’n müss’n!“. Ich hatte keinerlei Problem, dies zu akzeptieren. Allerdings wäre es für unsere Reiseplanung besser gewesen, wenn man uns gegenüber bereits bei meiner Reservierung per E-Mail klar zum Ausdruck gebracht hätte, dass man auf unsere Anwesenheit bei ORCA Safaga keinen Wert legt, anstatt mir lediglich sinnfreie Mails mit irgendwelchem „Tech ist cool“-Gerede zukommen zu lassen.

Nachdem das Boot dann auf der Basis angekommen war, kam es dann noch zum richtigen Eklat: Wir hatten in der Basis unsere Sachen gepackt und wollten, wie man auf Denglish sagt, „auschecken“. So trafen wir an der Theke auf Frau van C., die uns unsere Rechnungen präsentierte. Es waren pro Person 64 Euro zu begleichen. Das Geld waren wir selbstverständlich bereit zu zahlen, denn schließlich hatten wir in diesem Umfang ja Leistungen bezogen. Womit wir aber gar nicht gerechnet hatten, war, bereits an diesem Tag überhaupt eine Rechnung begleichen zu müssen, denn da wir ja schließlich ganz artig und vertragstreu gewesen waren, hatten wir in diesem Augenblick nur den Gegenwert von gerade mal 9 Euro in ägyptischer Währung dabei. – Wer schleppt schon auf bloßen Verdacht hin seine gesamte Urlaubsbarschaft täglich mit auf’s Tauchboot? – Claudia erklärte also die aktuelle Sachlage. Den Vorschlag, das Geld als Guide abzuarbeiten, verkniff ich mir und meinte nur entgegenkommend, man könne uns ja ersatzweise in Haft nehmen. Ich glaube, auch diesen lockeren Spruch hätte ich besser auch für mich behalten….. ;-))

….denn daraufhin explodierte Frau van C. regelrecht und lieferte eine Vorstellung, die an Groteske nur noch schwer zu überbieten war und einen überaus vielsagenden Eindruck vom Charakter dieser Geschäftsfrau und ihrem Verhalten gegenüber Kunden gab: Völlig hysterisch schrie sie auf der Basis herum, wir sollten “ verschwinden und nie wieder kommen “ – wehe, wenn wir in fünf Minuten nicht weg seien, dann würde “ etwas “ passieren!!! O.K., O.K., machen wir, kein Problem! Schrei doch nicht so, wir sind nicht schwerhörig, und wer schreit, hat bekanntlich Unrecht. Das Ganze garnierte sie dann obendrein noch mit der ausreichend lautstarken Feststellung gegenüber ihren umstehenden Angestellten: “ So ein arrogantes A……ch, so ein Wi..r „. Claudias Versuch, Frau van C. vorsichtshalber schon mal die strafrechtliche Dimension ihrer soeben getätigten Beleidigungen klar zu machen (Rechtlicher Hinweis: es ist strafrechtlich nicht zulässig, andere Menschen als Rektum oder notorische Onanisten zu bezeichnen), mündete nur in weitere schrille, aber einigermaßen sinnfreie Entgegnungen. Mir wäre es wirklich peinlich, mich so meinen Mitmenschen zu präsentieren – Wie man sich wohl als Angestellter einer Basis fühlt, deren Leiterin zu derartigen Verbalentgleisungen gegenüber ihren Mitmenschen, noch dazu ihren Kunden, fähig ist…?

So mussten wir uns also für den Rest unseres Lebens von dieser Tauchbasis verabschieden. Immerhin hatten wir zwei tolle Tauchtage, und sogar noch auf Kosten des Hauses! Dafür sagen wir: Danke, liebes ORCA-Team!

Sonntag, 26.10.2003: Strandtag und Entenbasis

Der Vorteil, von einer Tauchbasis des Feldes verwiesen zu werden, liegt u. a darin, dass man endlich mal aussschlafen kann und beim späteren Frühstück im Speisesaal des Hotels auch keine Leute mehr mit diesen T-Shirts sieht, auf denen der hässliche Fisch abgebildet ist, der so aussieht, als ob er sich jeden Moment übergeben müsse. Der nächste Vorteil ist darin zu finden, dass man in einem Liegestuhl am Strand liegen und lustige Reiseberichte in sein Notebook tippen kann.

Gegen Nachmittag machten wir noch spaßeshalber einmal kurz den Test, wie weit die Kunde von unserem Rauswurf schon in dem sich nicht gerade durch Nachrichtenüberfluss auszeichnenden Touristenghetto namens „Safaga“ herumgekommen war. Denn die Dvieguides, die hier arbeiten müssen, bekommen wahrscheinlich von der Welt draußen nicht viel mit. Da der Mensch aber als soziales Wesen handelt, sind Klatsch und Tratsch eine wichtige Sache. Solcherlei Kunde verbreitet sich schnell, besonders wenn man sonst nichts zu berichten hat.

Wir fühlten also in der Basis beim Holiday Inn Hotel vor (die mit der Ente 🙂 ). Unsere Gesprächspartner waren zwei Herren, die irgendwie nicht den Eindruck machten, uns wohlgesonnen zu sein. Man befragte uns überraschend eingehend, wie lange wir denn schon vor Ort seien und ob wir hier schon tauchen waren. Und, siehe da, man wusste bereits Bescheid :-). Da wir jedoch unser Ansinnen, bei dieser Basis tauchen zu wollen, ernsthaft und glaubwürdig vortrugen, machte man aber wenigstens noch die obligatorischen Eingangsprüfungen mit uns: Logbuch-Sichtung und Brevetkontrolle. Außerdem wollte man gerne haarklein über die näheren Hintergründe unseres „Basenwechsels“ informiert werden, sozusagen aus erster Hand ;-), denn man „wolle sich hier nicht verar….. lassen“. (Seltsame Ausdrucksweise haben diese Tauchbasen-Menschen, ts, ts, ts…) Als wir freimütig von unserem Beweislastproblem berichteten, reagierte man konsterniert: „Ihr habt keine Tauchcomputer???“ (So gesehen stimmte das ja, denn ich wollte den Menschen hinter dem Tresen nicht mit dem SBTC konfrontieren, einem Gerät das aussieht, wie die Versuchsgeräte einer Weltraumstation ;-)), und einen kommerziellen Rechner wollte ich nicht mitnehmen, da immer noch ich entscheide, welche Ausrüstung ich zu einem TG mitführe) Daraufhin erklärte man uns, dass wir dann entweder einen Computer leihen (pardon: mieten) oder aber mit Guide tauchen müssten.

Bei der Logbuchdurchsicht war einem der Mitarbeiter dann auch aufgefallen, dass wir TG auf 60 m Wassertiefe in Bergseen machen. Entgeistert fragte er: “ 60 m – ohne Tauchcomputer???“ Äh, ja – wo genau ist dabei das grundsätzliche Problem? O.K., einen Tiefenmesser, eine Uhr und eine Tabelle sollte man schon dabei haben; auch die Inbetriebnahme dieses praktischen, batteriefreien Computers zwischen den eigenen beiden Ohren ist überaus empfehlenswert, und mit alledem umgehen können sollte man auch… Derlei muss die beiden Herrn am Tresen zutiefst schockiert haben. Wir mussten dem einen der Herrn offenbar erst erklären, dass es auch noch andere Tauchtabellen als den PADI-RDP gibt, und dass die Deko 2000 (überdies eine richtige Dekompressionstabelle!) beispielsweise bis 63 Meter reiche.

Nachdem wir uns dann noch erkundigt hatten, wie viel denn ein Tauchtag mit zwei Tauchgängen kosten solle, beschlossen wir anschließend, von der Buchung doch lieber Abstand zu nehmen, vermutlich zur großen Erleichterung der Enten-Basis. Wir gewannen nämlich irgendwie den Eindruck, dass hier Kindergartentauchen in Reinstform betrieben wird. Einerseits unterschreibt man da überall in den „Absauf-Erklärungen“ der Basen, dass man „auf eigene Gefahr“ tauche, andererseits unterlassen die Basen nichts, um ihre Kundschaft weitestmöglich zu gängeln (nicht ohne Computer bzw. Guide, nicht tiefer als 30 m, nicht länger als X Minuten, keine Deko-TG, und als Flaschen gibt es nur Mono-12-Liter-Geräte etc. etc.). – Selbstverständlich steht es jedem Dienstleister frei, selbst die Regeln festzulegen, unter welchen er bereit ist, seine Dienstleistung anzubieten. Andererseits steht es aber auch dem Kunden frei, selbst zu entscheiden, welchen Quatsch er bereit ist mitzumachen und unter welchen Bedingungen er noch bereit ist, eine Dienstleistung anzunehmen und zu bezahlen. 40 Euro pro Tag für einen Kindergartenplatz pro Person erschien uns jedoch in diesem Moment als eindeutig unangemessen…

Montag 27.10.2003 bis Mittwoch 29.10.2003

Den Rest des Urlaubes verbrachten wir gemütlich am Strand und machten u. a. unseren ersten Erfahrungen auf einem Surfbrett. ;-)))

Fazit

Uns ist ziemlich klar geworden, dass unsere Auffassung vom Sporttauchen als anspruchsvolle und eigenverantwortliche Freizeitbeschäftigung mit der Realität auf den Urlaubsbasen eines Touristenzentrums wie Safaga keinerlei Gemeinsamkeiten hat. Gut, die Gründe sind uns auch klar: Wer auf seiner Basis pro Woche zwischen 100 und 200 Personen durchschleusen muss, kann sich nicht die Zeit nehmen, große individuelle Unterschiede zu machen. Die Unterscheidung „Anfänger vs. Fortgeschrittene“ bzw. „weniger oder mehr als 50 Tauchgänge“ ist dabei oft schon die Spitze des Realisierbaren. Mehr können und wollen die Betreiber einer Basis nicht machen. Verschärfend kommt hinzu, dass man von den Basenverantwortlichen (Inhaber, Diveguides) mittlerweile auch keine Kompetenz mehr erwarten kann, haben sie in der Mehrzahl der Fälle ihr „Handwerk“ doch selbst bei einer der großen Franchiseketten aus den USA „gelernt“, die erklären, „Diving“ sei „esay and fun“ und man müsse gar nicht viel lernen, „because everybody can dive“.

So bleibt das, was man seiner Kundschaft gibt, ein schaler Abklatsch dessen, was sich einst Sporttauchen nannte. Wer ein klein wenig mehr als diese fade schmeckende Ersatzbrühe will, muss im Einzelfalle bei Anbietern, die hier eine Marktnische besetzt haben, in das sog. „Technische Tauchen“ einsteigen. Das heißt aber auch bereit zu sein, für ein paar zusätzlich zugestandene Tiefenmeter weit mehr als eine „Hand voll Dollar“ zu bezahlen.

Richtig tauchen gehen wir dann in einer Woche wieder. Am Bodensee. Mit richtig großem Luftvorrat, ohne Kindergartenbetreuung, ohne sinnfreie Computerkontrollen und vor allem: Eigenverantwortlich.

Erstveröffentlichung 2003 auf peter-rachow.de (C) Peter Rachow

 
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Verfasst von - 25. November 2018 in Tauchen, Uncategorized

 

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Safaga (ORCA Tauchbasis)

(Dez. 2002/Jan. 2003)

Einleitung

Unsere Wahl fiel diesmal, nach den unschönen Erlebnissen vor einigen Jahren in der dem Hotel Lotus Bay angegliederten Basis von Herrn Mahmoud, auf die dem Hotel nördlich benachbarte ORCA-Basis . Unsere Unterkunft im Lotus Bay hatten wir per E-Mail direkt über das Hotel gebucht. Flüge von Egyptair vermittelte uns Tour active in Frankfurt/Main. Ein Flug kostet zur Zeit 458 Euro.

Bei ORCA empfiehlt es sich, per E-Mail das Tauchpaket vorzubuchen, so kostet ein 6 Tage * 2 TG/d-Paket statt 210,- Euro dann nämlich nur deren 190,-.

So kamen wir also am 28.12.2002 pünktlich mit dem Samstagflug der Egyptair gegen 21:30 in Hurghada an, wo wir bereits von einem Mitarbeiter vom Hotel erwartet wurden. Dank dessen glänzender Beziehungen zu den örtlichen Flughafenbehörden dauerte unsere Einreise nicht einmal 20 Minuten. Der Transfer nach Safaga (auch über das Hotel gebucht) verlief ebenso reibungslos, so dass wir gegen 23:00 Uhr im Hotel eintrafen, wo uns noch ein kleines Essen serviert wurde. Die Anreise gestaltete sich insgesamt erfreulich zügig und reibungsfrei.

Das Hotel

Das Lotus Bay ist ein rundherum empfehlenswertes Hotel. Die Zimmer sind geräumig, gut ausgestattet (z. B. mit Fernseher) und der Zimmerservice arbeitet perfekt. Sauberkeit ist in den Zimmern wie im gesamten Hotel kein Thema. Eine Übernachtung kostet pro Person und Nacht 41,- Euro.

Morgens gibt es ein abwechslungsreiches Frühstücksbüffet, abends ist die Speisenauswahl ebenso reichhaltig. Sicher ist das Lotus Bay die beste Wahl der Hotels in diesem Abschnitt von Safaga.

Die Tauchbasis

Die ORCA-Basis in Safaga zählt, neben den bekannten „Taucherverschiebebahnhöfen“ wie „Big & Mac“ oder „Moni’s bunte Taucherwelt“ in Hurghada, zu einer der größeren am Roten Meer. Sie besitzt mehrere eigene Boote, von denen jeweils 4 während unseres Aufenthaltes jeden Tag ausfuhren.

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Die Anzahl der Taucher auf den einzelnen Booten war so gehalten, dass es zu keinen größeren Platzproblemen an Bord kam. Erst als einige Auszubildende eines „Deep-Air-Tekk-Diver“-Kurses mit ihren riesigen Flaschenbatterien und Tauchgeräten an Bord aufschlugen, wurde es auf dem Tauchdeck doch etwas eng. Da die Herren Tekkks-in-spe allerdings die meiste Zeit im Salon des Schiffes über irgendwelchen Unterlagen brüteten, war der Tauchbetrieb nur gering belastet.

Als Flaschen gibt es solche aus Stahl mit 12 Litern Volumen und für Erwachsene gibt es zusätzlich (kostenfrei) 15-Liter-Geräte, ebenfalls aus Stahl und in ausreichender Anzahl. Jeder Taucher erhält zusätzlich eine Plastikbox für die Ausrüstung, diese wird von Basenmitarbeitern auf Rollwagen von und zu den Booten gebracht.

Ablauf eines Tauchtages

Die Boote verlassen den Anlegesteg jeweils um 8:30 Uhr. Rückkehr zum Anlegesteg ist zwischen 16:00 und 17:00 Uhr.

Die Basis nennt als Randbedingungen für den Tauchbetrieb die mittlerweile bei allen Basen am Roten Meer üblichen Beschränkungen, die bei ernsthaften und erfahrenen Sporttauchern natürlich nicht gerade Begeisterung hervorrufen: 40 Meter max. Tiefe, keine Deko-TG, keine Handschuhe. In der Praxis sah es dagegen so aus, dass trotzdem ein individuelles Tauchen möglich war, da bei erfahrenen Tauchern kein „Guidezwang“ besteht. Tauchbegleitung ist allerdings obligatorisch, wenn ein Taucher noch keine 30 TG geloggt hat, was insgesamt vernünftig ist. Mit 30 TG ist man immer noch blutiger Anfänger. (Angesichts der bei so geringen Tauchgangszahlen noch völlig fehlenden Erfahrung sicherlich eine sinnvolle Regelung.)

Sogenannte „Early-Morning-Dives“ werden ebenfalls offeriert, wobei dann auf dem betreffenden Boot auch ein Frühstück angeboten wird. Auch separate Nachttauchgäge sind möglich. Über Preise können wir nichts sagen, da wir unseren Stickstoffbedarf bereits in zwei Tauchgängen pro Tag vollkommen decken konnten. ;-))

Eine Tauchzeitbegrenzung gibt es auf dieser Basis nicht. Der Guide fragt nur vor dem Tauchen ab, wie lange die Tauchgruppe unter Wasser zu bleiben gedenkt, damit er abschätzen kann, wann er die Gruppe zur Fahndung ausschreiben lassen muss.

Wir konnten völlig autonom tauchen und uns teilweise auch mit dem Zodiak an weiter entfernte Einstiegspunkte fahren lassen, von wo aus wir jeweils zum Schiff zurücktauchen konnten. Aufgrund der Tatsache, dass wir meist die einzigen waren, die diesen Service nutzten, der pro Fahrt mit 2 Euro pro Person berechnet wird, begegneten wir während unserer Grundzeiten meistens keiner einzigen anderen Tauchgruppe.

Ein Tauchtag besteht, wie in Ägypten üblich, aus 2 Tauchgängen, die durch eine etwa zweistündige Mittagspause getrennt werden. Hier gibt es das von ägyptischen Tagesausflugsschiffen bekannte Mittagsangebot in Gestalt eines gut schmeckenden und abwechslungsreichen Essens zum Preis von 15 ägyptischen Pfund (LE), also momentan ca. 3,50 Euro. Getränke werden ebenfalls angeboten, Mineralwasser (1,5 l) kostet 3 LE, Cola (0,25 l) kostet 2 LE.

Die Basis verfügt über ausreichend Stauraum für die Ausrüstung aller Gäste. Zusätzlich gibt es die übliche Taucherbar, wo Tauchnovizen ihre schönsten Unterwassererlebnisse mit ihrer Umgebung bei einer Flasche Stella (7 LE) teilen können. Wir haben von diesem Angebot jedoch keinen Gebrauch gemacht, da wir im Laufe unseres Taucherlebens diese Geschichten inzwischen bereits erfolgreich auswendig kennen gelernt haben. ;-))))

Das Publikum

Auf der ORCA-Basis waren unserer Beobachtung nach die meisten Taucher eher den Anfängerniveaus zuzuordnen. Die Tauchbasis verstand es allerdings sehr gut, die Tauchplätze so auszusuchen, dass dabei alle Stufen von taucherischem Können berücksichtigt wurden.

Auch hier fiel uns wieder auf, welch eigenartige Menschen heute manchmal den Tauchsport ausüben. Den Vogel abgeschossen haben in dieser Hinsicht die Teilnehmer der bereits oben erwähnten Veranstaltung zu Thema „Einführung in das sog. Technische Tauchen „. Dieses Seminar trug wohl den Untertitel „Wie überlebe ich Pressluft-TG jenseits der magischen 40-Meter-Marke?“. Wenn gerade diese Fragestellung für alte Presslufthasen nicht besonders spannend ist, so schien diese Problematik bzw. deren theoretische und praktische Bewältigung für die 3 anwesenden Tech-Jünger mit nicht unerheblichen Schwierigkeiten assoziiert gewesen zu sein.

Der erste Problemkomplex ließe sich unter einer eher logistischen Fragestellung subsumieren:“Wie bringe ich 80 kg Ausrüstung zum Boot, ohne zu sterben?“. Antwort: Die dienstbaren Geister der Basis erledigen dies mit schmerzverzerrtem Gesicht und unter Aufbietung ihrer letzten Kräfte. Waren diese Basen-Hiwis körperlich am Ende oder schlicht abwesend, mussten die Tekkstudenten auch mal selbst anpacken. Mit einer Überwachungskamera konnten diese beiden Tekk-Azubis eingefangen werden, deren Gesichter aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes unkenntlich gemacht wurden:

safaga02tekkk

Das nächste Problem konnte allerdings nicht mehr unter Rückgriff auf Basen-Hiwis gelöst werden, da es jetzt richtig kompliziert wurde. Dieser Themenkreis lautete nämlich: „Wie bewege ich mich mit jeder Menge überflüssigen Materials (Reel und Back-up-Reel, Wings mit Doppelblase, unendlich viele Schläuche, Run-Time-Tables, Hebesäcke, Ersatzmasken etc. ppp.) unter Wasser, ohne das Opfer meiner eigenen Ausrüstung zu werden?“ Nachdem diese Fragen in unendlich langen gruppentherapeutischen Diskussionsrunden mit dem sog. Tekk-Instructor gelöst wurden, fanden letztlich die ersten Tauchgänge mit dem Ausrüstungsberg statt.

So begaben sich also 3 Tekkkk-Eleven samt „buddy-inspiriertem“ Anweiser (Instructor) mit ca. 1 Tonne Material ins Wasser, um die ersten Tauchversuche dieser neuen Art, die willkürlich angenommenen Grenzen des heute so genannten „Sporttauchens“, welches aber eher oft ein “ Spott tauchen“ ist, zu erkunden. Anschließend saßen sie also im Sand und machten in 10 Metern Wassertiefe die uns CMAS-Tauchern altbekannten Versuche:

  • Ablegen des Gerätes…
  • Anlegen des Gerätes….
  • Ablegen des Gerätes…..
  • Anlegen des Gerätes…….
  • Ablegen des Gerätes…….
  • Anlegen des Gerätes………(Gähn!)
  • dann, dazu Maske absetzen später dabei
  • Hebesack starten (ohne sich oder andere zu strangulieren)
  • und vieles Lustiges mehr….

Krönender Abschluss war die Bewältigung der nicht zu unterschätzenden und bei näherer Betrachtung sogar immens schwierigen Aufgabe, das gesamte Material (ca. 1 Tonne, weil eben alles tech-mäßig redundant war ;-)) ohne Rücksicht auf die Wirbelsäule und andere Gelenke auch wieder an Bord zu stemmen. Manch einem der Herren gelang dies nicht ohne weiteres, wofür sicher auch der permanente Nikotinkonsum vor und nach dem Tauchen eine nicht unerhebliche Ursache gewesen sein dürfte. Ein beherzter Griff der Bootsbesatzung auf der Tauchplattform bewahrte dann den einen oder anderen Techjünger vor dem Problem, im Wasser überwintern zu müssen. Dies dann aber immerhin voll ausgerüstet….

Nach diesen Vorübungen kam es am nächsten Tage zum ersten richtigen, und von den „Neu-Tekkies“ mit Spannung erwarteten ersten dekompressionspflichtigen Tauchgang. Hier wurden jedem alten Presslufttieftaucher und CMAS-***-Absolventen absolut neue Horizonte eröffnet ;-).

Während es bei diesen nämlich üblich ist, einen (Deko-)Tauchgang kompakt vorzubereiten und dann sehr zeitnah durchzuführen, scheint sich bei den Techtauchern die Erkenntnis durchgesetzt zu haben, dass eine realistische Überlebenschance für solche Unterfangen nur dann besteht, wenn das Tauchvorhaben mehrere Stunden vorbesprochen, diskutiert, analysiert, alterniert und vor allem visualisiert wird. So wurde also anhand bestimmter Tabellen, diverser Rechenexempel, ausgefeilter Tauchgangsplanungsstrategien und aller möglichen Eventualitätsszenarien diskutiert, abgewogen und abschließend entschieden, ob, wann und wie getaucht werden solle. Klassische CMAS-Taucher wären zu diesem Zeitpunkt bereits seit 2 Stunden wieder an der Oberfläche gewesen oder befänden sich gerade noch auf den letzten ihrer völlig untechnisch (non-technically) geplanten Dekostopps.

Bei Tekkdivern, so konnten wir lernen, wird ein Tauchgang nach dieser minutiösen Vorplanung zusätzlich auf einem sog. „Run-Time-Table“ fixiert und im Wasser genau so abgespult. Diese Tabelle gibt dann für jede Minute des Tauchgangs die entsprechenden Handlungen vor. So war in grausiger englischer Radebrechsprache z. B. zu lesen: „CHECK“, „SWITCH“, „BTM“ und andere Vokabeln mehr, die eher an ein Computerprogramm in der Sprache BASIC zu erinnern geeignet waren, denn an einen Tauchgang. (Ach, übrigens: Das Bewundern von Flora und Fauna des Roten Meeres wurde dabei offensichtlich vergessen einzuplanen, und was auf der Liste nicht steht, wird auch nicht gemacht. Basta. Denn: „Plan your dive and dive your plan.“)

Hier ein Beispiel für Run-Time-Tables der Tekkies:

safaga2runtime

Anmerkung: Die im Bild gezeigten Zigaretten sind Grundausstattung von richtigen Techtauchern und werden, allen tauchmedizinischen Erkenntnissen zum Trotz, vor und nach dem Tauchen reichhaltig konsumiert. Die ausgebrannten Kippen wurden übrigens nach vollzogenem „Genuss“, der gerne auch im Salon des Bootes stattfand und dort bisweilen die Atmosphäre einer Fischräucherei erzeugte, rücksichtslos über Bord geworfen und großzügig Neptun anvertraut. Ob der damit aber so viel Gutes anfangen kann, erscheint fraglich. Schildkröten kriegen von den Resten des Rauchgenusses jedenfalls übelste Magenverstimmung.

Und so gelang es, nach all den Mühen, den 3 Tekk-Schülern tatsächlich, unter tätiger Mithilfe ihres Anweisers (Deep-Air-Tekk-Instructor), einen Tauchgang auf einer Wassertiefe von sage und schreibe 45 Metern zu überleben. Ehrlich, wer hätte das geglaubt? Wir waren jedenfalls mit ungläubigem Staunen erfüllt, als wir erkennen mussten, dass sich sowas tatsächlich überleben lässt. Nein, nicht die Wassertiefe, die ist harmlos, die tauchen wir regelmäßig. Der Ausrüstungsberg, der war es, der uns Angst machte. 😉

Wie in der Nachbesprechung allerdings durchdrang, hatte einer der Neutekkies doch wohl noch erhebliche Probleme, die geplanten Dekompressionstiefen einzuhalten. Na ja, vielleicht sollte man ja erst einmal einige Jahre Taucherfahrung sammeln und das Handwerkliche richtig üben, bevor man in der Öffentlichkeit den Tekkie geben will.

Zwischen den Tauchgängen sah man die 3 Tekkstudenten dann immer wieder permanent an ihren Ausrüstungen und Tauchgeräten herumschrauben, basteln, ziehen, zerren und werkeln. Ein Reel hier, oder doch besser dort? Ein Haken hier oder vielleicht noch ein zweiter dort? Was mach‘ ich mit dem Hebesack? Unters Kinn oder doch besser in die Pofalte? ‚Nen Kabelbinder nehmen oder doch besser „surgical tubing“? „Suicide clips“ oder besser „Tech-Karabiner“? Alles immens wichtige Fragen, auf die ein „normaler“ Taucher nie im Leben kommen würde. Techtaucher können das. Absolut beeindruckend und ehrfurchtgebietend. Wie meinte doch ein Mittaucher: „Tech ist Schwachsinn, sieht aber geil aus!“ ;-)))

Wir konnten uns jedenfalls des Eindruckes nicht erwehren, dass hier eine besonders innige Vertrautheit zwischen Mensch und Maschine eine essenzielle Vorbedingung für das Überleben unter Wasser ist. Die meisten auf dem Boot anwesenden Sporttaucher konnten sich über diese moderne Art des Tauchsports jedenfalls herzlich amüsieren. Und das ohne Aufpreis.

Wir sind jedenfalls gespannt, was die nächsten Jahren noch so kommt, auf dem Markt der taucherischen Möglichkeiten. „Tech-Schnorcheln“ oder „Trimix-50-Meters“ oder ein anderer Blödsinn vielleicht? Ich denke fast, es wird noch schlimmer kommen.

Kleiner Gag am Rande: Dieser launige kleine Text war einige Zeit in Auszügen auf den Seiten der Tauchschule Dresden zu sehen, die ihn von dieser Webseite (natürlich mal wieder ohne zu fragen und daher rechtswidrig da nolens volens unerlaubt) kopiert hatte. Der Seitenmacher der Tauchschule Dresden hatte sich interessanterweise jene Passagen des Aufsatzes herausgesucht, bei denen er als, wie ich später erfahren habe, einer der seinerzeit anwesenden drei Tekstudenten, doch eher weniger positiv dargestellt wird. Mein Fazit: Manche Leute merken anscheinend entweder gar nichts mehr oder haben einen Humor der um Zehnerpotenzen höher liegt, als meiner. Daher nochmal auch für Tek-Divers: Dieser Text ist eine sog. Realsatire ! Dahinter verbirgt sich folgende Kernaussage: „Wer unbedingt Techtauchen will, zeigt, dass er möglicherweise psychisch etwas im Ungleichgewicht sein könnte. Eine psychosoziale Betreuung könnte erwägenswert sein“ ;-)).

Falls nötig: Ultimative Tekk-Brevets gibt es übrigens auch auf der Seite von Jürgen Seibel: http://www.diver.is-on-stream.de/tekdiving.html .

Erstveröffentlichgung 2003 auf peter-rachow.de (C) Peter Rachow

 
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Verfasst von - 25. November 2018 in Tauchen, Uncategorized

 

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Safaga (Tauchbasis im Hotel ‚Lotus Bay‘)

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Ort: Die Tauchbasis des Hotels Lotus Bay in Safaga am Roten Meer.
Zeit: 3. Januar – 8. Januar 1999

Eigentlich begann alles ganz normal, wie in jedem Tauchurlaub, den man irgendwo in einer der unzähligen Tauchbasen der welt beginnt. Christian und ich trafen am 2. Januar spät nachts in Safaga im Lotus-Bay Hotel ein, und meldeten uns am darauffolgenden Morgen bei der Basis an, die mitten in der Hotelanlage liegt (das Fachwort für ‘anmelden’ heißt hier ‘einchecken’).

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Auf den ersten Blick war alles ganz normal, man zeigt üblicherweise seine Brevets vor, unterschreibt die üblichen Erklärungen (die wir allerdings an dieser Stelle etwas genauer hätten lesen sollen, davon aber später mehr bei der Erörterung des Themas ‘Tiefenbeschränkung’), erhält sein Blei und begibt sich sodann voller Neugier zur ersten Tauchausfahrt auf das Boot, um den obligaten ‘Checktauchgang’ zu absolvieren, der später obendrein noch mit DM 5,- extra berechnet wird.

Kurze Zeit später begrüßte uns der Tauchguide Thomas an Bord. Thomas erklärte uns gleich, ohne daß wir danach gefragt hatten, er sei irgend eine Art „Berufstaucher“, was für uns aber nicht besonders wichtig war. Wen interessiert das schon? War jedenfalls ein netter Versuch, sich wichtig zu machen. Er wies uns in die wichtigen Verfahren und Verhaltensrichtlinien an Bord ein und schärfte uns für das Tauchen 2 Dinge ein, die später für reichlich Diskussionsstoff sorgten:

a) Die maximale Tauchtiefe beträgt für jeden Tauchgang 40 Meter.
b) Dekotauchtänge sind strengstens verboten.

Der anschließende „Checktauchgang“ am Ras Abu Soma war dann jedenfalls eine nicht ganz ernstzunehmende Sache. Ein wenig Maske ausblasen und ein bißchen Wechselatmung (kniend am Grund, wo es doch wohl jeder kann…), dann waren wir „gecheckt“.

Interessanter als das Tauchen selbst, waren indes die Damen und besonders die Herren, die mit an Bord waren. Ich habe bei einem Tauchurlaub noch nie soviele, sagen wir mal, eigenartige Persönlichkeiten getroffen, wie diesmal, was mich ja auch schlußendlich auch dazu veranlaßt hat, diesen kleinen Bericht zu verfassen.

Nennen wir erst einmal die, die an Bord zuerst auffielen, also die eher Lautstarken.

Da war z.B. F. aus Berlin. Wir trafen ihn und seine Freundin zuerst auf dem Oberdeck des Bootes in ein Gespräch mit anderen vertieft. Allerdings war dies weniger ein Gespräch, denn primär ein Vortrag. F.nnn redete nämlich zu diesem Zeitpunkt bereits intensiv über alle möglichen Themen des Tauchens und nötigte die anderen Anwesenden zum Anhören seiner verbalen Ergüsse.

Wenn man Ihn dabei aufmerksam zuhörte, hätte man meinen können, er habe bereits eine stattliche Anzahl von Jahren Taucherfahrung. Er argumentierte beispielsweise, er „fordere seit Jahren“, daß die Tauchboote an der Unterseite mit farbigen Symbolen markiert werden sollen, damit man Sie bei Tauchgangsende leichter voneinander unterscheiden könne. (In meinen Augen ein ziemlicher Unsinn, denn ich hatte eigentlich nie Probleme, das jeweilige Boot zu erkennen, man merkt sich einfach die charakteristische Form und Anordnung der Einstiegsleitern am Heck des Bootes und sollte zusätzlich etwas fit in Orientierung sein, damit ist die Sache i.d.R. erledigt.).

Da F. zwar über keine besonders geschliffene Rhetorik, dafür aber über eine relativ laute Stimme verfügte, und insgesamt gerne Vorträge zu halten schien, gab ich ihm den Spitznamen „Der Dozent“. Er konnte vortrefflich und und ohne Pause über das Tauchen fabulieren ohne jemals irgendein Ende zu finden.

Selbst bei der gelegentlich zu wiederholenden Nahrungsaufnahme (vulgo ‚Essen‘) mußte er immerfort irgendwelche Weisheiten zum Thema ‚Tauchen‘ von sich geben. Seine „Erfahrungen“ schien er allerdings eher aus der Zeitschrift „Unterwasser“ als aus der taucherischen Praxis gewonnen zu haben, denn er hatte, wie wir später erfuhren, gerade erst mal 40 Tauchgänge ‚überlebt‘!

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Abends im Speisesaal des Hotels ging es dann in der gleichen Art und Weise weiter, so daß wir es vorzogen, zwischen uns und F. immer mehrere Tische Sicherheitsabstand zu lassen, denn der Schallpegel nimmt, das weiß der kleine Physiker, (näherungsweise) mit dem Quadrat der Entfernung ab. Es ließ sich aber nie ganz vermeiden, daß sporadisch, besonders dann, wenn die Umgebungsgeräusche beim Abendessen mal etwas niedriger waren, Wort- und Satzfetzen von Frank’s Taucherweisheiten an unseren Tisch herüber getragen wurden. Aber im Wesentlichen war es hier auszuhalten. Auf dem Boot dagegen gab es kein Entkommen, es war wirklich gnadenlos, es sei denn man wäre von Bord gesprungen.

Als zweiten „Traumtauchtyp“ (Kategorie ‚Cool-Diver‘) will ich „Den Entenmann“ alias „Der Rescue-Diver“ nennen. Seinen richtigen Namen konnte ich leider damals nicht in Erfahrung bringen, er schrieb allerdings in der Newsgroup „de.rec.sport.tauchen“ eine wenig begeisterte Antwort auf diesen Text (wofür ich übrigens vollstes Verständnis habe), so daß ich heute weiß, daß er J. hieß.

„Entenmann“ habe ich ihn damals deshalb genannt, weil er ein kleines Quietscheentchen (mit Taucherbrille) an einer ca. 50 cm langen Kette an seiner Tarierweste befestigt hatte, was dazu führte, das dieses Entchen beim Tauchen stets einen halben Meter über ihm schwebte, was unter Wasser wirklich herzerfrischend komisch aussah. Was allerdings passiert, wenn man mit dieser niedlichen Anordnung an einer Steilwand unter seitlich herausstehenden Korallen hindurch taucht und das Enten-Teil zur Korallenerntemaschine abgewandelt wird, oder man in eine Höhle oder Grotte hineingeht, hatte sich der Herr vermutlich nicht überlegt. Nun ja, jedem das Seine.

Und welche Möglichkeiten der angewandten Selbstrettung sich erst eröffnen, wenn er unter Wasser mal das Gerät an- bzw. ablegen muß und er sich in seiner Kette verwickelt, hat er wahrscheinlich auch nicht besonders reflektiert. Aber Hauptsache, es sieht richtig „cool“ aus. Wenn man dann noch mit einer verkehrt herum aufgesetzten Baseballkappe taucht (wie DJ Gangsterrapper aus der New Yorker Bronx persönlich) schaut das wirklich klasse aus!

Seinen zweiten Spitznamen „Der Rescue-Diver“ erhielt er übrigens, weil er gerade dabei war, in der PADI-Hierarchie aufzusteigen, und schwersten für diesen Kurs büffelte. Nun, gegen das Lernen habe ich gar nichts, das wäre ja bei meinem Beruf auch wirklich verfehlt. Und Bildung hat noch keinem geschadet.

Apropos „PADI-Hierarchie“. Gegen Ende unseres Urlaubs kamm noch ein zweiter Dozent an Bord: M. aus K. Im Gegensatz zum ersten Dozenten F. hatte er wohl ein paar Tauchgänge mehr und war überdies „PADI-Divemaster“ (dtsch. ‘Meistertaucher’, lat. magister subaquatus )

Mit F. vereinte ihn die Tatsache, daß er mindestens ebenso ausdauernd, wenn nicht noch viel langanhaltender über das Tauchen fabulieren konnte. Sein Spezialgebiet war dabei, im Gegensatz zu F. der das ganze Themengebiet abdecken konnte, jedoch eher die Fachdisziplin „Equipment und Ausrüstung, Vertiefungsgebiet ‘Mundstücke’“. Er erklärte nämlich einer anderen Taucherin nach einer schnellen, wenn auch sehr differenzierten und sachkundigen Analyse ihres Atemreglers, daß an Ihrem Scubapro-Lungenautomaten (G-250) kein original Scubapro-Mundstück montiert sei, sondern das einer ganz anderen Firma.

Ich muß sagen, derlei profunde Detailkenntnisse nötigen mir einen gewissen Respekt ab. Vielleicht könnte er sich mit diesem Wissen bei „Wetten daß…“ bewerben, etwa mit dem Wettangebot: „Ich kann 100 Atemreglermundstücke trotz Salzwasser am Geschmack erkennen“.

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Wen gab es sonst noch an herzerfrischenden Personen?

Da war dann noch „Mir doch egal“ (der richtige Name ist der Redaktion leider ebenfalls nicht bekannt, da von ihm insgesamt eher wenig entschlüsselbare verbale Äußerungen vernehmbar waren). Diesen Namen erhielt jener junge Mann, weil er auf alle Fragen, die an ihn gerichtet wurden, nur stereotyp entbieten konnte: „Mir doch egal“. Sie glauben es nicht? Doch, ich verbürge mich: Es war so! Der Satz „Mir doch egal“ fiel dann im Laufe eines Tauchtages ca. 100 mal. Selbst zur inneren Ruhe und Ausgeglichenheit tendierende Personen, konnten es aber im Extremfall schon nach den 3 ersten Malen nicht mehr hören (Der ‚Bullshit-Meßwert‘ meines Clubfreundes Uwe, der bei diesem denkwürdigen Urlaub ebenfalls dabei war, war nach dessen Bekunden permanent im dunkelroten Bereich).

Am Frühstückstisch wurde mir dann noch anstatt eines gewöhnlichen Morgengrußes (der z.B. in seiner einfachsten Form auch von geistig weniger weit entwickelten Menschen schlicht ‘Guten Morgen!’ hätte lauten können) gelegentlich ebenfalls ein herzhaftes „Mir doch egal“ entboten. So viel zu den neuen Formen der Höflichkeit und des Umgangs miteinander. Vielleicht hatte er auch nur Teilbereiche seines Gehirnes zeitweise deaktiviert, Spätfolgen einer akuten Stickstoffnarkose konnten es nach meinem (zugegebenermaßen laienhaften) medizinischen Verständnis nicht sein, denn er hielt sich wohl an die Tiefenbegrenzung.

Ich vermag jetzt insgesamt nicht zu sagen, ob diese Ansammlung extrem nerviger Menschen eine rein zufällige statistische Häufung war, oder ob der Trend wirklich dahin geht. Aber diese Herrschaften mit der großen Klappe fallen einem wirklich extrem auf die Nerven, besonders, wenn man nur eines will: In Ruhe ein paar Tage tauchen und sich ausruhen.

Witzig waren dann noch unsere Tauchgangsprofile, weil sie natürlich vor dem Hintergrund des sozialen Zusammenlebens der Mitreisenden und der bereits erwähnten Tiefenbeschränkung von 40 Metern stattfanden. Beides gab dann eine „explosive“ Mischung.

Wie schon angesprochen, haben Christian und ich nicht unbedingt so viel übrig für unnötige Einschränkungen unserer persönlichen Freiheit beim Tauchen, auch wenn wir der Ansicht sind, daß solche Beschränkungen von Fall zu Fall durchaus sinnvoll und angemessen sein können, z.B. dann, wenn Taucher über wenig Erfahrung und nur einen eingeschränkten Trainingszustand verfügen, wie das bei jenen der Fall ist, die als reine „Urlaubstaucher“ im Jahr nur wenige Tauchgänge (vorwiegend im Meer bei den dort i.d.R. herrschenden guten Bedingungen) absolvieren.

Bei Leuten, die aber in heimischen Binnengewässern regelmäßig unter teilweise doch sehr ungünstigen Voraussetzungen (schlechte Sicht, Dunkelheit, Kälte) Tiefen im Bereich zwischen 40 und 60 Metern aufsuchen, sollte bei derart einfachen Tauchgängen im Roten Meer diese Beschränkung doch bitteschön fallweise überdacht und auf Angemessenheit überprüft werden. Es macht m. E. keinen Sinn, eine große Menge Urlaubstaucher und eine kleinere Gruppe geübter Ganzjahrestaucher ohne Differenzierung über einen Kamm zu scheren und letzteren durch solche, eher auf die Masse der Hobbytaucher gerichteten Beschränkungen, den Spaß an der Sache zu vermiesen.

Nach einem etwas tieferen Tauchgang am Abu Kafan war jedenfalls Computerkontrolle angesagt. Thomas, der Diveguide, sprach also bei mir vor, und begehrte meinen Tauchcomputer zu sehen. Da ich für das Begehr aber keine entsprechende Rechtsgrundlage erkennen konnte (Tauchcomputerkontrollen waren in der von uns unterschriebenen Erklärung der Basis gegenüber nicht vertraglich vereinbart gewesen), musste ich ihn leider abschlägig bescheiden. Christian zeigte allerdings seinen Computer vor. Das Ergebnis: Eindeutig durchgefallen, da 46 m auf der Anzeige zu lesen war (für uns eine vergleichsweise „normale“ Tiefe), die im Bodensee oder Walchensee die Regel ist.

Daraufhin taten die beiden Diveguides sehr wichtig und erklärten uns, sie müssten das „weitermelden“. Nun, über das „Meldewesen“ in Deutschland ist ja einiges bekannt, die Funktionsträger hatten über die Jahrzehnte hinweg unterschiedliche Berufsbezeichnungen („Blockwart“, „Abschnittsbevollmächtigter“, „IM“) die Verhaltensmuster aber waren und sind immer identisch.

Wir hatten allerdings großes Glück, daß der „Anschiß“ von den beiden Tauchaufsehern T. und A. nicht noch drastischer ausgefallen war, denn weil dies der erste Tauchgang eines sog. „Early-Morning-Dives“ war und er mit nüchternem Magen absolviert werden mußte, da an Bord um diese Zeit noch kein Frühstück zu erhalten war, entschlossen wir uns, doch in der Nähe der 40 Meter Wassertiefe zu bleiben, da das Gefühl im leeren Magen doch etwas unangenehm war. Dies übrigens noch zum Thema ‘Sicherheit’. Als ich vor über 20 Jahren mit dem Tauchen anfing, lernte ich, daß man 2 Dinge vermeiden soll: Mit übervollem und mit ganz leerem Magen ins Wasser zu gehen. Aber Sicherheitsbestimmungen sind natürlich fallweise auslegbar, je nachdem wie man sie unter den jeweiligen Umständen braucht, was wir später noch zeigen werden.

Die Basis hatte dann, nachdem wir dem Basenleiter nochmals eindringlich unseren Standpunkt in Bezug auf eigenverantwortliches Tauchen erläutert hatten, ein Einsehen dahingehend (so interpretiere ich es zumindest), daß wir von dieser Beschränkung (unausgesprochenermaßen wohlgemerkt) ausgenommen wurden, wobei dann in der Folge auch eine weitere Überschreitung des Tiefenlimits in der Praxis keine weitere Sanktion mehr nach sich zog (was wir schlußendlich ja erreichen wollten). T., der Tauchführer, hatte wohl auch keine Lust mehr auf nervige Diskussionen und ließ uns gewähren.

Bei einem späteren tieferen Tauchgang wurden wir allerdings vom „Entenmann“ und Herrn „Mir doch egal“ beobachtet, und prompt bei deren Rückkehr auf das Boot später beim Tauchguide denunziert. Konsequenzen: Keine.

Fazit dieser eher ärgerlichen Angelegenheit: Man sollte sich auf den Tauchbasen konsequent zeigen und seine eigene Art, den Tauchsport auszuüben, seinen eigenen Tauchstil pflegen, vorausgesetzt er ist verantwortungsvoll für sich und den Tauchpartner, gefährdet niemanden und es wird bewußt und vernunftbasiert gehandelt. Außerdem ist es wichtig, die eigene Position rational begründen zu können. Hierbei kommt es jedoch ausschließlich auf die Inhalte der Argumentation und nicht auf die Brevetierungsstufe (oder den jeweiligen Verband, dem sich der Taucher zugehörig fühlt) an.

Natürlich ist mir klar, daß Tiefenbeschränkungen eingeführt wurden, damit man dem Heer der Urlaubstaucher gerecht wird. Es ist sicher sehr wahrscheinlich, daß sich sonst pro Woche einige hundert schlecht ausgebildete, verantwortungslose, untrainierte und manchmal total betrunkene Desperados in allen Meeren der Welt ins Jenseits katapultieren würden. Aber diese Maßstäbe und die daraus abgeleiteten Setzungen gelten eben eher für Leute, die primär im Urlaub tauchen und nicht für jene, die regelmäßig trainieren und auch vom theoretischen Hintergrund her nicht ganz unbedarft sind. Tauchen ist eben ein Massen“ebent“ geworden, mit der Folge, dass es heute die Mehrheit der Taucher nicht mehr in heimische Gewässer zieht, sondern sie das Hobby nur im Urlaub ausüben.

Eine kleine Anekdote zum Schluß. Als das Boot wegen unseres „Tieftauchens“ kurzfristig zu einem flacheren Tauchplatz „umgeleitet“ wurde, und F. („Der Dozent“) wenige Sekunden nach Ablegen des Bootes davon erfuhr, versuchte er den Tauchguide davon zu überzeugen, das Boot sofort zu stoppen und an ihn an Land zu lassen. Als dies verweigert wurde, machte Frank zur Belustigung aller Anwesenden einen beherzten Sprung über das Heck des Bootes und zog es vor, voll bekleidet an Land zurückzuschwimmen, weil er an dem neuen Tauchplatz am Innenriff nicht tauchen wollte. So intensiv gelacht habe ich selten in diesem Urlaub, obwohl die Tage in Safaga alle sehr lustig waren. Die meisten an Bord äußerten sich, nachdem sie ausgelacht hatten und wieder Luft bekamen und daher wieder sprechen konnten, dieser Typ sei wirklich ein „absoluter Volli..t“. Solche Worte möchte ich mir indes nicht zu eigen machen, und lasse dies unkommentiert so stehen.

Der Tauchgang am Innenriff war dann trotzdem sehr nett, weil es auch im Flachwasserbereich viel zu sehen gab, außerdem konnte man dort am Ende des Tauchgangs gut einige Übungen absolvieren.

Mit der Sicherheit an Bord war man übrigens dann noch nicht immer so konsequent. Ein exemplarischer Fall: Die Richtlinien von Barakuda, dem Verband, dem die Basis angeschlossen ist, schreiben vor, daß Tauchflaschen während der Fahrt des Bootes gesichert sein müssen. Beim teilweise erlebten heftigen Seegang in dieser Woche und den daraus resultierenden Schwingungen des Bootes um die Längsachse, kamen die (gefüllten!) Tauchflaschen, die links und rechts parallel zur Bordwand im Heck des Bootes in mehreren Schichten gestapelt waren, bisweilen gefährlich ins Rutschen, weil keine mechanische Sicherung vorhanden war. Wäre eine Flasche aus dem liegenden Stapel herausgerutscht, wäre sie auf dem Deck hin- und her geworfen worden, mit unabsehbaren Folgen. Wenn allerdings ein Taucher, nach dem Zusammenbau seines Gerätes (mit Jacket) dieses senkrecht auf dem Boden stehen ließ, gab es wieder mal einen ‘Anschiß’ weil das Gerät hätte umfallen und das Ventil herausgebrochen werden können (im Prinzip richtig, nur man muß dann in der Auslegung der Sicherheitsstandards sein konsequent sein).

Trotz aller Widrigkeiten, insgesamt war es dann doch ein schöner Urlaub und wir haben viel gelacht!

Zuerst erschienen auf peter-rachow.de 1999 (C) Peter Rachow

 

 
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Verfasst von - 25. November 2018 in Tauchen, Uncategorized

 

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Tauchsafari in den Süden des Roten Meeres mit MS Somaya IV

Ein paar Worte vorab…

Die Idee, an einer Tauchsafari im Roten Meer teilzunehmen, trug ich schon einige Zeit mit mir herum, zwischen dem 26.12.1999 und dem Silvestertag sollte sie dann stattfinden. Meine Wahl fiel auf die Somaya IV des bekannten Tauchreiseanbieters Rudi Kneip . Für Rudi Kneip hatte ich mich entschieden, weil ich wusste, dass hier noch Tauchen ohne die heute fast leider schon übliche Bevormundung stattfindet. Ich sollte mich nicht getäuscht haben, die Rechnung ging auf.

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Das Tauchschiff

Die Somaya IV ist 25 Meter lang und für 16 Mitreisende ausgelegt. Sie verfügt über 2 Motoren mit je 300 PS Leistung, was für ein zügiges Vorankommen sorgt. Die Ausstattung unter Deck in den Kabinen (2er und 4er-Ausstattung) ist einfach gehalten, etwas eng, jedoch zweckmäßig. Zuviel Gepäck sollte man allerdings nicht dabei haben, weil Stauraum permanent Mangelware ist. Im Hauptdeck ist ein relativ großer Salon, in dem die Speisen eingenommen werden und der auch dem allseits beliebten Tauchertratsch dient. In diesem Raum befinden sich außerdem 2 große Flaschen mit Sauerstoff.

Getaucht wird mit 15 Liter-Flaschen, die mehr als ausreichend sind, auch längere und tiefere Tauchgänge durchzuführen. 20 Liter-Flaschen stehen zwar auch zur Verfügung, sollten aber bei Bedarf vorbestellt werden. Nötig waren sie, wie gesagt, nicht. Der (ziemlich laute) Bauer-Kompressor befindet sich am Heck des Schiffes.

Die Mannschaft besteht aus 4 Leuten (Kapitän, Techniker, Helfer, Koch). Letzterer kocht übrigens ganz hervorragend und hatte sich permanent selbst übertroffen.

2 Toiletten und eine Dusche in einer dieser Toiletten dienen der elementaren Körperhygiene, mit dem Wasser mussten wir allerdings sparsam sein, weil sonst der Tank leer gewesen wäre und man unterwegs hätte nachtanken müssen. Selbstredend, dass die Ausrüstung während der Safari nicht gespült werden kann. Pro Tag gibt es abends 8 Stunden Strom mit 220 Volt, das Laden der Tauchlampen kann also nicht kontinuierlich erfolgen. Die Erzeugung der elektrischen Energie übernimmt ein Generator. Außerdem befindet sich ein Zodiak am Heck des Schiffes, mit dem die Taucher bei Strömungs-TGs ausgesetzt werden.

Das Tauchprogramm

Meiner Erfahrung nach liegt der Hauptunterschied zwischen einer Reise mit Rudi Kneip und dem Tauchen auf einer Tauchbasis darin, dass man hier eigenverantwortlich mit Partner tauchen kann, ohne von einem Guide an die Hand genommen zu werden. Nach einem „Checktauchgang“ kann man dann im Wesentlichen unbeaufsichtigt losziehen, was ich als sehr angenehm empfand. Auch bei den an Bord anwesenden Mitfahrern schien dies vielfach einer der Beweggründe gewesen zu sein, an solch einer Safari teilzunehmen.

Der Checktauchgang hatte auch nichts mit den bei den anderen Tauchbasen bekannten Spielereien (wie Maske ausblasen oder Wechselatmung) zu tun. Man taucht, und der Guide schaut sich an, welche Figur man unter Wasser macht. Das war’s. Die maximale Tauchtiefe liegt bei 50 Metern, wobei Überschreitungen keine Konsequenzen zeitigten, nicht mal die bekannten „pädagogischen Gespräche“ fanden statt. Man hat einfach beim Tauchen seine Ruhe, hier macht das Tauchen wieder Spaß!

Offiziell heißt es auch, man solle möglichst keine Dekompressionstauchgänge machen, was aber angesichts der Tauchgebiete (häufig Steilwände) und Flaschengrößen kaum möglich war. Nach manchem Tauchgang hingen jedenfalls alle noch „einfach so“ unter dem Boot herum. Ebenso gab es keine zeitlichen Beschränkungen, die 15 Liter-Flaschen reichten immer für tiefe TGs mit einer Dauer deutlich über 60 Minuten.

Pro Tag wurden 3 Tauchgänge angeboten (morgens, nachmittags und nachts), ich tauchte jedoch nur 2 mal täglich, um bei den von mir und meinen Partnern durchgeführten teilweise sehr tiefen Tauchprofilen nicht übermäßig Stickstoff aufzusättigen und um auf vernünftige Oberflächenpausen zu kommen. Wichtig zu wissen ist, dass die Touren für Anfänger nicht geeignet sind. Ein Taucher sollte mindestens 80 bis 100 TG haben, um sicher mittauchen zu können. Unter 30 TG ist Begleitung durch den Guide obligatorisch.

A propos Guide: Das Briefing durch den Guide Jochen war kurz, knapp und kompetent. Die Tauchplätze wurden erklärt, die Erklärungen reichten immer aus, um den Tauchgang sicher durchzuführen. Ansonsten tat er das, was ich von einem Guide erwarte: Er hielt sich im Hintergrund. Positiv an ihm empfand ich noch, dass er sich wirklich dafür interessierte, ob uns das Tauchen und der Aufenthalt an Bord gefallen bzw. ob wir Kritik hatten. Ich persönlich hatte nichts vorzubringen, was auch daran lag, dass ich tauchen durfte, wie ich wollte.

Die Route

Die Route für diese Safaris liegt naturgemäß nicht fest. Sie hängt insbesondere von den Wetterverhältnissen ab. Wir hatten Glück. Die See war in den sechs Tagen relativ ruhig, so dass wir bis in die Gegend von Marsa Alam kamen, was der südlichste Punkt der Reise war. Längere Fahrten zwischen den Tauchplätzen führten allerdings bei mir gelegentlich zu einem flauen Gefühl in der Magengegend, da ich nicht besonders seefest bin. Gegenmittel war, sich unten in die Koje zu legen, da dort das Schiff nicht so starke Bewegungen macht.

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Die Tauchgänge

1. Tag Wir machten den ersten Tauchgang relativ flach im Gebiet Disha um am gleichen Tag zum Panorama Reef weiterzufahren. Hier war der erste TG unter 40 Meter und wir hatten etwas Strömung. Insgesamt ein imposantes Riff mit einer schönen Unterwasserszenerie..
2. Tag Hier stand zuerst das Wrack der Salem Express auf dem Programm. Im Gegensatz zu meinem letzten Aufenthalt am Roten Meer ( siehe Reisebericht ), wo uns verboten wurde in das Wrack einzudringen, hatten wir diesmal die Möglichkeit, das Innere der gesunkenen Personenfähre ansatzweise zu erkunden.

Für technisch interessierte Menschen ist dies sicher eine nicht uninteressante Alternative. Piätetische Fragestellungen hatte ich bewusst hintenan gestellt. Es war mir natürlich klar, dass hier Hunderte von Menschen umgekommen waren und ich mich natürlich nicht an einem makabren „Todestourismus“ beteiligen möchte. Aber andererseits war klar, dass wir nicht sehr weit eindringen konnten und daher auch keine Leichenteile sehen würden. Es war aber einfach interessant dieses Wrack ohne Einschränkungen erkunden zu können. Ich habe es unter vernünftigen Menschen nicht anders erwartet, dass sich manche dafür und manche bewusst dagegen entscheiden. Mir war indes klar, dass wir in keinem Falle die Ruhe von eventuellen Toten hätten stören wollen.

Der 2. TG dieses Tages fand in der Mangrove Bay statt, einem sehr schönen Korallenriff, dass bis auf 50 Meter und tiefer hinuterreicht.

3. Tag Hier war einer der Höhepunkte der Reise, das Elphinstone Reef. Zuerst tauchten wir am Südplateau, wo wir den bekannten Torbogen in 60 Metern Tiefe durchtauchten. Beim Austauchen während der Dekophase hatten wir dann 2 Silberspitzenhaie direkt unter dem Boot, die dort patroullierten.

Der zweite TG war ein Drift-TG an der Westseite vom Nordplateu hinunter zum Südplateau.

4. Tag Der erste Tauchplatz war Godda-Samadai. Hier führte uns ein Absteig auf 62 Meter, um dann flacher in eine schönes Korallenriff hineinzutauchen, dass deutliche Erosionsschäden durch Wellengang zu verzeichnen hatte.

Der zweite TG fand in Habilli-Marsa Alam statt und hatte nichts Spektakuläres.

5. Tag Wieder am Elphinstone Reef. Diesmal Drift-TG an der Ostseite von Nord nach Süd. Der 2. TG führte nochmal durch den Torbogen auf 66 Meter Tiefe.
6. und letzter Tag Hier war nur ein einfacher, wenig anspruchsvoller Tauchgang am Shaab Shuna , der nichts Besonderes bot.

Logauszug

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Zuerst erschienen im Jahre 1999 auf peter-rachow.de (C) Peter Rachow

 
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Verfasst von - 25. November 2018 in Tauchen, Uncategorized

 

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Tauchbasis „Ulla und Paul“, Cadaques (Costa Brava)

Die Tauchbasis

Die Tauchbasis Ulla und Paul“ in Cadaques ist eine Basis, die schon lange besteht (seit 1975). Sie wurde früher von den Eltern des heutigen Baseninhabers Claas Bräutigam aufgebaut und lange geführt und vor einigen Jahren dann von ihm übernommen. Mein erster Besuch dort liegt auch schon fast 2 Jahrzente zurück, und so war es interessant zu sehen, ob und was sich verändert hatte. Insbesondere galt es herauszufinden, ob man sich dem neumodischen Trend unterworfen hatte, Sporttaucher mit allerlei Einschränkungen hinsichtlich des Tauchverhaltens mehr oder weniger zu entmündigen oder ob man in bekannter Weise eigenverantwortlich seinem Sport nachgehen konnte. Um es kurz zu machen: Nein, es war alles wie gewohnt, Gängelungen und dergleichen „moderne“ Auswüchse gab es nicht. (C) Peter Rachow Aber dazu später mehr.

Anreise

Man reist entweder mit dem eigenen Auto oder dem Flugzeug (Zielflughafen Girona) an. Wählt man den ersten Weg, ist es zu empfehlen, außerhalb der Hauptsaison eine Unterkunft nicht von Samstag auf Samstag zu buchen, da man sonst sehr viel Spaß auf der „Autoroute de soleil“ hat. Diese „Autoroute de bouchon“ („bouchon“, franz. für „Stau“) ist die ziemlich berüchtigte A7 nach Süden, die einem spätestens ab Lyon (wenn Madame und Monsieur Dupont heerscharenweise aus ihrem Pariser Vorort geschlossen in den Süden flüchten) mit einem einem netten und vor allem ziemlich teuren Dauerstau zu unterhalten pflegt. Die Durchschnittsgeschwindigkeit sinkt dann auf die Werte einer Landschildkröte, dafür darf man das Abgas der anderen staugestressten Leidensgenossen einatmen, in ihre gefrusteten Gesichter blicken und sich den restlichen Tag wahlweise mit Mord- oder Selbstmordgedanken vertreiben. Und das Ausweichen auf die „route national“ ist leider auch keine Alternative, da 10.000de andere Autofahrer aus der „Grande Nation“ nebst einigen Deutschen und Niederländern justement die gleiche Idee hatten. Die Anreise betrug diesmal freitags für die 1300 Kilometer nach Spanien einige Stunden weniger als am obligaten Samstag nach Hyeres obwohl diese Entfernung ca. 300km weniger beträgt.

Unterkunft

Claas Bräutigam bietet als Service die Vermittlung von Appartements an. Diesen Service sollte man nutzen. Auch ohne repräsentativ sein können muss ich sagen, dass wir für diesen Urlaub eine sehr geräumige, gut ausgestatte, saubere und schöne Ferienwohnung für 35,- Euro pro Person und Nacht vermittelt bekamen (und das mit Meerblick). Sie lag in Laufweite von der Basis und so konnte man das Auto stehen lassen, was die CO2-Bilanz (ja, Frau Merkel, wir tun echt was für das Klima!) unseres Urlaubs nachhaltig verbessert hat. Es gibt zwar auch einen Campingplatz in Cadaques, aber den brauche ich heute nicht mehr. „We all get older, you know?“ (C) Peter Rachow

Tauchen

Nun zum wichtigsten Punkt: Dem Tauchbetrieb. Zuerst: Die Basis hat sich seit meinem letzten Besuch nicht wesentlich verändert. OK, heute schaut man sich schon das Logbuch, die Tauchtauglichkeitsuntersuchung und das Brevetplastik an. Claas‘ Vater hatte dagegen seinerzeit noch mit den Ärtzeattesten sein Boot abgeklebt wenn er es lackiert hat und erklärte gelassen, das Meer könne nicht lesen. Kann es zwar tatsächlich nicht, aber ein Blick auf die Papiere hat ja auch noch nicht geschadet.

Das Tauchen läuft eigenverantwortlich und je nach Leistungsstand in selbst gewählten Tauchgruppen ab. Es gibt weder einen Guidezwang noch irgendwelche von anderen Basen bekannten Einschränkungen (also die bekannte Litanei à la „wir-tauchen-hier-nicht-tiefer-als-30-Meter-machen-keine-dekotauchgänge-und-ihr-müsst-immer-50-bar-restdruck-in-der-flasche-mitbringen“). Und „Rudeltauchen“ ist natürlich bei „Ulla und Paul“ auch ein Fremdwort.

Alles läuft extrem entspannt ab und so ist garantiert, dass auch erfahrene Sporttaucher aus Zeit vor dem „PAID-Diving“ auf ihre Kosten kommen. Man fährt mit einem schnellen Zodiak einige Minuten zum Tauchgebiet (der mittelmeertypisch und reich an Flora und Fauna ist), bekommt eine kurze Einweisung in den Tauchplatz und kann sich ganz gepflegt auf den individuellen Tauchgang mit indivudueller Wahl des Tauchprofiles begeben. Auf Wunsch wird natürlich eine Begleitung angeboten, was sicher für nicht sehr erfahrene Taucher sehr sinnvoll ist. Positiv war (bzw. ist) in jedem Fall, dass die Mitarbeiter der Basis erkennen, welchen Typus eines Sporttauchers sie vor sich haben und nicht, wie z. B. in Ägypten häufig vorkomment, alle einfach gleich machen und das unterste Niveau taucherischen (Nicht-)Könnens als Standard ansetzen und dann jeden zahlenden Gast als potenziellen selbstmordgefährdeten Anfänger einstufen. Derlei mag zwar aus Sicht der Basis ökonomisch sein, macht aber dem Taucher i. d. R. wenig Spaß. Bei „Ulla und Paul“ wird also Individualismus groß geschrieben.

Ach ja, und dass das Personal bei „Ulla und Paul“ nett, entspannt und überaus charmant ist, sollte man vielleicht auch noch erwähnen. Da können sich andere noch eine ganze Scheibe (oder auch mal zwei, wenn eine nicht reicht) von abschneiden, gell‘, liebste Frau van Capelle!. (C) Peter Rachow

Tauchplätze

Die Tauchplätze waren insgesamt sehr fischreich, was ich anders in Erinnerung habe aus der Zeit, als ich zum ersten Mal auf dieser Basis war. Allerdings kann ich aufgrund der langen Zeit zwischen meinen Besuchen bei „Ulla und Paul“ und der mit dem Tauchen verbundenen durch die häufigen hyperbaren N2-Expositionen ausgelösten cerebralen Läsionen (Gehirndefekte) und der dadurch verursachten partiellen Amnesie (Gedächtnisschwund) keinen genauen Zusammenhang mehr herstellen. (C) Peter Rachow Allerdings glaube ich mich zu erinnern, dass der heutige Fischreichtum Ende der 80er so nicht zu beobachten war. Außedem liegt das „Cap de Creus“ in einem Naturschutzgebiet und ist daher nicht überfischt.

Die Topographie an den Plätzen ist bestimmt durch Steilwände, Abhänge, Felsformationen und folglich sehr abwechslungsreich. Auch Sandgründe und mit Posidonia bewachsene Flächen kommen vor. Zu sehen gibt es wie üblich Zackenbarsche, Octopus, Muränen, Conger und Langusten. Die letzten beiden haben wir aber nur in Tiefen unterhalb der magischen 40-Meter-Grenze angetroffen, wo ja bekanntlich auch der Sensenmann wohnt und den ungehorsamen Tieftaucher mit in sein Reich nimmt, so wird jedenfalls von der einen oder anderen PADI-Basis immer wieder erzählt.

Ach ja! Nicht zu vergessen: Auch ein „Wrack“ hat das Gebiet zu bieten (an der Cala Bona), wenn es auch mit der „Togo“, der „Donateur“ oder der „Grec“ nicht ganz mithalten kann. (C) Peter Rachow Aber man(n) erkennt zumindest noch Metallteile.

Technik und Sicherheit

Die Basis verleiht alles an Ausrüstung, was nötig ist, falls Bedarf besteht. Diese Leihausrüstung macht (ohne sie genauer in Augenschein genommen zu haben, da meinerseits kein Bedarf bestand) einen sehr guten Eindruck. Es handelt sich um neuwertige Teile, die in einem erkennbar sehr gepflegten Zustand waren. Die Preise dafür sind insgesamt angemessen. Das Boot ist ebenfalls in einem Topzustand und entsprechend ausgestattet: Es befindet sich ein Sauerstoffsystem (Sauerstoffflasche mit „Demand“-System) an Bord, das eine O2-Versorgung eines Tauchers bis zum Eintreffen an Land sicherstellt.

Preise

Ein Bootstauchgang kostet 25,- Euro, ab 5 gibt es einen Preisnachlass von 3 Euronen pro TG. Die Flaschenfüllung für einen Landtauchgang aus einer der naheliegenden Buchten bzw. direkt an der Tauchbasis kostet 15 „internationale europäische Kredite“ auch hier wird für Abnehmer größerer Mengen ein Abschlag gewährt.(C) Peter Rachow Es hält sich also kostenmäßig im Rahmen.

Fazit

Lassen wir doch einfach mal kurz Arnold Schwarzenegger als „Terminator“ zu Wort kommen: „Hasta la vista , baby! I’ll be back.“ (C) Peter Rachow

 
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Verfasst von - 25. November 2018 in Tauchen, Uncategorized

 

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Tauchen Cala Jóncols (Costa Brava)

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Vorbemerkung: Die hier beschriebene Basis in der Bucht von Cala Joncols wird nicht mehr, wie zu jenem Zeitpunkt, als der Bericht verfasst wurde, von Volkmar Göldner betrieben sondern von einer Tauchbasenkette, die sich „Euro Divers“ nennt. Diese hat sich nach meinen Informationen das PADI-Tauchen par excellence auf die Fahnen geschrieben (i. e. also das neumodische „Fun-Diving“ für Gelegenheitstaucher mit Einschluss z. B. eines Tiefenlimits von 30m, einer Tauchzeitbegrenzung von 60 Minuten, Verbot von Deko-TG etc.). Des Weiteren muss man nach mir vorliegenden Informationen, damit man auch ja nicht zu lange taucht, immer mit 50 bar Restdruck in der Flasche auf dem Boot erscheinen, weil sonst immer die Flasche implodiert, deren Innendruck ja nun gefährlich nah am Atmosphärendruck liegt! Warum man aber trotzdem immer eine volle Füllung bezahlen muss, obwohl man de facto nur 3/4 der Flasche nutzen darf, konnte mir noch nie eine Tauchbasis sinnstiftend erklären).

Ergänzung: Ich erhielt zwischenzeitlich eine anderes lautende Meldung per E-Mail von Martin Heggli . Dort wurde berichtet, dass das Tiefenlimit 40 m sei und der erfoderliche Restdruck in den Flaschen 30 bar. Dass die genannte Tauchzeitbegrenzung und das Verbot von dekompressionspflichtigen Tauchgängen bestünden wurde aber nicht angzweifelt (was mich auch wundern würde…). Meiner Ansicht nach ist es dabei allerdings völlig irrelevant, auf welchen Maximalwert ein Tiefenlimit gesetzt wird. Die Tauchtiefe ist dabei überhaupt nicht der wichtige Faktor. Es geht um ein anderes Problem: Man spricht hier erwachsenen und mutmaßlicherweise mündigen Menschen ab, ihre Freizeitbeschäftigung so auszuüben, wie es für verantwortbar halten. Dabei degradiert man sie zu unmündigen Wesen, die zahlen und konsumieren dürfen, mehr aber nicht. Ähnlich verhält sich mit dem Verbot von Deko-TG usw. Entweder die Basis lässt einen frei tauchen oder nicht. Und diese tut es nicht. Wie gesagt: Die Tiefe ist nicht das Problem, die Entmündigung ist es.

Ernsthafte Sporttaucher, also jene, die kein PAID -Diving wollen sondern eigenverantwortliches Sporttauchen, sollten daher vorher unbedingt die genauen Modalitäten mit der Basis abklären, damit einem Entäuschungen erspart bleiben, evtl. anhand des Fragebogens !

Die Tauchbasis

Die Tauchbasis Pro-Dive Cala Jóncols liegt in einer Bucht der Costa Brava, unweit des Ortes Cadaqués im Naturschutzpark Cap de Creus. Sie wird von Volkmar Göldner geleitet. Der Basenbetrieb funktionierte während unseres Aufenthaltes trotz einer recht hohen Anzahl von Gästen ohne Probleme, die Organisation ließ keine Wünsche offen. Volkmar tut eine Menge, damit die Gäste sich wohlfühlen: Weiterbildungsvorträge durch hervorragende Referenten, Infoabende und vor allem ein sehr angenehmes Ambiente. Alles läuft unter dem Motto „Tauchen und relaxen“.

Die Leihausrüstung befindet sich in einem sehr guten und gepflegten Zustand, der Kompressorraum ist klinisch rein, Schmuddelambiente wie bei vielen anderen Basen am Mittelmeer gibt es nicht. Auch das Tauchboot ist sehr gut ausgestattet und bietet neben Funk auch eine Sauerstoffversorgung für Notfälle an. Wenn auch theoretisch Platz für 50 Taucher wäre, fährt das Boot mit max. nur durchschnittlich 25 Personen aus. Sollten sich mehr Interessenten angemeldet haben, werden sowohl vormittags als auch nachmittags 2 Ausfahrten durchgeführt, was aber während unseres Aufenthaltes nicht vorkam.

Auf der Basis ist Tauchaus- und -fortbildung nach den Richtlinien von PADI, NRC und CMAS möglich. Auch ein Eltern-Entreicherungsprogramm ( PADI-Seal-Team ) wird angeboten. Die gelegentlich herumliegenden PADI-Seal-Broschüren sind allerdings für eine kritische Analyse hervorragend geeignet und bieten immer Anlass für spontane Erheiterung.

Weiterhin engagiert sich die Basis sehr stark im Rebreather- und Nitroxbereich. Wer sich für diese Varianten des Tauchens interessiert, kann einerseits bei interessant und gut gestalteten Vorträgen in die Theorie einsteigen und andererseits auch bei einem „Schnuppertauchen“ einen praktischen Erstkontakt herstellen. Für den, der noch nicht genug Tauchkärtchen hat (TL***,  Master Scuba Diver Trainer o. ä.) und noch was für’s individuelle Prestige tun will, bietet sich die Möglichkeit, auch gleich noch „Rebreather Instructor“ zu werden. Der Clou: Man muss vorher noch nicht mal mit dem Rebreather getaucht sein, ein TL-Kärtchen irgendeiner der zahllosen kärtchenverteilenden Tauchorganisation oder Franchiseketten genügt vollauf. Eine m. E. nach etwas fragwürdige Praxis, die der Verband NRC da anbietet.

Die Mitarbeiter der Basis sind freundlich, hilfsbereit, engagiert und kompetent. Auch für Gäste mit Extrawünschen oder Problemen standen sie stets zur Verfügung, was in jedem Fall hohe Anerkennung verdient.

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Das Tauchen

Pro Tag werden immer zwei Ausfahrten angeboten (vormittags gegen 10:00 und nachmittags gegen 16:00), die an nahe gelegene Plätze führen. Die Fahrzeit zum jeweiligen Tauchziel beträgt zwischen 5 und 20 Minuten. Die Tauchplätze selber sind leider i. d. R. eher anspruchslos zu betauchen. Bei dem geringsten Indiz auf ein Strömungsaufkommen wird z. B. ein Tauchplatz gar nicht erst angefahren. Dies geschieht meiner Interpretation nach deshalb, um Gäste mit geringer Taucherfahrung (die teilweise einen nicht unerheblichen Anteil am Gesamtaufkommen besitzen) nicht zu überfordern. Dass dabei der Tauchspaß für erfahrene Taucher oft auf der Strecke bleibt, ist dabei dann leider die ebenso logische wie bedauerliche Folge.

Mittwoch abends wird Nachttauchen angeboten, was allerdings nicht bereits in dem eventuell gebuchten Tauchpaket enthalten ist und mit EUR 25 zu Buche schlägt. Ein Wochentauchpaket (10 TG) kostet 199 Euro.

Auch die mittlerweile leider üblichen Begrenzungen gibt es. Vor jedem Tauchgang endet die Vorbesprechung mit den stereotyp wiederholten Worten „Wir machen keine Deko-Tauchgänge, tauchen nicht tiefer als 40 m und die Tauchzeitbegrenzung beträgt 60 min.“ Amen. Allerdings wird ohne Guide getaucht, so dass sich hier bei Überschreiten der Tiefengrenze keine Probleme ergaben. Die meisten Plätze enden allerdings spätestens bei 50 Metern Wassertiefe, es sei denn man taucht sehr weit hinaus um dann nur noch Sandgrund anzutreffen.

Die Tauchplätze sind mittelmeertypisch und meistens sehr interessant. Bedingt durch die Tatsache, dass die nördliche Costa Brava um das Cap de Creus seit einigen Jahren ein Naturschutzgebiet ist, haben sich die Fischbestände dieser ehemals leer gefischten Region des Mittelmeeres deutlich erholt. Man trifft auf die mittelmeertypische Fauna wie Oktopusse, Muränen, Drachenköpfe in allen Größen, Zackenbarsche, Brassenschwärme, Gelbstriemenschwärme, Nacktschnecken, prächtige Gorgonien, bunte Schwämme, etc. Vor allem die „Freunde der langsamen Flosse“ kommen da beim geduldigen Stöbern auf ihre Kosten.

Die beiden besten Tauchplätze sind „La Trona“ und das sich daran anschließende „Cabo Norfeo“. Sie liegen praktischerweise gleich nebeneinander. Beide Tauchplätze reichen bis ca. 45 m Wassertiefe und bieten dort Steilwände und schräg abfallende zerklüftete Halden mit vielen Beobachtungsmöglichkeiten für Tiere. Darüber hinaus gibt es auch noch die Möglichkeit, von Land aus direkt in der Bucht vor der Basis zu tauchen.

Das Hotel

Das angeschlossene Hotel bietet in Verbindung mit einer Buchung Vollpension an. Das Essen ist einfach, aber abwechlungsreich, schmeckt gut und ist ausreichend, da auf Wunsch stets noch ein Nachschlag gereicht wird. Tischwein und Wasser sind im Preis bereits inbegriffen. Probleme gab es beim Frühstück: Wer Schwarztee liebt, sollte sich von zu Hause Teebeutel mitbringen, heißes Wasser kann bestellt werden. Auch Müsliliebhaber sollten sich ihren Stoff mitbringen. Milch wird gereicht.

Die Zimmer, ebenso wie das restliche Hotel, sind sehr sauber und in gutem Zustand. Nur die Betten sind für eher harte Unterlagen gewohnte Mitteleuropäer etwas gewöhnungsbedüftig.

Die Tauchgäste

Interessant ist, welche Gasttypen mittlerweile auch auf deutschen Mittelmeerbasen im Sommer aufschlagen. Da gibt es z. B. den angeblichen TL 3 mit Riesenmundwerk und 50 kg zu viel auf der Wampe, nach eigenem Bekunden ausgestattet mit über 3000 Tauchgängen und beobachtbar diametral entgegengesetzten Tauchfertigkeiten ebenso wie richtig nette Leute, besonders aus der Schweiz, mit denen man abends ziemlich gut quatschen kann. Auch eine Good-Old-Blues-Brothers-Boys-Band (aber nicht aus Chicago!) hatte sich zusammengfunden, die meistens bis weit nach Mitternacht einen absolut starken Blues hinlegte und auch alte Folksongs mit beachtlicher Professionalität interpretieren konnte. Alle Achtung, meine Herren! Keep on bluesin‘!

Fazit

Wer eine oder zwei Wochen richtig ausspannen und dabei nett tauchen gehen will, für den ist Cala Jóncols hervorragend geeignet. Insbesondere auch für Familien mit kleinen Kindern ist der Platz eine gute Wahl. Für den bereits halbwüchsigen Nachwuchs hingegen und all solche, die abends erst so richtig ihre Unternehmungslust entdecken, bietet sich Cala Jóncols eher weniger an, denn bedingt durch die abseits gelegene Bucht ist der Massentourismus inkl. Kneipen, Discos, etc. wie nebenan in Rosas und Estartit hier mehr als fern. Rosas liegt zwar nur ca. 12 km entfernt, aber angesichts der Fahrzeit von ca. 40 min., sofern man keinen „Off-Roader“ besitzt, überlegt man sich da einen solchen Ausflug doch recht gründlich…

Für den ambitionierten Sporttaucher könnte der Aufenthalt allerdings gelegentlich etwas frustrierend geraten, da das Tauchen doch eher anspruchslos ist. Dies scheint aber eine Entwicklung der Zeit zu sein, da sich die Tauchbasen immer mehr auf die mangelnden Tauchfertigkeiten ihrer oft nur im Urlaub tauchenden Gäste einzustellen scheinen. Cala Jóncols ist dafür (leider) ein gutes Beispiel. Allerdings muss man anmerken, dass Volkmar sein Möglichstes tut, um auch erfahreneren Tauchern Rechnung zu tragen, indem er z. B. auch Kontakte zu einer anderen Tauchbasis herstellen kann, die Tauchplätze mehr im Norden der Costa Brava anbietet (Mazza d’Oro, Isla de Messina) und so auch anspruchsvollere Tauchgänge ermöglicht.

Abschließend muss ich sagen, dass mir die zwei Wochen an der Costa Brava summa summarum als sehr nett, angenehm und interessant in Erinnerung bleiben werden.

Peter Rachow 2004


 
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Mittelmeerfahrt mit der SY Florette nach Capri, Ischia und den Äolischen Inseln (Italien), August 2004

Zu Beginn des August 2004 brachen wir zu unserer inzwischen zweiten Reise mit der SY Florette durch das Mittelmeer auf. Die Route führte zunächst von Vibo Valentia auf dem süditalienischen Festland nach Capri, dann nach Ischia. Von dort ging es weiter nach Procida und Sorrent und dann wieder zurück nach Capri. Nach dieser ersten Woche wurden die Äolischen Inseln angefahren, die bereits bei unserer ersten Reise im Jahre 2000 besucht wurden. Zuerst Stromboli (auf der sich der gleichnamige Vulkan befindet), dann Panarea und danach Lipari. Weiter ging es nach Vulcano, dann – etwas ungeplant – wieder zurück nach Lipari, da ein Teilnehmer der Reise einen leichten Dekompressionsunfall erlitten hatte und ärztliche Versorgung brauchte. Zum Abschluss ging es dann noch einmal nach Panarea, von wo der letzte Teil der Fahrt startete: der Rückweg zum Festland bei Vibo.

Zur Geographie der Äolischen Inseln 

Die 7 großen und 11 kleinen Inseln dieses Archipels liegen ca. 25 bis 60 km nördlich von Sizilien im Tyrrhenischen Meer. Sie sind vulkanischen Ursprungs. Die wohl bekannteste Insel dürfte Stromboli sein, auf der sich einer der heute noch aktivsten europäischen Vulkane befindet. Andere bekannte Inseln sind Vulcano, Lipari und Salina. Von der Hauptinsel (Lipari) haben die Inseln auch ihren Zweitnamen, „Liparische Inseln“. Die Italiener, die nicht auf Lipari wohnen, hören den aber nicht so gerne, so dass die Inseln in Italien „Isole Eolie o Lipari“ heißen, womit wohl jedem gedient ist. Verwaltungstechnisch gehören die Inseln zu Sizilien.

Die Florette ist ein zweimastiges historisches Segelschiff, das in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts als Marmorfrachter in Dienst gestellt wurde. Nach zahlreichen Um- und Einbauten dient es heute als Touristenschiff, das im westlichen Mittelmeer kreuzt. Das Schiff ist in einem guten Zustand, verfügt über einen Motor, der ihm eine Geschwindigkeit von 5 bis 7 Knoten verleiht, und ist ausgestattet mit der heute gängigen Infrastruktur wie einem Generator für 230 V Spannungsversorgung (der tagsüber und abends insgesamt ca. 16 bis 20 h pro Tag läuft, bei Nachtfahrten auch rund um die Uhr), mehreren Duschen und Toiletten. Auch die üblichen nautischen Hilfsmittel sind vorhanden: Radar, Echolot, GPS-Navigation, etc. Für den Transport der Taucher stehen zwei Schlauchboote mit ausreichender Motorisierung zur Verfügung. Das größere der Boote ist mit Echolot ausgestattet, so dass die Taucher genau über der gewünschten Tiefenlinie in das Wasser gelassen werden können.

Die Gäste wohnen in Doppel- oder Dreierkabinen unter Deck. Leider ist der Komfort der Kabinen – auch durch die Bauart des Schiffes bedingt – sehr gering. Sie sind sehr klein, verfügen über keine Klimaanlage oder wenigstens einen Ventilator und sind daher bei den hohen Temperaturen im Sommer nachgerade unerträglich heiß. Die höchste Temperatur, die wir messen konnten, betrug 36°C in der Kabine. Auch nachts fällt die Temperatur selten unter 28°C, da sich auf Grund der Tatsache, dass die einzige Möglichkeit der Belüftung ein relativ großes Oberlicht ist, die Hitze in der Kabine staut. Schlafen in der Kabine wird dadurch höchst problematisch. Nach kürzester Zeit schwimmt man auf seiner Schaumstoffmatratze im eigenen Saft und ringt nach Luft. An Durchschlafen war kaum zu denken. Prinzipiell besteht zwar die Möglichkeit, die Nacht auch an Deck zu verbringen, doch stellt sich hierbei angesichts von mehr als zwanzig Personen an Bord zum einen ein gewisses Platzproblem, wenn alle an Deck schlafen wollten, und zum anderen ist die gesamte hierfür benötigte „Ausrüstung“ von zu Hause mitzubringen: (nach Möglichkeit gepolsterte) Iso-Matte, da es keinerlei Schaumstoffmatten als Unterlagen an Bord gibt, sowie ein Wasser abweisender Schlafsack, da es im Morgengrauen dann doch nass-kühl wird, die Verwendung des Bettzeugs aus den Kabinen (deswegen) an Deck aber nicht gestattet ist.

Es wurden täglich Frühstück, Mittag- und fallweise Abendessen angeboten (ca. jeden zweiten Tag wird an Land gegessen, da wir für eine Woche Voll- und für eine Woche Halbpension gebucht hatten). Das Essen ist gut, abwechslungsreich und naturgemäß (es müssen über 20 Personen auf einmal verpflegt werden) eher einfach gehalten.

An Bord gibt es Getränke zu kaufen, der Verbrauch wird in eine Strichliste eingetragen. Die Preise sind sehr hoch. So kostet eine 0,5 l-Dose Getränk (Pepsi-Cola, Orangenlimonade, Bier) 2,60 € (mehr als 5 DM nach alter Währung!). Eine 2-Liter-Flasche Mineralwasser schlägt mit 1,80 € (ca. 3,50 DM) zu Buche. Die Einkaufspreise der jeweiligen Artikel liegen übrigens deutlich niedriger. Schaut man im „Alvi“-Markt in Vibo nach (dem Hafen, von wo aus das Schiff ablegt), in dem u.a. die erwähnten, an Bord erhältlichen Getränkeartikel angeboten werden, so kostet dort die identische Orangenlimonade 0,40 €, Pepsi-Cola 0,42 € und das Bier (Tuborg) 0,75 € pro Dose. Mineralwasser ist im Discounter für 0,30 € je Flasche im 6er-Pack im Angebot. Die Preise auf der Florette liegen demnach zwischen dem 3 1/2- und dem 6-fachen (!!) des Einkaufspreises. Dies ist meiner Meinung nach auch unter nötiger Berücksichtigung des Belieferungsaufwands nicht gerechtfertigt. Des Weiteren war auch der Kaffee, der außerhalb des Frühstücks getrunken wurde, extra zu bezahlen (0,80 € pro Tasse bzw. eine bestimmte Pauschale für den ganzen Urlaub), was dann doch einigermaßen kleinlich wirkt, insbesondere, wenn man bedenkt, dass für die gesamte 2-wöchige Kreuzfahrt bereits ca. 1600,- € pro Person inkl. Tauchpaket (20 TG) entrichtet werden müssen. So fallen am Ende der Reise erhebliche Zusatzkosten an. Eine 4-köpfige Familie bezahlte beispielsweise 300,- € alleine für die Getränke an Bord.

Tauchen

Das Tauchen war letztendlich der positive Aspekt der Reise. Unvergleichliche Tauchplätze, mit die schönsten Tauchgänge, die man machen kann. Und man kann sie so gestalten, wie man es selbst für richtig hält. Da es an Bord keine Diveguides gibt (was aber nicht bedeutet, dass sich nicht doch die allfälligen Wichtigmacher fanden, davon aber später mehr) wurden die traditionellen Vorgehensweisen des Tauchsports angewendet: individuelle Tauchgangsplanung, eigenverantwortliches Tauchen in 2er- oder 3er-Gruppen bzw. bei Bedarf auch Solotauchen. Die Tauchbedingungen sind also für Sporttaucher, die Tauchen ohne die heute übliche Gängelung suchen, fast ideal.

Die Tauchplätze waren reich an stark diversifizierter Flora und Fauna. Es handelte sich i. W. um Steilwände oder steile Abfälle mit Neigungen von über 45°. Die Tauchtiefen lagen i. d. R. zwischen 60 und 80 Metern, wobei es innerhalb der anwesenden Gruppe aber auch einzelne Komiker gab, die sich absichtlich vom Schlauchboot über völlig uninteressanten Sandflächen bei 90 bis 100 Metern Wassertiefe aussetzen ließen, um notfalls eben auch ‚gewaltsam‘ auf den nötigen N 2 -Partialdruck zu kommen. Derlei „Notabstieg“ habe auch ich mir einmal, allerdings eher zwangsweise, vor Sorrent angetan, als der Abwurfpunkt vor der Küste nämlich zu weit entfernt von der Uferlinie war und ich dann auf der 84 m-Linie landete und dort infolge schlechter Sicht und eines völlig konturlosen Sandbodens satt in einer vermutlich sehr lustig aussehenden Staubwolke aufschlug. Ha, ha! Immerhin ein guter Gag, aber einigermaßen unergiebig und daher als dauernde Methode, einen Mittelmeertauchgang zu beginnen, aus meiner Sicht eher weniger erstrebenswert.

Die Tauchzeiten betrugen aufgrund der langen Dekompressionsphasen immer mehr als 60 Minuten. Die Tauchflaschen werden mit einem Bauer-Kompressor gefüllt, der sich im vorderen Bereich des Schiffes befindet. Der Fülldruck der Tauchflaschen war bei meinen Flaschen immer ca. 220 bar.

Tauchergruppendynamik

Eine der Begleiterscheinungen bei solcherart Gruppenreise ist, dass man Leute, die man vorher in der Mehrzahl der Fälle allenfalls aus der Distanz kannte (i. e. ausschließlich durch das Internet und auf Basis ihrer dort veröffentlichten Beiträge), hier durch das zweiwöchige Zusammenleben auf engstem Raum zwangsläufig näher kennen lernt. Das kann gut gehen, muss aber nicht. Und so stellt der geneigte Reisende dann plötzlich fest, dass der eine oder andere vorher durchaus nicht unsympathische Mensch sich unversehens als ziemlich nervtötender Zeitgenosse entpuppt.

Derlei Findungsvorgänge geschehen dann insbesondere vor dem Hintergrund der üblichen gruppendynamischen Prozesse, bei denen Individuen den für sich selbst als angemessen angesehenen Platz in der Gruppe von eben dieser einfordern. Da gibt es dann die „Anführer“, die „Adjutanten“, die „Kritiker“, die die gewünschte Autorität des Anführers unterlaufen, und die schweigende Masse. Sie lesen hier übrigens gerade den Beitrag des „Kritikers“. ;-))

Besonders wichtig sind demnach die „Anführer“, die ganz oben in der Hierarchie stehen (wollen). Ein besonders krasses Beispiel, wohin die notwendigen Profilierungsversuche auf dem Weg zur Spitze der Gruppe führen können, war denn auch ein Mittaucher, der in der entsprechenden Newsgroup gerne durch langatmige Beiträge auffällt, in denen er durchweg liberale Positionen vertritt (gegen Diveguides, gegen Bevormundung jedweder Art, für Eigenverantwortung, für das fallweise ausgeübte Recht auf Selbstgefährdung beim Tauchsport, etc.), sich dann aber in der Wirklichkeit zum Chef an Bord aufzuschwingen versucht, der als Kombination aus Gruppenführer, Hilfskapitän und Alleswisser zu allem und jedem (notfalls auch zur Konstruktion von Bassgitarren-Verstärkern ) eine – und zwar die stets richtige! – Meinung hatte, die er dann auch ständig kundtun und dabei das letzte Wort behalten musste, selbst wenn er sich dabei im Ergebnis allenfalls durch fehlende Sachkenntnis profilierte. Er fiel meiner Partnerin und mir bereits nach wenigen Tagen insbesondere dadurch auf, dass er durch ständige ebenso altkluge wie weitgehend sinnfreie Ratschläge den anderen Mitreisenden deutlich machen wollte, über welchen seemännischen (schließlich machte er die Reise zum x-ten Male) und taucherischen Erfahrungsschatz (er ist immerhin praktizierender Urlaubstaucher!) er verfüge und was andere doch alles noch von ihm lernen konnten. Derlei Verhalten ist natürlich besonders dazu geeignet, von den anderen Mitgliedern einer Tauchgruppe die Meinungsführerschaft zugesprochen zu bekommen.

Wie weit Anspruch und Wirklichkeit in diesem speziellen Falle aber dann doch auseinander lagen, wurde an schönen Beispielen deutlich. Eines davon: Eben jene Person, die sich wohl für den Tauchmeister par excellence zu halten pflegt, hatte keine Probleme, die Tatsache, dass ein Mittaucher (namentlich der Autor dieses Textes) das ankerlos treibende Schiff am Ende des Tauchgangs antauchte, um an Bord zu gehen, lautstark als immer, unter allen Umständen und ausnahmslos hochgradig gefährlich und verantwortungslos (insbesondere dem Schiffsführer gegenüber) anzugehen. Dass der Autor seine Entscheidung im konkreten Fall aber gerade deswegen so und nicht anders getroffen hatte, weil das Schiff hier in geringer Entfernung bei offensichtlich völlig ruhiger und strömungsfreier See ortsfest vor sich hin dümpelte und auch keinen Anlass hatte, sich von dort wegzubewegen, weil es auf das Schlauchboot wartete, das gerade ein Häuflein der übrigen Taucher aufsammelte, wurde ganz im Sinne der sonst doch immer so vehement kritisierten generalisierenden Sichtweise der Dinge gar nicht erst zur Kenntnis genommen. Denn genau da liegt die Krux. (Vordergründige) Liberalität und der Satz „Das tut man nicht“ passen eben nicht zusammen. Es stellt sich also die Frage: warum hat der Herr eigentlich so derartig panische Angst vor dem Anschwimmen des (sein Lieblingswort) „treibenden Schiffes“? Nun, irgendwann wird er mal „gerlernt“ haben (also vom Hörensagen erfahren haben) dass, „man“ das eben nicht tut.

Exkurs: Warum stirbt man zwangsläufig bei solch einer Aktion? Versuchen wir, auf diese Frage eine Antwort zu finden und machen ein Gedankenexperiment. Stellen wir uns die Situation also zuerst einmal vor. Der Kahn (fast 40 Meter lang, eine Masse wie mindestens eine Diesellokomotive, wahrscheinlich mehr, und ausgerüstet mit einem schwachen Antrieb) treibt bei völlig ruhiger Wassseroberfläche strömungs- und damit bewegungslos dahin. Ein Mensch befindet sich im Wasser am vorderen Ende des Bootes wo sich der Einstieg mit Leiter befindet. Es sei, so argumentierte der Obertaucher, gefährlich, weil man nun von der Schraube des Schiffes zerstückelt werden könnte. Stimmt. Man kann grausig zerfetzt werden. Wenn man 20 Meter zum Heck schwimmen und dann noch mal 2 m untertauchen würde und sich zügig in die Mitte des Rumpfes begeben würde, ja, dann könnte man tatsächlich in die Schraube geraten. Wenn die sich denn drehen würde und der schwimmende Mensch so exorbitant blöd wäre, zum Heck zu paddeln. Dann hätte er es aber wirklich nicht besser verdient. Oder, andere Möglichkeit, man könnte vom Rumpf des Schiffes, das sich unversehnds auf einen zu bewegt, gaaaanz schlimm „zerquetscht“ werden? Geht das? Hier hilft uns die Physik. Wir wissen: Ein Schiff hat eine große Masse und ist daher träge. Der Taucher hat eine kleine Masse und ist daher beweglich (nicht besonders träge). Das Schiff komme nun auf den Taucher zu. Der Taucher wird nun mitnichten zermalmt (wogegen denn auch) sondern sanft weggeschoben (große Masse gegen kleine Masse), wenn er sich nicht selber vom Schiff absößt (was die natürliche Reaktion wäre). So etwas habe ich tatsächlich mal am Bodensee (üb)erlebt, als das Tauchschiff, das mich wieder an Bord nehmen sollte, auf mich zukam und mich touchierte, einfach weil der Kapitän unaufmerksam war. Ich habe überlebt, wenn auch nur knapp ;-). Also auch Blödsinn. Dritte Möglichkeit: Ein anderes Schiff erscheint (woher denn ist eine andere Frage, eventuell ja der „fliegende Holländer“) und man wird zwischen beiden Booten eingeklemmt. Eingeklemmt zwischen Rümpfen, von denen zumindest einer an der Bordwand nicht senkrecht geschnitten (wie ein modernes Frachtschiff z. B.) ist so dass immer ein Hohlraum knapp oberhalb der Wasseroberfläche verbleibt? Und wenn nicht? Na und, dann taucht man halt in Gottes Namen ab. Schließlich ist man Taucher und kein Schwimmer. Fazit: Alles Blödsinn in der konkreten Situation. Dummschwatz und Wichtigmacherei eines profilierungssüchtigen Hobbykapitäns eben.

Apropos „profilierungssüchtig“. Spannend war auch, was ungezählte „Experten“ (meistens Hobbykapitäne und solche, die es werden wollen) in der Newsgruppe de.rec.sport.tauchen zu dem Thema beizutragen wussten. Brrrr, schüttel! Einzelheiten erspare ich mir und Ihnen, kann aber zumindest soviel sagen, dass hier mal wieder eine bunte Mischung aus Moralin in erhöhter Konzentration („mit Dir will ich nie auf einem Schiff sein!“), äußerst gewagten Unterstellungen, sehr dürftig belegten Hypothesen, gekonnt rekapituliertem Hörensagen, „realen“ (oder eben das, was man im Einzelfalle als „real“ ansieht) Alltagserfahrungen gepaart mit der üblichen Fabulierwut der Netztaucher zu einer schönen aber letztlich schwer verdaulichen Melange angerührt wurde. Nach 3 Tagen konnte ich mir das unsägliche Geschreibe leider nicht mehr antun und habe die Gruppe deabonniert.

Kommen wir zurück zur Person des „Obertauchers“ und potenziellen Gruppenanführers. Denn auch wenn er selber das Verhalten anderer kritisierte so war er mitnichten das entsprechende Vorbild, denn plötzlich zeigte dieselbe Person nur wenige Tage später ein herausragendes Beispiel an Verantwortungsbewusstsein, als sie sich nach einer Nacht mit, wie es Mediziner schön umschreiben, „exzessivem Alkoholkonsum“, der bis in die frühen Morgenstunden dauerte (die Teilnehmer an dem ausgedehnten Umtrunk sahen beim Frühstück daher allesamt heftig angeschlagen und wenig tauchtauglich aus) mal eben am Vormittag alleine ohne Tauchpartner auf eine Wassertiefe von 90+ Metern versenkte. Das mit dem fehlenden Tauchpartner geht ja noch in Ordnung, wer macht denn freiwillig so einen hochgefährlichen Schwachsinn mit? Na ja, und das mit dem Tauchen in Zustand der Trunkenheit mit Restalkohol im Blut darf man auch nicht immer sooo eng sehen, denn der Herr hat mal in der Taucher-Newsgroup die These vertreten, er sei bei 50 Metern mit einer Flasche Wein intus völlig klar im Kopf. Na dann: „Wohl bekomm’s!“ Die einschlägigen tauchmedizinischen Veröffentlichungen scheint er übrigens nicht zu kennen, denn die führen ganz andere Sachverhalte zum Thema „Tauchen unter Alkoholeinfluss“ aus. Und damit dürften sich erhebliche Schwierigkeiten ergeben, die These zu belegen, auch mit einer gravierenden Menge Restalkohol im Blut nebst Schlafmangel tauche es sich ganz prima. Fazit: Soviel vorsätzlicher Leichtsinn und Unverstand schlägt nicht nur einem Fass den sprichwörtlichen Boden aus.

Dann fiel eben dieser Mensch auch noch dadurch auf, dass er nach einem längeren Tieftauchgang wohl erkennen musste, dass die Planung seines Luftvorrates (wenn es denn überhaupt eine gab) gerade wohl ziemlich heftig danebengegangen war. So musste er sich dann bereits für die tieferen Dekompressionsstufen unterhalb von 3 Metern Wassertiefe eine Zusatzflasche von Bord herunterreichen lassen, da sein eigener Luftvorrat für ein regelgerechtes Austauchen offenkundig nicht mehr ausreichend war. Er spielte diese gravierende taucherische Fehlleistung, die bekanntermaßen im ungünstigsten Falle in den Rollstuhl oder zumindest in die Druckkammer führen kann, dann abends beim Essen allerdings in gewohnt lässiger
Manier herunter. Schließlich ging es um sein eigenes Fehlverhalten, da ist man naturgemäß ja gerne mal etwas großzügiger, was aber nichts am Sachverhalt ändert. Wenn einem Taucher bereits bei den tieferen Dekostufen das Atemgas ausgeht und nicht erst in den letzten fünf Minuten – was schon unschön genug wäre –, sind wohl Fragen hinsichtlich der Fähigkeit angebracht, anspruchsvolle Tauchgänge sachgerecht zu planen und dann aber auch vernünftig durchzuführen. Mit wenig Luft in der eigenen Flasche regelgerecht auszutauchen oder fast ohne Luft am Dekoseil anzukommen sind halt zwei gänzlich verschiedene Paar Stiefel. Nicht gerade sehr vorbildhaft, die erste Alternative zu wählen.

Apropos „Vorbild“: Wenig als Vorbild für junge (und auch alte 😉 ) Taucher geeignet ist wohl auch die Demonstration dieses Mittauchers, dass die exzessive Verwendung von Genussgiften nicht nur im Falle des Alkohols der taucherischen Betätigung mitnichten abträglich sei. So war auch der „blaue Dunst“ entsprechend gefragt und es wurde nötigenfalls auch noch bis wenige Sekunden vor dem Einspringen in das Wasser genussvoll an einem Sargnagel gezogen. Wenn die Sucht ausreichend stark ist, wird der Rauchgenuss beispielsweise nach der eigenen Mahlzeit auch dadurch nicht weiter gestört, dass andere am Tisch noch ihre Nudeln löffeln. Die entsprechende Mengen an Kippen, die dabei dann pro Tag anfielen, wurden gerne ebenso profimäßig wie lässig direkt über die Reling ins Meer entsorgt. So viel Umweltbewusstsein und Mitdenken in ökologischen Fragen beeindruckt. Dafür darf man dann als Chef vom Dienst auch mal andere richtig abkanzeln. Schließlich zeigt man ja permanent, dass man „The leader of the pack“ und damit ein wahres Vorbild unter und über Wasser ist.

Spannenderweise hatten dieser Herr Frey und sein Kumpel Berger (beides Kettenraucher der übelsten Sorte und sowas von notorisch unfit) ihre Tauchgangsplanung überhaupt nicht im Griff. Man sah sie gelegentlich bei Ende des Tauchgangs unter dem Boot hängen mit noch ordentlich Dekozeit auf der Uhr während man ihnen von oben volle Flaschen anreichte, weil in den mitgeführten der Innendruck fast auf 0 abgesunken war. Schlechte Taucher, die in der NG d.r.s.t aber stetig einen auf „dicke Hose“ und „Tieftaucher“ machen.

Gelernt habe ich durch das Beobachten von Menschen (und in diesem Falle trifft dies 100%ig zu), dass die Art der Selbstdarstellung in der wie auch immer gearteten Öffentlichkeit und die wirklich vorhandenen Kenntnisse und Fähigkeiten einer Person sehr oft diametral entgegengesetzt sind. Anders gesagt: Je lauter einer dröhnt, desto weniger kann er i. d. R.. In einer Newsgroup kann man gerne und weitgehend widerspruchslos den tollen Taucher geben. Die Wirklichkeit zu bestehen ist da fallweise schon wesentlich schwieriger.

Der so vorbildliche ‚Chef‘ hatte natürlich noch einen Adjutanten, der sich eilfertig darin ergab, ihm plichtschuldigst beizuspringen, während die Masse konsumierte. Aber der ist eigentlich ohne Relevanz. Abgesehen davon, dass der Adjutant seinen geglückten 108-m-Tauchgang abends zuvor mit einer Flasche Sekt an Bord feiern musste und uns endlich mal einen „Grund“ zum Feiern lieferte. Da konnte man mal live und in Farbe erleben, wie sich physisch ausgewachsene Männer im Stile 18-jähriger postpubertärer Bürschchen generierten und das Spiel „Wer hat den Längsten?“ statt mit dem Durchmesser des Auspuffs ihres getunten Golf GTi mit den Meterangaben auf ihren Tauchcomputern spielten. Und das war dann nur noch peinlich.

Was es sonst noch gab…

Ein Tauchunfall

Während der Reise war ein leichter Fall von DCS I zu verzeichnen. Die betreffende Person machte am Nachmittag einen Wiederholungstauchgang vor Vulcano bei Testa grossa („Dicker Kopf“) in eine maximale Tiefe von 70 m mit 14 Minuten Grundzeit und entwickelte sofort nach dem regelgerechten Austauchen dennoch Gelenkschmerzen im Arm und rote Flecken im Bauchbereich. Sie wurde dann zunächst an Bord mit normobarem Sauerstoff versorgt, der bereits Linderung brachte, und anschließend von der Küstenwache in Begleitung eines weiteren Tauchers und mir in das Krankenhaus von Lipari gebracht, wo bereits eine einzige Druckkammerfahrt ein völliges Verschwinden der Symptome erbrachte. Nach einer Nacht zur Beobachtung und einer weiteren kurzen Fahrt in der Rekompressionskammer wurde der Taucher tags darauf gegen Mittag wieder an Bord genommen.

Exkurs zu „Testa grossa“: Dieser Tauchplatz wird des Weiteren auch einer Taucherin in denkwürdiger Erinnerung bleiben, die man als gut geübt und hinreichend erfahren bezeichnen kann. Jedenfalls macht sie pro Jahr ca. fünfmal so viele Tauchgänge wie mancher Obertaucher. Sie und der später verunfallte Taucher kamen beim ersten TG des Tages nämlich ein wenig vom Kurs ab, landeten dadurch hinter einem Felsen außerhalb des Sichtbereichs der Florette und mussten sich daher ‚per Anhalter‘ mit einem anderen Schlauchboot zur Florette zurückfahren lassen. Eigentlich ja alles gar kein Problem. Von den anwesenden Obertauchern wurde dieser kleine Lapsus später jedoch nichtsdestotrotz sehr gerne, lang anhaltend und vor allem entsprechend hämisch und süffisant kommentiert. Denn schließlich machten solche Herren ja immer alles richtig, wie die oben genannten Beispiele zeigen. Und Fehler (reale oder vermeintliche) machen vor allem Spaß, wenn andere sie machen.
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Zurück zum Tauchunfall: Der Tauchgang, nach dem die Symptomatik bei dem Taucher auftrat, wurde von mir geführt. Die Austauchregeln wurden nach dem im SBTC implementierten, auf Bühlmann basierenden Rechenverfahren durchgeführt. Allerdings wurden die Übersättigungstoleranzen zwecks schonender Druckentlastung bereits um den Faktor 1,3 kritischer angesetzt, d. h. die Dekompressionszeiten waren gegenüber dem ursprünglichen Parametersatz des Bühlmannverfahrens deutlich verlängert. Auch der vom verunfallten Taucher verwendete Suunto-Computer zeigte eine regelgerechte Dekompressionsphase. Ca. 10 Minuten vor dem endgültigeni Auftauchen las ich den Rechner des Tauchers nochmals ab, bereits hier war keine Dekompressionspflicht mehr angezeigt. 

Allerdings hatte der Verunfallte am Vormittag bei dem ersten Tauchgang eine nicht unerhebliche Vorsättigung erhalten, da sein Tauchgang nach Erreichen der Maximaltiefe vom 70 m noch länger in Tiefenbereichen verlief, in denen sich die langsameren Kompartimente noch aufsättigen, während die schnellen von der vorangegangenen tiefen Phase bereits wieder entsättigten. Die Oberflächenpause betrug ca. 4 Stunden.

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Hier wurde wieder einmal deutlich, dass Tauchcomputer die realen Verhältnisse im menschlichen Körper im Einzelfalle nur sehr ungenau wiedergeben können und dass bereits zwei Tauchgänge innerhalb von 24 Stunden zu viel sein können.

„Geschwätzgebabbel“

Der glimpflich verlaufene Unfall bot allerdings den mitreisenden Vielschreibern der Newsgroup, die zu diesem Zeitpunkt seit fast zwei Wochen auf Veröffentlichungsentzug und daher entsprechend angespannt waren, einen unverhofften Anlass, ihren Triebstau zu beseitigen und nun für den gesamten Rest des Tages ihrer eher wenig ergiebigen Lieblingsbeschäftigung nachzugehen: dem Formulieren von Tauchthesen und vagen Unterstellungen im Hinblick auf all das, was „vermutlich“, „vielleicht“, „eventuell“, „womöglich“, etc. die Unfallursachen waren. Anschließend wurden pflichtgemäß noch die Aspekte moderner Tauchcomputer für das Dekompressionstauchen debattiert, allerdings ohne dass die meisten der Wortführer (unter ihnen der bereits oben erwähnte oberste Tauchgruppenführer) sich durch irgendwelche über das taucherische Allgemeinwissen hinausgehende Kenntnisse der mathematischen Dekompressionsalgorithmik oder die Programmierung von Dekompressionsrechnern hervorgetan hätten. Aber egal. Wie bei „richtigen“ Tauchern üblich, gilt der Satz: „Sachkunde kann eine lebhafte Diskussion nur behindern!“ (Zitat Uwe Stöckel).

Es muss, so wurde berichtet, darin geendet habe, dass man feststellte, der Verunfallte solle sich unbedingt auf ein offenes Foramen ovale (PFO) untersuchen lassen. Dass es von den „Dekompressionsexperten“ allerdings keiner für nötig befunden hatte, mal zur Abwechslung darüber zu diskutieren, wer denn den Verunfallten abends oder am nächsten Morgen im Krankenhaus (ca. 5 min. vom Hafen in Lipari entfernt, wo die Florette vor Anker lag) besucht, sondern dies großzügig und ausnahmsweise auch widerspruchslos Claudia und mir überlassen wurde (Claudia spricht hervorragend Italienisch und musste alle Fragen zwischen Arzt und Patient übersetzen und beim Ausfüllen der Formulare assistieren), ist ein kleines, aber nicht uninteressantes Detail am Rande.

A propos… Die Bauweise des Schiffs kann es kaum verhindern, sich die mitunter dröhnend vorgetragenen Thesen, Unterstellungen und Theorien mancher Anwesender, egal, ob sinnvoll oder nicht, dauernd antun zu müssen.Aber wie heißt es so schön? „Dumm g’schwätzt ist schnell.“ So boten zumindest die abendlichen Landgänge eine gute Möglichkeit, sich mal von der fabulierfreudigen Taucherschar abzusetzen und in einem abseits der großen Straßen liegenden Lokal die relative Stille zu genießen. Motorenlärm von Vesparollern klingt dann, verglichen mit der unablässig plappernden Tauchermasse, nachgerade wie Musik in den Ohren.

Tauchcomputertests

Ich nutzte die Reise insbesondere für intensive Tests mit dem SBTC, weil ich hier einerseits Tauchtiefen von über über 80 Metern erreichen konnte und zweitens das Gerät fast ständig im Dauereinsatz mit 2 TG pro Tag war. Der heimgebaute Dekompressionscomputer arbeitete wie nach den vorangegangenen ca. 180 Tauchgängen im Süßwasser zuerst ohne Beanstandung. Nur eines mochte er gar nicht: hohe Sinkgeschwindigkeiten. Er reagierte darauf mit völlig unsinnigen Anzeigen auf dem LCD, während dabei die Dekompressionsrechnung als solche aber völlig korrekt ablief (was man jedesmal erkennen konnte, wenn sich das Display wieder mal zum korrekten Arbeiten entschloss). Nach mehrtägigem intensivem Suchen und sukzessivem Ausschließen aller Fehlerquellen (wie z. B. hohe Luftfeuchtigkeit im Gehäuse, Akkuspannungsprobleme, Kontaktstörungen in der Displayleitung, Speicherfehler im „Flashmemory“, etc.) fand ich den Fehler letztlich dann in der Software der Nullzeitberechnung. Die entsprechende Funktion enthielt am Ende einen Programmteil, der wegen einer logisch falschen Abfolge von Befehlen zu einem Speicherschreibfehler führte, welcher sich dann in den Displayroutinen niederschlug. Nach Behebung dieses Fehlers war das Displayproblem verschwunden.

Das Mysterium der Schwarzen Koralle

Von den Obertauchern an Bord immer wieder erwähnt wurde die Schönheit der „Schwarzen Koralle“, die in Tiefen von 50 und mehr Metern anzutreffen ist. Am vorletzten Tag wurde vor Vulcano der Platz angefahren, an dem einige Vertreter dieser Spezies wachsen. Der vorher erwähnte oberste Taucher an Bord übernahm eilfertig die Tauchgangsorganisation (fast noch schneller als er den Küchendienst organisiert hatte, denn auch bei einer Reise für 1600,-€ muss man halt mal abtrocknen, das ist ja in jedem teuren Hotel so, dass auch die Gäste aus der Fürstensuite einmal pro Woche in die Küche einrücken müssen 😉 ), indem er ankündigte, den Diveguide zu spielen und all den Unwissenden an Bord die betreffende Stelle zu zeigen. So tauchte ein größeres Rudel gemeinsam dorthin ab. Da ich Rudeltauchen jedoch verabscheue und der Devise „Diveguides? No thanks!“ anhänge, verabsentierte ich mich beizeiten von dem Rudel und fand die betreffende Lebensform in 65 Metern Tiefe problemlos auch ganz ohne „Guide“. Letztendlich leider nur ein wenig graues Gestrüpp – das war’s. „Und deswegen machen die so einen Aufstand?“ fragte ich mich, die Stirn unter dem Rand der Tauchermaske runzelnd, beim Davonpaddeln.

Fazit

Mai più. Almeno non così.
Von Peter Rachow (Erstveröffentlichung 2004 auf peter-rachow.de)

 
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Verfasst von - 25. November 2018 in Tauchen, Uncategorized

 

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Tauchen auf Barbados

Tauchen à la Disneyland

Im Januar 1996 stand nach vielen Jahren mal wieder ein Karibik-Urlaub auf dem Reiseplan. Meine Wahl fiel auf Barbados, weil die Insel „truely British“ sein soll. Außerdem wollte ich mal nach vielen Jahren wieder ein paar bunte Fische sehen (manchmal überkommen einen halt so unreflektierte Regungen).

Tauchen auf Barbados war aber, das muß man sagen, nicht so schön wie es in den Reiseprospekten angepriesen wird. Man spürt hier nämlich drastisch den Einfluß der amerikanischen PADI-Organisation, die mit ihren „Sicherheitsstandards“ alles ziemlich fest im Griff hat. Daß derlei Maßnahmen bisweilen nötig sind, konnte ich aber beim ersten Tauchgang gut beobachten. Trotzdem gilt: PAID -Tauchen? Nein danke!

Tauchbasis war das Westside Scuba Center in Holetown an der Westküste der Insel. Der Chef war Amerikaner, die Guides waren Einheimische.

Interessant waren die Tauchgäste. Dabei fiel mir zuerst auf, daß amerikanische Taucher keinerlei Instrumente zu besitzen schienen, bis auf den Finimeter, den sie aber nicht selber ablesen wollten, sondern der Guide kontrolliert periodisch die Druckmesser aller Taucher der Gruppe. Ein Taucher fragte erstaunt beim Anblick meines Boyle-Marriotschen Tiefenmessers, den ich als Redundanz neben dem Zeigertiefenmesser immer mitnehme: „Hey boy, what have you got there???“. Und eine Dekotabelle hatte er auch noch nie gesehen. Nun wunderte mich nichts mehr….

Das Abtauchen war voll organisiert und überwacht. Es lief immer nach der gleichen Prozedur ab: Alle springen ins Wasser, tauchen aber noch nicht ab. Der Guide gibt dann das Kommando „Guys, put your regulators in!“. Alle „Diver“ stopfen sich ihre Regler zwischen die Zähne und alle gehen unter und steigen gemeinsam ab. (Wahrscheinlich ist dem Guide mal ein Taucher ohne Mundstück unter Wasser gegangen und hat etwas Flüssigkeit zu trinken bekommen, seither dieses Verfahren) Unten, auf max. 25m versammeln sich alle und los geht’s.

Der einzig interessante Tauchgang ging zum Wrack der „SS Stavronikita“, ein Frachter der hier für die Touristen-Taucher mundgerecht versenkt wurde. Damit sich keiner innen verfangen oder gar verirren kann, geht es gruppenweise durch. Der Guide führt und die anderen im Gänsemarsch hintendrein. Und falls doch mal einer abhanden kommt: In den Rumpf und die Aufbauten hat man mannshohe Löcher geschnitten, so daß man an jeder Stelle wieder aus dem Wrack ins Freie kommt. Disneyland pur!

Glücklicherweise hatte ich bei dem Tauchgang einen Partner, der richtig tauchen konnte (er war kein Amerikaner!). Wir haben uns beizeiten abgesetzt und sogar einen richtigen Deko Tauchgang veranstaltet. Der Guide hat etwas konsterniert geguckt, als wir von 40m aufstiegen und erst mal Deko-Pausen einlegten, hat aber glücklicherweise nichts gesagt, denn die „Tiefen-Diskussionen“ mit typischen Guides sind wirklich lästig.

Noch 2 Bilder aus Barbados:

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Verfasst von - 25. November 2018 in Tauchen, Uncategorized

 

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Wracktauchen an der Côte d’Azur (Hyères)

Im Juli 2001 wollten wir neue Tauchplätze am Mittelmeer erkunden. Unsere Wahl fiel auf die „Iles d’Or“ vor der südfranzösischen Küste, die „Goldenen Inseln“, welche vor Hyères bzw. der Halbinsel Giens, die zu Hyères gehört, liegen: Porquerolles, Port Cros und die nicht zum Tauchen freigegebene „Ile du Levant“. Vor Hyères liegen auch einige der bekanntesten Wracks des Mittelmeeres, besonders zu erwähnen „Le Donateur“ und „Le Grec“.

0. Tauchreglement in Frankreich:

Um die Wracks und Tauchgebiete zu erkunden, muss man sich den französischen Tauchbestimmungen unterwerfen, die per Ministerialerlass geregelt sind. Folgende Kurzfassung:

  • CMAS* und PADI-OWD tauchen nur bis 20m mit TL-Begleitung
  • CMAS** tauchen ohne TL-Begleitung bis 20 und mit bis 40m
  • CMAS*** tauchen unabhängig (en autonomie) bis max. 60 Meter.

PADI-Taucher höherer Brevetstufen als OWD (i. e. AOWD, RD, DM, OWSI etc.) können nach erfolgreicher Absolvierung eines Check-TG (plongée d’évaluation) ein nur für die ausstellende Tauchbasis gültiges provisorisches CMAS**-Äquivalent erhalten.

Somit gilt: Für den richtigen Tauchspaß braucht man das richtige Kärtchen, also CMAS***. Manche Tauchbasen stufen zwar PADI- und andere Nicht-CMAS-Taucher höherer Brevetstufen auch schon mal als CMAS*** oder höher ein, was aber genau genommen illegal ist. Und, der Basenbetreiber riskiert, wie uns nachhaltig mitgeteilt wurde, in solchen Fällen seine staatliche Zulassung. Also gilt: Ohne CMAS *** kein Tauchspaß

1. Tauchbasen

Angeschlossen hatten wir uns der französischen Basis “ Sub Plongée „. Ein wenig Französisch oder Englisch sollte man allerdings sprechen, wenn man sich einer französischen Basis anschließt. Dann allerdings kann man wirklich nette Leute kennen lernen und ist frei von den bei deutschen Basen mittlerweile allfälligen Tiefen- und sonstigen Beschränkungen.

Die meisten französischen Taucher, die wir getroffen haben, waren doch von Typus und Auftreten her betrachtet deutlich anders gestrickt als viele Deutsche: Eher ruhig, zurückhaltend und entgegenkommend in dem Bemühen, mein stark verbesserungsfähiges Französisch zu verstehen. Die typischen „Großmäuler“, die man von deutschen Tauchbasen und Tauchern kennt, haben wir Gott sei Dank nicht getroffen. Der typische französische Taucher macht Urlaub mit der Familie und gönnt sich morgens mal einen Wracktauchgang auf 50+ m. Ach ja, und Leute, die die komischen und s…teuren IQ-Klamotten tragen (eben die mit dem blöden Fisch), und sich dadurch unbedingt als „Taucher“ outen wollen, hat man auch vergebens gesucht.

In Hyères gibt es mehrere Tauchbasen, hier die auf der Halbinsel Giens:

Sub Plongee: http://www.sub-plongee.com
E-Mail: sub.plongee@wanadoo.fr
Espace Mer: http://www.bsse.net/espacemer
E-Mail: espacemer@wanadoo.fr
Club Ulysse: http://www.ulysseclub.com
E-Mail: ulysse1@club-internet.fr
Diving Giens (Deutsche Basis von Hansi Haehner):
E-Mail: divin.giens@wanadoo.fr

2. Tauchen

Es wurden von Sub Plongée 2 Ausfahrten pro Tag angeboten: Auffallend war die frühe Ausfahrtzeit, zu der der morgendliche Ausflug begann. Meistens war Treffen an der Basis zwischen 7 und 8 Uhr (also noch mitten in der Nacht ;-)). Das war auf die herrschenden Windverhältnisse zurückzuführen und sollte sicherstellen, dass die Tauchplätze überhaupt angefahren werden können. Sub Plongée hat 2 Boote, die „Antarès“ für ca. 10 – 15 Taucher und die „Subtil“ für 20 bis 30 Taucher. Trotz der hohen Motorleistungen von > 200 PS hatten die Schiffe kein unbedingt leichtes Spiel mit den Wellen.

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Links die „Antarès“, rechts die „Subtil“ am Anlegesteg an der „Tour fondue“ auf der Halbinsel Giens

Als Flaschen standen 15-Liter-PTGs zur Verfügung, die mit einem Doppelabgang und wahlweise DIN- oder INT-Anschluss ausgerüstet waren.

Das Briefing vor einem Wracktauchgang war kurz, knapp und eindeutig: „Abtauchen am Seil, Wrack ansehen, auftauchen am Seil, Deko machen, noch Fragen? Keine Fragen?! Bonne plongée!“ Keine blöden und unsinnigen Briefings wie man sie insbesondere von Guides mit 100 TG „Erfahrung“ in Ägypten hört: „Passt auf, und nicht tiefer als 30 Meter, keine Deko und 50 bar Restdruck mitbringen, und nicht länger als 45 min., und vor allem bla, bla, bla…!!!!“ Diesen Verbalquatsch hörten wir diesen Urlaub nicht.

A propos Dekompressionstauchgänge: Im Gegensatz zu den ägyptischen und anderen Tauchbasen, die im Deko-Tauchen die Reinkarnation des Bösen sehen, sind Deko-TG hier das absolut Normale. Die französischen Taucher benutzen in vielen Fällen keine Tauchcomputer, sondern die Dekotabelle „MN 90“ der französischen Marine. Entsprechend „kompakt“ sind die Austauchzeiten. Wir waren mit unseren Deko’92- und Deko 2000-Tabellen immer die letzten Taucher, die aus dem Wasser waren.

Also fassen wir zusammen, was schön war: Hier darf man noch tauchen, wie Erwachsene tauchen. Die Basen gehen einfach davon aus, dass TG, die nur für ***-Taucher angeboten werden, von diesen auch durchzuführen sind. Und, so wurde uns erklärt, Tauchunfälle seien äußerst selten. Dafür war aber kein Anfänger mit 50 TG an Bord, denn die können die geforderte Brevetierung noch gar nicht leisten. Das typische Kindergartentauchen findet also nicht statt.

Nachmittags wurden dann flachere Tauchplätze angefahren, um auch *, ** und PADI- und Schnuppertauchern Tauchmöglichkeiten zu bieten.

3. Tauchplätze

3.1 Wrack „Le Donateur“

Die Donator ist ein Frachter, der Ende 1945 auf eine vergessene Seemine lief und versank. Das Unglück kostete 5 Seeleute das Leben. Die Donator liegt zwischen 40 und 50 m WT flach im Sandgrund. Da das Wrack das einzige „Riff“ im Umkreis ist, außer vielleicht der „Le Grec“, die einige hundert Meter entfernt liegt, haben sich hier viele submarine Lebensformen angesiedelt. Das Wrack wird umkreist von großen Schwärmen Fahnenbarschen, von einzelnen großen Zackenbarschen, im Innern findet man Muränen und Conger.

3.2 Wrack „Le Grec“

Sehr nahe (zeitlich und örtlich) von der Donator liegt die „Grec“. Auch diesem Schiff wurde 1945 eine vergessene Mine zum Verhängnis. Das Schiff ist bei der gewaltigen Explosion in 2 Teile zerbrochen, die nun ca. 50 m voneinander entfernt liegen. Der größere Hauptteil des Wracks ist üppig mit Gorgonien bewachsen, was auf bisweilen starke Strömung am Wrack hinweist. Diese Strömung haben wir an beiden Wracks ausführlich testen können. Bei der „Grec“ lassen sich die Laderäume betauchen, im vorderen, aufgerissenen Teil, stehen standorttreue Zackenbarsche, im Inneren Congeraale.

3.3 Wrack „Barge aux Congres“

Die Bark ist ein ca. 100 Jahre alter verfallener Holzkahn, ca. 15 Meter lang, der auf ungefähr 50 m WT vor Port Cros liegt. Interessant sind eher die Bewohner, eine große Familie Congeraale, ca. 20 Tiere, die sich hier zurückgezogen haben. Außerdem sieht man Muränen, Langusten, Nacktschnecken und große Skorpionfische.

3.4 Weitere Tauchplätze

Vor Port Cros finden sich einige schöne Steilküsten, die auch zum Tauchen einladen. Da das gesamte Gebiet Naturschutzgebiet ist, haben sich die Fischbestände seit einigen Jahren deutlich erholt. Man sieht große Schwärme an Mönchsfischen, Zackenbarsche, Muränen, Oktopusse etc. Sehr schöne mittelmeertypische Tauchplätze bis in Tiefen von 50 Meter, wo besonders schöne Gorgonien stehen.

4. Fazit

Wer das richtige Tauchkärtchen hat und nicht von vorne bis hinten verwöhnt werden will, keine bunten Fische und Korallengärten sucht, sondern es gerne etwas rustikaler hat und tauchen will wie vor 20 Jahren, der ist in Südfrankreich im Allgemeinen und bei Sub Plongée im Besonderen gut aufgehoben. Wir hatten 2 Wochen jede Menge Tauchspaß mit netten Leuten und schönen Tauchplätzen. Alles in allem ein runder Urlaub.

Au revoir, Côte d’Azur! Vive la plongée libre!

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Verfasst von - 25. November 2018 in Tauchen, Uncategorized

 

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Tauchplätze Malta

Wissenswertes zum Land und zum Tauchen

Malta liegt zwischen Sizilien und der nordafrikanischen Küste. Die Insel ist so klein (248 km²), dass sie auf vielen Landkarten gar nicht eingzeichnet ist. Malta ist ein souveräner Staat, die Hauptstadt ist Valetta.

Malta und seine Schwesterinseln Gozo und Comino („Kümmel“) sind Kalksteinfelsen, die aus dem Mittelmeer herausragen. Entsprechend ist die Unterwassertopographie. Besonders an der maltesischen Südwestküste findet man Steilwände mit atembraubenden Ansichten. Gleiches gilt für die Südwestküste Gozos. Die Sichweiten unter Wasser sind teilweise extrem hoch (30m und mehr), Fische gibt es dagegen, wie in vielen Gegenden des Mittelmeeres relativ wenig. maltmap2

Allgemeine Informationen zum Tauchen in Malta und Gozo

In Malta besteht die Möglichkeit unabhängig von beaufsichtigenden (und daher nervenden, bisweilen besserwisserischen) Tauchguides eigenverantwortlich zu tauchen. Man benötigt dafür eine „Sports Diver’s Card“, die vom Health Departement in Valetta gegen eine geringe Gebühr ausgestellt wird. Wenn man diese Genehmigung nicht besitzt, kann nur an geführten und beaufsichtigten Tauchgängen teilgenommen werden (Tauchen à la Disneyland).

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Um diese Karte zu erhalten, muß man mindestens im Besitz eines CMAS**-Brevets (äquivalent AOWD) sein. Zusätzlich muß die ärztliche Tauchtauglichkeitsbescheinigung vorgelegt werden, die am besten (auch) in englischer Sprache abgefaßt sein sollte. Der Antrag wird bei der jeweiligen Basis abgegeben und nach einer Woche kann man die Karte in Empfang nehmen. Tauchen kann man aber schon ab dem ersten Tag, da man sich im Bedarfsfall (bei Kontrollen) auf die Tauchbasis berufen kann.

Wer unabhängig tauchen will und die Tauchgenehmigung erhalten (oder beantragt) hat, benötigt jetzt noch unbedingt einen Mietwagen. Die Preise hierfür sind unterschiedlich. Wichtig ist jedoch immer der Abschluß einer Vollkasko-Versicherung!

Übrigens: Malta ist ehemalige britische Kolonie. Daher ist hier Linksverkehr.

maltamap

Ahrax Point

maltasmp

Dieser Platz befindet sich am nördlichsten Ende von Malta. Es ist eine V-förmige Bucht, von der aus man nach Comino hinübersehen kann. Der Platz offenbarte bei unserem Besuch keine spektakulären Dinge, bis auf eine mörderische Strömung und die Erkenntnis, daß man beim Tauchen nicht nur dem Kompaß trauen sollte, sondern daß es gelegentlich angezeigt ist, mal zur Sonne hochzuschauen. Wir hatten uns nämlich tierisch vertaucht, weil wir beide gerade mal „keine Peilung“ hatten! ;-))

Bewertung: ***

Anchor Bay

anchor2

Anchor Bay ist eher etwas für Film-Fans. Hier steht die Kulissenstadt, die für den Popeye-Kinofilm aufgebaut wurde. Anchor-Bay befindet sich im NO von Malta. Wenn man angekommen ist, steigt man bei der Hafenmole ein und hält sich links zum Ausgang der Bucht hin. Nach ca. 300 m kommt eine ziemlich lange Höhle, die recht interessant ist. Hier finden sich durchscheinende Krebse (tranlucient crustice), die ziemlich bizarr aussehen. Ansonsten findet man mal eine Muräne. Sonst ist der Platz nicht sehr interessant. Als wir dort waren, war das Wasser ziemlich grün.

anchorb

Bewertung: **

Mtahleb

Mtahleb ist sicher einer der schönsten Tauchplätze auf Malta. Er liegt an der Südküste, man nimmt von Norden kommend die Straße über Mosta in den Süden der Insel.

mtahleb1

Anfahrt:

Mosta => Rabat => Siggewie , von dort aus ausgeschildert. Wenn man Siggewie in Richtung Süden verlässt (nach der Kirche immer rechts halten, evtl. Kompass mitführen) fährt man auf sehr schlechten Feldwegen nach einigien Kilometern in Richtung einer alten Rundfunksendestation. An deren Masten kann man sich ortientieren. Vor der eigentlichen Sendestation macht die Straße (der Feldweg!) einen Abzweig nach links, man darf also nicht in das Sendegelände hineinfahren, sonst verfehlt man den richtigen Weg. Die Straße führt dann zum Meer hinunter. Oberhalb der Klippen befindet sich ein Parkplatz, dort wird das Auto abgestellt.

Am Ende des Parkplatzes liegt ein Weg, der in eine Treppe mündet, die in die Felsen hineingeschlagen wurde und direkt zum Einstiegsplatz führt. Jetzt wird die Ausrüstung die Felsen hinuntergetragen, was ziemlich schweißtreibend sein kann. Unbedingt genug Wasser dabei haben! Der Abstieg führt ca. 60 m zum Wasser hinunter, wo man sich umzieht.

Warnung : Der Einstieg ist bei höherem Seegang nicht unproblematisch, es hat sich bewährt, ein Seil an einem der Uferfelsen (Ösen im Felsen) zu befestigen, so daß man es beim Ein- und Aussteigen leichter hat. Bei stärkerer Dünung sollte man von dem Tauchgang unbedingt Abstand nehmen, weil das Herausklettern nach dem Tauchen gefährlich werden kann. Der Platz eignet sich nur für Tauchen bei sehr ruhiger See!

Tauchgang

Direkt unterhalb des Einstieges fällt die Steilwand auf ca. 25m Wassertiefe ab. In den dort befindlichen Grotten kann man mit einer Lampe viele Kleinlebewesen entdecken. Zum offenen Meer hinaus (Kompaßpeilung!) fällt das Gelände nach einer anfänglichen flachen Phase (ca. 30 m WT) steil ab auf weit über 70m. Hier herrscht schon ziemliche Tiefenrauschgefahr, was wir sehr schnell feststellen konnten.

Wenn man vom Einstieg nach rechts weitertaucht, kommt hinter einer Kurve eine Stelle (16 Meter WT), an der alte Autos liegen, die über die Klippen ‚entsorgt‘ wurden. Dieses Gebiet eigent sich gut für die Dekompressionsphase.

Bewertung: ****

Tauchplatzskizze

mtahleb

(E = Einstieg)

Ghar Lapsi

lapsi1

Mosta => Rabat => Siggewie , von dort aus ausgeschildert.

Dieser Tauchplatz befindet sich ebenfalls an der Südküste einige Kilometer süd-westlich der Dingli Cliffs. Es ist eine von Einheimischen rege frequentierte Badebucht. Direkt in Ufernähe trifft man auf ein schönes Höhlensystem.

Wenn man Richtung offenes Meer taucht (ca. im 90° Winkel zum Land, Peilung 210°) kommt man nach ca. 20 min. zu einem Riff mit einem etwas makabren Schrein auf ca. 18 m. Hier starb vor einigen Jahren ein englischer Taucher namens John Wheeler, seine Tauchkameraden haben ihm unter einem Felsenüberhang ein kleines Denkmal errichtet.

lapsi

Bewertung: ****

Wied-Iz-Zurrieq mit Wrack der ‚Um el Faroud‘

Anfahrt: Mosta => Rabat => Siggewie , von dort aus ausgeschildert.

zurrieq

Wied-Iz-Zurrieq (‚Wied‘ ist maltesisch und heißt soviel wie ‚Tal‘ oder ‚Einschnitt‘) liegt ebenfalls an der Südküste, ist aber besser mit dem Auto zu erreichen als Mtahleb, weil von hier aus die Boote zur Blauen Grotte fahren, man sieht sich daher häufig Parkplatzproblemen gegenüber, weil sehr viele Touristen den Ort besuchen.

Der Einstieg ist dagegen hochkomfortabel, man steigt von einer Bade-Mole in das Wasser. Dann taucht man zum gegenüberliegenden Ufer, wo sich in der Biegung am Grund eine Höhle befindet, in die man hineintauchen kann. Die Höhle ist ein senkrechter Dom, und nicht sehr groß. Geht man in diese Richtung weiter kommt man auf einen Steilabfall, der bis auf eine Tiefe von 50 m reicht.

Auf einer Peilung von 240° vom Einstieg aus kommt nach ca. 5-8 min. zum Wrack der ‚ Um el Faroud ‚. Dieser mittelgroße Tanker (Länge ca. 130 Meter) wurde hier versenkt, nachdem er durch eine Explosion im Trockendock in Valetta unreparierbar beschädigt wurde (großer Riss auf der Oberseite des Decks mittschiffs). Er liegt zwischen 20 und 35 Metern Wassertiefe.

Besonders der hintere Teil des Schiffes ist sehr interessant. Es können alle Kabinen, Räume (insbesondere der Maschinenraum mit einem riesigen 16-zyl.-Motor) gut betaucht werden. Die Laderäume und das Vorschiff dagegen sind nicht sehr interessant.

zurrieq1

Cirkewwa

Anfahrt: St.-Pauls’s Bay => Gozo bzw. Gozo Ferries

Dies ist der Punkt, an dem die Fähren nach Gozo abfahren. Er liegt am nord-östlichen Ende der Insel. Als „Bonbon“ liegt hier auf 36m das Wrack des Hafenschleppers „Rozy“, der hier versenkt wurde. Da am Wrack normalerweise ziemlich viel Betrieb ist, kann man es nicht verfehlen. Der Kahn ist gut erhalten und lohnt einen oder zwei Besuche.

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Peer Rachow (Erstveröffentlichung 2001 auf peter.-rachow.de)

 
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Verfasst von - 25. November 2018 in Uncategorized

 

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Analyse der BSAC-Tauchunfallstatistik

Nachfolgend soll eine Auswertung der BSAC-Unfall-Statistik unter besonderer Berücksichtigung einer möglichen Korrelation von Tauchtiefe und Unfallhäufigkeit und Unfallschwere vorgenommen werden.

1. Erläuterung der Problemstellung

In einer Aufstellung der BSAC über Unfälle beim Sporttauchen für das Vereinigte Königreich (Großbritannien und Nordirland) werden für die Jahre 1995 und 1996 insgesamt 313 Vorfälle aufgeführt. Hierbei werden alle Arten von Unfällen genannt, die vor, während oder nach taucherischen Aktivitäten gemeldet oder anderweitig (z.B. durch Pressemitteilungen) bekannt wurden. Es handelt sich somit nicht nur um „reine“ Tauchunfälle, sondern auch um tauchbezogene Ereignisse.

Die Relevanz der Unfälle erfährt dadurch naturgemäß unterschiedlichste Ausprägungen. Die Spannweite reicht vom gebrochenen Zeh infolge einer einem Taucher auf den Fuß fallenden Tauchflasche bis hin zum tödlichen Unfall infolge Panikaufstieg.

Zuerst war es daher nötig, einen Bewertungsmaßstab zu finden, um die für die Problemstellung relevanten Unfälle zu ermitteln. Um die zahlreichen in der Aufstellung genannten als relativ irrelevant für die Untersuchung anzusehenden Vorfälle von den bedeutsamen Tauchunfällen zu trennen, wurde definiert, dass ein Vorfall dann als auswertungserheblicher Unfall bzw. Fehlverhalten gelten soll, wenn im Verlauf der Unfallhandlung Personen verletzt wurden oder das taucherische (Fehl-)Verhalten potenziell gefährlich oder gefährdend war. Und zwar ohne dass es im letzteren Falle zu weiterreichenden Folgen kommen mußte. Als Fehlverhalten wurden also alle Handlungen gewertet, die zur Schädigung von Personen führten oder hätten führen können.

So blieben von 313 Vorfällen noch 252 übrig, welche als Untersuchungsdaten verwertet wurden.

1.1 Einschränkungen und Unzulänglichkeiten des verwendeten Datenmaterials

Zusätzlich muß gesagt werden, daß eine Auswertung der Tauchgänge nach deren Unfallschwere in Korrelation mit der maximalen Tauchtiefe beim vorhandenen Material schwierig ist, weil sowohl die maximale Tauchtiefe als auch die Tiefe, in der sich ein Unfall jeweils ereignete, in vielen Fällen nicht dokumentiert sind. In den vorliegenden Daten sind 21 Tauchgänge von 252 Tauchgängen insgesamt gesichert tiefer als 40 m gewesen (entspr. 8%), der tiefste führte dabei auf 62 m.

2. Betrachtung der tödlichen Tauchunfälle

Von den 252 untersuchten Fällen im genannten Zeitraum waren 16 (entspr. 5%) letal.

Bei den tödlichen Unfällen gibt es nur 2 Unfälle mit direktem Ertrinken als Todesursache. Ein Fall der besonders bizarr ist, sei exemplarisch genannt: Ertrinken an der Wasseroberfläche beim Versuch einen neuen Trockentauchanzug auszuprobieren.

Weitere Ursachen für den tödlichen Ausgang eines Tauchgangs waren in 4 Fällen gravierende akute gesundheitliche Störungen (ein akuter Myocardinfarkt, ein Fall von Bewußtlosigkeit unbekannter Ursache unter Wasser, ein akutes Leberversagen infolge falsch positioniertem und überschweren Bleigurt, einmal vermutlich Medikamenteneinwirkung)

In den Fällen, in denen die Unfallursache keine plötzlich auftretende körperliche Fehlfunktion wie in den vorher genannten Beispielen war, konnte stets eine Kombination von mehreren Ursachen unfallauslösend wirken: In 4 Fällen war technisches Versagen die Ursache, kombiniert entweder mit dem Verlust des Partners oder Fehlern bei der Durchführung der Wechselatmung bzw. eines Notaufstieges. In einem anderen Fall Trennung vom Partner und Einschwimmen in eine Abwärtsströmung. In 2 Fällen traten jeweils Kombinationen auf von Geräteausfall, Luftmangel und Verlust des Partners.

Ein weiter Fall mit letalem Ausgang ist wahrscheinlich auf das Tieftauchen mit erhöhtem Sauerstoffanteil (Nitrox) in eine Tiefe von 62 m zurückzuführen.

3. Dekompressionsunfälle

Die überwiegende Mehrzahl der ausgewerteten Unfälle sind überraschenderweise Dekompressionsunfälle. Hier wurden 83 Vorfälle registriert, entsprechend 33% der gesamten in dieser Untersuchung nach der vorher definierten Methodik ausgewerten Vorfälle. Diese auf den ersten Blick hohe Zahl relativiert sich jedoch, weil die meisten dieser Unfälle lediglich zu einer DCS vom Typ I führten und erkennbare Spätschäden in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle nicht festgestellt bzw. nicht dokumentiert wurden.

Es werden nachfolgend die in britischen (Nordsee, Irische See, Inlandseen) und anderen Gewässern dokumentierten Fälle ausgewertet.

Häufigste Ursache für das Auftreten von DCS nach dem Tauchgang waren unkontrollierte Notaufstiege bzw. das Auslassen von einer oder mehreren Dekompressionsstufen oder im schlimmsten Falle der ganzen Dekompressionsphase. Hauptursache hier waren Luftmangel und mangelnde Beherrschung der Ausrüstung, insbesondere der Trockentauchanzüge. Trockentauchanzüge scheinen besonders häufig für unkontrollierte Aufstiege verantwortlich zu sein, weil viele Taucher mit der Tarierung und dem Bedienen der Ventile Schwierigkeiten zu haben scheinen, besonders wenn zusätzliche Stressoren in Form von Problemen auftreten.

Die überwiegende Mehrzahl der Dekompressionsunfälle tritt nach Tauchgängen in Tiefen zwischen 20 m und 39 m auf (18 Vorfälle) gegenüber 9 Fällen, die tiefer als 40 m führten. Einschränkend muß gesagt werden, daß für eine gewisse Anzahl dekompressionspflichtiger Tauchgänge mit nachfolgendem Unfall keine maximale Tiefe angegeben wurde, so daß hier die Untersuchung und Auswertung lückenhaft bleiben müssen.

Von den Dekompressionsunfällen war keiner tödlich, und nur ein sehr geringer Anteil der Patienten war nach einer Druckkammerbehandlung nicht vollständig wiederhergestellt. Nur 1 Tauchgang (43 m max. Tiefe) mit unzureichender Dekompression führte zu Paralysen von der Hüfte an abwärts. In der überwiegenden Mehrzahl der Dekompressionsunfälle mit anschließender hyperbarer O 2 -Behandlung ist eine vollständige Wiederherstellung des Gesundheitszustandes (full recovery) der Patienten dokumentiert.

Häufig traten DCS-Fälle nach gravierend von der Regel abweichenden Tauchgangsprofilen auf (z.B. exzessives Varieren der Tauchtiefe in kurzen Zeitabständen, also sog. JoJo-Tauchen ) bzw. nach längeren Phasen, in denen mehrere Tauchgänge an einem Tag absolviert wurden, bzw. nach „Non-Limit“- Tauchen (z.B. nach 5 Tagen bei 2 TGs/Tag, bzw. nach 1 Tag mit 3 TGs). Auch ist ein Fall dokumentiert, in dem der 2. Tauchgang deutlich tiefer als der erste führte.

Die insgesamt sehr hohe Anzahl an Fällen in dieser Kategorie ist möglicherweise auch auf die in häufig prophylaktisch angewandte Druckkammerbehandlung zurückzuführen. Es ist beobachtbar, dass (wie erwähnt) die meisten Fälle keine Spätfolgen zeitigten und generell in diesen Fällen von einer vollständigen Wiederherstellung (complete recovery, full recovery) der Patienten gesprochen wurde.

4. Verletzungen/Krankheiten

Neben der im vorigen Abschnitt behandelten DCS traten folgende weitere gesundheitlichen Probleme als Folge taucherischen Fehlverhaltens oder körperlicher Defizite auf

  • Barotraumen des Ohres teilweise mit Ruptur des Trommelfells (5 Fälle) infolge mangelnder Beherrschung bzw. Durchführbarkeit des Valsalva-Manövers oder anderer adäquater Druckausgleichsmethoden.
  • Blutaustritt aus der Nase bzw. Ohr (2 Fälle)
  • Bewußtlosigkeit während und nach dem TG (1 Fall)
  • Hypothermie (Unterkühlung, 1 Fall)
  • CO 2 -Vergiftung (1 Fall)
  • Frakturen von Füßen und Zehen (2 Fälle)
  • Kopfverletzungen durch Aufspringen auf bereits im Wasser befindliche Tauchpartner (2 Fälle)
  • Asthmaanfall (1 Fall)
  • Allgemeine Erschöpfung (1 Fall)
  • Schiffschraubenverletzungen (2 Fälle)

Für die Unfallursache N 2 -Narkose werden 2 Fälle genannt, entsprechend 1% der insgesamt betracheten Vorfälle. Beide Fälle endeten aber nicht tödlich.

5. Boots- oder Oberflächenunfälle

Häufigst genannter Punkt in dieser Kategorie waren Maschinenschäden an den Booten, die wir aber nicht als Unfälle im engeren Sinne bewerten können, wie bereits in der Einleitung gesagt.

An erster Stelle der relevanten Schwierigkeiten ist hier das Abtreiben der Taucher vom Bootsankerplatz zu nennen, wofür häufig Strömung oder Gezeiten die Ursache waren. Alle vermissten Taucher konnten aber früher oder später wieder aufgefunden werden. Das Gefährdungspotenzial war bei diesem Problemkreis eher gering, nur in einem Falle gerieten Taucher beim Auftauchen in das Fahrwasser großer Schiffe und erzwangen dadurch ein Ausweichmanöver einer größeren Personenfähre. Von insgesamt 99 Fällen in dieser Kategorie (Boots- oder Oberflächenunfälle) entfielen 28 auf Abtreiben oder Desorientierung im Wasser verbunden mit ungeplanter Nicht- Rückkehr zum Ausgangspunkt des Tauchgangs. (28%)

6. Unfälle beim Aufstieg

Häufigst genannter Punkt hier war das Nichteinhalten der Auftsiegsgeschwindigkeit.

Diese Unfallart spielte in allen Unfallkategorien eine Rolle. Bei den insgesamt 252 Fällen wurde zumindest in 27 Vorfällen (enstspr. 11%) die empfohlene Aufstiegsgeschwindigkeit deutlich überschritten.

Die Ursachen für dieses Versagen sind vielfältig. Zum einen wurde häufig technische Probleme genannt. Hier waren insbesondere die Ablass-Ventile der Trockentauchanzüge die Ursache, bei denen entweder Bedienfehler vorlagen, oder z. B. der Ablass von innen durch den Unterzieher im Trockentauchanzug verstopft war, so daß die Luft nicht oder nur verzögert aus dem Anzug herausgelassen werden konnte.

Eine weiterere Ursache für zu schnellen Aufstieg war in 4 Fällen der plötzliche Verlust des Bleigurtes und das Unvermögen diese Situation zu beherrschen.

Bei diesen Fehlern wurden auch häufig die notwendigen Dekompressionstopps aus naheligenden Gründen nicht eingehalten, was aber nur in geringen Anzahl der Fälle zum Auftreten einer massiven DCS führte.

Auch die in England häufig benutzte Aufstiegs- oder Markierungsboje (SMB = surface marker bouy) führt zu vielen Unfällen. Sie wird in der Regel am Ende des Tauchgangs zur Oberfläche hochgelassen, um Schiffe zu warnen oder dem Tauchboot zu signalisieren, wo die Gruppe auftauchen wird. Häufig haben sich Taucher in der sich entrollenden Leine verfangen und sind mit der Boje hochgezogen worden (5 Fälle)

7. Menschliches Versagen

Wichtigste Ursache hier ist der Luftmangel am Ende des Tauchganges. Er trat in 20% der Fälle von den durch taucherisches Unvermögen verursachten Problemfällen (5 von insgesamt 24 Fällen in dieser Kategorie) auf.

Weitere gravierende Fehlleistungen in diesem Bereich waren

  • Zu wenig oder zu viel Blei, Verlust des Bleigurtes (siehe Abschnitt 6), Tarierprobleme (4 Fälle von 24)
  • Unzureichende Dekompressionsphasen (oft wegen des bereits beschriebenen Luftmangels (siehe Abschnitt 3))
  • Panik und fluchtartiges Aufsteigen (2 Fälle)

8. Technisches Versagen

Hauptursache in dieser Kategorie war Versagen des Atemreglers. Die Fälle hier verteilen sich folgendermaßen:

  • Abblasen des Reglers (8 Fälle), teilw. mit erheblichem Luftmangel als Folge
  • Automat gibt keine Luft (2 Fälle)
  • Abreißen des Mundstücks infolge Materialzersetzung durch Überalterung

Auch Trockentauchanzüge erwiesen sich wie bereits erwähnt als sehr störanfällig. Hauptfehlerquellen hier waren, wie bereits erwähnt die Ventile, und hier primär die Auslässe, die sich entweder nicht öffneten oder verstopft waren. Die Lufteinlässe waren weniger häufig von Störungen betroffen.

Ein falsch montiertes Do-It-Yourself-Ventil in einer Pressluftflasche führte beim Herausschießen aus der Flasche während des Füllvorgangs zu schwersten Kopfverletzungen ebenso wie eine während des Füllens explodierende Flasche in einem anderen Fall.

In 2 Fällen führte alte bzw. schlecht gewartete Tauchausrüstung während des Tauchens zu Problemen, in einem Falle zu einem tödlichen Ausgang.

9. Fazit

Wenn gemeinhin für das Tieftauchen verschiedene Begleiterscheinungen angesehen werden (plötzlicher Tod, N 2 – Narkose, Dekompressionsunfall), so kann die vorliegende Untersuchung und deren Auswertung dies nicht bestätigen.

  • Von den 16 tödlichen Unfällen führte nur einer in eine Tiefe größer als 40m (ein Nitrox-TG auf 62m).
  • Von 83 Deko-Unfällen waren 9 TGs tiefer als 40m, 18 Unfälle fanden in der gemeinhin als sicher bezeichneten Tiefe bis 40 m (zwischen 20 und 39 m) statt.
  • Bei 2 TG zeigten die Taucher Symptome von N 2 -Narkose. Diese beiden waren insgesamt deutlich tiefer als 40 m. Tödlich war jedoch keiner dieser Unfälle.

Nach der vorliegenden Auswertung kann Tauchen in Tiefen unterhalb 40 m nicht als extrem risikobehaftet gelten. Wenn bei Tauchgängen in diesem Tiefenbereich Taucher mit Problemen konfrontiert wurden und sich gefährliche Situationen ergaben, war die Ursache des Unfalls stets multifaktoriell. Verlust des Tauchpartners und simultanes Auftreten von technischen oder gesundheitlichen Problemen ist beispielsweise eine häufige Ursache.

Extreme Tieftauchgänge mit Pressluft (tiefer als 80m) waren nicht Gegenstand der Untersuchung. Da bei diesen Tauchtiefenbereichen davon auszugehen ist, daß das Risiko gefährlicher bzw. tödlicher Unfälle exponentiell zunimmt, können hierzu auch keine verlässllichen Aussagen interpolierender Art gemacht werden.

Keinesfalls gesichert kann nach Auswertung des Materials die These werden, daß Tauchgänge in Maximaltiefen geringer als 40m sigifikant sicherer sind als solche unterhalb dieser Grenze. Dazu war die Anzahl der gefährlichen Unfälle an oder in der Nähe der Oberfläche signifikant zu hoch. Auch was den Schweregrad dieser oberflächennahen Unfälle anbelangt, kann nicht davon gesprochen werden, daß eine geringere Tauchtiefe ein ebenfalls linear vermindertes Risiko impliziert.

Weiterhin zu leisten wäre indes eine Sichtung des gesamten von der BSAC erhobenen Materials, also den Einschluß aller Jahrgänge von 1990 bis heute, um die Datenbasis zu verbreitern und die Untersuchung besser abzusichern.

Peter Rachow (Erstveröffentlichung im Jan. 1999)

 
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Verfasst von - 25. November 2018 in Tauchen, Uncategorized

 

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Ein Schulprojekt „Stratosphärenballon“ unter besonderer Berücksichtigung der Telemetrieübertragung

von Peter Rachow (DK7IH)

im vergangenen Jahr starteten wir an unserer Schule einen Stratosphärenballon im Rahmen eines Projektes im wissenschaftlichen Unterricht. Ich war als Entwickler für die Übertragung der Telemetriedaten zuständig und möchte dieses System nun nachfolgend beschreiben.

Ballonflug Schulprojekt Bad Bergzabern

Ballonflug Schulprojekt Bad Bergzabern 2016

Das vom Verfasser entworfene System erlaubt die Datenübertragung sensorisch erfasster telemetrischer Informationen aus einem Stratosphärenballon um sie mit einer Bodenstation aufzunehmen. Verwendet wird eine Funkübertragung auf Frequenzen des Amateurfunkdienstes. Die Inbetriebnahme setzt daher voraus, dass der Betreiber im Besitz einer gültigen Amateurfunkgenehmigung ist. Weiterhin ist für den Ballonsender, der aus rechtlicher Sicht eine eigenständige Funkstelle darstellt, ein separates Amateurfunkrufzeichen erforderlich, welches von der Bundesnetzagentur (BNetzA) auf Antrag vergeben wird.

Grundsätzliche Betrachtungen

Als einfaches Codierverfahren für über eine Funkstrecke zu übertragende alphanumerische Daten bietet sich das Funkfernschreibverfahren (RTTY = radio teletyping) an. Es handelt sich um eine binäre Datenübertragung bei der ähnlich dem ASCII-Schlüssel die Daten mit Zahlenwerten verschlüsselt und dann als Bitfolge aus „0“ und „1“ übertragen werden. Dieser Code wird als „Baudot-Code“ bezeichnet. Er wurde 1870 von Emile Baudot entwickelt um ein einfaches aber zuverlässiges Verfahren für das (damals noch drahtgebundene) Übertragen von Textinformationen zu entwickeln. Ein Verfahren, das auch von Personen benutzt werden konnte, die keine Morsetelegrafie beherrschten.

Historischer Fernschreiber nach dem System Baudot (Bildquelle Wikipedia, Bild gemeinfrei)

Historischer Fernschreiber nach dem System Baudot (Bildquelle Wikipedia, Bild gemeinfrei)

Der Code basiert auf der Übertragung 5 Bits pro Zeichen und erlaubt daher maximal die Darstellung von 25 = 32 verschiedenen Symbolen. Um die 26 Buchstaben des Alphabets, 10 Ziffern sowie Sonder- und Steuerzeichen übertragen zu können, wurde der Zeichenvorrat in zwei Ebenen unterteilt, so dass insgesamt 64 verschiedene Zeichen übertragen werden können. Die zwei Umschaltzeichen zwischen beiden Ebenen sind davon allerdings abzuziehen.

Baudotcode

(Quelle: Wikipedia, frei verwendbar unter Creative Commons Attribution-ShareAlike)

Wenn für ein Zeichen eine „0“ übertragen wird, wird dieser logische Zustand als „Space“ bezeichnet, die „1“ hingegen als „Mark“. Die Zeichen „Mark“ und „Space“ werden dann mittels zweier unterschiedlicher Töne auf dem Funkweg übermittelt. Die Zuordnung von „Mark“ zum hohen und „Space“ zum tiefen Ton ist nicht einheitlich, ggf. muss bei der verwendeten Dekodiersoftware entsprechend umgewandelt werden.

Die abwechselnd ausgesendeten zwei Töne liegen dabei um einen bestimmten Frequenzbetrag auseinander, der sog. „Shift“. Diese muss so groß sein, dass sie von einer Auswerteschaltung auch bei niedrigen Signalstärken und schlechtem Signal-Rauchabstand sicher differenziert werden können. Der Tonabstand beträgt daher in der Regel 170 oder 850Hz. Es werden meistens ca. 45 Zeichen pro Sekunde übertragen (45,45 Baud).

Als hochfrequente Übertragungsfrequenz für das hier vorgestellte Modul wurde das sog. 10-Meter-Band des Amateurfunkdienstes ausgewählt. Der Amateurfunk ist ein technisch-wissenschaftlicher Experimentalfunkdienst und erfordert es, dass der Funkamateur vor Aufnahme seiner Sendetätigkeit eine Amateurfunkprüfung bei einer staatlichen Stelle ablegt.

Der verwendete Frequenzbereich zwischen 28 und 29,7 MHz weist eine relativ geringe Freiraumdämpfung auf und ist bei der gegenwärtig geringen Sonnenaktivität frei von Funksignalen, welche aus großer Entfernung kommen und den Betrieb stören könnten. In Zeiten des Sonnenfleckenmaximums, wenn auf diesem Frequenzbereich mit starken Überreichweiten zu rechnen ist, sollte eher das 2-Meter-Band (ca. 145 MHz) oder das 70cm-Band (ca. 435 MHz) des Amateurfunkdienstes gewählt werden.

Datenverarbeitung mit dem AVR-Controller ATMega32

Eine relativ komplexe Anwendung wie die hier vorgestellte Telemetrieeinheit erfordert den Einsatz eines Rechnersystems an Bord der Nutzlast des Ballons. Dies lässt sich heute mit einem sog. Microcontroller schnell und kostengünstig realisieren. Verwendet wird ein Chip des Herstellers ATMEL vom Typ AVR ATMega32. Er übernimmt im vorgestellten Modul sämtliche Datenverarbeitungsprozesse des Systems. Insbesondere liest er die Daten der verschiedenen Sensoren aus und verarbeitet diese weiter. Des Weiteren steuert er einen Synthesizeroszillator, der die errechneten Daten an den Leistungssender weitergibt, welcher sie wiederum über eine Antenne abstrahlt, so dass sie von der Bodenstation aufgefangen werden können.

Die Entwicklung der benötigten Software wurde vom Autor in der Programmiersprache „C“ mit dem frei erhältlichen GNU-C-Compiler (AVR-GCC für Linux bzw. Windows) für die Mikrocontroller der AVR-Serie vorgenommen. Der entsprechende Code findet sich bei den entsprechenden Textstellen in Auszügen.

Die Sensorik

Ein Stratosphärenflug bietet die Möglichkeit, vielfältige Daten zu sammeln. Folgende Umweltdaten werden während des Fluges von dem für den Ballonstart am Alfred-Grosser-Schulzentrum Bad Bergzabern entwickelten Nutzlastsystem fortwährend erfasst:

  • Innentemperatur im Styroporbehälter der Nutzlast,
  • Außentemperatur,
  • Luftdruck,
  • GPS-Position,
  • Akkuspannung,

Blockdarstellung des Sendesystems

Blockschaltbild Telemetriemodul

Blockschaltbild Telemetriemodul

Bei der Auswahl der komplexeren Sensoren für GPS-Position und Luftdruck wurde auf kommerzielle Produkte zurückgegriffen, die für die Experimentierplattform Arduino, die ebenfalls AVR-Controller verwendet, angeboten werden. Sie sind universell an jeden beliebigen Microcontroller anzubinden. Die Datenübertragung erfolgt bei den hier eingebauten Schaltungen entweder mit einem RS232-Interface oder über einen I²C-Bus.

Der Sensor für die zu implementierende Messaufgabe „Außentemperatur“ ist hingegen ein PTC vom Typ KT81-210. Er wird über einen Spannungsteiler direkt einem Kanal des Analog-Digital-Wandlers des Mikrocontrollers zugeführt. Vor dem Einbau ist er einzumessen und der Spannungsteiler entsprechend zu berechnen. Ähnliches gilt für die Akkuspannungserfassung, die über einen 1:4 Spannungsteiler realisiert wurde.

Das GPS-Modul

Dieses Modul wird kommerziell für ca. 8,- Euro bei einem bekannten Internetauktionshaus angeboten.

GPS-Sensor

GPS-Sensor

Oben auf dem Modul sieht man die Empfangsantenne, die restliche Elektronik befindet sich darunter.

Die Daten des GPS-Modul werden seriell über die RS232-Schnittstelle übertragen. Dazu muss die serielle Schnittstelle des ATMega32 auf eine Übertragungsrate von 9600 Baud konfiguriert werden. Dies geschieht durch einmaliges Aufrufen folgender Programmsequenz in der Software des Controllers:

//Init UART
void uart_init()
{

    /* 9600 Baud */
    UBRRL = 51; 
    UBRRH = 0;
  
    /* RX and TX on INT activate */
    UCSRB = (1<<RXEN)|(1<<TXEN)|(1<<RXCIE); 

    /* 8 data bits, 1 stopbit, no parity */
    UCSRC = (1<<URSEL)|(1<<UCSZ1)|(1<<UCSZ0); 
}

Während des Betriebes sendet das Modul abwechselnd permanent verschiedene ASCII-codierte Zeichenketten über die serielle Schnittstelle an den Microcontroller, die nun ausgewertet müssen. Die Zeichenketten beginnen dabei mit unterschiedlichen Prefixes. Wird eine Zeichenkette übertragen, die mit „$GPGGA“ beginnt, so enthält diese Informationen:

  • Uhrzeit in UTC
  • Datum
  • Position nördlicher oder südlicher Breite
  • Position östlicher oder westlicher Länge
  • Höhe über NN

Ein Beispiel für eine derartige Zeichenkette, abgeschlossen durch eine Prüfsumme (CRC):

$GPGGA,114353.000,6016.3245,N,02458.3270,E,1,10,0.81,35.2,M,19.5,M,,*50

Die Software des Controllers wertet diese spezifische Zeichenkette nun aus, und verschlüsselt sie zu einem neuen Datensatz, der dann per Funk übertragen wird.

Allerdings wird aus militärischen Gründen der GPS-Empfang systembedingt ab einer Höhe von ca. 12000 Metern deaktiviert. Ebenso wenn eine zu hohe Steig- oder Sinkrate (ds/dt) erzielt wird. Dies dient dazu sicherzustellen, dass mit den frei verkäuflichen Modulen keine Waffensysteme entwickelt werden können.

Die sensorische Erfassung des Luftdrucks

Als Sensor für den Luftdruck wird der Typ „BMP180“ der Firma Bosch verwendet. Dieser ist auf eine Platine aufgelötet und mit Anschlüssen im Standardrastermaß von 2,54 cm versehen. Der Preis liegt zwischen 2 und 3 Euro.

Luftdrucksensor

Luftdrucksensor

Das Modul beinhaltet gleichzeitig einen Temperatursensor. Mit ihm wird die Innentemperatur gemessen.

Der Vorteil des BMP180 ist, dass er werksseitig kalibriert ist und die Kalibrierdaten in einem Datensatz im EEPROM des Sensors abgelegt sind. Es wird über eine Zweidrahtleitung (I²C-Bus, TWI) ausgelesen. Die vom Verfasser entwickelte Software lädt diese Kalibrierungsinformationen vom Sensor herunter und berechnet daraufhin die Werte für den aktuellen ambienten Druck und die Temperatur.

Die Rechenprozedur ist einigermaßen komplex, wie folgender Codeauszug zeigt. Zuerst müssen die Kalibrierkoeefizienten aus dem Sensor mittels des I²C-Bus/TWI gelesen werden:

/Get the calibration values from BMP180 sensor
void BMP180_get_cvalues(void)
{
 int BMP180_regaddress[11] = {0xAA, 0xAC, 0xAE, 0xB0, 0xB2, 0xB4, 0xB6, 0xB8, 0xBA, 0xBC, 0xBE};
 int BMP180_coeff[11] = {0, 0, 0, 0, 0, 0, 0, 0, 0, 0, 0};
 int t1 = 0;
 
 for(t1 = 0; t1 < 11; t1++)
 {
 TWIStart();
 TWIWrite(0xEE); //Device adress and set WRITE mode
 TWIWrite(BMP180_regaddress[t1]); //Specify register (0xF6(MSB), 0xF7 (LSB))
 //Restart first
 TWIStart();
 TWIWrite(0xEF); //Send device adress and set READ mode
 BMP180_coeff[t1] = TWIReadACK() << 8; //MSB
 BMP180_coeff[t1] |= TWIReadNACK(); //LSB
 TWIStop();
 }
 
 ac1 = BMP180_coeff[0];
 ac2 = BMP180_coeff[1];
 ac3 = BMP180_coeff[2];
 ac4 = BMP180_coeff[3];
 ac5 = BMP180_coeff[4];
 ac6 = BMP180_coeff[5];
 
 b1 = BMP180_coeff[6];
 b2 = BMP180_coeff[7]; 
 
 mb = BMP180_coeff[8];
 mc = BMP180_coeff[9];
 md = BMP180_coeff[10];
 
}

Dann kann der Sensor gelesen und aus den erhaltenen numerischen Daten die tatsächlichen Werte für Druck und Temperatur errechnet werden:


//Calculate current air pressure
long BMP180_get_pressure(void)
{

long up;
long x1, x2, x3;
long b3, b6, p;
unsigned long b4, b7;
int oss = 0;
//char *buf = malloc(16);

//Start
TWIStart();
TWIWrite(0xEE); //Device adress and set WRITE mode
TWIWrite(0xF4); //Register adress
TWIWrite(0x34); //Register value = read pressure oss = 0!
TWIStop();

_delay_ms(100);

TWIStart(); //Restart
TWIWrite(0xEE); //Device adress and WRITE mode
TWIWrite(0xF6); //Specify register (0xF6(MSB), 0xF7 (LSB))

//Get value
//Restart first
TWIStart();
TWIWrite(0xEF); //Send device adress and set READ mode

//Copy data to buffer
up = (long) TWIReadACK() << 8; //MSB
up |= (long) TWIReadNACK(); //LSB

TWIStop();

//Calculate real pressure
b6 = b5 – 4000L;
x1 = (b2 * ((b6 * b6) >> 12)) >> 11;
x2 = (ac2 * b6) >> 11;
x3 = x1 + x2;
b3 = (((ac1 * 4 + x3) << oss) + 2) >> 2;
x1 = (ac3 * b6) >> 13;
x2 = (b1 * ((b6 * b6) >> 12)) >> 16;
x3 = ((x1 + x2) + 2) >> 2;
b4 = (ac4 * ((unsigned long) x3 + 32768L)) >> 15;
b7 = ((unsigned long)up – b3) * (50000L >> oss);
p = (b7 < 0x80000000UL) ? ((b7 << 1) / b4) : ((b7 / b4) << 1);
x1 = (p >> 8) * (p >> 8); //???
x1 = (x1 * x1 * 3038L) >> 16;
x2 = (-7357L * p) >> 16;
p += ((x1 + x2 + 3791L) >> 4);

return (p);

}

Nach Errechnen der aktuellen Temperatur und des Umgebungsdruckes werden diese Daten ebenfalls an das Funkmodul zur Übertragung übergeben.

Außentemperaturmessung und Akkuspannungsüberwachung

Besonders interessant bei einem Flug in die Stratosphäre ist die Messung der Außentemperatur. Diese ist bei unserer Schaltung sehr einfach gelöst. Der Microcontroller besitzt einen 10-Bit-Analog-Digitalwandler (ADC, analog-digital-converter) der nach dem Prinzip der sukzessiven Approximation arbeitet und Spannungen im Bereich 0 <= U <= 5 V in einen Zahlenwert zwischen 0 und 1023 umsetzt. Diese Auflösung ist ausreichend für eine analoge Temperaturmessung auf der Basis eines temperaturabhängigen Widerstandes.

Der Auszug aus der Gesamtschaltung für die Beschaltung der analogen Sensoren:

Schaltung Sensorik

Schaltung Sensorik

Der Sensor KTY 81-210 ist ein PTC-Element (positive temperature coefficient). Als Kaltleiter steigt sein elektrischer Widerstand mit der Temperatur. Eine zu Evaluationszwecken vorgenommene Messung an einem ATMega8-Controller ergab eine lineare Funktion T=>RPTC.

KTY-81-210

KTY-81-210

Ähnlich gelöst ist die Schaltung der Akkuspannungsüberwachung. Auch hier wird ein Spannungsteiler benutzt um aus den 12V des Bordnetzes der Nutzlast eine unter den Wert von 5 V geteilte Maximalspannung abzuleiten. Seine Schaltung ist in obigem Schaltplan ebenfalls eingetragen. 2 Widerstände (56kOhm und 12kOhm) teilen die Akkuspannung auf eine Spannung herunter, die auch bei Überladung des Akkus stets unter 5V liegt. Höhere Spannungen am ADC würden den Microcontroller bzw. die Funktionsgruppe des ADC zerstören.

Für die zu messende Akkuspannung gilt:

Formel-ADC

Formel-ADC

(ADC: vom Analog-Digital-Wandler ermittelter Zahlenwert, UAkku = Akkuspannung)

Die Erzeugung der Sendefrequenz

Bevor das Sendesignal ausgesendet werden kann, muss es erzeugt werden. Dazu gibt es verschiedene Verfahren. Früher hätte man einen beispielsweise quarzkontrollierten Sender benutzt, der im Takt der binären Information entsprechend zwischen 2 durch „Shift“ getrennte Frequenzen umgesteuert worden wäre. Diese Technik ist heute obsolet, da es leistungsfähige und preiswerte Mikrobausteine gibt, welche direkt ein hochfrequentes sinusförmiges Signal erzeugen können. Dieses Verfahren nennt sich „Direkte Frequenzsynthese“ (DDS, direct digital synthesis).

Für das hier beschriebene Funkmodul wird ein Chip der Firma „Analog Devices“ vom Typ AD9850 benutzt. Diesen gibt es mit der notwendigen peripheren Beschaltung versehen auf eine Platine montiert. In der gewählten Konfiguration wurde jedoch eine eigene Schaltungsentwicklung bevorzugt, welche ein spektral reineres Ausgangssignal ergibt und welche in Bezug auf ihre hochfrequenten Eigenschaften optimiert wurde.

Der DDS-Baustein vom Typ AD9850 verfügt über eine vom Microcontroller ansteuerbare SPI-Schnittstelle (serial peripheral interface), mittels derer dem Synthesizer die Anweisungen, welche Frequenz in welcher Phasenlage zu erzeugen ist, über einen Datensatz („frequency word“) übertragen werden. Dabei handelt sich um eine binäre Zahlenfolge, die nach einem vom Hersteller im Datenblatt genannten Algorithmus zu errechnen ist.

Link zum Hersteller bzw. Produkt:

http://www.analog.com/en/products/rf-microwave/direct-digital-synthesis/ad9850.html

Abhängig von einem externen quarzgesteuerten Taktgenerator (Clock), der den DDS Chip mit einer genau definierten Frequenz speist, kann der AD9850 Frequenzen bis ca. 40 MHz mit einer Genauigkeit von unter 0,1 Hz erzeugen. Der Clockgenerator muss dann mit ca. 125 MHz arbeiten.

Die beiden Frequenzen „Mark“ und „Space“ für das Übertragungssignal werden nun direkt auf der Ebene der Ausgabefrequenz (ca. 28.320 MHz) erzeugt. Eine Mischung oder Umsetzung eines Audiotonsignales (Modulation) in einem aufwändigen Sender ist also nicht erforderlich. Dieses direkte Verfahren wird als „FSK“ bezeichnet (frequency shift keying) im Gegensatz zu AFSK (audio frequency shift keying). Es vereinfacht die Aufbereitung der Sendefrequenz erheblich.

Die Datenstruktur der Kommunikation zwischen Mikrocontroller und DDS-Chip

Zur Datenübertragung zwischen dem steuernden Controller und dem DDS-Chip werden nur 3 Leitungen benötigt:

  • W_CLK (das Clocksignal, das beide Module synchronisiert),

  • FQ_UD (eine Leitung die auf logisch 0 geht, solange Daten übertragen werden und deren Wechsel auf „hi“ das Ende des Datenstromes anzeigt) und

  • DATA (die eigentlichen Daten für die Frequenzsynthese)

Prinzip der Datenübertragung:

Datenübertragung zwischen Mikrocontroller und DDS-Chip

Datenübertragung zwischen Mikrocontroller und DDS-Chip

xxx

Das zugehörige Timingdiagramm hat folgenden Ablauf:

Timing DDS (Quelle Datenblatt des AD9850 von Analog Devices)

Timing DDS (Quelle Datenblatt des AD9850 von Analog Devices)

Die drei Steuerleitungen werden verschiedenen Ports des Mikrocontrollers zugeordnet. Somit ergeben sich folgende zwei Funktionen in der verwendeten Software welche den DDS-Chip steuern.

/*****************************************************************/
/* DDS mit AD9850 */
/* ************************************************************ */
/* Mikrocontroller: ATMEL AVR ATmega8, 8 MHz */
/* */
/* Compiler: GCC (GNU AVR C-Compiler) */
/* Autor: Peter Rachow */
/* Letzte Aenderung: 09.01.2016 */
/*****************************************************************/

/* PORTX |= 1; // Bit 0 setzen
 PORTX &= ~(1); // Bit 0 löschen
*/


#include <inttypes.h>
#include <stdio.h>
#include <stdlib.h>
#include <math.h>

#include <avr/io.h>
#include <avr/interrupt.h>
#include <avr/sleep.h>
#include <avr/eeprom.h>
#include <util/delay.h>

int main(void);

/*******************/
// SPI
/*******************/
//Belegung
//FQ_UD: PB0 (1) green
//SDATA: PB1 (2) white
//W_CLK: PB2 (4) blue
//RESET AD9850 PD7 pink

void spi_send_bit(int);
void set_frequency_ad9850(unsigned long);

//************
// SPI
//************
void spi_send_bit(int sbit)
{
 
 //Bit setzen oder löschen
 if(sbit)
 {
 PORTB |= 2; //SDATA Bit PB1 setzen
 }
 else
 {
 PORTB &= ~(2); //SDATA Bit PB1 löschen
 }
 
 //W_CLK hi
 PORTB |= 4; //Bit PB2 setzen
 
 //W_CLK lo
 PORTB &= ~(4); //Bit PB2 löschen
 
}


//Set AD9850 to desired frequency
void set_frequency_ad9850(unsigned long fx)
{
 unsigned long clk = 125000000;
 unsigned long x;
 unsigned long hibyte, lobyte;
 int t1;

double fword0;
 unsigned long fword1;


 //Split multiplication by 2^32 into 2 parts to avoid wrong 
 //calculation (reason: 2^32 = 0 in 32 bit number!)
 fword0 = (double) fx / clk * 65536;
 fword1 = (unsigned long) (fword0 * 65536);
 hibyte = fword1 >> 16;
 lobyte = fword1 - (hibyte << 16);

//Send 32 frequency bits + 8 additional bits to DDS
 //Start sequence
 PORTB &= ~(1); //FQ_UD lo => Bit PD0 = 0
 
 //W0...W15
 x = 1;
 for(t1 = 0; t1 < 16; t1++)
 {
 spi_send_bit(lobyte & x);
 x <<= 1;
 }
 
 //W16...W31
 x = 1;
 for(t1 = 0; t1 < 16; t1++)
 {
 spi_send_bit(hibyte & x);
 x <<= 1;
 }
 
 //W32...W39
 for(t1 = 0; t1 < 8; t1++)
 {
 spi_send_bit(0);
 } 
 
 //Stop sequence
 PORTB |= 1; //FQ_UD hi => Bit PD0 = 1
 
}

int main()
{
 
 DDRB = 0x07; //SPI (PB0..PB2) 
 DDRD = 128;
 
 int f2;
 //Watchdog abschalten
 //WDTCR = 0;
 //WDTCR = 0;
 
 
 PORTD |= 128; //Bit PD7 set
 _delay_ms(1); //wait for > 20ns i. e. 1ms minimum time with _delay_s()
 PORTD &= ~(128); //Bit PD7 erase


 for(;;) 
 {
 for(f2 = 300; f2 < 3000; f2++)
 {
 set_frequency_ad9850(14200000 + f2);
 }
return 0;
}

Die Funktion set_frequency() erhält als Parameter die auf 1 Hz genaue Frequenz, welche der Chip erzeugen soll.

Die Hardware eines vom Verfasser projektierten verbesserten DDS-Oszillators (mit einem AD9951 anstatt eines AD9850) ist auf folgendem Schaltplan zu sehen:

Schaltplan DDS AD9951

Schaltplan DDS AD9951

Die 4 Leitungen am oberen Rand der Schaltung führen zum Mikrocontroller.

DDS-AD9951

DDS-AD9951

Der Leistungssender

Das digital erzeugte analoge Sendesignal muss nun noch auf eine Ausgangsleistung von ca. 250mW bis 500mW verstärkt, gefiltert und an die Antenne abgegeben werden. Dieser Leistungssender besteht aus lediglich 2 Verstärkerstufen, einer Treiber- und einer Endverstärkerstufe. Beide sind mit bipolaren Transistoren vom Typ 2SC1957 bestückt. Bei der Auswahl der Transistoren ist darauf zu achten, dass Ihre Transitfrequenz (fT) um den Faktor 8 bis 10 höher liegt als das zu erzeugende Sendesignal. Andernfalls wäre der Verstärkungsfaktor der beiden Verstärkerstufen zu gering.

Die Schaltung des Senders (bestückt mit anderen Transistoren ähnlicher fT) :

Leistungssender 28MHz

Leistungssender 28MHz

Die Sendeatenne

Als Antenne kam eine zwischen Ballonhülle und Nutzlast angebrachte Drahtantenne zum Einsatz. Es handelte sich um eine sog. „J-Antenne“:

J-Antenne

J-Antenne

Die J-Antenne besitzt wie oben ersichtlich eine reine Strahlerlänge von einer halben Wellenlänge, verbunden mit einer Anpassleitung von ¼ Wellenlänge. Somit ergibt sich eine Gesamtlänge von ca. 7,5 Metern für den hier verwendeten Frequenzbereich. Sinn der Anpassleitung ist eine Impedanztransformation des hochohmigen Fußpunktes des Halbwellenstrahlers (Z~2000 Ohm) auf die niederohmige Impedanz des Antennenfußpunktes von ca. 50 Ohm, dass die Antenne ohne an den Senderausgang angeschlossen werden kann und kein Leistungsverlust durch Fehlanpassung auftritt. Bei der Anpassleitung handelt es sich streng genommen um eine Viertelwellenlängen-Lecherleitung.

Die Antenne wurde zwischen Ballonhülle und Nutzlast aufgehängt und trug die Nutzlast.

Die Empfangsstation

Für den Empfang wird ein vom Verfasser entwickeltes Amateurfunkgerät verwendet, welches Sende- und Empfangsbetrieb auf mehreren für den Amateurfunk freigegebenen Frequenzbändern erlaubt.

Selbstbau-Transceiver (Peter Rachow, DK7IH)

Selbstbau-Transceiver (Peter Rachow, DK7IH)

Quelle: https://radiotransmitter.wordpress.com/2015/12/08/gimme-five-a-qrp-ssb-transceiver-for-5-bands-with-10-watts-output-power/

Es wird an einer vertikalen Antenne („Groundplane“) betrieben, da die Antenne der Nutzlast ebenfalls vertikal polarisiert ist. Diese Gleichpolarisation minimiert die Übertragungsverluste über die verwendete Funkstrecke. Der oben gezeigte Amateurfunktransceiver besitzt eine sehr gute Empfindlichkeit und erlaubt Empfang bis hinunter zu Antennenspannungen von 0,2 µV.

Als Software zur Umwandlung der Tondaten in Schriftzeichen wurde das frei erhältliche Programm „TrueTTY“ benutzt, welches die Töne vom Mikrofon des benutzten Notebookcomputers erhielt, der direkt neben dem Funkgerät positioniert war. Es stellt die entschlüsselten Daten auf einem Textbildschirm dar.

In der Praxis zeigte sich, dass die Empfangsfeldstärke oberhalb einer Flughöhe von 12 km plötzlich exponentiell abnahm. Die Ursache für diesen rapiden Schwund ist derzeit nicht erklärbar, da vom Verfasser mit der Funkanlage vorher Funkversuche in der Horizontalen unternommen wurden und hier Entfernungen von einem hoch gelegenen Punkt zu einem anderen (um die Erdkrümmung als Störgröße auszuschalten) über > 40 km möglich waren. Beim nächsten Ballonstart ist daher beabsichtigt, anstatt auf einem Kurzwellenband die Funkanlage auf der Ultrakurzwelle (f~144 MHz) zu betreiben.

Soweit die kurze Beschreibung des aufgebauten Telemetriesystems. Fragen und Anregungen richten Sie bitte an den Verfasser: peter.rachow@web.de

Peter Rachow (DK7IH) 2017

Homepage: http://www.radiotransmitter.wordpress.com

Dank für die Unterstützung dieses Projektes geht an die VR Bank Südliche Weinstraße und den Fachmarkt KLEIN in Bad Bergzabern.

 
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Verfasst von - 17. Dezember 2017 in Uncategorized